Autor: Gabi Kranke
Fach: Biologie - Zoologie
Details
Institution/Hochschule: Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Tags: Maulwurf, Seminar, Biodidaktik
Jahr: 2001
Seiten: 7
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 64 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-01441-5
Volltext (computergeneriert)
Seminar:
Biologieunterricht in der Grundschule 1
WS 2000/2001
Unterrichtsentwurf
Referentin: Gabi Kranke
Der Maulwurf
Maulwurf = "Erd-(=Mull)werfer"
I. Fachwissenschaftlicher Teil
1. Einordnung
- Klasse: Säugetiere (Mammalia)
- Ordnung: Insektenfresser (Insectivora)
- Familie: Maulwürfe (Talpidae)
- Europäischer Maulwurf (Talpa euroaea)
2. Körperbau und Anpassung an das Leben unter der Erde
2.1. Körper- und Kopfform
- Körper ca. 11-17 cm lang
- Schwanzlänge 2-3,5 cm
- Gewicht 65-120g
- Stromlinienförmig: Erleichtert das Laufen in den Gängen
- Kegelförmiger Kopf, durch Knorpel vorne rüsselartig verlängert (Bohrer)
- Übergang ohne Halseinschnitt in einen walzenförmigen Körper, endet mit kurzem Schwanz, meistens aufgerichtet zum Tasten
- Nasenöffnungen nach unten gerichtet, können daher beim Wühlen nicht verstopfen
- Schnauzenöffnung ebenfalls unterständig, da Unterkiefer kürzer
- Augen tief im Fell versteckt
- Kurze Extremitäten im Verhältnis zur Körpergröße
2.2. Fell
- Schwarz, grau oder braun
- Ohne "Strich", ermöglicht daher Laufen und Drehen in alle Richtungen ohne gebremst zu werden
- Senkrecht stehende Haare verhindern das Vordringen von Schmutz und Steinen auf die Haut
- Wollhaare sind Hauptbestandteil des Fells
- Tasthaare an versch. Körperregionen (siehe 2.4.3.)
- Winterfell
- Früher: Verarbeitung von Maulwurfsfellen zu Bekleidung
2.3. Extremitäten
2.3.1. Vorderbeine
- Zu Grabwerkzeugen umgebildet
- Stehen waagrecht ab
- Verkürzter Oberarm
- Kompakter Schultergürtel
- Grabhände:
- Innenfläche nach außen gedreht
- Schaufelförmig
- Stumpfe Krallen
- Fünfstrahlig, mit Sichelbein als "sechsten Finger"
- Hautbrücke im unteren Bereich zur Flächenvergrößerung
2.3.2 Hinterbeine
- Kurz
- Können am Hüftgelenk um 90° abgespreizt werden
- Dient der Verankerung des Körpers in engen, steilen Gängen
- Freihalten der Vorderbeine
- Fortscharren des Bodens und Festpressen der Erde
2.4. Die Sinnesorgane
- Die Nahsinne des Maulwurfs sind sehr gut ausgebildet
2.4.1. Gehör
- Fehlende Ohrmuscheln, Ohren im Fell verborgen
- Trotzdem: sehr gutes Gehör ("lebt mit dem Ohr an der Wand")
2.4.2. Geruchssinn
- Wittert seine Beute beim Durchwühlen der Erde
- Nase nach unten gerichtet, kann durch Hautfalte verschlossen werden
2.4.3. Tastsinn
- Rüsselspitze der unbehaarten Nase weist 150.000 freie Nervenenden und 25.000 Tastzellen auf
- Tasthaare (Vibrissen) an der Nase, um den Mund, an der Handwurzel und an der Schwanzspitze · zur Orientierung und Prüfung der Gänge
- Erschütterungen werden wahrgenommen, wichtig zur Beutesuche und zum Schutz vor Feinden
2.4.4. Augen
- Winzig, im Fell versteckt
- Durch Leben in der Dunkelheit verkümmert
- Funktionsfähigkeit wurde nachgewiesen
2.5. Gebiss
- Insektenfressergebiss aus 44 spitzen Zähnen
- Zahnformel: 3x1x4x3
3. Lebensweise
- Einzelgänger
- In unterirdischem Gänge- und Höhlensystem auf Wiesen, Äckern und Gärten
- Das ganze Jahr über aktiv, gräbt im Winter tiefer in die Erde, falls das nicht möglich ist baut er Sumpfburgen
- Wohnung (Kessel, Nest) gepolstert, Jagdgang, Laufgang, Tränke, Vorratskammer, Aushubgänge, Maulwurfshügel
3.1. Nahrung
- Hoher Energiebedarf aufgrund der enormen Grableistung
- Durchlaufen der Jagdgänge alle 3-4 Std., seine Sinnesorgane melden ihm wo sich ein Beutetier im Gang befindet
- Reiner Fleischfresser: Schnecken, Regenwürmer, Raupen, Asseln, Insektenlarven, Aas, Lurche, Mäuse
- Legt Vorratskammern an
3.2. Fortpflanzung
- Tragzeit ca. 4 Wochen
- Geburt von 4-5 bohnengroßen Jungen
- Junge werden 5 Wochen gesäugt
- Sind mit 12 Monaten ausgewachsen
3.3. Graben
- 5-10 m pro Stunde
- Losbrechen der Erde mit den Krallen
- Wegscharren und Schieben mit den Vorderbeinen
- Schaufeln und nach hinten wegscharren mit den Hinterbeinen
3.4. Feinde
- Beim Aufwerfen der Erde: Bussard, Störche, Graureiher, Krähe, Eule, Fuchs, Katze
- In den Gängen: Schlangen, Wiesel
- Gefährdung durch den Menschen
II. Fachdidaktischer Teil
1. Einordnung in den Lehrplan
- Sachunterricht der 4. Jahrgangsstufe
- Bereich 7.: Kind und Natur· Einblick in einfache Beispiele der Anpassung von Tieren an ihre Umwelt, z.B. Maulwurf
- Zwei oder mehr Unterrichtsstunden um den Maulwurf eingehend zu behandeln
2. Ziele
Grobziel:
- Einblick in ein einfaches Beispiel der Anpassung eines Tieres an seine Umwelt
Feinziele:
- Die Schüler sollen die Bestandteile des Gangsystems des Maulwurfs benennen können
- Die Schüler sollen erkennen, dass der Maulwurf an das Leben unter der Erde gut angepasst ist und begreifen, dass sein Aussehen mit seinem Lebensraum in Verbindung steht
- Die Schüler sollen die Körperteile des Maulwurfs und seine Sinnesorgane kennen und ihre Funktion erklären können
3. Methodische Umsetzung
Evtl. Unterrichtsgang
Phase | Verlauf | Sozialform Medien |
Motivation Hinführung Vorwissen aktivieren Teilziel Erarbeitung des Gängesystems Ergebnisfixierng Sicherung Motivation Problemstellung Teilziel Vorstellen der Ergebnisse Provokation Sicherung | L: Hängt Bild von einer Wiese mit Maulwurfshügeln auf SS-Äußerungen bzw. Frage des L: Welches Tier hinterlässt solche Hügel? SS: Maulwurf L: Was weißt Du schon über den Maulwurf ? SS: Erzählen ihre Erfahrungen: lebt unter der Erde, fast blind, gräbt Gänge unter der Erde L: Wir wollen uns zunächst einmal überlegen, wie der Maulwurf wohnt, seht euch mal die vielen Gänge an SS: Stellen Vermutungen über die Gänge und Höhlen an L: Ergänzt, korrigiert, heftet Wortkarten an: Vorratskammer, Tränke, Nest, versch. Gänge und Funktion SS: Bekommen den Auftrag auf einem Arbeitsblatt die einzelnen Gänge und Höhlen zu beschriften L: Du weißt jetzt schon einiges über den Maulwurf, der in seinen Gängen unter der Erde lebt. Können eigentlich alle Tiere unter der Erde leben ? SS: Vermutungen: Nein, nicht alle sind dafür ausgerüstet L: Warum kann der Maulwurf so gut unter der Erde leben ? SS: Vermutungen: klein, flink, kann gut Graben... L: Wie können wir unsere Überlegungen prüfen ? SS: Einen Maulwurf ganz genau anschauen L: Dazu nehmen wir dieses Stopfpräparat. Welche Körperteile können wir daran untersuchen ? SS: Nennen Körperteile: Kopf, Körper, Beine... L: Ergänzt, Schreibt Körperteile an die Tafel L: Unterteilt die Klasse in Gruppen, gibt Arbeitsaufträge Kopf/Körper: Keilförmig, walzenförmig, wie ein Bohrer... Gliedmaßen: Für Grabtätigkeit ausgebildet, Grabschaufeln, Krallen Fell: Ohne Strich, legt sich in jede Richtung, samtig, schwarz, dicht Sinnesorgane: Keine abstehenden Ohrmuscheln, trotzdem gutes Gehör, Augen versteckt, Tasthaare L: Schreibt Schüleräußerungen an die Tafel, ergänzt, korrigiert Evtl. Versuch: Kind legt Kopf auf den Tisch und vernimmt sogar leises Klopfen am anderen Ende des Tisches (veranschaulicht "Ohr an der Wand") L: Könnte der Maulwurf auch so aussehen SS: Nein, Beine viel zu lang, keine Grabhände, große Ohren.... L: Der Maulwurf ist also an das Leben unter der Erde hervorragend angepasst Arbeitsauftrag: Tafelbild abschreiben | Bild von Maulwurfes-Hügeln Frageunterricht Tafel Bild der Maulwurfsgänge Wortkarten Arbeitsblatt Tafelanschrieb Stopfpräparat Tafel Gruppenarbeit Aufgabenblätter Hilfsmaterial Schülervortrag Tafelanschrieb Folie Tafel- anschrieb |
4. Fächerübergreifende Möglichkeiten
Deutschunterricht:
Geschichte " Der Maulwurf Grabowski" von Luis Murschetz lesen, umschreiben etc.
Kunstunterricht:
Zeichnen eines Maulwurfs
Zeichnen des Gängesystems
Musikunterricht:
Lied "Bruder Maulwurf" nach Melodie von "Bruder Jakob"
5. Literatur
Dircksen, R.; Dircksen G.: Tierkunde 1, Bayer. Schulbuchverlag
Lange, Strauß, Dobers: Biologie 5./6. Schuljahr, Schroedel
Strauß, Dobers, Jaenicke: Biologie heute, Schroedel
Schaefer, M. Brohmer- Fauna von Deutschland, Quelle & Meyer
Witte, Günter: Der Maulwurf, Westarp Wissenschaften, 1997
Kopierordner der Biologie-Didaktik
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