Inhalt
1 Einleitung 2
2 Methodik 3
3 Der Morgen 4
4 Das Telefongespräch 5
5 Der Netzwerkbegriff in der Werbung das Beispiel TeleSon Nullsensation 9
6 Fähigkeit zum networking Notwendigkeit für moderne Arbeitnehmer 11
7 Exkurs: Überlegungen zu einem System der Erfassung von Be 13
kanntschaftsgraden in personenbezogenen (sozialen) Netzwerken
8 Computernetzwerke 15
9 Zusammenfassung und Definition 18
19 10 Schlussbetrachtung
Literatur
1 Einleitung
In unserem Seminar „Netzwerke in der Gesellschaft - Gesellschaft als Netzwerk“ ist unzählige Male der Begriff Netzwerk gefallen. Und auch wenn das den geneigten Leser überraschen mag, ist der Autor dem Begriff allenfalls marginal näher gekommen. Im Gegenteil scheint es so, als ob das Seminar in diesem Zusammenhang mehr für Verwir- rung als für Aufklärung gesorgt hätte. Dazu haben wesentlich zwei Dinge beigetragen. Zum einen der inflationäre Gebrauch des Begriffs im Alltagsleben und zum anderen die nicht beendete Diskussion um den Begriff im Seminar selbst. Zwar wurde versucht Be- griffe zu finden, die subjektiv eine gewisse Ähnlichkeit mit ‚Netz‘ oder ‚Netzwerk‘ aufweisen – es wurde vom Sieb über die Hängematte bis hin zum Kescher alles mögli- che genannt – aber spätestens wenn es darum ging genau zu benennen, warum diese Begriffe als ähnlich empfunden wurden, kam die Diskussion ins Stocken. Ein Kommili- tone gab zu bedenken, dass man sich dem Begriff ‚Netzwerk‘ semantisch nähern müss- te; vor allem die Silbe ‚werk‘ dürfe nicht vergessen werden. Sie würde bedeuten, dass ein Netzwerk immer in irgendeiner Form ‚gemacht‘ sei, also durch menschliches Han- deln produziert.
Sicherlich wäre es ohne Schwierigkeiten möglich gewesen sich noch etliche Stunden oder gar Tage mit der eigentlichen Bedeutung des Begriffes Netzwerk (und seiner Ab- grenzung zu anderen Begriffen, seinem häufigen Gebrauch oder der Frage seiner scheinbaren Konstruiertheit) zu beschäftigen. Da dies aber nicht das originäre Anliegen des Seminars war, blieb zumindest bei einigen Teilnehmern die Frage nach den Eigen- schaften eines Netzwerkes offen.
Nun ist eine offene Frage etwas, was den Studenten oder die Studentin gemeinhin beschäftigen sollte und es ist anzunehmen, dass – um mit Max Weber zu sprechen – wenn man in unserer intellektualisierten Welt etwas nicht weiß, „man, wenn man nur wollte, es jederzeit erfahren könnte“ (WEBER 1919:488).
Diesen wissenschaftlichen Grundsatz als Motivation annehmend – auch wenn sicher- lich Situationen erdacht werden könnten, in denen er nicht bzw. noch nicht gilt – ist der nächste Schritt eine geeignete Methode zu finden, mit welcher der jeweiligen Fragestel- lung nachgegangen werden kann. Die aufgeworfene Frage nach einer Definition von Netzwerk und seinen Eigenschaften, bietet unterschiedliche Ansatzmöglichkeiten. In dieser Arbeit soll über die Beobachtung von Alltäglichem eine Annäherung an den Be- griff des Netzwerks erfolgen. Daher mag an manchen Stellen eine eher umgangssprach- lich-erzählende Schreibweise auffindbar sein. Dies ist im Sinne der gewählten Methodik
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jedoch beabsichtigt, um den Gedankengang beim Interpretationsprozess der einzelnen Situationen nachvollziehbarer zu machen.
2 Methodik
In dieser Arbeit werden Situationen bzw. Dinge beschrieben, denen der Autor im Ver- lauf eines Tages begegnet ist. In diesen taucht entweder der Begriff Netzwerk oder netzwerken (bzw. die entsprechenden englischen Äquivalente) auf oder der Autor ver- sucht die Situation bzw. die Dinge als Netzwerk zu verstehen, ohne dass sie sich selbst als solches darstellen. Denn wie BOMMES & TACKE (2006:37) dazu feststellen, bezeich- nen sich „nicht alle Netzwerke […] selbst als solche, und umgekehrt kann nicht unbese- hen jede Selbstdarstellung als Netzwerk soziologisch für bare Münze genommen wer- den – jedenfalls dann nicht, wenn man davon ausgeht, dass es wissenschaftlich möglich ist, begrifflich genauer zu fassen und abzugrenzen, was als ein Netzwerk gelten kann und was nicht.“ Bei dieser Methodik muss die „system- und konjunkturspezifische Be- deutung“ (BOMMES & TACKE 2006:38) des Netzwerkbegriffs beachtet werden, damit dieser für unterschiedliche gesellschaftliche Kontexte respezifizierbar bleibt.
Der Autor hat versucht seinen Tagesablauf nicht unbewusst zu verändern, um mehr oder weniger Möglichkeiten zu haben, den Netzwerkbegriff zu schärfen. Natürlich kann ein Tag auch nicht für jeden Tag des Lebens stehen. So gäbe es sicher noch mehr Mög- lichkeiten die jeweilige Situation als Netzwerk zu denken, wenn mehrere Tage beobach- tet werden würden. Beispielsweise benutzt der Autor nicht jeden Tag das europäische Fernstraßennetz. Diese Tatsache tut der hier vorgenommenen Untersuchung jedoch kei- nen Abbruch, da die Intention dieser Arbeit ist, sich dem Netzwerkbegriff zu nähern und nicht jede vorstellbare Alltagssituation daraufhin zu überprüfen, ob sie mit dem Netzwerkbegriff passend beschrieben werden kann. Es wurde dem Autor im Laufe des Tages sehr schnell klar, dass es sehr viele Möglichkeiten gibt ‚Netze‘ oder ‚Netzwerke‘ zu denken – auch in Situationen in denen normalerweise keine Rede davon wäre, es sei denn eine Beobachtung der hier vorgenommenen Art stünde an.
Andererseits mag die Tatsache, dass sich der Autor vorgenommen hatte explizit dar- auf zu achten, welche Dinge oder Situationen des Alltags für die Definition des Netz- werks gewinnbringend sein könnten, dazu geführt haben, dass manche Beobachtung etwas konstruiert oder überspitzt erscheint. Das ist aber nicht als Schwäche zu sehen,
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sondern vielmehr als der Versuch möglichst keine Situation zu verpassen, dem Netz- werkbegriff seine Unschärfe zu nehmen. Alle Namen von Bekannten wurden durch ‚Person Buchstabe‘ ersetzt.
3 Der Morgen
Der Wecker klingelt, ich stehe auf. Ich erinnere mich, dass heute der Tag ist, an dem ich meinen Alltag beobachten wollte, um Situationen aufzuspüren, die geeignet sind sich dem Netzwerkbegriff anzunähern. So taste ich nach meinem Wecker um dem Klingeln ein Ende zu machen und gehe ins Bad. Mein Wecker ist batteriebetrieben, ist also nicht vom Stromnetz abhängig. Nur einen Moment später fällt mir jedoch ein, dass es ein Funkwecker ist und somit doch vielleicht Teil eines Netzwerkes. Diesen Gedanken auf- greifend, versuchte ich mir vorzustellen, wie genau ein elektronisches Gerät mit dem was gemeinhin als Stromnetz bezeichnet wird, verbunden ist.
Ein elektronisches Gerät, bspw. ein Bügeleisen, hat genau eine Verbindung über die es kommunizieren könnte – den Netzstecker. Gleiches gilt für den Toaster, die Kaffee- maschine und den Wasserkocher. Ich blieb gedanklich beim Toaster hängen. Betrachtet man den Toaster genauer, kann man dann sagen, dass er Teil eines Netzwerkes ist? Eher nicht, da er wie schon erwähnt nur eine Verbindung hat mit dem er bspw. mit dem Um- spannwerk kommunizieren kann. Aber stimmt das eigentlich? Schließlich kommuniziert der Toaster mit mir; er zeigt mir an wann mein Toast den gewünschten Bräunungsgrad erreicht hat. Und ich kann mit ihm kommunizieren, denn ich zeige ihm wie lange er toasten soll – bei meinem Toaster durch das Drehen eines Rädchens. Aber ist es mög- lich dies als Netzwerk zu betrachten, also mich, den Toaster und das Umspannwerk? Ich denke nicht. Die Teilnehmer dieses Netzwerkes hätten nicht die Möglichkeit autark zu kommunizieren oder sich bewusst aus diesem Netzwerk zu entfernen. Der Toaster ist nur Teil meines Netzwerkes (und Teil des Stromnetzes), wenn ich das möchte und er kann nicht kommunizieren, ohne dass ich ihn dazu auffordere.
Es ist also nicht von einem Netzwerk zu sprechen, wenn die Teilnehmer sich nicht entscheiden können, aus diesem auszutreten oder wenn sie über stark unterschiedliche Möglichkeiten der Kommunikation verfügen bzw. in ihrer Möglichkeit zur Kommuni- kation von anderen abhängig sind – wie z.B. in einer Hierarchie (vgl. POWELL 1990:300-301).
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4 Das Telefongespräch
Nachdem ich dann aus dem Badezimmer kam, rief ich Person A an, um zu erfahren wie weit die Planungen zum lange ins Auge gefassten Pokerabend gediegen waren. Schon während des Wählens dachte ich darüber nach, ob die technischen Aspekte des Telefo- nierens zu meinen Netzwerküberlegungen beitragen könnten. Im Nachhinein informier- te ich mich darüber wie eigentlich ein Gespräch bei einem ISDN-Anschluss vermittelt wird. Zusammenfassend ist zu sagen, dass es mehrere hierarchische Ebenen der Ver- mittlung gibt (VE:A = Auslandsvermittlungsstelle, VE:F = Fernvermittlungsstelle, VE:O = Ortsvermittlungsstelle) (ENDE 2006:7). Da es sich um ein Ortsgespräch handel- te, musste das Gespräch nur über die VE:O vermittelt werden. Die folgende Abbildung
1 zeigt eine Übersicht über den Aufbau der Vermittlungsstruktur.
Technisch gesehen nutze ich also eine Struktur ähnlich dem Stromnetz, wenn ich tele- foniere. Dies ergibt sich aus der umfassenden Betrachtungsweise aller Vermittlungsstel- len und Endgeräte nebst den möglichen Verbindungen. Anders sieht es bei der isolierten Betrachtung der Gesprächsteilnehmer aus. Dann sind Person A und ich, in dem Mo-
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Henning Mertens, 2008, Netzwerk?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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