& dont on veut éviter la répétition.“ 4 Wenn man Condillac als einen der berühmtesten Linguisten
des 18. Jh. mit seinen Forschungsergebnissen als repräsentativ für die Sprachforscher dieses Jahrhunderts sieht, war das Pronomen für die Grammatiker dieser Zeit also eine Funktion, die eine bestimmte Wortklasse in einem Satzgefüge annehmen konnte, und nicht, wie wir heute wissen, eine eigenständige grammatische Wortklasse.
In diesem Sinne beziehe ich mich in meiner Darstellung auf die damalige Auffassung der Pronomina, wobei ich in meiner Beschreibung auf die Possessivpronomina und ähnliche Phänomene, deren Anwendung sich bis heute praktisch nicht geändert hat, zugunsten interessanterer Bereiche verzichten werde.
1. Zeitlicher Kontext
Im 17. Jh. orientierten sich die Sprachforscher - und allen voran Claude Favre de Vaugelas (1585-1650) mit seinen Remarques sur la langue franςoise (1647) - an der am Hof, genauer von der ″plus saine partie de la Cour“ 5 gesprochenen französischen Sprache, deren Besonderheiten sie
deskriptiv festzuhalten versuchten, während die Sprache des Volkes als „per Definition schlecht“ 6 abgetan wurde. Gegen Ende des 17. Jh. und am Anfang des 18. Jh. setzte sich aber eine ″strenge Kodifizierung und ein fixierter, hierarchisch geordneter Wortschatz“ und ″als Grundlage der
Grammatik [...] das Prinzip der Logik durch“, was eine deutliche Akzentverlagerung von der gesprochenen zur geschriebenen Sprache zu Folge hatte, auf die die logischen Prinzipien der Grammatik leichter anzuwenden waren. Die Sprachforscher wendeten sich jedoch wenig später wieder der gesprochenen, sich ständig verändernden Sprache zu, da sich die Kluft zwischen der gesprochenen und der geschriebenen, unflexiblen französischen Sprache vertiefte. Doch schon Vaugelas wußte, daß es ein „hoffnungsloses Unterfangen sei, jeden Aspekt der Sprache rational erfassen zu wollen“ und ging z.B. davon aus, daß es ″logische Gründe dafür gibt, einen Relativsatz
nicht von einem Substantiv abhängen zu lassen, das ohne den bestimmten Artikel steht.″ 7
4 Ebd., S. 231/232.
5 Rickard, P.: Geschichte der französischen Sprache, Tübingen 1977, S. 119.
6 Ebd., S. 119
7 Ebd., S. 119.
2
Infolge der oben genannten Tatsachen bemühten sich die Grammatiker des fortgeschrittenen 18. Jh., einen normierenden Kompromiß zu finden zwischen der Schriftsprache, die als Sprache par excellence galt, und der gesprochenen Sprache, die aufgrund möglichst unmißverständlicher Kommunikation schon eine gewisse Eindeutigkeit bezüglich der Beziehungen der einzelnen Satzelemente untereinander aufwies. So wies auch Jean-Franςois Marmontel (1723-1799), ein
namhafter Schriftsteller und Philosoph des 18. Jh. darauf hin, ″wie absurd es sei, den tatsächlichen Sprachgebrauch aus der Literatur zu verbannen″ 8 , da er die reale Sprache repräsentiere und es sonst zu einer Verschärfung der Kluft zwischen gesprochener und Schriftsprache kommen könne. Trotzdem wird der Sprachgebrauch der klassischen Vorbilder wie Racine und Voltaire kaum kritisiert, obwohl die von ihnen benutzte Sprache den Grammatiken und Erkenntnissen des 18. Jh. widerspricht.
Die allgemeine Tendenz dieser Zeit läßt sich wie folgt zusammenfassen:
Das Bedürfnis nach Fixierung und Eindeutigkeit der französischen Sprache und die steigende Wichtigkeit von Bedeutungsnuancen , d.h. die Wahl des richtigen Wortes in der richtigen Abfolge und klarem Bezug, dominierten die Gewohnheit, die Sprache frei und flexibel innerhalb eines weit gefaßten Rahmens von grammatischen Regeln zu handhaben.
2. Das Pronomen
Der Erfolg der Sprachforscher im 17. Jh., die aus dem Lateinischen stammende Postdeterminierung zugunsten der Prädeterminierung durch das Substantiv bzw. durch das entsprechende Pronomen nahezu vollständig aus der französischen Sprache zu eliminieren, - oder sie zumindest parallel zu installieren, wie es bei der 1. Und 2. Person Plural der Fall ist - bildete die Grundlage für eine lebhafte Diskussion im 18. Jh., ob, oder unter welchen Umständen das Pronomen fakultativ oder obligatorisch zu setzen sei.
Die allgemeine Tendenz, ″à chaque verbe son sujet″ 9 , d.h. die allgemeine Etablierung der Pronomina, zählte zu den wichtigsten Schritten der Syntax in der Sprachentwicklung im
8 Ebd., S. 123.
9 Séguin, S. 102.
3
Französischen und diente dazu, Redundanzen zu vermeiden, größtmögliche Eindeutigkeit bei abwechslungsreicher Wortwahl zu erzielen und die Bezüge der einzelnen Satzelemente zueinander zu klären; außerdem ersetzte das Pronomen ″un nom avec toutes les modifications qui lui ont été
données″ 10 oder sogar eine Nominalgruppe.
Um den vielfältigen, oft unklaren Gebrauch der Pronomina zu reglementieren, schränkte Condillac die Bedingung für deren Einsatz folgendermaßen ein: ″[Les] pronoms doivent réveiller la même
idée que les noms dont ils prennent la place″ 11
Es wurden deshalb folgende syntaktischen Vorgehensweisen ohne Wiederaufnahme des Themas durch das entsprechende Pronomen verboten:
1. Ein Wechsel des Themas,
2. Ein Wechsel von der negativen zur affirmativen Form,
3. Ein zu langer Abstand zwischen dem Pronomen und seinem Bezugswort,
4. Bei durch mais, où, puis oder Aufzählungen aneinandergereihten Haupt- und/oder Nebensätzen und ganz generell:
5. Das Weglassen des Pronomen der 1. oder 2. Person Singular. 12
Im 18. Jh. wurde auch die heutige Regel installiert, daß ″das pronominale Objekt immer nach dem
Imperativ stehen sollte″ 13 und nicht, wie es noch im klassischen Französisch der Fall war, bei zwei
koordinierten Imperativen vor dem zweiten stehen sollte. Die allgemeine Sprachpraxis, bei einem Satzgefüge mit Infinitivkonstruktion müsse das pronominale Objekt zwischen den beiden Elementen der Negation stehen, wie bei pour ne le pas voir wich erst zu jener Zeit der heutigen Konstruktion, das Pronomen vor dem Infinitiv zu setzen: Pour ne pas le voir.
Eine andere Neuerung des 18. Jh. - wenn auch in der gesprochenen Sprache schon oft praktiziertwar die folgende Regel: ″Il, qui, que, dont, lequel, le, on, où, celui ne doivent pas se rapporter à un
nom pris dans une signification indéfinie, et qui forme un sens indépendamment de ce qui peut suivre.″ 14
10 Condillac, S. 232.
11 Ebd., S. 236
12 Séguin, J.-P.: La langue franςaise au XVIIIe siècle, Paris 1972.
13 Rickard, S. 128.
14 Séguin, S. 109.
4
Auch die bereits im Jahr 1538 formulierte Regel, um die Angleichung des Partizip Perfekt an das vorangestellte Objektpronomen im Akkusativ zu reglementieren, wurde erst Ende des 17. Jh. und Anfang des 18. Jh. konsequent realisiert.
2.1 Das Personalpronomen
Ein wichtiger Punkt bei der Betrachtung der Pronomina war das Bedürfnis nach Eindeutigkeit, welches Pronomen einen leblosen Gegenstand und welches eine Person implizierte, was bis Mitte des 17. Jh. nur aus dem Kontext erschlossen werden konnte. Condillac unterscheidet den Gebrauch der Objektpronomina lui, elle und eux für Menschen oder menschenähnliche Verhältnisse (z.B. geliebte Haustiere), von en und y für Gegenstände Nutztiere oder einer Menschenmenge. Er ordnet die mit den Präpositionen de und à kombinierten Objektpronomina der ersten Gruppe zu, wie bei ″je m’ approchai d’elle″ (eine Frau) im Gegensatz zu ″je m’en approchai″ 15 (eine Armee oder ein Berg). Condillac macht eine Ausnahme: ″Les prépositions avec & après n’empêchent pas [les pronoms lui und elle] qu’on les dise des choses″ 16 , womit er der Meinung vieler Grammatikerdarunter Vaugelas - widersprach, die die generelle Regel aufgestellt hatten, ″lorsque ces pronoms sont précédés d’une préposition, ils ne se disent des choses, que dans le cas où elles ont été personnifiées.″ 17
Das heute geläufige Subjektpronomen on schloß Condillac von seiner Betrachtung der Pronomina aus, da er argumentierte, ″on ou l’on [...] n’est pas un pronom, puisqu’il n’est jamais employé à la place d’aucun nom.″ 18 In einem späteren Absatz fügte er hinzu, ″on & l’on sont les noms d’une troisième personne considérée vaguement. [...] Ils sont toujours le sujet d’une proposition; [...] ils viennent, par corruption, du mot homme″ 19 , womit er on den Status eines Pronomen in seinem Sinn zusprach, da es anstelle des unterdrückten Nomen homme trat. Die Fixierung der Pronomina in der französischen Sprache führte streckenweise zu einer Überreaktion, d.h. zu Pleonasmen, die nicht nur in der gesprochenen Sprache, sondern auch in der Literatur zu finden waren; zuerst wurde das hervorzuhebende Thema durch die forme lourde
15 Condillac, S. 239.
16 Ebd., S. 239.
17 Ebd., S. 239.
18 Ebd., S. 233.
19 Ebd., S. 243.
5
benannt, der Satz aber mit der forme légère weitergeführt: Die ältere Form ″Moy m’en allais de mon côté″ wurde von der Académie zu ″Moy, je [m’en allais de mon côté]″ 20 korrigiert, was
angesichts der Innovation im Französischen, das Setzen der Pronomina zu normieren, durchaus als Überreaktion zu bewerten ist. Dies gipfelte in ″un vrai tic: ‘Oh, je voudrais de la conversation, moi.’″ 21 Ein anderer Hinweis auf die steigende Wichtigkeit des Pronomen: ″ses emplois
substantivés se multiplient: ‘S’il est lui quand il joue, quand cessera-t-il d’être lui?’ (Diderot)″ 22
Ein anderes Phänomen der französischen Sprache im 18. Jh. war die bereits von der Académie verbotene, trotzdem gängige und in der Literatur verwandte Konstruktion, ein mit dem unbestimmten Artikel gesetztes Nomen durch ein Pronomen im Nebensatz zu ersetzen, wie bei ″un eunuque [...], il
vit le manteau du roi″ 23 .
Das obligatorische Setzen des neutralen Objektpronomen le löste dessen in den Texten des 17. Jh. vor den Verben vouloir und pouvoir noch gängige représentation non faite ab: ″[...] comme nous
avons dit [est] corrigé par l’Académie en comme nous l’avons dit″ 24
2.2 Das Demonstrativpronomen
Bei der Gruppe der D emonstrativpronomina ist die Orientierung an der gesprochenen Sprache deutlich zu erkennen.
Die Suffixe -ci/-là wurden zur Angabe nah/fern, ″früher in den Demonstrativa selbst enthalten, [...]
an die substantivische Form oder an Substantive, die mit den adjektivischen Formen stehen, angehängt.″ 25
Das früher fakultative Setzen von ce und celui wurde von der Académie verbindlich vorgeschrieben. Voici qui wird zu voici celui qui korrigiert, wenn celui auch immer häufiger an ein complément gebunden ist, die auch in der Literatur immer mehr variieren. Wendungen wie ″je
20 Séguin, S. 103.
21 Ebd., S. 103.
22 Ebd., S. 104.
23 Ebd., S. 103
24 Ebd., S. 104.
25 Rickard, S. 127.
6
demandai qu’avait Madame″ 26 werden zu Archaismen erklärt; das direkte und/oder indirekte, vom Verb abhängende Objekt muß - entweder in Form eines Nomen oder eines Pronomen - formuliert werden, wie bei je demandai ce qu’avait Madame.
Cela - die ″Reduktion von cela zu ςa ist bereits im frühen 18. Jh. belegt, ist aber sicher älter″ 27 rückte in bestimmten Wendungen an die Stelle des unpersönlichen il und konnte im Gegensatz zu heute sowohl Personen oder Gegenstände als auch einen Sachverhalt bezeichnen. ″On désigne couramment la personne par cela, ‘fort à la mode’, suivant Féraud: ‘Cela n’a pas vingt ans’″ 28 , obwohl Féraud gleichzeitig im neutralen le in je le trouve charmant anstelle von je trouve cela charmant als einen ″jargon précieux et moderne″ 29 sieht.
Um dem Verlangen nach Eindeutigkeit, d.h. nach verschiedenen Signifikanten für Personen und leblose Gegenstände zu entsprechen, wurde sorgfältig zwischen ″c’est lui (personne) und ce l’est (chose)″ 30 unterschieden. Trotzdem gab es eine Entwicklung der Personen bezeichnenden Demonstrativpronomina von il über cela zu ce, deren ″caractère général″ 31 oft unterschätzt wurde. Dies wird u.a. daran deutlich, daß il/elle/ce est oft - ggf. sogar mit Substantiven kombiniert - zu c’est vereinheitlicht wird: ″C’est affreux [...], c’est de son âge″ 32 , während ce mit anderen Verben als être kombiniert zu verschwinden droht, wie bei der Wendung ″quand ce vint à payer.″ 33 Im späteren Verlauf der Sprachentwicklung setzt sich eine klare Unterscheidung durch zwischen celui für einen konkreten, vorher verbalisierten Bezug oder für eine Person und ςa/cela für einen generellen Sachverhalt, jedoch nicht mehr für Personen.
2.3 Das Relativpronomen
26 Séguin, S. 104.
27 Rickard, S. 126.
28 Séguin, S. 105.
29 Ebd., S. 105.
30 Ebd., S. 108..
31 Ebd., S. 105.
32 Ebd., S. 105.
33 Ebd., S. 105.
7
Dem Bereich ″des pronoms ‘conjonctifs’ (=’relatifs’ chez les linguistes suisses)″ 34 muß besondere Aufmerksamkeit zukommen, da sich hier die bis heute gängigen Relativpronomina - nach dem ″loi de la jungle″ 35 - im jeweiligen, klar umrissenen Anwendungsgebiet etabliert haben. Es gibt jedoch wenig allgemeines zu sagen, deshalb werde ich die Relativpronomina mit ihrer Reduzierung von einer allgemeinen auf eine konkrete Bedeutung mit wenig Interpretationsspielraum einzeln abhandeln. Einzig die Bedingungen für ihren Gebrauch lassen sich generell formulieren: ″Das Bezugswort des Relativpronomen steht so nah wie möglich bei diesem und der Relativsatz darf kein unbestimmtes Substantiv bestimmen.″ 36
Où, bis ins 18. Jh. hinein auch für nicht-lokale Sachverhalte gebraucht, wie ″[le fait] où il faut penser″ 37 , wird ausschließlich auf zuvor präzisierte örtliche Angaben beschränkt - wie es heute noch gebraucht wird - obwohl in diesem Bereich durch dont, ″qui rentre triomphalement dans l’usage″ 38 Interferenzen in den Bedeutungen entstanden. Gegen Ende des 18. Jh. ergibt sich ein weiterer Anwendungsbereich, da où anstelle von que verstärkt für zeitliche Relationen eingesetzt wurde: ″L’hiver [où] il fit si froid.″ 39
Lequel/laquelle, von Rickard sorgfältig von quel (Adj.) unterschieden und ″en recul depuis le XVIIe siècle″ 40 wurde überwiegend aus Gründen der Eindeutigkeit und zur Vermeidung von Redundanzen gesetzt. Der Gebrauch wurde weiter eingeschränkt, indem lequel, außer in Fällen von Zweideutigkeit oder zwei ″qui consécutifs [...] continue à être refoulé dans le style judiciaire″ 41 . Die einzige Ausnahme bildete die Kombination mit de zu duquel. Rickard schließt sich der Meinung an, daß ″als Relativpronomen [...] lequel nur noch nach Präpositionen gebraucht werden [darf].″ 42 Dont, lange Zeit zugunsten von de qui in die Schriftsprache verbannt und mit äußerst unklarem Bezug verwendet, etablierte sich im 18. Jh. wieder in der gesprochenen Sprache. Die von der Académie installierte Regel, dont dürfe nicht anstelle von d’où örtlich gebraucht werden, wird von Voltaire (1694-1778) in ″arrivé sur le bord dont on voyait Babylone″ 43 mißachtet.
34 Ebd., S. 105.
35 Ebd., S. 105.
36 Rickard, S. 129.
37 Séguin, S. 105.
38 Ebd., S. 106.
39 Ebd., S. 106.
40 Ebd., S. 106.
41 Ebd., S. 106.
42 Rickard, S. 127.
43 Séguin, S. 106.
8
Que hatte weiterhin die Rolle des ″substitut des conjonctifs prépositionnels″ 44 ; die im 18. Jh.
gängigen Anwendungsbereiche wurden in drei Punkten wie folgt zusammengefaßt:
1. Für eine zeitliche Relation: ″L’hiver qu’il fit si froid″ 45 , obwohl que in zunehmenden Maß von où verdrängt wurde, wie oben bereits am selben Beispiel ausgeführt.
2. Für einen Ort: ″Je tournois la tête du côté que venait la voix″ 46 , obwohl besonders in diesem Bereich où wenig später dominierte.
3. Für die Art und Weise nach dem Modell von Jean Racine: ″Me voyait-il de l’oeuil qu’il me voit aujourd’hui?″ 47 doch im Verlauf des Jahrhunderts etablierte sich dont in diesem Bereich parallel.
Es ist offensichtlich, daß das vorherrschende que zugunsten präziserer Relativpronomina im Sinn einer auf Bedeutungsnuancen achtenden Sprache seine Vormachtstellung verlor. Que etablierte sich wiederum anstelle des aussterbenden à qui, wie in der Sprachwendung ″C’est à vous que je parle″ anstatt ″c’est à vous à qui je parle.″ 48
Qui durfte sich, sowohl relativ als auch interrogativ gebraucht, nur auf Personen beziehen.
2.4 Das unbestimmte Pronomen
Condillac akzeptierte das neutrale, unpersönliche il als Pronomen, obwohl es kein Nomen zu ersetzen schien. ″C’est lorsqu’on l’empoye avec les verbes qui n’ont ni premiere, ni seconde
personne, tel qu’il faut, [...] il pleut.″ 49 Er begründete seine Entscheidung damit, daß das nicht verbalisierte, zu ersetzende Bezugswort des unbestimmten il trotzdem existiere: ″Il pleut″ stand also für das in der Wendung implizierte ″il ciel pleut.″ 50 Il konnte auch eine ganze Nominalgruppe
ersetzen: Il m’est impossible de te voir aujourd’hui.
Il konnte nur in feststehenden Redewendungen weggelassen werden: ″Qu’à cela ne tienne, d’où vient que (Féraud)″ 51 , obwohl Féraud die Regel mit der Wendung ″à quoi sert-il″ 52 brach.
44 Ebd., S. 106.
45 Ebd., S. 106.
46 Ebd., S. 106.
47 Ebd., S. 106.
48 Ebd., S. 106.
49 Condillac, S. 237.
50 Ebd., S. 237.
51 Séguin, S. 103.
52 Ebd., S. 103.
9
Formulierungen wie ″suffit que je le nomme (Corneille)″ oder ″’Ainsi arriva de moi’ sont considérés comme des archaïsmes.″ 53
Für die folgenden unbestimmten Pronomina galt, daß ″l’emploi des indéfinis tend à se fixer exactement tel que nous connaissons [aujourd’hui] .″ 54
Nul wurde von den Grammatikern des 18. Jh. weitgehend aus der Sprache verbannt, erhielt aber seine Bedeutung damals wie heute durch seinen häufigen Gebrauch in der gesprochenen Sprache. Rien: Hier hatte sich im 18. Jh. noch keine einheitliche Regel für den Gebrauch etabliert; Redewendungen wie ″passer la vie à rien faire″ wurden stark kritisiert, während ″Y a-t-il rien que ...?″ 55 von der Académie akzeptiert wurden.
L’autre w urde von der Académie zurückgewiesen, wenn es nicht, mit l’un kombiniert, einer Gegenüberstellung diente.
Chacun sollte seinen generalisierenden Aspekt konservieren, während der Sprachgebrauch in der Regel lehrte, daß chacun als Singular zu behandeln sei.
Même verlor, wenn vorangestellt, seine Bedeutung ‘selbst’. Als Konsequenz von sprachlichem Mißbrauch wurde le même sowohl für la même chose als auch im Sinn von pareil verboten. On wurde, wie oben erwähnt, von Condillac nicht als Pronomen anerkannt. Der sich langsam vollziehende Wechsel in der gesprochenen Sprache vom lateinisch-postdeterminierenden nous hin zum französisch-prädeterminierenden on begann jedoch schon im 18. Jh. und war definitiv dem mündlichen Sprachgebrauch zugeordnet.
Quiconque alleinstehend ist ein klassisches Äquivalent für qui que ce soit, wurde aber trotz häufigem, vorwiegend mündlichem Gebrauch von den Grammatikern ignoriert.
2.5 Andere Pronomina
En, pronominal an die Präposition de gebunden, wurde vor allem für Gegenstände, abstrakte Sachverhalte oder als Mengenangabe gebraucht. Séguin zitiert Voltaire, welcher von einem Wechsel zwischen en und son sprach, der seine Entsprechung im Wechsel lebendig/leblos fand; Voltaire
53 Ebd., S. 103.
54 Ebd., S. 106.
55 Ebd., S. 107.
10
korrigierte ″la paix qu’elle a jurée en a calmé la haine″ zu ″[...] a du calmer sa haine.″ 56 Der selbe Wechsel bot Anlaß zu einer weiteren Unterscheidung zwischen einfacher und zusammengesetzter Satzergänzung: ″Paris est beau, j’en admire les promenades; on admire la grandeur de ses bâtiments″ 57 , während Condillac den Gebrauch von en verbindlich vorschrieb und das Possessivpronomen nur unter der Bedingung akzeptierte, daß en nicht gesetzt werden konnte. Für das Pronomen y galt die gleiche Regel, gebunden an die Präposition à, obwohl Prévost schrieb: ″Ayant aimé tendrement son fils, il n’y trouve à la fin qu’un fripon qui le déshonore.″ 58 Zu der Wortabfolge dieser beiden Pronomina ″à plus juste titre [...] puisqu’ils n’ont jamais pu avoir d’autre emploi″ 59 läßt sich sagen, daß il en y a bereits um die Mitte des 17. Jh. durch das einheitliche, bis heute erhaltene il y en a ersetzt wurde.
Ein anderes Phänomen des 18. Jh. ist die Entdeckung der neuen Pronomina soi und quoi. Die mit diesen neuen Pronomina - die bei Condillac nicht erwähnt wurden - einhergehenden Unklarheiten, wann lui und wann soi gesetzt werden müsse, wurden früh geklärt, indem die Sprachforscher lui einer namentlich genannten Person und soi einer unbestimmten, allgemein benannten Person zuordneten.
Das unbestimmte Relativpronomen quoi durfte sich ausnahmslos auf leblose Gegenstände beziehen, womit ″die frühere Möglichkeit, quoi (nach Präpositionen) mit Bezug auf Personen zu gebrauchen, verschwindet.″ 60
3. Schluß
Es ist anhand der oben ausgeführten Veränderungen der Einsatzgebiete der verschiedenen Pronomina in der französischen Sprache offensichtlich, daß im 18. Jh. viele entscheidende Entwicklungsschritte vom Mittelfranzösisch hin zum uns heute geläufigen Neufranzösisch stattgefunden haben. Gleichzeitig ist aber eine Diskrepanz zu verzeichnen zwischen dem Willen, die französische Sprache einheitlich zu reglementieren und der Praxis, die diesen Regeln
56 Ebd., S. 108.
57 Ebd., S. 108.
58 Ebd., S. 108.
59 Condillac, S. 232.
60 Rickard, S. 127.
11
zuwiderlaufenden Redewendungen der klassischen Vorbilder mit geringer, nicht weiter ins Gewicht
fallender Kritik hinzunehmen.
Abschließend muß ich anmerken, daß einige der oben gestrafft behandelten Bereiche hätten vertieft
werden müssen, was jedoch den Rahmen dieser Arbeit bei weitem gesprengt hätte.
12
4. Bibliographie .
.
• Condillac, E. B. de: Cours d’étude pour l’introduction du prince de Parme: Grammaire.
Nouvelle impression ..., Stuttgart 1986.
• Grammaire générale et raisonnée ou La grammaire de Port Royal, Hrsg. Herbert E.
Brekle, Friedrich Frommann Verlag, Stuttgart-Bad Cannstatt 1966.
• Rickard, P.: Geschichte der französischen Sprache, Tübingen 1977.
• Séguin, J.-P.: La langue franςaise au XVIIIe siècle, Paris 1972.
• Swiggers, P.: Grammaire et théorie du langage du XVIIIe siècle, Lille 1986.
13
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