Der Verfall der Aura - Walter Benjamin close

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Details

Institution/Hochschule: Universität Karlsruhe (TH)
Tags: Verfall, Aura, Walter, Benjamin
Kategorie: Anderes
Jahr: 2001
Seiten: 6
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 51 KB
Archivnummer: V103360
ISBN (E-Book): 978-3-640-01738-6

Volltext (computergeneriert)

Universität Karlsruhe
Institut für Literaturwissenschaften
Proseminar Medientheorie/Mediengeschichte
WS 2000/2001
Prof. Dr. Bernd Thum/ Frank Degler M.A.

Der Verfall der Aura


- Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
Anhand eines Essay von Walter Benjamin

Tobias Kronenwett
Geschichte (HF)/ Journalismus (NF); B.A.


1. Semester

Matrikelnummer: 1088600
Inhaltsverzeichnis

-Einleitung
-Hauptteil


1. Der Begriff der Reproduktion
2. Das Kunstwerk und seine Aura
3. Kulturwert/ Ausstellungswert

Am Beispiel Photographie und Film

4. Schluss

Einleitung
Walter Benjamin wurde 1892 in Berlin geboren, musste während des Naziregimes nach Frankreich flüchten und lebt dort in ständiger finanzieller Notlage. 1940 begeht er auf der Flucht vor der Gestapo an der spanischen Grenze Selbstmord.
Benjamins literarisches Schaffen war stets von Unvollständigkeit geprägt. Oft handelt es sich nur um Stoffsammlungen oder Ansätze. Sein Essay ,,Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" beleuchtet die Auswirkungen von Reproduktion auf die Kunst, sowie auf die Intension unter der Kunst entsteht.


1. Der Begriff der Reproduktion

Zunächst gilt es den Begriff der technischen Reproduktion zu definieren. Walter Benjamin definiert Reproduktion als etwas, was es schon immer gab.
" Das Kunstwerk ist grundsätzlich immer reproduzierbar gewesen. Was Menschen gemacht hatten, das konnte immer von Menschen nachgemacht werden."1
Eine neue Qualität erreichte die Reproduktion jedoch durch die technischen Errungenschaften zur Vervielfältigung, wie z.b. den Buchdruck oder die Lithographie. Nun ist es möglich Kunst massenweise herzustellen. Die technische Reproduktion stellt die Einzigartigkeit eines Kunstwerks in Frage, sie erreicht selbst den Status einer künstlerischen Verfahrensweise.
,,Um neunzehnhundert hatte die technische Reproduktion einen Standard erreicht, auf dem sie nicht nur die Gesamtheit der überkommenen Kunstwerke zu ihrem Objekt zu machen und deren Wirkung den tiefen Veränderung zu unterwerfen begann, sondern sich einen eigenen Platz unter den künstlerischen Verfahrensweisen eroberte"2
Somit wird Reproduktion zu Kunstform, als Beispiel lassen sich der Film oder die Photographie nennen. Doch was macht das Kunstwerk im Auge des Betrachters zu etwas einmaligem?
Walter Benjamin verwendet den Begriff der ,,Aura" um zu dokumentieren, wie ein Kunstwerk auf den Betrachter als einmalig wirkt.

2. Das Kunstwerk und seine Aura

Die ,,Aura" ist ein ständig wiederkehrender Begriff, wenn es Walter Benjamin um die Einzigartigkeit eines Kunstwerkes geht. Er vergleicht die Aura eines Kunstwerkes mit der Ganzheitlichkeit eines Naturerlebnisses, etwas das immer in der Ferne liegt, z.b. einem Sonnenuntergang.
,, An einem Sommernachmittag ruhend einem Gebirgszug am Horizont oder einem Zweig folgen, der seinen Schatten auf den Ruhenden wirft - das heißt die Aura dieser Berge, dieses Zweiges atmen." 3
Diese Aura eines Kunstwerkes rührt von seinem Ursprung, seiner Tradition her. Diese Tradition ist eng verknüpft mit der Ritualfunktion, die, die Kunst von den ersten Höhlenmalereien an trägt. Kunst kann man laut Benjamin nicht entkoppelt von ihrer Ritual- oder Kultfunktion betrachten.
,, Der einzige Wert des <echten> Kunstwerks hat seine Fundierung im Ritual, in dem es seinen originären und ersten Gebrauchswert hatte."4
Daraus wird deutlich, dass Kunst, vor dem Zeitalter der technischen Reproduktion, aus einem Gebrauchswert heraus entstand um eine bestimmte Ritualfunktion zu übernehmen. Durch die Reproduzierbarkeit wird diese Funktion aufgehoben und das Kunstwerk emanzipiert sich gegenüber dem Ritual.
,, Die Reproduktionstechnik[...] löst das Reproduzierte aus dem Bereich der Tradition ab. Indem sie die Reproduktion vervielfältig, setzt sie an die Stelle des einmaligen Vorkommens ein Massenweißes."5
In dieser Theorie spiegelt sich die Kritik am gemeinen Glauben, des vollständig Berechenbaren, dem Sieg der Naturwissenschaft über den Geist, der in dieser Zeit des technischen Aufbruchs herrschte, nieder.
,,So bekundet sich im anschaulichen Bereich was sich im Bereich der Theorie als zunehmende Bedeutung der Statistik bemerkbar macht."6

3. Kulturwert/ Ausstellungswert

Einen weiteren Effekt der durch technische Reproduzierbarkeit sieht Benjamin in der Verschiebung weg vom Kulturwert, hin zum Ausstellungswert eines Kunstwerks.
Durch die Reproduzierbarkeit vor allem in den neuen Medien wie z.b. dem Film geht die Intension der Künstler weg vom Schaffen eines Kunstwerkes zum Ausdruck eines religiösen oder spirituellen Aspektes, also weg vom Kultobjekt, hin zum Schaffen von Kunst zum Zwecke der Präsentation. Dies revolutioniert die Kunst. Im Angesicht dieser Krise entwickelt sich die ,,L `art pour L `art" die, die Kunst als Selbstzweck propagiert.
Am drastischsten wird die Verschiebung von Kunstwert und Ausstellungswert für Benjamin in der Photographie sichtbar.
,,In der Photographie beginnt der Ausstellungswert den Kultwert auf ganzer Linie zurückzudrängen."7
Im Film verschwindet der Kultwert schließlich vollständig und der Ausstellungswert wird zur Motivation des Künstlers. Durch dieses Ungleichgewicht verliert der Film seine Aura.
Zur Verdeutlichung zieht Benjamin den Vergleich zwischen einem Bühnenschauspieler und einem Darsteller in einem Film. Der Bühnenschauspieler kann jederzeit auf die Reaktionen seines Publikums reagieren, während der Darsteller in einem Film zur Passivität verbannt ist. Er ist auf die Kamera als Mittel angewiesen und kann nicht auf die Interaktion mit dem Publikum zurückgreifen und kann somit kein Kultwert schaffen.
,,Das Publikum fühlt sich in den Darsteller nur ein, indem es sich in den Apparat einfühlt. Es übernimmt also dessen Haltung, es testet. Das ist keine Haltung der Kultwerte ausgesetzt werden können."8

4. Schluss

Walter Benjamin nimmt in seinem Essay eine sehr kritische Haltung gegenüber der technischen Reproduktion, sowie den neuen Medien ein. Die Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben und die Politik vernachlässigt er, was aus seiner Situation als im Exil lebender heraus nachvollziehbar ist. Dennoch hat Massenkunst doch auch etwas positives. Kunst wird für jeden zugänglich und somit demokratischer. Sie wird, vom Privileg einiger weniger, zum Ereignis an dem jeder in irgendeiner Form teilhaben kann. Und das ist doch auch eine Art von Aura, die, die Kunst dann umgibt.

Literaturverzeichnis:

Benjamin, Walter Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
Suhrkamp, Frankfurt am Main 1966

1 Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit; Suhrkamp Ffm 1966 S.10

2 Benjamin: Das Kunstwerk... S. 11

3 Benjamin: Das Kunstwerk... S. 15

4 Benjamin: Das Kunstwerk... S. 16

5 Benjamin: Das Kunstwerk... S. 13

6 Benjamin: Das Kunstwerk... S. 16

7 Benjamin: Das Kunstwerk... S. 21

8 Benjamin: Das Kunstwerk... S. 24

Kommentare

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