1. Einleitung 3
2. Definition der Akkulturation 4
3. Hintergrundinformationen zur Akkulturation 4 - 5
4. Die Entwicklung des Selbst 5
5. Bedingungen für die Aufnahme von Kontakten 6 - 7
6. Die Übernahme von Rollen 7 - 8
7. Der Akkulturationsprozess aus interaktionistischer Sicht 8
8. Akkulturation von Migranten als Interaktionsprozess 8 - 10
9. Randbedingungen in Deutschland 10 - 12
10. Theoretische Perspektiven auf Akkulturation am 12 - 14
Beispiel Deutschland
11. Kulturelle Identität am Beispiel deutscher Aussiedler 14 - 15
12. Konzept der kulturellen Identität 15 - 16
13. Die Relation zwischen Minorität und Majorität 16 - 17
14. Von Stabilität zu sozialem Wandel: das
Verhaltensrepertoire der Minderheiten 17 18
15. Soziale Einstellung der Deutschen gegenüber
ausländischen Männer und Frauen 18 - 21
16. Den Akkulturationsprozess behindernde Einflüsse
am Beispiel Jugendlicher Migranten aus Polen 21 - 24
17. Eigene Stellungnahme 25
1 Einleitung
Wenn wir den Begriff Akkulturation hören, dann denken wir vielleicht zu aller erst an eine Verknüpfung des Begriffs mit anderen Begriffen aus der Pädagogik, wie der Assimilation oder der Akkomodation. Wir denken vielleicht an andere Länder, andere Menschen. An Wanderungen und an andere Kulturen. Denken an unsere eigene Kultur, und was sie eigentlich ausmacht, und von anderen unterscheidet. Nun, allgemein gehalten findet Akkulturation dann statt, wenn ein Mensch in ein anderes Land zieht, und versucht, dort „Fuß zu fassen“. Nur, wie findet dieser Vorgang statt? Wie muss man sich einen „Kultur-Schock“ vorstellen? Welche Rolle spielen dabei die Identität und die Rollenübernahme? Was fühlt ein Mensch, der sich plötzlich in einem „fremden“ Land – sei es freiwillig oder unfreiwillig – wiederfindet? Wie steht die einheimische Bevölkerung zu den „Fremden“? Werden diese problemlos akzeptiert? Welche Verhalten können Ausländer entwickeln, um im Aufnahmeland aufgenommen zu werden? Wie steht es um Immigranten, also Menschen, die ihr Heimatland verließen, und sich wieder dazu entschließen, zurückzukehren. Welche Stellung haben diese Menschen in Deutschland? Wie sehen sie sich selbst, und wie werden sie von den Einheimischen gesehen? Welche Gründe bewegen Menschen dazu, ihr Land zu verlassen, und woanders einen Neubeginn zu wagen? Wie verarbeiten Jugendliche den Prozess der Akkulturation? Welche Probleme stellen sich ihnen und wie können sie diese bewältigen? Von welchen Faktoren hängt eine erfolgreiche Eingliederung in die Aufnahmekultur ab? Wodurch lässt sich die außergewöhnliche Abneigung der Deutschen gegenüber den Türkinnen begründen? Ich werde versuchen, dies an einem Beispielfall aufzuzeigen. Im letzten Teil dieser Arbeit möchte ich noch auf jugendliche Einwanderer aus Polen näher eingehen, sowie an zwei Beispielen deren Situation widerspiegeln, die sie hier in Deutschland erfahren haben.
3
2 Definition der Akkulturation
Von Akkulturation ist die Rede, wenn Menschen in ein anderes Land ziehen, und in Kontakt mit der dortigen Kultur kommen. Die damit verbundene Veränderung bedeutet für den Migranten vor allem eine psychische Veränderung, die als „psychische Akkulturation“ bezeichnet wird. Das in diesem Begriff befindliche Wort „Kultur“ bezeichnet den gemeinsamen Lebensstil einer Gruppe von Menschen. Dieser Lebensstil erfordert Akkulturationsprozesse, damit zwischen Mitgliedern verschiedener Kategorien getrennt werden kann. Durch interkulturelle Kontakte wird eine andere Umwelt aufgenommen oder blockiert. Dabei stellt die Grundlage des Akkulturationsprozesses die Zugehörigkeit bzw. Identifikation des Migranten mit der Herkunfts- und / oder Aufnahmekultur dar. Akkulturation ist daher ein Gruppenprozess. Der Migrant kann bei diesem Prozess entweder vollständig von dem kulturellen System absorbiert, sowie auch gänzlich ausgeschlossen werden. Die Erfahrungen, die die Einwanderer dabei machen, können sich sowohl in Glücks-, wie auch Stressgefühlen, oder im Extremfall in Protesthandlungen äußern. Eine spezifische Form der Akkulturation stellt die Adaption dar, bei der die Identifiaktions- und Kategorisierungsprozesse des Aussiedlers bei der Akkulturation eine entscheidende Rolle
spielen. 1
3 Hintergrundinformationen zur Akkulturation
Wenn wir von Akkulturation sprechen, dann ist damit immer auch das menschliche Bestreben verbunden, die bisherige Heimat zu verlassen, was wir als Migration bezeichnen. Gründe hierfür können z. B. Nahrungsknappheit oder Arbeitsmangel sein. Ebenso gibt es politisch oder religiös motivierte Migrationen. Am Beispiel Deutschland lässt sich schon seit Jahren ein Trend erkennen, der einer kritischen Haltung gegenüber Ausländern gleicht, und nicht selten zu rassistischen Äußerungen und Handlungen führt. Leider lässt sich mit dem steigenden Ausländeranteil in Deutschland auch eine ansteigende Zahl der ausländischen Straftäter erkennen. Hier muss sich der Staat fragen, wie es dazu kommen kann. Denn eines ist doch klar: Wenn ich in einem anderen Land von der Bevölkerung nicht akzeptiert werde, wenn ich mich in diesem für mich fremden Land nicht willkommen fühle, dann kann ich mich mit diesem Land und seiner Kultur nicht identifizieren. Dies wiederum würde zu einem Zwiespalt der Identität führen und somit zu gesteigertem Unbehagen und Aggressionen.
4 1 Vgl. Silbereisen Rainer K, Lantermann, Ernst-Dieter, Schmitt-Rodermund (Hrsg.) Aussiedler in Deutschland,
Akkulturation von Persönlichkeit und Verhalten 303 – 304.
In Deutschland nicht als Deutscher anerkannt zu werden, empfinden viele Aussiedler als schmerzliche Erfahrung. Woanders sind sie „Faschisten“, in ihrem Heimatland „Deutsche“. In Deutschland lebende Migranten sind dem Gesetz nach zwar Deutsche, im Auftreten aber fremd, und somit bereitet die Annäherung an die Einheimischen Probleme. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe legt sich weniger über die Abstammung, denn über Merkmale wie Kultur, Sprache, Werte, Sitten, und Gebräuche fest. Viele Deutsche in der ehemaligen Sowjetunion, in Rumänien und in Polen sprechen beispielsweise kaum noch die deutsche Hochsprache. Auch gegenseitige Wertorientierungen tragen zu einem Gefühl der gegenseitigen Fremdheit bei. Während den Deutschen eine eher individualistische Werthaltung zu eigen ist, legen gesellschaftsorientierte Kulturen mehr Wert auf Familie und Gemeinschaft. Diese Kluft zwischen Ursprungs- und Aufnahmekultur ist hier weitaus geringer, als bei den Immigranten. Die Immigranten wollen in ihr Heimatland zurückkehren, und finden sich dabei plötzlich mit dem Problem konfrontiert, dass sie sich einerseits mit ihrem Heimatland identifizieren können, jedoch andererseits die eigene, als die ihnen vertraute, mit der Zeit jedoch fremd gewordene Kultur, wiederaufzunehmen 2
4 Die Entwicklung des „Selbst“
Der Prozess der Rollenübernahme beinhaltet durch die Reflexivität der Alter-Rolle immer auch die Validierung eines Selbstbildes.
„Das Ziel ist, das Selbst in einer Weise zu präsentieren, die der Rollenkonzeption des relevanten Anderen entsprechen soll, durch die der Akteur sich repräsentiert sehen möchte.“
Dadurch, dass ich mich in andere hineinversetze, kann ich mich von außen selbst als Objekt betrachten. Das Selbst entsteht in und durch Interaktionen. Nach und nach entwickelt das Individuum die Fähigkeit, sein eigenes Verhalten aus einer Vielzahl von Perspektiven heraus zu betrachten und zu bewerten um daraufhin sein Handeln auszurichten. Liegt jedoch keine Kongruenz der Bedeutungsmuster beider Personen vor, so tritt eine soziale und psychische Desorganisation des Handelnden ein. 3
5
2 Vgl. Silbereisen Rainer K, Lantermann, Ernst-Dieter, Schmitt-Rodermund (Hrsg.) Aussiedler in Deutschland,
Akkulturation von Persönlichkeit und Verhalten 15 – 17.
3 Vgl. Schmidt-Koddenberg, Angelika, Akkulturation von Migrantinnen 33 – 34.
5 Bedingungen für die Aufnahme von Kontakten
Laut den Ergebnissen mehrerer Studien (Mehrländer 1981:529) wünschen ca. 16 % der Migranten keinen Kontakt zu Deutschen. Auch Kontakte, die über das reine Grüßen hinausgehen sind äußerst selten erwünscht. In einer Untersuchung fand man heraus, dass 51 % der Migranten keine Kontakte zu Deutschen haben. Am stärksten zeigt sich eine abweisende Tendenz bei weiblichen Türken, bei denen 68 % keine Kontakte zu Deutschen haben. Im Vergleich dazu verfügen nur 54 % der männlichen Türken über Kontakte zu Deutschen. Die beste Möglichkeit für eine Kontaktaufnahme bietet sich vorwiegend in Wohngebieten mit hoher Ausländerkonzentration. Dort haben lediglich 38 % der dort lebenden Ausländer Kontakte zu Deutschen, in Gegenden mit niedriger Ausländerquote liegt
dieser Wert überraschend bei 57 %. 4 Eine andere Studie von Kremer / Spangenberg belegt, dass 31 % der Deutschen über interethnische Kontakte verfügen. Von denen, in deren Wohnhaus Ausländer leben (13 % der befragten Deutschen ), geben unabhängig vom Ausländeranteil in der Wohnumgebung 48 % der Befragten an, dass sie Kontakte zu Ausländern haben. Wohnen keine Ausländer im Haus, so sinkt dieser Anteil lauf 28 %.
Diese Zahlen sind insofern überraschend, als Kontaktaufnahme die Knüpfung von Kontakten voraussetzt. Diese können im Wohnbereich, im Arbeitsbereich oder durch Partizipation in formalen Organisationen geschlossen werden. Gerade das gemischte räumliche Zusammen- leben der Minderheiten mit den Majoritäten hat bestimmte Konsequenzen an das Interaktionsverhalten. Dann nämlich erhöhen sich Kontaktmöglichkeiten und die Zahl möglicher Interaktionen. Der Anteil der Minoritäten an der Gesamtbevölkerung stellt einen wichtigen Faktor für den Verlauf interethnischer Kontakte dar. Mit einem steigenden Anteil der Minoritäten steigt die Wahrscheinlichkeit der Ausbildung negativer Einstellungen, und hat ein erhöhtes Ausmaß der Segregation zu Folge. Falls seitens der Majoritäten Diskriminierungen existieren, werden sich die Minoritäten in schlecht ausgestatteten Wohngebieten konzentrieren. Der Zuzug von Minderheitsangehörigen führt zu einem vermehrten Auszug von Mitgliedern der dominanten Gruppe, die infolge der negativen Bewertungen der Minderheiten durch die eigene Bezugsgruppe einen Statusverlust befürchten. Die zunehmende räumliche Konzentration führt zu einer Überschätzung der Größe der Minorität bei der Majorität, und verstärkt die Wahrnehmung tatsächlicher oder vermeintlicher Unterschiede.
6 4 Vgl. Deutsche Unesco-Kommission, Die Multikulturellen, Über die Chancen im Zusammenleben mit
Ausländern 61 – 71.
Quote paper:
Manuel Berg, 2008, Akkulturation, Munich, GRIN Publishing GmbH
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