Autor: Therese Hochhuth
Fach: Kulturwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Universität Lüneburg
Jahr: 2006
Seiten: 39
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 32 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 443 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-61946-2
ISBN (Buch): 978-3-638-71842-4
Zusammenfassung / Abstract
Das Vorherrschen weißer Allmacht zeigt sich immer wieder im Werk der afroamerikanischen Autorin Toni Morrison. Die Untersuchung dieser Hegemonie von weißer Dominanz und den daraus resultierenden Privilegien der weißen Bevölkerungsgruppe im gesellschaftlichen Ge-füge, ist auch das Hauptanliegen der so genannten Critical Whiteness Studies. Sie beschäftigen sich mit dem Ursprung der Bevorzugung weißer Menschen, setzen sich mit weißen Identitäten auseinander und versuchen damit, heute noch gültige rassische Konstruktionen aufzubrechen. Toni Morrison hat mit ihren Büchern einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des Lebens schwarzer Menschen innerhalb einer rassialisierten Gesellschaft geleistet. Sie stellt das Leben, Denken und Fühlen Schwarzer in den Mittelpunkt ihrer Bücher und liefert eine detaillierte Darstellung schwarzer Sichtweisen, bei denen die weiße Perspektive ausge-blendet wird. An weißer Literatur kritisiert sie, dass diese keine Darstellung von Schwarzen aus deren Perspektive leiste und beschäftigt sich selbst stark mit der eigenen schwarzen Identität. In diesen Auseinadersetzungen macht sie deutlich, wie hegemonial das Weiße stets ist und welch gewaltvollen Einfluss es auf das Leben nichtweißer Menschen haben kann. Weiße bleiben als Thema niemals vollständig ausgeblendet, vielmehr werden sie aus anderer Perspektive dargestellt. Damit steht die Perspektive genau diametral der kritisierten weißen Sicht gegenüber. Anhand Morrisons Romans soll aufgezeigt werden, dass Weißsein der Standard ist, an dem sich viele Gesellschaften orientieren. Insbesondere weiße Schönheitsideale herrschen auch heute noch gewaltsam vor und sind in kulturellen, medialen und alltäglichen Bereichen dominant. Dabei soll ihr Roman Sehr blaue Augen vor dem theoretischen Hintergrund der Critical Whiteness Studies untersucht und Textstellen herausgearbeitet werden, in denen die Strukturen weißer Vorherrschaft besonders ersichtlich sind.
Textauszug (computergeneriert)
Seminar: Critical Whiteness Studies –
Weißsein zwischen Allgegenwart und diskursiver Abwesenheit?
Schönheitsideal und Körperidentität
unter dem Aspekt der Critical Whiteness Studies
Untersucht am Roman Sehr blaue Augen von Toni Morrison
Universität Lüneburg · Sommersemester 2006
Studienfach: Angewandte Kulturwissenschaften
Bereich: Sprache und Kommunikation
Hausarbeit
8. Semester
von
Therese Hochhuth
Inhaltsverzeichnis
Vorwort zur Schreibweise in dieser Arbeit
0 Einleitung 1
Vorgehensweise 2
1 Forschungsstand und Literatur 3
2 Die Critical Whiteness Studies 5
2.1 Historischer Kontext 5
2.2 Definition und Bedeutung 5
3 Whiteness als sichtbares Merkmal 9
3.1 Körperbilder und Schönheitsideale 9
3.2 Schwarz und weiblich - eine doppelte Unterdrückung 12
4 Toni Morrison - Leben und Werk 14
5 Textanalyse des Romans Sehr blaue Augen 15
5.1 Aufbau und Erzähltechnik 15
5.2 Whiteness im Roman Sehr blaue Augen 16
5.2.1 Der Fibeltext Dick und Jane 17
5.2.2 Weiße Mädchenideale: Shirley Temple, Mary Jane und weiße Babypuppen 18
5.2.3 Wunschbilder und Verachtung von Whiteness 22
5.2.4 Durch Whiteness hervorgerufene Selbstverleugnung 26
5.2.5 Die black community 27
6 Fazit 28
Anhang
Inhalt des Romans Sehr blaue Augen
India.Arie: I Am Not My Hair
Vorwort zur Schreibweise in dieser Arbeit
Da sich diese Ausarbeitung mit einem relativ jungen Forschungsgebiet der letzten Jahrzehnte befasst, dessen thematische Grundlagen politische Implikationen aufweisen und deren HauptvertreterInnen selbst keine konsistente Schreibweise anwenden, soll im Folgenden die verwendete Schreibweise bezüglich der Critical Whiteness Studies erläutert werden. Es wird damit dem Beispiel von Wollrad und Schäfer-Wünsche gefolgt, welche ihre Ausdrucksweise begründen. Konsequenterweise erfordert die Auseinandersetzung mit den Critical Whiteness Studies eine bewusste Formulierung, denn sie kann durch die Benennung bestimmter Begriffe die Haltung des Autors/der Autorin zum Ausdruck bringen und dabei auch zu Missverständnissen führen. Ein vorangehender Hinweis soll vor allem vermeiden, durch Nennung von kritischen Begriffen rassistische Theorien zu reproduzieren.
Menschen als "schwarz" oder "weiß" zu bezeichnen erscheint problematisch, denn ab welcher Hautschattierung hat man als "schwarz" oder "weiß" zu gelten? Das Thema dieser Arbeit sowie die soziale Wirklichkeit erzwingen jedoch den Gebrauch rassifizierender Kategorien. "Rasse" als eine Kategorie ist ein soziales Konstrukt, welches der Gesellschaftsordnung in untereinander konkurrierende Gruppen dient. Trotz der Überzeugung, dass solcherlei Kategorien keine Aussagekraft über das Wesen von Personen oder Menschengruppen besitzen, wird im folgenden Text zu Gunsten der Lesbarkeit darauf verzichtet, Hautfarbe in Anführungszeichen zu setzen. Es wird sich für diese Ausarbeitung entschieden, die beiden Adjektive weiß und schwarz klein zu schreiben. Wenn von Weißen und Schwarzen die Rede ist, so werden sie in der Großschreibung genannt.1 Ferner sollen bei kritischen Begriffen wie "Rasse" oder kolonialrassistischen Begriffen wie "Mulattinnen", deren Verwendung keinesfalls frei von gewaltvollen Zuschreibungen sind, durch Anführungszeichen eben dieser Status deutlich gemacht werden.
Schwierig erscheint die Unterscheidung des Begriffs Whiteness im englischen mit dem deutschen Wort Weißsein. Die Übersetzung von Whiteness müsste korrekterweise Weißheit lauten, was durch die doppelte Bedeutung des deutschen Wortes Weisheit missverständlich sein kann. Whiteness wird deshalb in dieser Ausarbeitung mit Weißsein synonym verwendet.
0 Einleitung
Das Vorherrschen weißer Allmacht zeigt sich immer wieder im Werk der afroamerikanischen Autorin Toni Morrison. Die Untersuchung dieser Hegemonie von weißer Dominanz und den daraus resultierenden Privilegien der weißen Bevölkerungsgruppe im gesellschaftlichen Gefüge, ist auch das Hauptanliegen der so genannten Critical Whiteness Studies. Sie beschäftigen sich mit dem Ursprung der Bevorzugung weißer Menschen, setzen sich mit weißen Identitäten auseinander und versuchen damit, heute noch gültige rassische Konstruktionen aufzubrechen. Toni Morrison hat mit ihren Büchern einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des Lebens schwarzer Menschen innerhalb einer rassialisierten Gesellschaft geleistet. Sie stellt das Leben, Denken und Fühlen Schwarzer in den Mittelpunkt ihrer Bücher und liefert eine detaillierte Darstellung schwarzer Sichtweisen, bei denen die weiße Perspektive ausgeblendet wird. An weißer Literatur kritisiert sie, dass diese keine Darstellung von Schwarzen aus deren Perspektive leiste und beschäftigt sich selbst stark mit der eigenen schwarzen Identität. In diesen Auseinandersetzungen macht sie deutlich, wie hegemonial das Weiße stets ist und welch gewaltvollen Einfluss es auf das Leben nichtweißer Menschen haben kann. Weiße bleiben als Thema niemals vollständig ausgeblendet, vielmehr werden sie aus anderer Perspektive dargestellt. Damit steht die Perspektive genau diametral der kritisierten weißen Sicht gegenüber.
Aus diesen Gründen wurde sich für diese Ausarbeitung für den Roman Sehr blaue Augen entschieden, welcher auch im Seminarkontext beispielhaft behandelt wurde. Er lässt sich von Morrisons Büchern am offensichtlichsten mit Whiteness in Verbindung setzen und lenkt in seinen radikal situierten Figuren das Augenmerk auf den Terror der weißen Vormachtstellung. Dabei handelt es sich nicht zwangsläufig um eine Art Fabel mit lehrhafter Tendenz, deren implizite Botschaft zum Nachdenken über die eigenen Verhaltensmuster anregen soll. Morrison will vor allem eine heterogene Darstellung schwarzer Menschen erreichen. Anhand ihres Romans soll aufgezeigt werden, dass Weißsein der Standard ist, an dem sich viele Gesellschaften orientieren. Insbesondere weiße Schönheitsideale herrschen auch heute noch gewaltsam vor und sind in kulturellen, medialen und alltäglichen Bereichen dominant. Toni Morrisons Werk im Rahmen einer begrenzten Ausarbeitung zu interpretieren bedeutet, eine beträchtliche Anzahl von Bezügen auf die Gesamtkonstellation außen vor zu lassen und auf bestimmte Einzelaspekte zu fokussieren. Im Folgenden kann nur auf eine bestimmte Auswahl von Deutungen eingegangen werden, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Dabei soll ihr Roman Sehr blaue Augen vor dem theoretischen Hintergrund der Criti-cal Whiteness Studies untersucht und Textstellen herausgearbeitet werden, in denen die Strukturen weißer Vorherrschaft besonders ersichtlich sind.
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[1] Vgl. Kage, Jan: American Rap. Explicit Lyrics. US-HipHop und Identität. Mainz 2004, S. 152
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