Menschen nicht miteinander, sondern verraten ihre intimsten Gedanken und halten sie vor einander auf Distanz.
In der ersten Strophe folgt auf den ersten Vergleich ein zweiter: Die Häuser fassen sich so dicht an, dass die Straßen "wie Gewürgte (aus-)sehn". Dabei ist wohl an die Menschen auf diesen Straßen zu denken, die von den erdrückenden Gebäuden "gewürgt" werden. Typisch ist hier schon in der ersten Strophe die Vermenschlichung von Dingen: Fenster "stehn", Häuser "fassen sich an", Straßen sind "wie Gewürgte". Im Kontrast dazu werden in der zweiten Strophe Menschen verdinglicht: sie sitzen "zusammengehakt" in der Tram wie "Fassaden", ihre Blicke "laden eng aus", ihre Begierde "ragt ineinander". Wolfenstein will damit deutlich machen, dass die materiellen Verhältnisse gleic hbedeutend sind mit menschlichen Verhältnissen: in einer unmenschlichen Stadt kann es keine Menschlichkeit geben, unter Unmenschen kann es keine menschliche Wohnwelt geben. Sage mir, wo und wie du lebst, und ich sage dir, wer du bist. Die zweite Strophe macht deutlich, dass das Verhältnis der Menschen zueinander gestört ist: jeder verkriecht sich in einer Gruppe hinter einer "Fassade", bemüht sich seine Blicke zu kontrollieren, bei sich zu behalten, damit er nicht die Aufmerksamkeit oder den Unwillen anderer erregt (Sein Blicke "laden eng aus"); gleichzeitig sind die Menschen voller versteckter "Begierde". Sie sind also nicht wirklich am anderen interessiert, sondern benötigen ihn zur Befriedigung ihrer Triebe, die wie selbständige Dinge erscheinen, wenn die Bgierde "in-einander ragt". Dies ist ein Bild, das zugleich das Unpersönliche der Beziehungen zum Ausdruck bringt.
Im Abgesang tritt zum ersten Mal das lyrische Ich in Erscheinung: es weint und stört sich an der "Teilnahme" anderer, die keine echte "Anteilnahme" ist: Es spricht in seiner Isolation aber alle Menschen, auch den Leser an ("unsere Wände"), verallgemeinert also seine Situation.
Das zweite Terzett ist wie ein Fazit, zugleich der Schlusspunkt des Gedichts: jeder ist in seiner "Höhle" allein Dieses Fazit wird durch einen Doppelpunkt angekündigt, das letzte Wort, "alleine", wird ebenfalls durch einen Doppelpunkt hervorgehoben.
Das Sonett Wolfensteins ist mit den analysierten Merkmalen ein typisches Beispiel für den literarischen Expressionis mus: einmal thematisch, durch die Darstellung der abstoßenden Seiten des modernen Großstadtlebens, daneben aber durch seinen düsteren Pessimismus, seine Hoffnungslosigkeit und kritische Haltung gegenüber der Zivilisation mit ihren Massenunterkünften, Massenverkehrsmitteln und ihrer Industrialisierung. Darüber hinaus ist die Verdinglichung des Menschen und die Vermenschlichung von Dingen charakteristisch für die Epoche des Expressionismus.
Arbeit zitieren:
Martin Gabel, 2000, Wolfenstein, Alfred - Städter, München, GRIN Verlag GmbH
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Hans
Gut!!.
Der Aufsatz ist gut, in abgeänderter Form, hat er mir eine 2 in meinen Hausaufgaben gebracht!! :D
am Thursday, June 07, 2001-
jana
Super.
Was ist mit ner Biographie?
am Saturday, February 16, 2002-
Anonym
xxx.
Perfekt!Du bist ein Schatz, sowas zu veröffentlichen!!!
am Tuesday, February 26, 2002-
Cookie
Respekt!.
Wie bist Du nur darauf gekommen? Das hätte ich nie alles so geblickt! Aber es ist einleuchtend!
Ich hatte nach einem Aufsatz als Beispiel für eine Lyrik Interpretation gesucht, muß sagen, hab nen super Beispiel gefunden!
Oh man, hoffentlich bekomme ich das Morgen auch so gut hin!
am Wednesday, March 13, 2002-
Moni
Hammer!.
Absolut super Aufsatz. Hoffentlich kommt das Gedicht morgen auch dran! Wenn ja :-*
am Thursday, November 07, 2002-
john mcclance
perfekt.
alles super!!1A erklärt
am Monday, March 17, 2003-
jeah
jupidu.
danke hilft mir weiter ich schätze mal aus meiner klasse werden dies noch ein paar andere haben, grüß 10c aus bali
am Tuesday, April 08, 2003-
ELias
MHH.
hey hab heute das gedicht als deutsch lk klausur geschrieben... hab es aber doch recht anders interpretiert als du.. einige danig stimmen zwar überein aber ich bin mal gespannt.
schaun wir mal was ich bekommen ....
am Tuesday, December 16, 2003-
Jemand
Wie ein Uhrwerk.
Sehr eloquent, allerdings oberflächlich. Über die evozierte Stimmung oder Assoziationen wird wenig gesagt; die Interpretation beinhaltet lediglich äußere Form, Inhalt und Stilmerkmale des Gedichts. Bei der Zusammenfassung der intendierten Kritik des Dichters wünscht man sich zudem an manchen Stellen eine punktuiertere Formulierung (z.B. "Wolfenstein will damit deutlich machen, dass die materiellen Verhältnisse gleichbedeutend sind mit menschlichen Verhältnissen: " und die folgende erläuterung.)
Davon abgesehen aber eine sehr präzise analytische Betrachtung, die konsequent Beobachtungen in knappe Deutungen münden lässt.
am Sunday, January 16, 2005-
Berna
Super geworden....
Also ich muss sagen mir hat die Interpretation ziemlich gut gefallen..Ich hab mir deine zufällig als Beispiel,zur Übung,durchgelesen und durch welches Schicksal auch immer kam in meiner Klausur letzte Woche genau das selbe Gedicht dran..
Jetzt kann ich nur noch auf eine gute note hoffen..Ich hab allerdings nich alle aspekte sondern auch noch eigene miteingebracht, aber ich bin mir sicher, ich werd ne gute note bekommen...:D
am Tuesday, May 29, 2007-