Research Paper (Pre-University), 2001, 13 Pages
Author: Sascha Lambeck
Subject: Mathematics - Number Theory
Details
Tags: Zahl
Year: 2001
Pages: 13
Grade: 2
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-00114-9
File size: 120 KB
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Facharbeit Mathematik
Die Zahl
Sascha Lambeck
Jahrgangsstufe 12
Leistungskurs Mathematik M1
Fachlehrer: Herr Tobias
Schuljahr 2000 / 01
1
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung
3
1.1
Vorwort .
3
1.2
Geschichtliches
.
3
2
Berechnungsmethoden
5
2.1
Das Wallissche Produkt
.
5
2.2
Verfahren nach Nikolaus Cusanus .
8
A Literaturverzeichnis
11
B Erkl¨
arung
12
2
1
Einleitung
1.1
Vorwort
Ich habe die Zahl als Thema meiner Facharbeit gew¨
ahlt, weil ich einmal
wissen wollte, wie man ¨
uberhaupt auf verschiedenen Wegen zur Bestimmung
dieser kommen kann. Jeder kennt diese Zahl vom Taschenrechner: Sie ist
einfach da, aber wo kommt sie her?
Mit diesem Thema m¨
ochte ich mich daher im folgenden in meiner Facharbeit
besch¨
aftigen. Zun¨
achst werde ich einige relevante geschichtliche Informatio-
nen anf¨
uhren und mich daraufhin mit der Herleitung und Erl¨
auterung zweier
Verfahren f¨
ur die Bestimmung von besch¨
aftigen. In meiner Zeit der Recher-
che nach Informationen und der Umsetzung dieser bin ich auf einige Probleme
des Verst¨
andnisses der an einigen Stellen doch schon komplexen Iterations-
verfahren gestoßen. Dies hat mir hinsichtlich des mathematischen Umfangs
doch sehr die Augen ge¨
offnet, aber ich hoffe es geschafft zu haben, diese Pro-
bleme weitestgehend zu beseitigen und somit eine angemessene Darstellung
der Verfahren erzielt zu haben.
1.2
Geschichtliches
"Die Zahl zu erforschen bedeutet, das Universum zu
erforschen..."
David Chudnovsky
Die Zahl ist seit nunmehr ca. 4000 Jahren Gegenstand eines immens
großen Bereiches der Mathematik; seit jeher hat sie die hellen K¨
opfe der
mathematisch versierten Kulturen fasziniert und sie dazu bewegt, diese au-
ßergew¨
ohnliche Zahl zu bestimmen. Immer mehr Mathematiker befaßten
sich mit ihr und entwickelten Methoden, auf denen die heutigen modernen
Verfahren immer noch basieren. Waren es fr¨
uher gerade mal eine Handvoll
bekannter Nachkommastellen, so liegt der Rekord nach riesigem Rechenauf-
wand mit Supercomputern bei mittlerweile mehr als 68 Milliarden!
Die ersten schriftlich ¨
uberlieferten Werte von sind 3, 3 + 1 und 3 + 1 .
7
8
Der letzte Wert wurde 1936 auf einer ca. 4000 Jahre alten babylonischen
Keilschrifttafel entdeckt; er wurde wohl anhand einer Absch¨
atzung zwischen
dem Umfang eines Kreises mit dem Radius 1 und einem ihm einbeschriebe-
nen Sechseck n¨
aherungsweise angegeben.
Die ¨
Agypter halten auf ihrem Papyrus "Rhind", der etwa auf das Jahr 1650
v. Chr. zur¨
uckdatiert werden kann, eine interessante Methode fest: "Man
subtrahiere 1 vom Durchmesser eines Kreises und quadriere die ¨
ubrig geblie-
9
benen 8 ". Somit lag der Wert f¨
ur " ihr " bei ungef¨
ahr 3,1604... Wie sie
9
3
aber auf diese Formel gekommen sind, bleibt bis heute ein R¨
atsel.
Die aber wohl bekannteste Formel stammt von Archimedes von Syrakus (287-
212 v. Chr.), die ihn letztendlich in seiner Arbeit " ¨
Uber Kreismessung" zu
der bemerkenswerten Ungleichung 3+ 10 < < 3+ 1 gef¨
uhrt hat. Er n¨
aherte
71
7
einem gegebenen Kreis jeweils einbeschriebene und umschriebene Polygone
an und hatte somit eine ansteigende Folge von Umf¨
angen der Inkreise und
eine abnehmende Folge von dem Umf¨
angen der Umkreise, die er benutzte,
um einzuschachteln.
Im Laufe der Zeit haben sich noch sehr viele Mathematiker mit der Berech-
nung von besch¨
aftigt, unter ihnen auch Gr¨
oßen wie Leonhard Euler oder
Isaac Newton, aber darauf m¨
ochte ich nicht im einzelnen eingehen, um den
Rahmen der geschichtlichen Betrachtungen nur auf einige wichtige Informa-
tionen zu beschr¨
anken.
Das Verh¨
altnis zwischen dem Umfang und dem Durchmesser eines Krei-
ses wurde erstaunlicherweise erst 1647 von Newtons Lehrer William Ought-
red mit dem griechischen Buchstaben bezeichnet. Diese Zahl wird auch
weitl¨
aufig nach Ludolph van Ceulen "Ludolphsche Zahl" genannt; dieser war
ein fanatischer Stellenj¨
ager und stellte 1609 unter Verwendung einer verbes-
serten Formel von Archimedes einen neuen Rekord auf, woraufhin diese Zahl
ehrenhalber nach ihm benannt wurde.
4
2
Berechnungsmethoden
2.1
Das Wallissche Produkt
Der englische Mathematiker John Wallis (1616 -1703) hat eine Produktdar-
stellung von gefunden, die zun¨
achst darauf basiert, daß im Intervall 0
2
x < stets 0 sinx < 1 ist und f¨
ur nat¨
urliche Zahlen k 1 die Unglei-
2
chung
sin2k+1 x sin2k x sin2k-1 x
(1)
gilt. Somit ging er wie folgt vor: Er betrachtete zun¨
achst das nachstehende
Integral und formte es entsprechend um
1
n - 1
x sinn dx = -
sinn-1 · cos x +
sinn-2 x dx
(2)
n
n
Diese Umformung des Integrals erh¨
alt man durch die sogenannte partiel-
le Integration. Ist n¨
amlich der Integrand ein Produkt zweier Funktionen,
in diesem fall x und sinx, so gibt es zum Unterschied der Produktregel
in der Differenzialrechnung keine allgemein g¨
ultige Regel, um die Berech-
nung des Integrals eines Produktes auf die Berechnung der Integrale sei-
ner Faktoren zur¨
uckzuf¨
uhren.
Man kann sich hier aber helfen, denn es
gibt eine M¨
oglichkeit, ein schwierig zu l¨
osendes Integral auf ein einfacheres
zur¨
uckzuf¨
uhren:
Satz: Seien u(x) und v(x) zwei im Intervall ] a; b [ differenzierbare Funk-
tionen, dann gilt nach der Produktregel der Differenzialrechnung (u(x) ·
v(x)) = u (x) · v(x) + u(x) · v (x). Ist u(x) · v (x) integrierbar, so folgt
hieraus
u(x) · v (x) dx =
(u(x) · v(x)) dx -
u (x) · v(x) dx
= u(x) · v(x) -
u (x) · v(x) dx,
so daß auch u (x) · v(x) integrierbar ist.
Andwendung des Satzes am oberen Integral: Der gegebene Integrand wird
in das Produkt sin x · sinn-1 x zerlegt, d.h. man setzt u = sinn-1 x, v =
sin x und findet v = - cos x, u = (n - 1) · sinn-2 x · cos x (Kettenregel).
Mithin ist
u · v = -(n - 1) sinn-2 x · cos2 x
= -(n - 1) sinn-2 x · (1 - sin2 x)
= -(n - 1) sinn-2 x + (n - 1) sinn x
5
oder
sinn x dx =
- cos x · sinn-1 x + (n - 1) ·
sinn-2 x dx - (n - 1) ·
sinn x dx,
(1 + n - 1) ·
sinn x dx = - cos x · sinn-1 x + (n - 1) ·
sinn-2 x dx
Dividiert man beide Seiten durch n, so ergibt sich gerade (2). Somit ist dieses
Integral nachgewiesen. Nun kann man die Grenzen 0 und einsetzen und es
2
ergibt sich
2
n - 1
2
sinn x dx =
·
sinn-2 x dx (n > 1)
0
n
0
Integriert man das rechts stehende Integral nun immer wieder (mehrfache
partielle Integration), so erh¨
alt man unter Ber¨
ucksichtigung der Fallunter-
scheidung zwischen geraden Zahlen (n = 2k) und ungeraden Zahlen (n =
2k + 1) die folgende Darstellung
2
2k - 1
2k - 3
1
2
sin2k x dx =
·
· · ·
·
dx
0
2k
2k - 2
2
0
2
2k
2k - 2
2
2
sin2k+1 x dx =
·
· · ·
·
sin x dx,
0
2k + 1
2k - 1
3
0
und nach dem Aufl¨
osen des Integrals ergibt sich
2
2k - 1
2k - 3
1
sin2k x dx =
·
· · ·
·
0
2k
2k - 2
2
2
2
2k
2k - 2
2
sin2k+1 x dx =
·
· · ·
· 1.
0
2k + 1
2k - 1
3
Nun kommt (1) ins Spiel: Die eben gefundenen Produkte lassen sich nach
der Fallunterscheidung nun mit (1) als Ungleichung darstellen:
2 · 4 · · · 2k
1 · 3 · · · (2k - 1)
2 · 4 · · · (2k - 2)
·
3 · 5 · · · (2k + 1)
2 · 4 · · · 2k
2
3 · 5 · · · (2k - 1)
2
1 · 3 · · · (2k - 1)
2k + 1
1 (2k + 1) ·
·
= 1 + 2k
2 · 4 · · · 2k
2
2k
6
Betrachtet man den Grenzwert
1
lim
1 +
= 1,
(3)
k
2k
so muß ebenfalls
2
1 · 3 · · · (2k - 1)
lim (2k + 1) ·
·
= 1
(4)
k
2 · 4 · · · 2k
2
sein; keine andere Zahl außer 1 k¨
onnte gleichzeitig die Eigenschaft 1 x 1
haben. Wallis hat also mit (1) die Absch¨
atzung der Integrale unter Bil-
dung der Grenzwerte dergestalt erlangt, daß man diese sogenannte rekursive
Formel (d.h. nach mehrmaligem partiellen Integrieren) schließlich nach 2
aufl¨
osen und umschreiben kann:
22 · 42 · · · (2k)2
= lim
(5)
2
k 12 · 32 · 52 · · · (2k - 1)2 · (2k + 1)
Dieses meiner Meinung nach sehr interessante Verfahren zur Bestimmung
von als unendliches Produkt nennt man das Wallissche Produkt (auch
2
das Wallissche Integral). Es unterscheidet sich so, wie es ist, von jeglichen
anderen Verfahren und ist somit etwas Einzigartiges, was gerade mein Inter-
esse hieran geweckt hat. Ferner sind der Aufbau und die Herleitung dieses
Produktes sehr ¨
ubersichtlich und und in sich anhand der klar gegliederten
Struktur logisch gut nachvollziehbar.
7
2.2
Verfahren nach Nikolaus Cusanus
Nikolaus von Kues (1401-1464), lateinisiert Nicolaus Cusanus, war eigentlich
Theologe, doch er besch¨
aftigte sich dar¨
uberhinaus auch mit der Mathema-
tik, den Naturwissenschaften und der Philosophie. Sein Name leitet sich
von seiner Geburtstadt Kues (heute: Bernkastel-Kues) ab. Er entwickelte
um etwa 1450 ebenfalls eine Methode zur Berechnung von , die eigent-
lich genauso wie die von Archimedes war, nur ganz anders. Anstatt einem
Kreis regelm¨
aßige n-Ecke ein- und umzuschreiben, schrieb er einem n-Eck
mit 2 n (n N) Seiten einen Kreis ein und um. Den Umfang der Polygo-
ne setzte er gleich 2. Somit n¨
aherte er durch Erh¨
ohung der Seitenanzahl die
beiden Kreise an die Polygone an und berechnete dann den Umfang der Krei-
se (r = Radius des einbeschriebenen Kreises, R = Radius des umschriebenen
Kreises, n = Iterationsschritt).
In dieser Konstellation ist es leicht ersichtlich, daß
2 · · rn < 2 < 2 · · Rn
(6)
gelten muß. Nach dem K¨
urzen und Umkehren erh¨
alt man
1
1
> >
.
(7)
rn
Rn
Mit der Festsetzung n = 2 hat man ein Quadrat der Seitenl¨
ange 1 , r
4
2 = 1
4
und R2 = a ·
2 = 1 ·
2.
4
Der Winkel zwischen Rn und rn ist 180 (in diesem Fall also 180 = 45) und
2n
22
es folgt die nachstehende Beziehung unter Betrachtung der Konstruktion:
180
u
u
1
tan
= 2n+1
; rn =
·
(8)
2n
rn
2n+1
tan 180
2n
180
u
u
1
sin
= nn+1
; Rn =
·
(9)
2n
Rn
2n+1
sin 180
2n
8
Diese einfachen Zusammenh¨
ange sind die elementaren Bausteine auf dem
Weg zu den Iterationsvorschriften. Um nun den Weg dorthin zu beschreiten,
werden Rn und rn zun¨
achst addiert:
u
1
u
1
Rn + rn =
·
+
·
2n+1
sin 180
2n+1
tan 180
2n
2n
u
1
=
·
2n+1
cos 180
sin 180 +
2n
2n
sin 180
2n
(10)
Der hier entstandene Term l¨
aßt sich in dieser Gestalt allerdings noch nicht
vereinfachen. Hierzu muß noch ein weiterer Schritt in der Umformung ge-
macht werden, der im Ergebnis so aussieht:
u
180
=
· 1 + cos 2 ·
(11)
2n+1 · 2 sin 2 · 180
2n+1
2n+1
Der Term wurde einfach nur anders geschrieben und die Exponenten wurden
gleichnamig gemacht (2n + 1), um nun mit den trigonometrischen Lehrs¨
atzen
sin 2 = 2 sin · cos
(12)
cos 2 = cos2 - sin2
(13)
1 = sin2 + cos2
(14)
den Term weiter vereinfachen zu k¨
onnen. Gerdade diese Umformung stellt
den entscheidenden Schritt f¨
ur die weiterfolgenden Rechnungen dar, denn
sonst k¨
onnte man mit dem Ausgangsterm nie ans Ziel (Iterationsvorschriften)
gelangen; es g¨
abe keine M¨
oglichkeit der Vereinfachung und damit verbunden
keine M¨
oglichkeit, effektiv an rn bzw. Rn heranzukommen.
Mithin ergibt dies mit (13) und (14)
u
180
180
· 1 + cos2
- sin2
(15)
2n+1 · 2 sin 180 · cos 180
2n+1
2n+1
2n+1
2n+1
Nun kann (15) angewendet werden - man erh¨
alt schließlich nach Umstellung
u
cos 180
u
u
·
2n+1
=
= 2 ·
(16)
2n+1
sin 180
2n+1 · tan 180
2n+2 · tan 180
2n+1
2n+1
2n+1
Betrachtet man (16) und vergleicht den Term mit (9), so erkennt man, daß
(16) gerade 2 · rn+1 ist. Damit ist eine Iterationsvorschrift aufgestellt:
r
r
n + Rn
n+1 =
(17)
2
9
Nun zur zweiten: Da (17) die Iterationsvorschrift f¨
ur den Inkreisradius ist,
muß nun diejenige f¨
ur den Umkreisradius aufgestellt werden. Nachdem die
ganze Vorarbeit getan ist, erfolgt dies jetzt nach nur wenigen Schritten.
Zun¨
achst werden rn+1 und Rn miteinander multipliziert und es folgt damit
u
1
u
u
1
cos 180
r
2n+1
n+1 · Rn =
·
=
·
·
·
(18)
2n+2
tan 180
2n+1
2n+2
sin 180
2n+1
sin 2 · 180
2n+1
2n+1
Nun muß der Term nur noch ver¨
andert werden (genauso wie oben), woraus
letztlich
2
u
u
1
1
u
1
·
·
·
=
·
2n+2
2n+2
sin 180
sin 180
2n+2
sin 180
2n+1
2n+1
2n+1
= R2
(19)
n+1
folgt. Es muß die Wurzel gezogen werden:
Rn+1 =
Rn · rn+1
(20)
Damit ist auch die zweite Iterationsvorschrift gefunden; kann auf diesem
Wege einmal von innen und von außen eingeschachtelt und somit angen¨
ahert
werden.
Zusammenfassung:
rn+1 = 1 · (r
2
n + Rn)
(21)
Rn+1 =
rn+1 · Rn
Mit diesen Iterationsvorschriften hat Cusanus sicherlich ebenfalls ein inter-
essantes Verfahren entwickelt; es basiert im wesentlichen vollst¨
andig auf tri-
gonometrischen ¨
Uberlegungen und unterscheidet sich somit sehr vom Wal-
lisschen Produkt. Gerade dieser Unterschied hat mir den Anreiz gegeben,
dieses Verfahren zu versuchen darzustellen.
10
A
Literaturverzeichnis
1. Jean-Paul Delahaye: Pi - Die Story, Birkh¨
auser Verlag 1999
2. R. Rothe: H¨
ohere Mathematik Teil II, B.G. Teubner Verlag 1960
3. Liedl/Kuhnert: Analysis in einer Variablen, B.I. Wissenschaftsverlag
1992
4. Mathematische Bibliothek, J. Lindauer Verlag
5. Sieber: Mathematische Formeln (E), Klett Verlag 1980
11
B
Erkl¨
arung
Hirmit erkl¨
are ich, daß ich diese Facharbeit selbst¨
andig und nur unter Ver-
wendung der im Literaturverzeichnis angegebenen Quellen verfaßt habe.
Remscheid, den 3.4.2001
(Sascha Lambeck)
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22.12.2001 00:50:08
Eine echt super Facharbeit!!! Das ist mal was - da ist Physik ein Scheißdreck gegen