Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Der Tugendbegriff - von der Antike bis heute close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Der Tugendbegriff - von der Antike bis heute

Presentation (Pre-University), 1997, 6 Pages
Author: Stefan Witte
Subject: Ethics

Details

Event: Ethik
Institution/College: Friedrich-Hecker-Gymnasium Radolfzell
Tags: Tugend, Sokrates, Platon, Aristoteles
Category: Presentation (Pre-University)
Year: 1997
Pages: 6
Language: German
Archive No.: V103662
ISBN (E-book): 978-3-640-02040-9

File size: 63 KB


Fulltext (computer-generated)

Stefan Witte

Ethik Referat - 12te Klasse

Tugend

Spricht man noch von Tugenden?

Der erste Text handelt von den olympischen Spielen 1928. In dem letzten Florettkampf um die Goldmedaille treten

ein Italiener und ein Franzose gegeneinander an. Während des Kampfes kommt Unsicherheit auf, man weiß nicht

ob der Franzose getroffen ist oder nicht. Nach einer kurzen Diskussion verkündet das Kampfgericht "Non

touché". Der Franzose, zu dessen Gunsten entschieden wurde reißt seine Maske vom Gesicht und bekennt: "Je

suis touché", obwohl das Kampfgericht für ihn entschieden hat und sein Eingeständnis den Verlust der

Goldmedaille bedeutet.

Der zweite Text handelt von drei polnischen Jüdinnen, die während des Zweiten Weltkrieges vor den Nazis

fliehen. Sie befinden sich auf einem Bauernhof der dem deutschen Ehepaar Harder gehört. Das Ehepaar versteckt

die Mädchen - erst in einem Schuppen, dann im Stall - und versorgt sie später mit Kleidung und Essen, was zu

dieser Zeit auch für sie Mangelware war, sie baden die Kinder und lassen sie schließlich in ihrem Ehebett

schlafen. Die Geschichte stammt aus einem Band, das sich "wenige Zeugnisse der Menschlichkeit 1933-1945"

nennt und jene Fälle aufzeigt in denen sich Deutsche selbstlos und unter Gefährdung des eigenen Lebens für

Fremde einsetzen, damit also Menschlichkeit und Nächstenliebe, vor allem aber Mut und Selbstlosigkeit

beweisen.

Text 3, Zitat:

"Ich würde das nicht für eine Million Dollar tun", meinte ein amerikanischer Journalist, als er zusah, wie Mutter

Theresa die stinkende und ekelerregende Wunde eines Patienten versorgte. "Ich auch nicht" antwortete sie.

Dieses Verhalten Mutter Theresas lässt sich kurz und treffend als tugendhaft bezeichnen. Obwohl Tugenden

Etwas vorbildliches, positives und für ein friedliches Zusammenleben notwendiges sind, wird der Begriff gar

nicht - oder nur sarkastisch - verwendet.

"Tugend bedeutet die - vorwiegend durch Selbsterziehung gewonnene - sittliche Grundhaltung eines Menschen,

die in seinem Denken und Handeln als echte Menschlichkeit zum Ausdruck kommt.

Die im 18.ten Jahrhundert als "bürgerliche Tugenden" bezeichneten Eigenschaften wie Ordnungsliebe, Fleiß und

Sparsamkeit haben den Begriff Tugend in Verruf gebracht. Damals wurden Tugenden derart hoch gewertet, dass

sie zur gesellschaftlichen Norm und dadurch zum Zwang wurden. Das führte zu Vorsicht, vor allem aber zu

Heuchelei. Die Tugenden Großmut und Demut haben im Laufe der Zeit ihre Bedeutung verloren, an ihre Stelle

treten jetzt Toleranz, Fairness und Solidarität. Zu den zeitlosen Tugenden gehören Nächstenliebe und

Gerechtigkeit.

Der Tugendbegriff in der Antike und im Christentum

Der griechische Ausdruck für Tugend ist

aret

, und bedeutet Tauglichkeit oder Tüchtigkeit, womit die Eignung

gemeint ist.

Die

aret

, eines Handwerkers zu Sokrates′ Zeit war das Wissen über seine Arbeit und die Fähigkeit gute Arbeit zu

leisten oder den Zweck seines Produktes direkt und plausibel erklären zu können. Sie hing von seinen

Kenntnissen und vor allem von seinem Wissen darüber, was er produzierte, ab. Es war für Sokrates grundsätzlich

sehr wichtig zu wissen, welches Ziel man verfolgt, bevor man sich über den Weg dorthin Gedanken machte. Das,

was wir unter Tugend verstehen ist schließlich die Aufgabe, die sich jeden Menschen einzeln stellt, also nicht

mehr die individuelle Ausübung des Berufes, sondern eine Aufgabe, die jeder Mensch gleichermaßen und für

sich Selbst zu lösen hat. Die

aret

, eines Menschen ist also nach Sokrates die Fähigkeit des Einzelnen, die Inhalte

seiner Auffassung in die Tat umzusetzen.

1


Sokrates

Laut Sokrates wird das menschliche Handeln von der Vernunft bestimmt. Mit dem Wissen nichts zu wissen hält

er sich für weiser als andere, hält jedoch Wissen an sich für erreichbar und Erkenntnis für wichtig. Für ihn gilt:

Tugend ist die richtige Erkenntnis umgesetzt in Handeln. In einem Dialog mit Protagoras vertritt Sokrates anfangs

die Meinung, dass Tugend nicht rein theoretisch zu vermitteln und daher auch nicht lehrbar ist. Er erkennt, dass

Tugend Wissen und Erkenntnis umgesetzt in Taten und damit doch lehrbar und erlernbar ist. Die Erkenntnis und

die Einsicht sind wichtig, um das eigene Handeln zu verstehen. Da Wissen und Erkenntnis lehrbar sind, muss

auch Tugend - zumindest zu einem gewissen Teil - lehrbar sein. Damit spricht Sokrates der Erkenntnis einen

hohen Stellenwert zu und man kann den Satz "Der Wissende ist weise, der Weise ist gut" als Fazit dieses

Gespräches ansehen. Die Tatsache, dass sich sein Standpunkt vom Anfang des Gespräches im Lauf des

Dialoges gewendet hat, liegt an seiner weitgefächerten Auffassung der Vernunft, des Logos. (griechisch: Wort,

Satz, Erwägung, vernünftiger Grund, Denkvermögen, Vernunft, Weltgesetz.) Für Sokrates ist der Logos stark und

verlässlich, er sagt: "Mein ganzes Leben halte ich es so, dass ich nichts anderem gehorche als dem Logos, der

sich mir in der Untersuchung als der Beste erweist." Für Sokrates bilden Denken und Handeln eine Einheit, das

heißt, wer das Gute erkennt, der tut es auch und wer das Schlechte tut, der erkennt es als Gutes, irrt sich also.

Damit ist nicht die Tat an sich ein Fehler, sondern es mangelt an Wissen, an Einsicht. Schließlicht handelt doch

jeder nach dem, was er für gut hält, und damit kann nur derjenige tugendhaft sein, der weiß, was gut ist. Also

sind Vernunft und Wissen vor allem aber Selbsterkenntnis die Voraussetzung für Tugend

Wissen schließt das eigene Wollen ein, das ist die Quintessenz der sokratischen Lehre. Ein Erkennen von

Tugend bedeutet ein tugendhaftes Leben führen wollen und danach handeln. Die Tugend beruht auf Wissen

und Einsicht. Das Unwissen des schlecht Handelnden ist nicht bloßer Informationsmangel; es ist ein Zeichen der

inneren Unfähigkeit, Tugend zu erkennen.

Tugend und Wissen sind das Fundament für das höchste Gut, die

Glückseligkeit

, diese wird durch einen

vernünftigen und tugendvollen Lebensstil, nicht durch Reichtum und Luxus sondern durch Mäßigung und

Selbstbeherrschung gewährleistet. Die Vernunft und Tugend macht den Menschen gottähnlich und

unterscheidet ihn damit von den Tieren.

Sokrates: Tugend ist das Streben nach dem Guten

Menon behauptet, nicht alle Menschen wollen das Gute, sondern manche das Böse. Aus dem Dialog mit

Sokrates geht hervor, dass diejenigen, die das Böse anstreben es entweder nicht als böse erkennen, oder

fälschlicherweise als gut betrachten, indem sie denken, es sei ihnen nützlich. Damit kommt Menon zu dem

Schluss, dass alle Menschen das begehren, was sie jeweils für gut halten, also streben alle Menschen

grundsätzlich

nach dem Guten.

Sokrates: Tugend ist das Vermögen, das Gute herbeizuschaffen

Hier erweitert Sokrates den Tugendbegriff, der zuvor noch so umschrieben wurde: Tugend ist, das Gute zu wollen

und es zu vermögen. Da - wie aus dem letzten Dialog hervorgeht, jeder das Gute will, wird nun danach

unterschieden, wer es am Besten erreichen kann, damit ist die Definition schließlich: Tugend ist das Vermögen,

das Gute herbeizuschaffen.

Platon

Platon führt Sokrates′ Überlegungen über das Wissen um die Tugend und deren Lehrbarkeit fort.

Sokrates befragte einen Jungen nach dem Ergebnis einer unbekannten Mathematikaufgabe. Der Junge kam auf

das richtige Ergebnis, obwohl Sokrates nur maieutisch nachgeholfen hat, er hat gefragt aber nicht gelehrt, damit

hat der Junge das Ergebnis alleine herausgefunden. Hier ist also Lernen sowie apriorisches Wissen - Vorwissen -

beteiligt, d.h. es gilt nicht, zu fragen, ob das Wissen von vorne herein (a priori) vorhanden war oder erlernt

wurde, sondern man muss einsehen, dass Wissen sowohl a priori da war als auch erlernt wurde. Platon

bezeichnet Lernen daher als Besinnung auf ureigenes Wissen (Anamnesis). Der Begriff "angeboren" ist nur eine

ungenaue Übersetzung dafür. Damit ist Tugend als sittliches Wissen auch ein Stück weit a priori vorhanden und

somit lehrbar.

Platon legt vier Kardinaltugenden fest: Mäßigkeit, Tapferkeit, Weisheit und die den anderen übergeordnete

Gerechtigkeit, wobei er unter Gerechtigkeit nicht die richterliche Gerechtigkeit meint, sondern er sieht in jedem

Menschen einen kleinen Staat und unterteilt ihn in drei Stände:

2


den "Nährstand", bei dem die Mäßigkeit die Triebhaftigkeit des Menschen durch die Vernunft einschränkt, den

"Wehrstand", bei dem die Tapferkeit vernünftige Aktivitäten gegen Lust und Unlust durchsetzt, und den durch

Vernunft und Weisheit gelenkten ,,Lehrstand,,. Die Gerechtigkeit dient als Verfassung und ordnet die anderen

Tugenden. Sie ist hier also das Gleichgewicht zwischen den Ständen oder den "Seelenteilen" des Menschen. Der

Mensch ist gerecht, wenn sich seine Seelenteile im Gleichgewicht befinden, und Gerechtigkeit wird zu einer

Tugend, die die andern überragt.

Aristoteles

Aristoteles übernimmt Platons Modell der Kardinaltugenden, gibt dabei die Sonderstellung der Gerechtigkeit auf

und ergänzt die Tugenden durch weitere ihm wichtig erscheinende wie Freundschaft, Freigiebigkeit, Sanftmut,

Anteilnahme und Takt. Er misst der Weisheit eine übergeordnete Rolle zu, sie wird auch von der Stoa und in

folgenden Jahrhunderten als Inbegriff der Tugenden bezeichnet. Der Weise ist offen für alles, nimmt alles auf und

lernt nie aus, sondern immer dazu. Laut Aristoteles kann das

nur von einem Philosophen

erreicht werden. Vo n

der Weisheit unterscheidet er die Klugheit, die nicht die Dinge im allgemeinen betrachtet, sondern sich mit

konkreten Fällen im Alltag beschäftigt, er bezeichnet sie als sittliche Urteilskraft, die der Weisheit untergeordnet

ist, weil sie ihr dient wie die Heilkunde der Gesundheit.

Aristoteles sieht den Menschen als ein Wesen mit einem vernünftigen und einem unvernünftigen Seelenteil;

Letzterer ist der pflanzenhafte Teil und regelt Ernährung, Wachstum und Fortpflanzung. Da der pflanzenhafte Teil

nicht beeinflussbar ist, hat er auch nichts mit Tugend zu tun, der tierhafte Seelenteil allerdings regelt

Ortsbewegung, Wahrnehmung und Lust bzw. Unlust und kann damit von der Vernunft beeinflusst werden.

Daraus entstehen die ethischen oder sittlichen Tugenden (die untere Tugendklasse), die von Aristoteles auch als

lobenswerte Verhaltensweisen bezeichnet werden und Freigiebigkeit, Mäßigkeit, Tapferkeit u.a. umfassen.

Diese Tugenden werden von den Tugenden des vernünftigen Seelenteils, den

verstandesmäßigen

oder

intellektuellen

Tugenden bestimmt. Dieses sind im Allgemeinen

erlernte

Tugenden wie Kunstfertigkeit,

Klugheit, Wissenschaft und Weisheit.

Aristoteles′ Tugendlehre ist eine

"Lehre von der Mitte",

die Tugenden liegen zwischen zwei Extremen, wobei

sich diese Mitte nur für jeden Menschen

individuell

festlegen lässt.


unteres Extrem Tugend oberes Extrem

Feigheit Tapferkeit Tollkühnheit

Knauserigkeit Freigiebigkeit Verschwendungssucht

Unfähigkeit zu gerechtem Zorn Sanftmut, Gleichmut Jähzorn

Schüchternheit Bescheidenheit Unverschämtheit

Beide Tugendformen sind miteinander verbunden: Die praktische Vernunft ist nötig für die Ausführung der

ethischen Tugenden, andererseits braucht die Klugheit - die dafür benötigte intellektuelle Tugend - ethische

Tugend als Fundament. Aristoteles geht davon aus, dass ethische Tugend in einer natürlichen Vorform a priori

existiert und mit Hilfe der praktischen Vernunft daraus die richtige sittliche (ethische) Tugend hervorgeht.

Gerechtigkeit sieht Aristoteles als richterliches Handeln und misst ihr damit eine Rolle im Staat zu, wie wir es in

der heutigen Welt kennen; Er kennt zwar Platons Definition von Gerechtigkeit, greift sie aber nicht auf. Für ihn ist

sie die höchste Tugend des staatlichen Zusammenlebens und soll Glückseligkeit gewährleisten. Die Gerechtigkeit

steht bei Aristoteles in der Mitte zwischen Unrechttun und Unrechtleiden, er verurteilt also auch Unrechtleiden

als ungerecht und damit nicht tugendhaft. Aristoteles sieht es als Pflicht des Staates, gute Gewohnheiten zu

fördern, wenn es sein muss auch mit Zwang.

"Der Pfad der Tugend bildet sich, indem er begangen wird" (O.F. Bollnow)

Als Voraussetzung der Tugendhaftigkeit sieht Aristoteles die Tatsache, dass jede Möglichkeit etwas zu tun auch

die Möglichkeit mit sich bringt, es

nicht

zu tun. Damit entscheiden wir, ob wir uns gut oder schlecht, d.h.

tugendhaft oder nicht verhalten.

Das Wissen ist für die Tugend nicht wichtig, sondern die Umsetzung der Ansichten in Taten, denn nur wer tut,

was gut ist, kann als tugendhaft bezeichnet werden, wer es unterlässt macht einen Fehler, weil er eben nicht

tugendhaft handelt.

3


Die

partikulare

Gerechtigkeit ist für Aristoteles - im Gegensatz zu der

allgemeinen

- staatlichen

Gerechtigkeit - die Behandlung des Einzelnen und dessen Verhalten. Zum Beispiel kann einem Bürger mehr,

weniger oder gleich viel Ehre bzw. Geld zuerkannt werden wie einem anderen. Hier sorgt die partikulare oder

partielle Gerechtigkeit für Ausgleich. Dann gibt es den freiwilligen Verkehr von Gütern und den unfreiwilligen.

Der freiwillige ist durch Verträge festgelegt (Miete, Kauf, Bürgschaft), wobei der unfreiwillige normalerweise ohne

gegenseitiges Einverständnis vonstatten geht (Diebstahl, Ehebruch, Freiheitsberaubung). Diese individuellen

Fragen werden durch die partikulare Gerechtigkeit geregelt.

Die

austeilende

Gerechtigkeit sorgt dafür, dass den betroffenen Personen Strafe und Vergütung im

angemessenen Maß zukommen, d.h. Niemand soll Etwas bekommen, was für seine Situation zu viel oder zu wenig

Strafe oder Ersatz ist.

Die

ausgleichende

Gerechtigkeit beschäftigt sich damit, die durch eine Straftat aufgekommene

Ungleichheit wieder rückgängig zu machen, d.h. dem Täter seinen Vorteil zu nehmen und dem Opfer eine

Entschädigung zukommen zu lassen.


Tugend bei der Stoa und im Christentum

Die Stoiker gingen davon aus, dass nur der Mensch über Vernunft verfügt und damit die göttlichen Gesetze

erkennen und befolgen kann. Glückseligkeit im Sinne der Stoa ist die Harmonie des Menschen mit der Natur. Da

der Mensch ein Teil der Natur ist, ist diese Harmonie gegeben, sobald er den Naturgesetzen folgt und die

gleichen Ziele wie die Natur anstrebt.

Tugend zeigt sich im Willen, mit der Natur übereinzustimmen.

Der Stoiker lässt sich nicht von Gefühlen und Leidenschaften oder Affekten leiten, sondern handelt, indem er

sich von der Vernunft leiten lässt und kein Mitgefühl empfindet. Der Zustand der Leidenschaftslosigkeit

(

apatha

) ist das Ziel der Tugend, die unabhängig von der Lebenssituation oberste Handlungsmaxime bleibt, weil

sie Glückseligkeit

gewährleistet

. Der Stoiker hilft, aber er kennt keine Anteilnahme oder Erregung. Nach der Lehre

der Stoa ist die Tugend das

einzige Gut des Menschen

.

Die Stoiker haben den Gedanken der Humanität aufgegriffen und weiterentwickelt bis zur Nächstenliebe, sie

sehen jeden als Menschen an, kennen Freundschaft und Liebe, die jedoch nicht so weit fortschreiten darf, dass

das Unglück eines Freundes die eigene Ruhe stört.

Seneca: Von der Tugend als dem höchsten Gut

Seneca sieht die Tugend als absolut und unveränderlich an, das Gute ist tugendhaft, nicht bequem. Es ist ein

Übel, bei einem Gastmahl zu liegen und ein Gut, gefoltert zu werden, wenn Letzteres tugendhaft und Ersteres

nicht tugendhaft geschieht. Die Tugend macht die Dinge gut oder schlecht, die Handlung selbst ist unwichtig.

Der

Glücklichste

ist derjenige, der seine Tugend unter den

schlimmsten

Bedingungen beweist, wenn es der Preis

einer tugendhaften Pflicht ist, denn gut - und damit tugendhaft zu sein - ist ihm

wichtiger

als glücklich zu sein.

Die Tugend überragt alles Andere und macht damit körperliche Empfindungen unwichtig, solange der Geist stark

bleibt. Das Ziel seiner Philosophie ist der Sieg über Habsucht, Ehrgeiz und Todesfurcht, nicht über andere Völker,

weil diejenigen, die andere Völker besiegen, vor eben diesen Dingen nicht geschützt sind.

Tugend im Christentum

Im Gegensatz zu der Philosophie der antiken Philosophen, die die Stärke des Wissens preisen, sagt die christliche

Ethik, dass der Mensch

schwach

und das Böse

stark

ist. Die einzige Rettung des Menschen kann Gott sein. Die

christliche Kirche hat Platons Kardinaltugenden Gerechtigkeit, Mäßigkeit, Tapferkeit und Weisheit aufgenommen

und durch Glaube, Hoffnung und Liebe erweitert. Später wurden sie durch zwischenmenschliche Tugenden wie

z.B. Nächstenliebe erweitert. Tugendhaftigkeit bestand vor allem darin, die

Gesetze

Gottes zu

befolgen

. Der

Glaube war

wichtiger

als Tugend, und

nicht zu sündigen

damit tugendhaft.

Das Christentum wurzelt im Judentum, und da tugendhaftes Verhalten nicht auf der Erde vergolten wurde, es

jedoch keine Zweifel an der Gerechtigkeit Gottes gab, kam der Glaube an die Entlohnung im Jenseits, und damit

an die Unsterblichkeit auf.

Demut ist allerdings eine rein christliche Tugend, die bereits 109 bis 107 v. Chr von einem Pharisäer beschrieben

und später von Jesus in der Bergpredigt als

Gebot

bezeichnet wurde.


4


Bürgerliche Tugenden
-

Die Gefahr des

Missbrauchs

von Tugenden


Im 16. Jahrhundert aufgekommen bestimmten die bürgerlichen Tugenden

Ordnungsliebe, Sparsamkeit,
Gehorsam, Pünktlichkeit

und

Reinlichkeit

im 18. und 19. Jahrhundert weitgehend das gesellschaftliche

Verhalten und blieben größtenteils bis heute erhalten. Ursprung war der Aufstieg des Bürgertums nach der

französischen Revolution. Der Pietismus verstand sich als Liebesgemeinschaft frommer Christen und führte vor

allem die aktive Nächstenliebe, z.B. durch die Errichtung von Waisenhäusern ein. Die Aufklärung zielte auch auf

Handeln ab, als Konsequenz kritischen Denkens und um das Zusammenleben in der Gesellschaft zu verbessern.

Mit der Bildung des Bürgertums wurde es selbstständiger und schuf eigene Werte und Tugenden. Diese

Tugenden wurden sogar in "moralischen Wochenschriften" veröffentlicht und langsam entwickelte sich ein

einheitlicher Tugendkatalog. Die bürgerlichen Tugenden waren vor allem

wirtschaftlich-ökonomische

Tugenden,

die vom Bürgertum aus seiner finanziell schwachen Lage heraus aufgestellt worden waren und von der Mehrheit

der Intellektuellen propagiert wurden. Ein Problem der bürgerlichen Tugenden war, dass sie oft

über andere

gestellt wurden und damit

wichtige Tugenden

wie

Hilfsbereitschaft, Besonnenheit

und

Nächstenliebe

verdrängten. Höffe spricht von einer

Verschiebungsgefahr

der manche frühere Erziehung zum Opfer fiel. Heute

zählen diese Werte als

Sekundärtugenden

und haben immer noch einen hohen erzieherischen Wert.

Um eine Überbewertung der bürgerlichen Tugenden zu vermeiden, sollte man sie im Zusammenhang mit anderen

- übergeordneten - betrachten. Die Kardinaltugenden sind sozusagen die Aufhängung des Tugendkataloges,

zusammen mit einigen anderen wie Nächstenliebe oder Ehrfurcht vor dem Leben. Diese Tugenden sind

Selbstzweck,

während die bürgerlichen auf

spezielle Ziele

ausgerichtet werden müssen. Ordnung und

Pünktlichkeit sind keine Garantie für gute Taten, wie die Jahre 1933 - 1945 in Deutschland gezeigt haben. Rudolf

Höss, Kommandant in Auschwitz war im privaten Bereich ein ordentlicher Bürger dessen Aufzeichnungen

Pflichtbewusstsein, Naturverbundenheit

und

Tierliebe

auflisteten. Dies zeigt, dass bürgerliche Tugenden

instrumentelle

Tugenden sind, deren Ziele - sofern man sich in manchen Zusammenhängen überhaupt noch des

Wortes ,,Tugend" bedienen kann - immer wieder neu überprüft werden müssen. Diese Fehlanwendungen der

Tugenden und ihr Missbrauch durch die NSDAP brachten den Begriff Tugend in Verruf, so dass heutzutage oft

nur noch sarkastisch oder abwertend über sie gesprochen wird, obwohl sie ihre Bedeutung noch nicht verloren

haben.

Die Bestimmung tugendhaften Verhaltens

Kant schreibt in seinem Buch ,,Metaphysik der Sitten", dass die Tugend ,,immer ganz neu aus der Deckungsart

hervorgehen" soll, d.h. dass die Tugenden nicht steif, sondern flexibel sein sollten, um den Situationen

angepasst werden zu können.

Der erste Teil nennt sich

die

Pflichten des Menschen gegen

sich selbst

. Die erste davon ist die Selbsterhaltung,

d.h. Selbstmord und Selbstverstümmelung sind Verbrechen. Danach führt er die

Wahrhaftigkeit

und

Selbstachtung

an, die Laster, Lüge, Geiz u.a. ausschließen, dann die richterlichen Pflichten über sein eigenes

Gewissen und die Religionspflicht, die den Menschen göttliche Gebote zur Pflicht macht. Das wichtigste Gebot

Kants ist:

"Erkenne dich selbst,... ob dein Herz gut oder schlecht ist."

Im zweiten Teil beschäftigt Kant sich mit den Pflichten gegen

andere

Menschen. So sind die Pflichten der Liebe

die Wohltätigkeit, Dankbarkeit und Anteilnahme, während die Pflichten der Achtung die Aussage: "Mensch sein

ist Würde" oder einfache Freundschaft mit sich bringen. Zu guter Letzt führt er noch Umgangstugenden an, die

das menschliche Zusammenleben erleichtern.

Kants Ethik ist allerdings keine strenge Sittenlehre, sondern er geht davon aus, dass der Mensch seine Pflicht

glücklich und zufrieden erfüllen kann, dabei aber den Anspruch auf Glückseligkeit aufgeben soll, denn diese zu

fördern kann

keine

Pflicht sein.

Tugenden heute

Tugend ist ein Grundbegriff der Ethik, und trotz des in heutigen Tagen immer unbeliebteren Ausdruckes sehr

wichtig für das menschliche Zusammenleben. Sie ist das Ideal der Selbsterziehung und schränkt weder den

Lebenswandel noch die Freiheit des Einzelnen ein, bringt jedoch gewis se Notwendigkeiten und Verzichte mit

sich.

Tugend ist eine durch Naturanlage, einsichtige Entscheidung und Gewöhnung vermittelte Haltung sittlichen

Wollens und Handelns.

5



Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit

Author: Claudia Nickel
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens

Author: Maik Philipp
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/103662/der-tugendbegriff-von-der-antike-bis-heute
please wait Please wait