RWTH Aachen
PM 2006
Die Journalistenumfrage über die Verwendung von und Erwartungen an Pressemitteilungen
Magisterarbeit
vorgelegt von: Christian Menkhoff
2005
Liebe Leserin,
lieber Leser!
Was Sie hier auf dem Bildschirm sehen oder ausgedruckt in Händen halten, ist die wohl größte Journalisten-Umfrage der letzten Jahre. Zumindest hinsichtlich der Teilnehmerzahl: Über 3000 Redakteure haben im Sommer dieses Jahres den 29-teiligen Online-Fragebogen ausgefüllt. Per E-Mail auf die Umfrage hingewiesen wurden mehr als 15.000 fest angestellte Journalisten, also genau diejenigen, die Tag für Tag Pressemitteilungen erhalten.Auswahl und Versand erfolgten u. a. über die Datenbank STAMM Impressum, selektiert wurden Ressortleiter (bei Publikumszeitschriften und Funkmedien) und Chefredakteure (bei Fach- und Onlinemedien) aus den Themenbereichen Auto/Motor, Bauen/Wohnen, Computer, Ernährung, Gesundheit/Medizin, Kultur, Mode, Musik, Politik, Reise, Sport, Technik/Wissenschaft, Umwelt und Wirtschaft.
Die Studie ist Teil meiner Magisterarbeit in den Kommunikationswissenschaften. Das war den Teilnehmern der Umfrage bekannt, deshalb ist davon auszugehen, dass alle Antworten offen und ehrlich und ohne Rücksicht auf kommerzielle oder sonstige Interessen abgegeben wurden. Die erstaunlich hohe – und damit repräsentative – Responsequote von 20 Prozent resultiert nicht nur aus Hilfsbereitschaft (für die ich mich hier bei allen Teilnehmern bedanke), sondern auch aus einem schwerwiegenden Problem der Redakteure, dem sie sich mit der Beantwortung Gehör verschaffen wollten: Sie werden zunehmend mit handwerklich schlecht gemachten Pressemitteilungen konfrontiert. Dieses Fazit lässt sich aus der Umfrage ebenso ziehen wie die Erkenntnis, dass die Ratgeberliteratur in Sachen Pressemitteilungen teilweise neu geschrieben werden muss. Aber lesen Sie selbst ...
Ich hoffe, diese Studie trägt mit dazu bei, die Qualität von Pressemitteilungen generell zu verbessern. Denn damit wäre allen geholfen: Den Absendern, da sie in den Redaktionen intensiver wahrgenommen würden, und den Redakteuren, die seltener die Lösch-Taste drücken oder den realen Papierkorb leeren müssten.
Eine aufschlussreiche Lektüre wünscht Ihnen
Christian Menkhoff
Frage 1 - Auf welchem Versandweg gehen Pressemitteilungen hauptsächlich bei Ihnen ein?
Diese Frage beantworteten 3003 Personen. 2305 (76,8%) von ihnen gaben an, Pressemitteilungen hauptsächlich per E-Mail zu bekommen. 411 (13,7%) Personen erhalten Pressemitteilungen hauptsächlich per Brief. Per Fax gehen bei 260 (8,7%) Personen Pressemitteilungen hauptsächlich ein, und nur 27 (0,9%) Teilnehmer der Umfrage erhalten Pressemitteilungen überwiegend dadurch, dass sie diese von Websites abrufen.
(Diagramm zu Frage 1 - in der Downloadversion enthalten)
Diese Ergebnisse sind vor allem vor dem Hintergrund interessant, dass diverse Literatur zur Erstellung von Pressemitteilungen eine Versendung per Post empfiehlt und zudem als üblichen Versandweg darstellt. So heißt es im Jahre 2000 bei Viola Falkenberg: „Pressetexte werden nach wie vor per Post verschickt – außer, Sie wissen zuverlässig, dass einzelne Redaktionen lieber per Fax oder E-Mail informiert werden wollen“ (Falkenberg 2000: 156). Eine gewagte Aussage, wo doch bereits 2000 der Durchbruch von E-Mail und Internet stattgefunden hatte. Anders war dies noch im Jahre 1994, so dass folgende Aussage von Rolf W. Goering auf die damals anderen Rahmenbedingungen zurückzuführen sind: „Die übliche Versandart ist bisher noch die Briefpost“ (Goering 1994: 25). In dieser Aussage klingt bereits an, dass Goering den Trend zur E-Mail- Pressemitteilung abgesehen hat.Tom Buschardt und Stefanie Krath sind da im Jahre 2002 schon einen entscheidenen Schritt weiter. Bei ihnen heißt es: „Natürlich ist der Versand per E-Mail von Vorteil, denn er ist schnell und günstig. (…) Auch Post und Fax haben heute grundsätzlich noch eine Daseinsberechtigung“ (Buschardt/Krath 2002:117).
Diese Ansicht gilt zwar aufgrund der Umfrageergebnisse auch heute noch, jedoch hat sich die Bedeutung und Nutzung des Versandweges per E-Mail weiter verstärkt. Die Gründe für diese Entwicklung sind klar: Zum einen ermöglicht der Empfang von Pressemitteilungen dem Redakteur, einzelne Passagen direkt am Computer zu kopieren oder umzuschreiben, zum anderen erfolgt der Versand per E-Mail in der gleichen Sekunde, während der Versand per Post mindestens einen Tag in Anspruch nimmt.
Interessant am Umfrageergebniss ist außerdem, dass der Postversand zwar deutlich dem EMail- Versand nachsteht, jedoch noch vor dem Faxversand als hauptsächlichem Versandweg genannt wird. Der Hypothese, der Faxversand wäre dem Briefversand ähnlich, jedoch deutlich schneller, kann demnach nicht entsprochen werden. Gründe hierfür sind sicherlich darin zu finden, dass die (farblichen) Gestaltungsmöglichkeiten eines Faxes nicht gegeben sind und zudem eine Postadresse sicherlich häufiger verfügbar ist als eine Faxnummer. Außerdem wird u. U. dem Problem Rechnung getragen, dass durch den Faxversand sowohl beim Sender als auch beim Empfänger Tinte, Papier und Strom verbraucht werden und Telefonkosten entstehen. Dass der Abruf über eine Website mit nur 0,9% das Schlusslicht unter den Versandwegen bildet, überrascht nicht, denn solche Abrufmöglichkeiten werden meist als zusätzlicher Service zu postalischen Pressemitteilungen angeboten, der es dem Redakteur ermöglicht, den Text von der Website des versendenden Unternehmens zu kopieren, um ihn zu bearbeiten. Den Abruf von einer Website als alleinigen Weg zur Verbreitung einer Pressemitteilung anzubieten, ist unüblich und wird auch in der einschlägigen Literatur nicht proklamiert.
Frage 2 - Welchen Versandweg wünschen sie sich für Pressemitteilungen
Diese Frage beantworteten 2989 Personen. 2489 (83,3%) von ihnen wünschen sich den elektronischen Versandweg per E-Mail. Nur 292 (9,8%) Teilnehmer der Umfrage wünschen sich Pressemitteilungen per Post. Noch weniger, nämlich 132 (4,4%) Personen, wünschen sich die Pressemitteilung als Faxsendung und gerade einmal 76 (2,5%) Teilnehmer bevorzugen Pressemitteilungen ausschließlich als Webseitenabrufe.
Die Ergebnisse der Frage 2 sind besonders dann sehr interessant, wenn man sie mit Ergebnissen aus älteren Befragungen oder Studien vergleicht. So schreiben Tom Buschardt und Stefany Krath, die sich auf eine Media Studie aus dem Jahre 2000 beziehen, an der sich rund 600 Journalisten beteiligten:
„In der Studie ‘Journalisten online’, die die dpa-Tochter ‘news aktuell’ mit dem Meinungsforschungsinstitut forsa im Oktober 2000 durchführte, wurden Journalisten danach befragt, wie sie Pressemitteilungen erhalten wollten. Ergebnis: 46 Prozent bevorzugen einen Empfang per EMail, ebenso viele erhalten eine Pressemitteilung lieber per Fax. Immerhin noch 30 Prozent schätzen eine Lieferung per Post. Das war nicht immer so. Noch Ende der 90er, trotz zunehmender Digitalisierung der Medien, wünschten Journalisten eher eine Lieferung per Fax“ (Buschardt/Krath 2002: 117f.).
Betrachtet man die aktuelle Umfrage und deren Ergebnisse, so sieht man deutlich, dass der EMail- Versand mittlerweile den Faxversand im Vergleich zum Jahr 2000 in puncto Beliebtheit abgehängt hat. Bereits im Jahre 1995 war dieser Trend in Amerika – nicht umsonst oft in der Rolle des Vorreiters gesehen – zu erkennen:
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