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Details

Veranstaltung: Seminar Gesprächsführung
Institution/Hochschule: Universität Siegen (Fachbereich Psychologie)
Tags: Gesprächsführung, Interview, Seminar, Gesprächsführung
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 1997
Seiten: 22
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 142 KB
Archivnummer: V1071
ISBN (E-Book): 978-3-638-10663-4
ISBN (Buch): 978-3-638-63706-0

Zusammenfassung / Abstract

"Es gibt so viele Wege, ein Interview zu führen, wie es Situationen gibt, in denen Menschen interviewt werden." Das müssen Martin MALONEY und Paul Max RUBENSTEIN in ihrem Lehrbuch "Writing for the media" feststellen. Und ich mußte feststellen: Es gibt wohl ebenso viele Möglichkeiten, diese Wege auf-zuzeichnen. Mit dieser Arbeit habe ich versucht, die komplexen formalen, inhaltlichen, interaktiven und emotiven Vorgänge eines journalistischen Gesprächs darzustellen, dessen Führung der Informationsbeschaffung für die Öffentlichkeit dient. Die genannten vier Aspekte dieser Gesprächsführung strukturieren mein Kapitel 4; eine Ebene tiefer liegen die verschiedenen Fragetechniken (Kapitel 3), die ich nicht nach ihrer Art, sondern nach ihrem Nutzeffekt sortiert darstelle. Neben Definitionsversuch mit kurzem geschichtlichen Abriß (Kapitel 2) führe ich allgemeine Strategien der Gesprächsführung im Interview auf (Kapitel 5) - und auch spezielle Strategien, abhängig von der Rolle, die der Interviewpartner spielt.

Textauszug (computergeneriert)

Gesprächsführung

im journalistischen Interview

Frank Rosenbauer

1 Einleitung

2 Definition und Entstehung des journalistischen Interviews

2.1 Was ist ein journalistisches Interview?
2.2 Abgrenzung zu anderen Interviewformen
2.3 Wie das Printmedien-Interview entstand

3 Informationsbeschaffung im Gespräch (Mikroebene)

3.1 Faktizierbare Informationen erhalten, die unabhängig von der befragten Person gültig sind
3.2 Zusammenhang zwischen Interviewpartner und einem Sachverhalt herstellen
3.3 Konkret und anschaulich Erlebnisse rekonstruieren
3.4 Wenn der Interviewpartner erklären, erzählen oder begründen soll
3.5 Sehr ausführliche und persönlich gefärbte Informationen bekommen
3.6 Ausufernde Antworten verhindern
3.7 Den Fragegegenstand eindeutig machen
3.8 Zur Präzisierung vager Antworten
3.9 Unklare oder mehrdeutige Aussagen klären lassen
3.10 Unklare oder mehrdeutige Definitionen klären lassen
3.11 Deutend auf den Punkt bringen und das Thema weiterziehen
3.12 Wenn der Interviewpartner kurze, klare Feststellungen machen soll
3.13 Damit der Interviewpartner offen über sich spricht
3.14 Die Person ganzheitlich beleuchten
3.15 Den Interviewpartner zu einer Prognose veranlassen
3.16 Den Interviewpartner zu einem Werturteil provozieren
3.17 Eine Antwort provozieren und den Interviewpartner in die Defensive drängen
3.18 Dem Interviewpartner Aussagen entlocken, die er eigentlich nicht machen will
3.19 Die gewünschte Antwortrichtung erreichen

4 Makroebenen der Interviewführung

4.1 Formale Steuerung
4.1.1 Eröffnen
4.1.2 Weiterleiten
4.2 Inhaltliche Steuerung
4.2.1 Den Redefluß des Befragten verstärken
4.2.2 Die Aussagen des Befragten konkretisieren, betonen und akzentuieren
4.2.3 Das Gespräch weiterführen, wenn der Befragte nebelig oder zu kompliziert antwortet
4.3 Interaktions-Steuerung
4.3.1 Den Interviewpartner mit dem Thema konfrontieren
4.3.2 Die Themenvertiefung
4.3.3 Dialogische Spannung erzeugen
4.3.4 Dialogstörungen beheben
4.4 Emotive Steuerung
4.4.1 Den Ablauf des Interviews sichern
4.4.2 Wertvolle Informationen über den Interviewpartner
4.4.3 Unsicherheit des Interviewpartners erkennen
4.4.4 Verschleierung erkennen
4.4.5 Anzeichen des Widerstands entdecken

5 Strategien der Gesprächsführung im Interview

5.1 Gesprächsleitung verdeutlichen
5.2 Eröffnung
5.2.1 In den Trichter hinein - oder aus ihm heraus
5.2.2 Das „Eis brechen"
5.3 Vier Steuermanöver im Verlauf
5.3.1 „Rückwärts fahren"
5.3.2 „Abbiegen auf eine Nebenstrecke"
5.3.3 „Geradeaus weiterfahren"
5.3.4 „Vollbremsung"
5.4 Motive herausarbeiten
5.5 Steuerschema „GOSSEY"
5.5.1 Goals? Obstacle? Solutions? Start?
5.5.2 Vorbereitung im Interviewverlauf
5.5.3 Evaluation? Why? - Beispiel für das „GOSSEY"-Schema
5.6 Aktiv zuhören
5.6.1 Beantwortet der Interviewpartner die Frage hinreichend?
5.6.2 Was hat die Antwort inhaltlich zu bieten?
5.6.3 Wie ist der Sinnzusammenhang der Antwort?
5.6.4 Der professionelle Zuhörer
5.7 Argumente prüfen
5.7.1 Sind die gelieferten Begründungen plausibel?
5.7.2 Prüfschema „Legitimiert der Zweck die Mittel?"
5.7.3 Wird redlich argumentiert?
5.7.4 Ist das Argument „richtig"?
5.7.5 Verstößt das Argument gegen Normen?

6 Gesprächsführung in Abhängigkeit von Gesprächspartner und Gesprächsziel

6.1 Ganz allgemein: Interviewpartner Mensch
6.2 Experten
6.3 Augenzeugen
6.4 „Hauptpersonen"
6.5 Publikum
6.6 Prominente
6.7 „Typ DDK": Dichter/Denker/Künstler
6.8 Politiker
6.9 „Helden"
6.10 „Menschen wie Du und ich"

7 Anhang: Literaturverzeichnis

 

 

1 Einleitung

„Es gibt so viele Wege, ein Interview zu führen, wie es Situationen gibt, in denen Menschen interviewt werden." Das müssen Martin MALONEY und Paul Max RUBENSTEIN in ihrem Lehrbuch „Writing for the media" (Maloney, 55) feststellen. Und ich mußte feststellen: Es gibt wohl ebenso viele Möglichkeiten, diese Wege aufzuzeichnen.

Mit dieser Hausarbeit habe ich versucht, die komplexen formalen, inhaltlichen, interaktiven und emotiven Vorgänge eines journalistischen Gesprächs darzustellen, dessen Führung der Informationsbeschaffung für die Öffentlichkeit dient. Die genannten vier Aspekte dieser Gesprächsführung strukturieren mein Kapitel 4; eine Ebene tiefer liegen die verschiedenen Fragetechniken (Kapitel 3), die ich nicht nach ihrer Art, sondern nach ihrem Nutzeffekt sortiert darstelle.

Neben Definitionsversuch mit kurzem geschichtlichen Abriß (Kapitel 2) führe ich allgemeine Strategien der Gesprächsführung im Interview auf (Kapitel 5) - und auch spezielle Strategien, abhängig von der Rolle, die der Interviewpartner spielt.

2 Definition und Entstehung des journalistischen Interviews

2.1 Was ist ein journalistisches Interview?

„Für die Öffentlichkeit bestimmtes Gespräch zwischen [Zeitungs]berichterstatter und einer meist bekannten Persönlichkeit über aktuelle Tagesfragen oder sonstige Dinge, die besonders durch die Person des Befragten interessant sind." So beschreibt der Etymologie-Duden das Wort „Interview". Er definiert es als „Wort der Journalistensprache". (Drosdowski, 309)

Publizistik-Lehrbücher definieren recht unterschiedlich, was ein journalistisches Interview ist. Eine eingängige Definition gibt Donald L. FERGUSON in seinem Buch „Journalism today!": „Ein Interview ist, wenn ein Reporter Fragen stellt." (Ferguson, 30) Dabei hat der Reporter die Gesprächsführung, weshalb viele Definitionen auf die Asymmetrie der Gesprächssituation hinweisen. Beim journalistischen Interview hat der Interviewer, schon weil er das Gespräch führt, einen höheren „situativen" Status, dem aber beispielsweise der soziale Status zuwiderlaufen kann - aus dieser Spannung leben viele Interviews. (Burger, 58) In dem einzigen gängigen Interview-Lehrbuch im deutschsprachigen Raum, „Das Interview", nennt Michael HALLER das Interview einen „zielgerichteten und asymmetrischen Dialog", der über die allgemeinen Regeln der Konversation hinaus drei kennzeichnende Strukturmerkmale besitzt:

„Zwar muß der Journalist als Interviewer nicht unbedingt Fragen stellen; zweifellos aber sollte er seinem Partner a) den Gesprächsgegenstand (Thema, Ereignis, Sachverhalt) nennen und ihn b) veranlassen, hierzu Aussagen zu machen. Im übrigen ist man sich in der Journalistik einig, daß c) für ein Interview minimal drei Fragen und Antworten zu formulieren notwendig sind." (Haller 93f)

Ein Hauptmerkmal des journalistischen Interviews ist die Verdopplung der Interviewsituation: Das persönliche Gespräch ist immer auch öffentliches Spektakel. Zudem müssen vier Dimensionen zur Übereinstimmung gebracht werden: die journalistische Absicht, die publizistisch-technischen Gegebenheiten des Mediums, die persönlichen Interessen des Befragten und die Erwartungen und Bedürfnisse des Publikums. (Haller, 127)

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