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Die Diskussion nach dem Vortrag

Seminararbeit, 2001, 10 Seiten
Autor: Christopher Verheyen
Fach: Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft

Details

Veranstaltung: Seminar Soziologische Handlungskompetenzen
Institution/Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Tags: Diskussion, Vortrag, Seminar, Soziologische, Handlungskompetenzen
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2001
Seiten: 10
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V102549
ISBN (E-Book): 978-3-640-00930-5

Dateigröße: 145 KB


Volltext (computergeneriert)

Titel des Seminars: Soziologische Handlungskompetenzen

Studienfach: Allgemeine

Soziologie

Teilprüfung in:

Soziologische Handlungskompetenzen; Kernbereich Credit-Point

Semester: Wintersemester

2000/2001

Dozent:

Dr. Bernhard Prosch

Die Diskussion

nach dem Vortrag

eingereicht am

Lehrstuhl für Soziologie

(Prof. Dr. Bacher)

Verfasser: Christopher Verheyen

Straße:

Schlüsselfelderstr. 16A

Ort:

90409 Nürnberg

Tel.:

0911-351707

e-Mail:

uni@cyborg73.de

Abgabetermin: 31. Januar 2001


Die Diskussion nach dem Vortrag

Seite I

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG 1

2 DIE DISKUSSION NACH DEM VORTRAG 1

2.1 Die Bedeutung der Diskussion und wie man sie in Gang bringt 2

2.2 Schwierigkeiten während der Diskussion 3

2.3 Die Diskussion beenden 5

LITERATURVERZEICHNIS II


Die Diskussion nach dem Vortrag

Seite 1

1 Einleitung

Gute Vorträge, Reden und Präsentationen zu halten ist in der gegenwärtigen Zeit eine

Qualifikation, die in sehr vielen Berufsfeldern von einiger Bedeutung ist. Überwältigende

Zahlen und geniale Theorien können durch eine schlechte Präsentation viel von ihrer

Überzeugungskraft verlieren. Daher ist es für berufstätige Menschen wichtig, sich auf dem

Gebiet der Vortragstechniken weiterzubilden, um den eigenen Argumenten ein Maximum

an Ausdrucksstärke zu verleihen, aber auch, um sich möglichst optimal auf Vorträge

vorbereiten zu können.

Um einen guten Vortrag zu halten, ist die Beachtung sehr vieler Punkte notwendig. Einige

der Kernpunkte sind zum Beispiel eine effektive Vorbereitung, der richtige Einsatz

visueller and anderer Medien, richtiger Umgang mit Redeangst bzw. Lampenfieber,

Haltung und Körpersprache während des Vortrags und nicht zuletzt das richtige Verhalten

bei der Diskussion nach dem Vortrag. Einige dieser Punkte lassen sich durch theoretisches

Studium, beispielsweise durch das Lesen einschlägiger Fachliteratur zum Thema Rhetorik

verbessern, vieles kann jedoch nur durch ständiges Training in realen Situationen

verbessert und letztendlich gemeistert werden. Dabei liegt es natürlich nahe, das Training

nicht erst in entscheidenden Situationen stattfinden zu lassen, sondern bereits in der

Ausbildung soviel Kompetenz zu vermitteln, dass grobe Ausrutscher später vermieden

werden können. Entsprechend sinnvoll und wichtig sind deshalb Veranstaltungen wie

diejenige, die im Wintersemester 2000/2001 im Rahmen der Soziologischen Handlungs-

kompetenzen durchgeführt wurde.

2 Die Diskussion nach dem Vortrag

Jeder Vortrag kommt irgendwann einmal zum Ende. Doch meist ist mit Beendigung der

eigentlichen Rede die Sache für den Vortragenden noch nicht abgeschlossen. Sowohl bei

Referaten in Schule oder Universität als auch bei Präsentationen im beruflichen Bereich

schließt sich meist eine Diskussion an, die den verschiedensten Zwecken dienen kann. Ob

diese Diskussion den Eindruck des Vortrags verstärkt oder ihn untergräbt, ist weiterhin

vom Vortragenden abhängig, denn er steht im Mittelpunkt des Geschehens und kann


Die Diskussion nach dem Vortrag

Seite 2

wesentlichen Einfluss auf den weiteren Fortgang und die Richtung der Diskussion nehmen.

Deshalb ist es für den Redner sehr wichtig, sich auch auf diesen Teil seines Vortrags

gründlich vorzubereiten und die Möglichkeiten und Gefahren zu kennen.

2.1 Die Bedeutung der Diskussion und wie man sie in Gang bringt

Zunächst einmal ist eine rege Diskussion über die vermittelten Inhalte grundsätzlich im

Interesse des Referenten, denn sie signalisiert ein interessiertes Publikum und ist meist ein

Hinweis darauf, dass es gelungen ist, Interesse am Thema und den eigenen Standpunkten

zu wecken. Darüber hinaus bietet sie die Möglichkeit, dem Publikum die Inhalte noch

besser zu vermitteln, da Fehler in der Rede ausgemerzt werden können und das Publikum

in der Diskussion nicht nur passiver Zuhörer, sondern aktiver Teilnehmer ist. Daher bleibt

vieles, was in der Diskussion zur Sprache kommt, sehr stark bei den Zuhörern hängen.

Nach Pabst-Weinschenk (1995: 121) behält der Mensch durch Sehen, Hören und eigene

Erarbeitung 90% des vermittelten Stoffs, während durch die rein passive Aufnahme ohne

eigene Erarbeitung nur 50% hängen bleiben. Dies ist einerseits eine Chance für den

Redner, birgt aber andererseits natürlich auch die Gefahr, dass ein guter Vortrag durch

einen schlechten Umgang mit kritischen Fragen oder destruktiv eingestellten Zuhörern

entwertet wird. Im Folgenden soll daher auf die häufigsten Situationen und Probleme, die

während der Diskussion auftreten können, eingegangen werden.

Oft besteht das erste Problem einer Diskussionsrunde darin, dass sich niemand zu Wort

meldet. Das ist zwar besser als mit negativer Kritik überhäuft zu werden, wird aber sehr

schnell peinlich und weckt nicht zu Unrecht die Frage, ob der Redner sein Publikum

vielleicht niedergeredet hat, statt es für sein Thema zu begeistern (Hofmeister, 1999: 137).

Um solche Peinlichkeiten zu vermeiden, bietet es sich an, bestimmte Teilaspekte von

vorneherein für die Diskussion zu reservieren und dies auch während des Vortrags bereits

deutlich zu machen. So wird das Publikum schon frühzeitig auf die anschließende

Diskussion vorbereitet und größere Pausen am Anfang der Diskussion lassen sich durch

einschieben dieser Aspekte überbrücken. Auch pointierte und provokante Formulierungen

der vorgetragenen Thesen und Inhalte wirken sich positiv auf die Diskussionsbereitschaft

der Teilnehmer aus (Pabst-Weinschenk, 1995: 121). Allerdings sollte man beim Einsatz

solcher Mittel sehr vorsichtig sein und weder qualitativ noch quantitativ übertreiben, denn


Die Diskussion nach dem Vortrag

Seite 3

eine zu starke Provokation des Publikums kann sich in der Diskussion sehr schnell als

Bumerang erweisen. Wenn dann erst einmal die erste Frage aus dem Publikum gestellt ist,

läuft die Sache in den allermeisten Fällen (Hofmeister, 1999: 138).

2.2 Schwierigkeiten während der Diskussion

Nun muss sich der Vortragende der Herausforderung stellen, gleichzeitig der Frage

zuhören und eine Antwort darauf formulieren zu müssen. Der Fragesteller erwartet eine

schnelle und präzise Antwort, lange Pausen sind nicht erwünscht. Pabst-Weinschenk

(1995: 122) empfiehlt zwar, in größeren Diskussionsrunden erst mehrere Fragen zu

sammeln, um sie dann gebündelt und zusammenfassend beantworten zu können. Dies ist

jedoch nicht immer möglich und kann in manchen Situationen sogar negativ wirken, weil

es als Ausweichen interpretiert werden kann. In diesem Fall ist im Gegensatz zur

eigentlichen Rede, die meist lange und intensiv vorbereitet und eingeübt werden kann,

,,Sprechdenken" gefragt. Dennoch lassen sich auch für die Diskussion einige wichtige

Vorbereitungen treffen. So sollte man sich bereits in der Vorbereitungsphase Gedanken

darüber machen, welche Fragen, Einwände und Kritikpunkte die Zuhörer stellen könnten.

Außerdem sollte man sich darüber bewusst sein, welche Rolle man als Redner in der

Diskussionsrunde einnimmt. Bei besonders wichtigen Anlässen bietet es sich darüber

hinaus an, mit zwei Gruppen aus vertrauten Personen ein Pro-Contra-Spiel durchzuführen,

um neue Argumente zu entdecken bzw. Argumentationsweisen für oder gegen bestimmte

Aspekte des eigenen Themas kennen zu lernen (Lehmann und Reese, 1998: 277-278).

Von zentraler Bedeutung ist auch die Länge der Antwort. Diese sollte sich nach der Art der

gestellten Frage richten. Auf eine geschlossene Frage sollte zum Beispiel eine knappe

Minimal-Antwort folgen, während eine offene Frage eine etwas ausführlichere Formu-

lierung erfordert. Hat man den Eindruck, dass der Fragesteller etwas wichtiges übersehen

hat, dann fügt man der Antwort eine zusätzliche Mitteilung hinzu. Eine Antwort mit Meta-

Kommentar ist erforderlich, wenn die Frage falsch oder unverständlich gestellt ist, bzw.

wenn eine bestimmte Absicht hinter der Frage vermutet werden kann wie es zum Beispiel

bei Suggestivfragen oder falsch konstruierten Alternativen der Fall ist. Diese letzte Art

möglicher Fragetypen ist sicherlich die unangenehmste für jeden Vortragenden, da sie im

Extremfall auch unfaire persönliche Attacken beinhalten kann. Hofmeister (1999: 141-142)


Die Diskussion nach dem Vortrag

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nennt drei mögliche Reaktionen auf solch einen Angriff: 1. Man antwortet mit einer

Rückfrage und zwingt so den Angreifer, sachliche Gründe zu nennen. 2. Der Angriff wird

an das restliche Publikum weitergegeben, wenn man sich von diesem Unterstützung

erwarten kann. 3. Man nimmt selbst Stellung zu dem Angriff. Das sollte dann aber immer

in Form einer Ich-Botschaft geschehen, zum Beispiel mit Sätzen wie ,,Ich bin betroffen,

dass", ,,Ich bin erstaunt, dass", etc.

Es lassen sich also nach der Länge der Antwort vier verschiedene Typen unterscheiden:

Minimal-Antwort, Antwort im gefragten Umfang, Antwort mit zusätzlicher Mitteilung und

Antwort mit Meta-Kommentar (Pabst-Weinschenk, 1995: 123). Je nach Verwendungs-

häufigkeit ergeben sich durch den Einsatz dieser vier Typen verschiedene Wirkungen bei

den Zuhörern. Der vereinzelte Einsatz der Minimal-Antwort betont die eigene klare Linie,

während der häufige Gebrauch dieses Antworttyps eher als Einsilbigkeit und Ver-

schlossenheit, im Extremfall auch als Inkompetenz wahrgenommen wird. Antworten im

gefragten Umfang vermitteln und fördern immer die Kooperationsbereitschaft und

intensivieren das wechselseitige Gespräch. Sie sollten deshalb in jeder Diskussionsrunde

vorkommen. Vereinzelte Antworten mit zusätzlicher Mitteilung betonen den Überblick

und die Informiertheit des Redners, ihr häufiger Gebrauch kann jedoch provozierend

wirken und ein intellektuelles Unterlegenheitsgefühl bei den Fragern hervorrufen.

Antworten mit Meta-Kommentar sind, wie bereits erwähnt, notwendig, um auf inakzep-

table unterschwellige Angriffe mancher Fragesteller zu reagieren und diese ins rechte Licht

zu rücken. In diesem Fall sind solche Antworten ein Mittel der Selbstverteidigung gegen

bösartige Fragen. Werden sie jedoch zu häufig oder ohne konkreten Anlass eingesetzt, so

kann dies vom Publikum als Dominanz des Redners bzw. als Ausweichen vor den Fragen

interpretiert werden. Insgesamt machen es die negativen Folgen des häufigen Gebrauchs

von Minimal-Antworten sowie von Antworten mit zusätzlichen Mitteilungen und Meta-

Kommentaren nötig, diese Antworttypen nur sehr dosiert und begrenzt einzusetzen. Im

Zweifelsfall sollte man deshalb eine Antwort im gefragten Umfang vorziehen.

Von besonderer Bedeutung in einer Diskussion ist immer der Umgang mit Einwänden aus

dem Publikum. Einwände werden vom Redner oft mit einem negativen Unterton wahrge-

nommen, was eine angemessene Reaktion erschwert. Deshalb ist es von Vorteil, manche

Einwände bereits im Vortrag vorwegzunehmen, sofern dies möglich ist. Damit lässt sich

die eigene Vorbereitung demonstrieren und man hat die Chance, den Einwand zu


Die Diskussion nach dem Vortrag

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entkräften, bevor er überhaupt von einem Zuhörer formuliert werden kann (Pabst-

Weinschenk, 1995: 124). Kommen die Einwände jedoch erst in der Diskussionsrunde zur

Sprache, ist Ruhe, Gelassenheit und Selbstdisziplin das oberste Gebot. Negative

Körpersprache sollte in dieser Situation vermieden werden, das heißt man sollte

Augenkontakt zu der Person, die den Einwand vorbringt, halten und sie in Ruhe ausreden

lassen. Der richtige Umgang mit Einwänden ist ein sehr komplexes Thema, dessen

umfassende Behandlung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Der geneigte Leser

findet weitere nützliche Informationen zu dieser Thematik bei Lehmann und Reese (1998:

288-297). Tipps zum Umgang mit Einwänden in Verkaufsgesprächen finden sich bei

Ebeling (1997: 178-184).

2.3 Die Diskussion beenden

Dass eine angeregte Diskussion vom Redner angestrebt werden sollte, ist bereits erwähnt

worden. Unter Umständen ist es jedoch geboten, eine ausufernde Diskussion zu beenden,

sei es, weil sie sich in eine falsche Richtung entwickelt oder einfach nur die vorgegebene

Zeit zu Ende geht. Eine entsprechende Vorbereitung kann auch hier vieles erleichtern. Eine

vorher getroffene Absprache mit dem Veranstalter kann beispielsweise die Möglichkeit

bieten, die Diskussion im passenden Moment durch diesen beenden zu lassen. Auf keinen

Fall aber sollte man die Chance versäumen, am Ende noch einmal die wesentlichen Punkte

des Vortrags und der Diskussion zusammen zu fassen. So lässt sich der letzte Eindruck,

den das Publikum vom Vortrag mitnimmt, durch den Redner gestalten und nicht durch

einen eventuell sehr kritisch eingestellten Fragesteller. Ganz am Ende sollte man sich

schließlich noch beim Publikum für die Teilnahme an der Diskussion bedanken. Dies sollte

dem tatsächlichen Verlauf der Diskussion angemessen erfolgen. Das heißt, bei einem sehr

schleppenden Verlauf sollte man sich nicht für die ,,hervorragende" oder ,,rege"

Diskussion bedanken. Falsche Töne werden vom Publikum fast immer erkannt und

entsprechend negativ aufgenommen. Das gilt im übrigen für den gesamten Vortrag und die

gesamte Diskussion und nicht nur für die abschließende Danksagung.


Die Diskussion nach dem Vortrag

Seite II

Literaturverzeichnis

Ebeling, Peter, 1997: Rhetorik ­ der Weg zum Erfolg. München: Humboldt-Taschenbuch-

verlag Jacobi.

Hofmeister, Roman, 1999: Das neue Handbuch Rhetorik. Besser reden ­ sicher überzeu-

gen. Weyarn: Seehamer Verlag.

Lehmann, Günter und Uwe Reese, 1998: Gestalten kommunikativer Situationen. Band 1:

Die Rede, Der Text, Die Präsentation. Frankfurt am Main: Peter Lang, Europäischer

Verlag der Wissenschaften.

Pabst-Weinschenk, Marita, 1995: Reden im Studium ­ Ein Trainingsprogramm. Frankfurt

am Main: Cornelsen.


Eidesstattliche Erklärung

Hiermit versichere ich, dass ich die vorliegende Hausarbeit ,,Die Diskussion nach dem

Vortrag" selbständig und ohne fremde Hilfe verfasst und keine anderen als die in der

Arbeit angegebenen Quellen und Hilfsmittel verwendet habe. Die Arbeit hat in gleicher

oder ähnlicher Form noch keinem anderem Prüfungsamt vorgelegen.

Alle Ausführungen, die wörtlich oder sinngemäß übernommen wurden, sind als solche

gekennzeichnet.

Nürnberg, den 31. Januar 2001

_______________________________

(Christopher Verheyen)



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