Analyse betrieblicher Standardsoftware unter Situierungs- und Individualisierungsaspekten

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Details
Autor: Alex Hummel
Fach: Informatik - Wirtschaftsinformatik
Institution/Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Jahr: 2004
Seiten: 109
Note: 2,3
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 885 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-07568-3
Volltext (computergeneriert)
Analyse betrieblicher Standardsoftware unter Situierungs- und Individualisierungsaspekten
Projektarbeit - Examensarbeit
Informatik - Wirtschaftsinformatik
Uni Erlangen
Eingereicht von:
Alexander Hummel
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis. 4
1. Motivation. 5
1.1. Ausgangssituation und Problemstellung. 5
1.2. Zielsetzung der Arbeit und methodische Vorgehensweise. 5
2. Begriffsdefinitionen. 6
2.1. Situierung. 6
2.2. Individualisierung. 8
2.2.1. Rollenorientierung. 8
2.2.2. Personalisierung. 9
3. Checkliste. 10
3.1. Aufbau. 10
3.2. Situative Aspekte. 11
3.3. Aspekte auf Unternehmensebene. 12
3.4. Aspekte auf Anwenderebene. 13
4. Untersuchte Softwarepakete. 15
4.1. Cognos. 15
4.1.1. Produktbeschreibung. 16
4.1.2. Ergebnisse der Untersuchung. 16
4.1.2.1. Enterprise Business Intelligence (BI) 16
4.1.2.2. Situative Aspekte. 17
4.1.2.3. Aspekte auf Unternehmensebene. 17
4.1.2.4. Aspekte auf Anwenderebene. 17
4.1.3 Fazit 19
4.2. DATEV.. 20
4.2.1. Personalwirtschaft für Unternehmen. 20
4.2.1.1. Situative Aspekte. 20
4.2.1.2. Aspekte auf Unternehmensebene. 21
4.2.1.3. Aspekte auf Anwenderebene. 21
4.2.2. Rechnungswesen für Unternehmen. 21
4.2.2.1. Situative Aspekte. 22
4.2.2.2. Aspekte auf Unternehmensebene. 23
4.2.2.3. Aspekte auf Anwenderebene. 23
4.2.3. DATEV-Lösungen zur Warenwirtschaft 23
4.2.3.1. Situative Aspekte. 23
4.2.3.2. Aspekte auf Unternehmensebene. 24
4.2.3.3. Aspekte auf Anwenderebene. 24
4.2.4. DATEV-Kunden-Managementsystem.. 25
4.2.4.1. Situative Aspekte. 25
4.2.4.2. Aspekte auf Unternehmensebene. 26
4.2.4.3. Aspekte auf Anwenderebene. 26
4.2.5. Fazit 27
4.3. Sage. 27
4.3.1. Office Line. 28
4.3.1.1. Situierung. 28
4.3.1.2. Unternehmensebene. 30
4.3.1.3. Individualisierung. 31
4.3.2. Fazit 32
4.4. Siebel 33
4.4.1. eBusiness Applications. 34
4.4.1.1. Situierung. 34
4.4.1.2. Unternehmensebene. 36
4.4.1.3. Individualisierung. 37
4.4.2. Fazit 39
4.5. PeopleSoft 40
4.5.1. Produktbeschreibung. 40
4.5.2. Ergebnisse der Untersuchung. 42
4.5.2.1. PeopleSoft Enterprise Supply Chain Management 42
4.5.2.2. Situative Aspekte. 43
4.5.2.3. Aspekte auf Unternehmensebene. 43
4.5.2.4. Aspekte aus Anwenderebene. 44
4.5.3. Fazit 47
4.6. SAP. 47
4.6.1. SAP Business One. 47
4.6.1.1. Situierung. 48
4.6.1.2. Unternehmensebene. 49
4.6.1.3. Individualisierung. 50
4.6.2. mySAP Business Suite. 51
4.6.2.1. Situierung. 52
4.6.2.2. Unternehmensebene. 55
4.6.2.3. Individualisierung. 56
4.6.3. Fazit 59
4.7. Oracle. 60
4.7.1. E-Business Suite. 60
4.7.1.1. Situative Aspekte. 61
4.7.1.2. Aspekte auf Unternehmensebene. 62
4.7.1.3. Aspekte auf Anwenderebene. 63
4.7.2. Small Business Suite. 64
4.7.2.1. Situative Aspekte. 64
4.7.2.2. Aspekte auf Unternehmensebene. 65
4.7.2.3. Aspekte auf Anwenderebene. 65
4.7.3. Fazit 65
4.8. Microsoft 66
4.8.1. Navision. 66
4.8.1.1. Situative Aspekte. 67
4.8.1.2. Aspekte auf Unternehmensebene. 68
4.8.1.3. Aspekte auf Anwenderebene. 69
4.8.2. Axapta. 70
4.8.2.1. Situative Aspekte. 70
4.8.2.2. Aspekte aus Unternehmensebene. 71
4.8.2.3. Aspekte auf Anwenderebene. 72
4.8.3. Fazit 72
5. Zusammenfassung und Fazit 74
Anhang. 79
Checklisten der untersuchten Softwarepakete. 79
Diagramme der untersuchten Softwarepakete. 79
Literaturverzeichnis. 86
Abkürzungsverzeichnis
ABAP Advanced Business Application Programming
ASP Application Service Providing
BI Business Intelligence
BW Business Warehouse
CEO Chief Executive Officer
COM Communication Port
CRM Customer Relationship Management
CSS Cascading Stylesheet
ERM Employee Relationship Management
ERP Enterprise Resource Planning
FI Finanzwesen
ID Identifikation
IMG Software Implementation Guide
IT Informationstechnologie
KPI Key Performance Indicator
LDAP Lightweight Directory Access Protocol
MIC Management des Internen Kontrollsystems
MS Microsoft
ODBC Open Database Connectivity
PDA Personal Digital Assistant
PP Produktionsplanung und –steuerung
RIM Research in motion
SAP GUI SAP Graphical User Interface for Windows
SAP SI SAP Systemintegration
SCM Supply Chain Management
SDK Software Development Kit
SMS Short Message Service
SOAP Simple Object Access Protocol
SQL Structured Query Language
UAN Universal Application Network
USt Umsatzsteuer
XML Extensible Markup Language
1. Motivation
1.1. Ausgangssituation und Problemstellung
Bei der Anschaffung eines neuen Softwareproduktes stellt sich für ein Unternehmen, gleich welcher Größe oder Branchenzugehörigkeit, zunächst die Aufgabe der Auswahl einer geeigneten Lösung. Es muss sich darüber im Klaren werden, ob es auf den Einsatz einer konventionellen Standardsoftware zurückgreift oder eine – meist wesentlich kostenintensivere – Individualsoftware erstellen lässt [Inno2004].
Während eine Standard- im Vergleich zu einer Individualsoftware v. a. Vorteile bezüglich schnellerer Einführung, Kostengünstigkeit und oftmals auch dem Vorhandensein von Erfahrungswerten anderer Anwender bietet, zeigen sich auch einige Nachteile. Der schwerwiegendste Nachteil betrifft die geringere Anpassbarkeit und die reduzierten Möglichkeiten bezüglich Einstellen des Produkts auf die tatsächlichen Bedürfnisse eines Unternehmens, da die Software in vielen Punkten meist allgemein gehalten ist [Clix2004].
Für immer mehr Unternehmen erscheint dennoch eine betriebswirtschaftliche Standardsoftware als geeignetes Instrument, um die anfallenden Prozesse flexibel und schlank in die eigene Organisation einzubinden und diese so koordinieren zu können. Der Anteil von Standardsoftware an den gesamten Software-Implementierungskosten beträgt bei Unternehmen, die mit ihrer Informationstechnologie (IT) eine hohe Effizienz und Effektivität erzielen, bereits 75% – im Vergleich zu 42% bei Unternehmen mit einer unterdurchschnittlichen IT [KeRi1998]. Entsprechend steigt der Verbreitungsgrad von Standardsoftware [MuÖs1999].
1.2. Zielsetzung der Arbeit und methodische Vorgehensweise
Das Untersuchen der Anpassbarkeit der einzelnen Produkte gliedert sich in drei Bereiche: die situative Ebene, Unternehmensebene und Individualisierung, deren Bedeutung im Laufe der Arbeit noch genauer erläutert werden.
Als Struktur der Untersuchung dient eine Checkliste, auf deren Aufbau und Bestandteile in Kapitel 3 noch detailliert eingegangen wird.
Hauptaufgabe dieser Arbeit ist, die Produkte von acht Anbietern betriebswirtschaftlicher Standardsoftware bezüglich Anpassbarkeit an das nutzende Unternehmen zu untersuchen. Dabei beruht die Auswahl der untersuchten Softwareanbieter einerseits auf deren Umsatzzahlen, andererseits auch auf dem Verbreitungsgrad in den Unternehmen.
2. Begriffsdefinitionen
2.1. Situierung
In der Psychologie versteht man unter Situation die Summe der sozialen und begrifflichen Umwelt eines Individuums. Dabei unterscheidet man zwischen einer objektiven und einer subjektiven Situation, welche durch Erfahrung, Emotion und Motivation gekennzeichnet ist und eine Auswahl und Interpretation der objektiven Situation darstellt. Die subjektive Situation beeinflusst das Verhalten und die Erlebnisse des Individuums stärker als die objektive Situation.
Der Behaviorismus, eine Naturwissenschaft, die das gesamte Gebiet menschlicher Anpas-sungsvorgänge umfasst [Wats1976], beschränkt sich bei ihrer Forschung auf die Dinge, die beobachtbar und mit experimentellen Methoden erfassbar sind, nämlich das Verhalten des Individuums [Edel2000].
Er beschreibt das menschliche Verhalten als objektive, beobachtbare und spezifische Reaktion des Organismus auf bestimmte Umweltreize; das Erleben und das Bewusstsein des Individuums werden hier ausgeklammert. Diese Umweltreize stellen die Ursache für die Reaktionen des Organismus in seiner Umwelt dar, so dass die Ursachen des Verhaltens nicht im Individuum selbst gesucht, sondern nur durch äußere Reize erklärt werden können. Das Verhalten wird durch die Reize aus der Umwelt verursacht [ZiRi1999].
Watson Forderung, nur Beobachtbares zum Gegenstand der Forschung zu machen, wurde in der so genannten S-R-Psychologie umgesetzt, nach der das Verhalten das sichtbare Ergebnis von Reiz-Reaktions-Verbindungen ist: [Baum2001]
V = Funktion (S) (mit V = Verhalten, S = Situation)
Im Gegensatz zum Behaviorismus geht die Sozialpsychologie davon aus, dass die wichtigsten Determinanten menschlichen Verhaltens und Erlebens in der jeweiligen sozialen Situation zu suchen sind. Sie verweist auf die komplexe Interaktion von Verhaltensweisen, individuellen Faktoren und Umweltreizen, welche in wechselndem Zusammenhang stehen und sich so gegenseitig beeinflussen und modifizieren [ZiGe1999].
Nach dem Konzept der sozialen Wahrnehmung müssen in Bezug auf das Verhalten sowohl soziale und persönliche Faktoren als auch die subjektive Bedeutung einer Situation als Bedingung des Verhaltens berücksichtigt werden. Ein Verhalten in bestimmten Situationen kann nicht als Wirkung äußerer Ursachen erklärt werden, da Verhalten immer aus einer Gesamtsituation resultiert: einerseits aus der objektiven physikalische und sozialen Umwelt, andererseits aus der psychologischen Umwelt des Individuums [Baum2001].
Das Verhalten einer Person hängt somit von den Umgebungsfaktoren und zusätzlich von den Personenfaktoren ab:
V = Funktion (P, S) (mit V = Verhalten, P = Person, S = Situation)
Die Reize, die ein Individuum aus seiner Umwelt empfängt, werden selektiv wahrgenommen und im jeweiligen Kontext gedeutet und beurteilt. So können verschiedene Personen, aber auch ein und dieselbe Person einen Reiz zu unterschiedlichen Zeitpunkten und Situationen anders verarbeiten [Schw1985].
Den handlungstheoretischen und interaktionistisch soziologischen Theorien zufolge findet menschliches Verhalten nur unter bestimmten Voraussetzungen statt, die abstrakt durch den Begriff der Situation dargestellt werden.
Unter dem Begriff der Situation verstehen sie die Summe der äußeren Bedingungen des sozialen Handelns und Erlebens.
Die Situation, in der sich eine Person befindet, wird aufgefasst als Summe von Faktoren, welche die Verhaltensreaktion (Situation der sozialen Beziehungen) bedingen.
Da die Gesamtsituation neben objektiven auch subjektive Faktoren enthält, muss die Reaktion des Verhaltens im Gesamtzusammenhang gesehen werden, das heißt, es muss sowohl die objektive Form der Situation berücksichtigt werden als auch die Form, wie sie in der subjektiven Vorstellung der Person existiert [Thom1965].
Daneben verstehen die handlungstheoretischen und interaktionistischen Theorien die Situation als eine raum-zeitliche Gelegenheit. Die Situation ist nur für einen bestimmten Zeitraum gültig und kann sich als kurzzeitiger Bestimmungshintergrund der Handlungsstruktur ergeben, wenn die in der Situation befindlichen Personen sie als solche erkennen und in ähnlicher Weise aufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen bestimmen [Arno1981].
Der Situative Ansatz in der Organisationstheorie konzentriert sich nun auf die Organisations-struktur. Von der Annahme ausgehend, dass formale Organisationsstrukturen einen großen Einfluss auf die Effizienz einer Organisation haben und es keine universell effizienten Organisationsstrukturen gibt, müssen Organisationen ihre Strukturen an die jeweilige Situation anpassen, um so effizient wie möglich zu sein.
Der Erfolg von Organisationsstrukturen und die Verhaltensweise des Managements werden hierbei mit den Besonderheiten der jeweiligen Struktur erklärt, wie zum Beispiel der Umwelt, der Organisationsgröße oder auch der Art der Technik.
Die Analyse von Zusammenhängen – wobei der Zusammenhang zwischen Organisations-größe und Organisationsstruktur das Paradestück des Situativen Ansatzes darstellt – geschieht mittels empirischer Untersuchungen, aufgrund derer man Empfehlungen für die spätere Gestaltung der Organisation geben kann, wie zum Beispiel die Anpassung ihrer Struktur an geänderte Situationsbedingungen. Mit dieser Methode setzt sich der Situative Ansatz gegen früher gebräuchliche Verfahren ab, die pauschal und ohne fassbaren Gehalt waren [Dona 1999, Kies1999].
Die Merkmale einer Organisation hängen somit von verschiedenen Umweltbedingungen ab. Hierbei kann die Organisation O als eine Funktion f gesehen werden, welche von der Situation S abhängt, die wiederum von mehreren Situationsmerkmalen S1, S2, S3…Sn bestimmt wird, so dass sich folgende Gleichung ergibt:
O = Funktion(S) (mit O = Organisation, S = Situation)
Vor allem zwei Forschergruppen verhalfen dem Situativen Ansatz, ein eigenständiges Forschungsprogramm zu werden.
An der University of Chicago wurde das Comparative Organization Analysis Program gegründet, das sich neben der Durchführung empirischer Untersuchungen vor allem mit den Methoden des Situativen Ansatzes beschäftigte [BISc1971].
An der Aston University prägte eine Forschergruppe um Derek Pugh den Situativen Ansatz in mehrfacher Hinsicht: Sie bemühte sich nicht nur, die Organisationsstruktur durch die Verbesserung von Maßen leichter zu erfassen, sondern sie ersetzte auch die bis dahin gebräuchliche Konzentration auf einen Einflussfaktor durch die simultane Berücksichtigung mehrerer Situationsvariablen. Ferner versuchte diese Gruppe, die Zusammenhänge zwischen Situation und Struktur und zwischen Struktur und Verhalten der Organisationsmitglieder in einem übergreifenden System zu integrieren [PuHi1976].
Im Gegensatz zum Situativen Ansatz vertreten Picolt/Dietl/Franck die These, dass die Organisationsgestaltung nur durch die Aufgaben und die damit verbundenen Merkmale beeinflusset wird [PiDF2002].
2.2. Individualisierung
Neben der oben beschriebenen Möglichkeit, Software auf Vorgaben eines Unternehmens anzupassen, lässt sich Software auf die Bedürfnisse einzelner Anwender zuschneidern. Allgemein wird dabei von Individualisierung gesprochen.
In den folgenden Abschnitten wird kurz der Unterschied zwischen den Bereichen der Rollenorientierung als objektiver und der Personalisierung als subjektiver Individualisierung aufgezeigt.
2.2.1. Rollenorientierung
Wie bereits kurz angedeutet, wird das Ausrichten an objektiven Benutzermerkmalen als Rollenorientierung bezeichnet. Eine Rolle kann einerseits von verschiedenen Personen genutzt werden, andererseits kann eine Person auch mehrere Rollen nutzen [Süßm2004].
Es existieren folgende fünf verschiedene Rollenkonzepte, auf die im Folgenden nicht detailliert eingegangen wird [SüGi2004]:
- Verhaltenstheoretisches Rollenkonzept
- Aufgabenorientiertes Rollenkonzept
- Kompetenzorientiertes Rollenkonzept
- Berechtigungsorientiertes Rollenkonzept
- Organisationsorientiertes Rollenkonzept
2.2.2. Personalisierung
Als Personalisierung definiert [MeSZ2003, 2] das Anpassen von Software an Eigenschaften eines Anwenders oder einer Gruppe von Anwendern. Diese Eigenschaften ergeben sich hierbei aus dessen bzw. deren Persönlichkeiten mit ihren Arbeitsweisen, ihrem Vorwissen oder auch ihrer Art der Informationsaufnahme. Wie in [HuTp994, 15] dargelegt, ist diese Adaptivität der Software an den Menschen erforderlich, damit dieser das volle Potenzial der Software nutzbringend ausschöpfen kann.
Das Ausmaß, in dem Software an persönliche Eigenschaften einer Person angepasst werden kann, ist dabei sehr variabel: Einfache Systeme erlauben es beispielsweise, Farbschemata der Benutzeroberfläche zu ändern. In komplexen Systemen wird dagegen etwa versucht, aus dem Verhalten des Anwenders zu erkennen, ob er Informationen bevorzugt in tabellarischer oder in textueller Form erhält.
Das Gebiet der Personalisierung lässt sich weiter aufgliedern, wie z. B. bei [Nand2003], der weiter in Inhalts- und Nutzbarkeitspersonalisierung unterscheidet. Im ersten Fall kann ein Anwender festlegen, was ihm beispielsweise in einem Portal angezeigt wird, während er im zweiten Fall die Art der Anzeige seinen Wünschen anpassen kann.
In [GVSR2001, 52] wird der Prozess der Personalisierung eines Softwareprogramms in zwei wesentliche Schritte unterteilt. Zunächst wird während des so genannten „Profilings“ ein Profil des Softwareanwenders erstellt. Ein Profil kann dabei sowohl explizite Informationen wie Name, Alter oder Geschlecht des Anwenders, als auch implizite Informationen, wie Muster der Navigation im System oder Verweilzeiten in Eingabemasken, beinhalten. Das Profil wird im zweiten Schritt, dem „Match Making“ mit im System vorhandenem Wissen, z. B. über die Systemdomäne oder andere Anwender, kombiniert. Als hierbei eingesetzte Verfahren nennt [GVSR2001, 52] regelbasiertes Kombinieren, Kollaboratives Filtern sowie den Einsatz von Softwareagenten.
Die wichtigsten Einsatzgebiete für die Personalisierung von Software nennt [MeSZ2003, 3]. Problemfelder stellen insbesondere rechtliche und moralische Fragen dar. Vor allem die Frage, welche Daten im Rahmen des Profiling erhoben werden dürfen ohne die Privatsphäre des Anwenders zu verletzen sind nicht endgültig geklärt [Volo2000]. Daneben ist die technologische Seite eine Herausforderung, da speziell der Bereich Künstlicher Intelligenz noch nicht abschließend erforscht ist.
3. Checkliste
Für die in dieser Arbeit durchgeführte Analyse betrieblicher Standardsoftware wird die im Folgenden beschriebene standardisierte Checkliste zugrunde gelegt. Die Checkliste unterteilt sich in die drei Bereiche situative Aspekte, Aspekte auf Unternehmensebene sowie Individualisierungsaspekte. Die in jedem Bereich untersuchten Funktionalitäten werden nachfolgend beschrieben.
3.1. Aufbau
Um das Angebot von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware auf dem Markt zu überprüfen, ist eine Checkliste erstellt worden, anhand derer ausgewählte Anbieter für betriebliche Standardsoftware in Bezug auf Individualisierungs- und Situierungsaspekte untersucht werden sollen. Um dabei eine gleichmäßige Abdeckung der möglichen Funktionalitäten zu erzielen, ist die Checkliste so untergliedert, dass sie unterschiedliche Sichtweisen auf ein Unternehmen widerspiegelt. Dabei erfolgt ein „Eintauchen“ von der Vogelperspektive des Betrachters von Unternehmensgruppen bis in die Strukturen eines einzelnen Unternehmens und dort bis zum einzelnen Mitarbeiter. Eine Übersicht der einzelnen Punkte ist in Bild 1 zu sehen.

Bild 1 Hierarchische Struktur für die Checklistenpunkte
Im ersten Teil der Checkliste werden Softwarefunktionalitäten untersucht, die Unternehmensgruppen abdecken und auf deren spezielle Anforderungen und Informationsbedarfe ausgerichtet sind. Dazu zählt beispielsweise, ob für eine Software Branchenlösungen angeboten werden, und auf welche Besonderheiten der Branche diese ausgerichtet sind. Die Unternehmen werden dabei nach Aspekten der Situierung klassifiziert, die in Kapitel 3.2 näher erläutert werden.
Im nächsten Teil der Checkliste werden Punkte behandelt, welche die Anpassung der Software an ein bestimmtes Unternehmen betrachten. Dies betrifft grundsätzliche Aspekte wie ein Anpassen der Benutzeroberfläche an das Unternehmensleitbild des Unternehmens und damit die Integration des Logos oder eine Anpassung der Farben der Benutzeroberfläche. Aber auch kommunikationspolitische Aspekte wie die Präsentation von Unternehmensmitteilungen an die Mitarbeiter innerhalb der Mitarbeiterportaloberfläche sind davon betroffen.
In diese Ebene der Softwareanpassung an ein bestimmtes Unternehmen gehört auch das Einbetten der vorhandenen Unternehmensbereiche in die Applikation. Stellt das Produkt an sich schon eine Branchenlösung dar, ist es möglich, dass Unternehmensbereiche standardmäßig vordefiniert sind. Handelt es sich dabei aber um ein allgemein verwendbares Produkt, stellt sich die Frage, ob dem Benutzer die Möglichkeit gegeben wird, eigene Unternehmensbereiche zu definieren und diesen existierende Verantwortlichkeiten zuzuweisen, oder ob ihm eine fixe Palette zur Verfügung gestellt wird, und er die unternehmenseigene Terminologie daran orientiert.
Eine Ebene tiefer werden Funktionalitäten überprüft, die Aspekte der Individualisierung betreffen. (Nähere Informationen zu Individualisierungsaspekten der Checkliste sind in Kapitel 3.4 nachzulesen). Hier sind zwei unterschiedliche Ansatzpunkte zu erkennen.
Das Individualisierungsangebot kann sich aus der Rollenorientierung und der Personalisierung zusammensetzen. Bei der Rollenorientierung wird objektiv die Software an die Rolle einer Person im Unternehmen angepasst.
Die Personalisierung orientiert sich mehr an der Person des einzelnen Mitarbeiters. So unterscheiden sich die persönlichen Arbeitsweisen mitunter stark voneinander. Jedem Mitarbeiter kann die Möglichkeit gegeben werden, sich seine Arbeitsumgebung so angenehm wie möglich zu gestalten. Dies betrifft schon so einfache Dinge wie die bereits oben genannte Farbgestaltung der Oberfläche, aber auch die grafische Anordnung der Bedienelemente. Manche Benutzer ziehen Push-Mechanismen zur Informationsgewinnung vor, während andere sich davon gestört fühlen und Informationsbedarf nur aktiv über Pull-Mechanismen decken möchten [Wies02].
3.2. Situative Aspekte
Auf der ersten Ebene wird die Software im Hinblick darauf untersucht, inwieweit es möglich ist, sie an die situativen Aspekte des Unternehmens anzupassen. In der Checkliste werden als Elemente der Situierung eines Unternehmens die Lebensphase, die Branche und der Betriebstyp erfasst.
Zuerst wird untersucht, ob die Software Einstellungen ermöglicht, welche die Lebensphase des Unternehmens genauer beschreiben, und je nachdem andere Funktionen anbietet. Eine Berücksichtigung der Lebensphase könnte etwa darin bestehen, dass das vordefinierte Rollenschema sich je nach Lebensphase unterscheidet, z.B. in der Phase der Insolvenz ein Insolvenzverwalter mit einbezogen wird.
Als Lebensphasen, die das Unternehmen durchläuft, wurden in die Checkliste die Gründung/ das Start-up, das Wachstum, die Umwandlung und die Sanierung/Insolvenz/Liquidation aufgenommen [Hung2003]. Ebenso wird in den ersten Punkt eine kurze Darstellung einbezogen, in der geschildert wird, wie der Hersteller diese Anpassung realisiert hat.
Der zweite Punkt, der in die Checkliste aufgenommen wurde, betrifft das Angebot an Branchenpaketen für die Software. Zuerst wird grundsätzlich überprüft, ob in der Software die Einzelheiten unterschiedlicher Branchen abgebildet werden. Danach wird anhand eines Branchenschemas kontrolliert, welche der ausgewählten Branchen der Hersteller in sein Angebot für dieses Produkt aufgenommen hat. Folgende Branchen wurde in die Checkliste aufgenommen: Ausbildungswesen, Automobilbranche, Behörden/öffentliche Einrichtungen, Biotech/Life Sciences, Chemie, Dienstleister, Einzelhandel, Gesundheitswesen, Großhandel, Hightech, Konsumgüter, Luft- und Raumfahrt, Professional Services, Telekommunikation und Tourismus/Transport/Logistik.
Bei der Auswahl der Branchen für die Checkliste wurden alle von den untersuchten Unternehmen angebotenen Branchenlösungen gesammelt und die Bezeichnungen konsolidiert. So kristallisierte sich eine Anzahl von Branchen heraus. Nach Möglichkeit wurden sehr ähnliche Branchen zusammengelegt und aus diesen die Branchen ausgewählt, die den größten Teil des Marktes abdecken. Durch dieses Verfahren soll vermieden werden, dass Anbieter, die viele ähnlichen Branchen unterstützen, in der Bewertung bevorzugt werden.
Als dritter Punkt wird der Adaptionsgrad der Software an den Betriebstyp des Unternehmens festgestellt. Folgende Ausprägungen des Betriebstyps werden geprüft: die Rechtsform, die Unternehmensgröße, die Internationalität, die Vertriebsart, die Aufbauorganisation, die Wettbewerbsstrategie und die Fertigungsart des Unternehmens.
3.3. Aspekte auf Unternehmensebene
Unter den Aspekten auf Unternehmensebene wurde untersucht, ob die jeweilige Software hinsichtlich der folgenden Kriterien an Bedürfnisse des Unternehmens anpassen lässt.
Das Unternehmensleitbild oder auch Corporate Identity einer Firma lässt sich in eine Software integrieren, wenn es möglich ist, ein Unternehmenslogo oder –farbschemata in de Benutzeroberfläche zu integrieren.
Individuelle Kommunikation wird von einer betrieblichen Standardsoftware dann geboten, wenn das Unternehmen bezüglich Kommunikationsmedium und -form nicht auf Vorgaben der Software beschränkt ist. Die Option, Kunden z. B. per Telefon oder Brief anzusprechen und in Briefen ein eigenes Layout zu verwenden, stellt also eine individuelle Kommunikation zur Verfügung.
Falls des Anbieter bzw. andere Dienstleister den Betrieb der Software wahlweise im Kundenbetrieb oder in einem Rechenzentrum des Herstellers bzw. Dienstleisters offerieren, bietet das Softwarepaket im Bereich Hosting Adaptivität an das einsetzende Unternehmen.
Die letzten beiden Punkte der Checkliste auf Unternehmensebene sind eng miteinander verbunden. Im ersten Punkt wird abgefragt, ob ein Unternehmen in eine bestehende Systemlandschaft eingebunden werden kann, ohne die Altsysteme durch neue, eventuell proprietäre Software ersetzen zu müssen. Der zweite Punkt gibt an, ob nach das untersuchte Softwarepaket die Möglichkeit bietet, später bei Bedarf mit Software anderer Anbieter erweitert zu werden.
3.4. Aspekte auf Anwenderebene
Bei dem Erforschen der Möglichkeiten zur Individualisierung der Software werden die Produkte zunächst auf das Nutzen eines Rollenkonzepts untersucht. Dabei wird überprüft, welche der nach [Forw04b] definierten Rollenkategorien generell unterstützt werden:
Das verhaltenstheoretische Konzept verdeutlicht bestimmte Aufgaben einer Gruppe, wie die eines „Gruppensprechers“. In einem aufgabenorientiertem Rollenkonzept kann eine Gruppe definiert werden, die eine bestimmte Aufgabe erfüllen muss. Das organisationsorientierte Rollenkonzept hilft bei der Festlegung der Position eines Nutzers im Unternehmen. Im kompetenzorientierten Rollenkonzept wird eine Gruppe von Leuten zusammengefasst, die bestimmte Ansprüche erfüllen müssen, damit diese bestimmte Tätigkeiten ausführen dürfen. Das berechtigungsorientierte Rollenkonzept ist das wohl am meisten verbreitete Rollenkonzept. Dieses dient dazu, den Anwendern unterschiedliche Zugriffsrechte auf die gemeinsamen Ressourcen zuzuordnen [Forw04b].
Anschließend wird überprüft, ob der Hersteller in seinem Produkt bereits Rollen vordefiniert hat und ob es möglich ist, darüber hinaus weitere Rollen selbst zu definieren.
Der Abschnitt 3.2 des während der Analyse verwendeten Fragebogens untersucht die Möglichkeiten, die das Softwaresystem bei der Integration persönlicher Präferenzen einzelner Anwender bietet.
Der erste Teilabschnitt geht auf die Optionen der grafischen Benutzeroberfläche ein. Im Einzelnen wird abgefragt, ob der Anwender das Layout der Oberfläche an seine Vorlieben anpassen kann. Diese Flexibilität der Benutzeroberfläche hilft dem Anwender, Informationen dort zu positionieren, wo er sie erwartet. Mögliche Varianten sind hierbei das freie Definieren des Layouts oder das Auswählen von Alternativen einer vorgegebenen Liste. Werden dem Anwender vordefinierte Layoutvarianten zur Auswahl vorgelegt, stellt dies, verglichen mit einer freien Definition des Oberflächenlayouts, einen geringeren Grad der Adaptivität dar.
Neben dem Layout ist wichtig, ob sich Sprach- und Ländereinstellungen durch den Anwender verändern lassen. Solche Optionen helfen beispielsweise Mitarbeitern aus anderen Ländern, ihre Arbeit zuverlässiger zu erfüllen, da Fehlerquellen z. B. aufgrund fehlender Sprachkenntnisse ausgeschaltet werden können.
Die Art und Weise, wie dem Anwender relevante Informationen präsentiert werden, ist ebenfalls ein Faktor, der die Effizienz der Arbeit einer Person beeinflussen kann. Folglich sollte Software dem Anwender erlauben, Informationen so anzeigen zu lassen, dass er diese in der für ihn intuitivsten Weise aufnehmen kann. Ein praktisches Beispiel ist hierfür die Tatsache, dass Zahlenmaterial, welches Managern als Entscheidungsgrundlage dient, in Form von Texten, Tabellen oder Diagrammen dargestellt werden kann. Der Informationsempfänger hat dabei in der Regel eine präferierte Art der Informationsdarstellung, die es ihm erlaubt, die wichtigen Faktoren in kurzer Zeit zu erfassen und zu verarbeiten.
Zusätzlich zur Frage, wie Informationen präsentiert werden, kann auch die Frage nach dem Wo gestellt werden. Ein Anwender einer Software sitzt heute nicht während seiner kompletten Arbeitszeit an einem bestimmten Rechner im Unternehmen. Vielmehr ist er im Lauf des Tages auf verschiedenen Endgeräten, wie Mobiltelefon oder Personal Digital Assistant (PDA) erreichbar. Damit ihn alle relevanten Informationen auf dem richtigen Endgerät erreichen, muss er dem Softwaresystem mitteilen können, welche Daten ihm wann auf welches Gerät übermittelt werden sollen.
Zuletzt sollte ein Anwender noch entscheiden können, welcher Ausschnitt des gesamten Informationsangebots ihm mit welchem Aggregationsgrad präsentiert wird. Damit kann jeder Anwender für sich verhindern, einer zu großen Informationsflut bzw. einem Informationsdefizit ausgesetzt zu sein. Beide Fälle bedeuten eingeschränkte Entscheidungsqualitäten.
Der zweite Teilabschnitt des Fragebogens analysiert, wie weit das Softwaresystem die Adaptivitätsoptionen des ersten Abschnitts selbst auf den Anwender anpasst. Hierbei werden drei Grade unterschieden. Läuft die Adaption automatisiert ab, so passt das System alle Parameter ohne Rückfrage an den Anwender an. Verläuft die Adaption rechnergestützt, hat der Anwender die Möglichkeit, Vorschläge des Systems, bestimmte Einstellungen zu ändern, anzunehmen oder abzulehnen. Die letzte Variante ist die, das System nur manuell durch den Anwender anpassen zu lassen. Hier gibt der Anwender für alle relevanten Parameter die seinen Präferenzen entsprechenden Werte, z. B. in einem Konfigurationsdialog, an.
4. Untersuchte Softwarepakete
Anhand der in Kapitel 3 erarbeiteten Checkliste wird nun das Angebot an betrieblicher Standardsoftware einzelner Hersteller untersucht.
Für die Untersuchung ist versucht worden, eine ausgewogene Mischung großer, bekannter Unternehmen, die zu den Marktführern der Branche gehören, und kleinerer Unternehmen, die weniger international auftreten, auszuwählen.
In Tabelle 1 ist die Liste der untersuchten Unternehmen zu sehen. Sie ist nach dem erwirtschafteten Umsatz im Jahr 2003 sortiert und einige zusätzliche prägnante Daten sind zu den Unternehmen genannt. In dieser Reihenfolge werden sie und die Ergebnisse behandelt.
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Tabelle 1 Ausgewählte Unternehmen
Der Hersteller sowie die untersuchten Produkte werden im Folgenden jeweils kurz vorgestellt, bevor die einzelnen Fragen der Checkliste behandelt werden. Abschließend wird für jeden Hersteller zusammengefasst, inwieweit seine Produktpalette an Bedürfnisse einzelner Unternehmen adaptierbar ist.
4.1. Cognos
Cognos wurde gegründet im Jahr 1969 und hat seinen Sitz in Ottawa, Kanada. Das Unternehmen beschäftigt 3000 Mitarbeiter und bedient etwa 22000 Kunden in 135 Länder. Cognos kooperiert mit ca. 3000 Partnern weltweit und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2003 / 2004 einen Umsatz von 683,1 Millionen US-Dollar. In Deutschland zählen, nach eigenen Angaben, über 21 von 30 DAX-Unternehmen zum Kundenkreis. Die Geschäftsstellen befinden sich in Frankfurt am Main, Hamburg und München. Im deutschsprachigen Raum (BRD, Schweiz, Österreich) werden derzeit 160 Mitarbeiter beschäftigt. [Cogn2004a]
Cognos bietet Lösungen im Bereich Business Intelligence und Performance Planning an, welche einen so genannten Managementzyklus abdecken. Dieser umfasst Prozessschritte von der Strategie bis zur Handlung: (Modellieren à Planen à Budgetieren à Konsolidieren à Überwachen à Analysieren à Berichten à Prognose). Das Ergebnis nennt Cognos Corporate Performance Management. [COgn2004m]
4.1.1. Produktbeschreibung
Cognos bietet sowohl vorkonfigurierte Lösungen als auch einzelne Produktmodule. Die Produkte lassen sich in vier Familien unterteilen: [Cogn2004b]
- Corporate Performance Management: Eine Technologie, die den Abgleich des strategischen mit dem operativen Bereich eines Unternehmens ermöglicht. [Cogn2004f]
- Enterprise Planning: Ermöglicht eine dezentrale Planung und ist für grössere Unternehmen geeignet. [Cogn2004c]
- Enterprise Scorecarding: Ermöglicht die Bewertung der Unternehmensleistung mit einem einzigen Kennzahlsystem. [Cogn2004d]
- Enterprise Business Intelligence: Die für diese Arbeit interessanteste Lösung. Ermöglicht die Erfassung, die Analyse und die Bewertung von unternehmensrelevanten Daten. [Cogn2004e]
Cognos bietet ferner spezifische Lösungen für Prozesse (Enterprise Resource Planning, Customer Relationship Management, Supply Chain Management und Financial Management), Funktionsbereiche (Controlling, Lagerhaltung / Logistik, Strategische Planung, Marketing, Personalbereich und Vertrieb) und Branchen (Automotive, Banken & Versicherungen, Chemie & Pharma, Industrie & Fertigung, Öffentliche Verwaltung und Energieversorger). Diese bestehen ebenfalls aus einzelnen Modulen und sind jeweils auf spezifische Prozesse, Funktionsbereiche oder Branchen in dem Sinne ausgerichtet, dass sie nur diejenigen Module enthalten, welche auch gebraucht werden. [Cogn2004g]
Die interessanteste Lösung für die Zwecke dieser Arbeit ist die Business Intelligence (BI) Lösung, welche in den nächsten Abschnitten näher untersucht wird.
4.1.2. Ergebnisse der Untersuchung
4.1.2.1.Enterprise Business Intelligence (BI)
Cognos versteht den Begriff „Business Intelligence“ als sammeln und ablegen von Daten, daraus Informationen gewinnen, sie bearbeiten und sinnvoll präsentieren, so daß sie die Unternehmensangehörige zum Wohle des Unternehmens einsetzen können. Ziel ist es, die Hintergründe ersichtlich und verständlich zu machen. Dementsprechend umfasst die BI-Lösung Module zum Sammeln, Speichern, Bearbeiten, Analysieren und Präsentieren von Daten. Den Cognos ReportNetTM um Berichte zu generieren, den Cognos Powerplay® für die multidimensionale Datenanalyse, den Cognos Visualizer für die interaktive Visualisierung der Daten, den Cognos NoticeCastTM für das Event Management, den Cognos DecisionStreamTM um Daten aus verschiedenen Quellen ins System integrieren zu können (ETL-Software), sowie diverse vordefinierte Berichte, Analysen und Scorecards (Cognos Analytic Applications: Customer Analytics, Financial Analytics, Supply Chain Analytics).
Viele dieser Module verfügen über einen eigenen Server, ein Autorenwerkzeug, ein Portal und eigene Sicherheitsmechanismen. Für den Fall, dass sie zusammen als Lösung eingesetzt werden, können diese Tools aufeinander abgestimmt werden. [Cogn2004e]
4.1.2.2.Situative Aspekte
Die Cognos BI-Software unterscheidet weder Lebensphasen eines Unternehmens noch Branchen. Die Lösungen des Unternehmens konzentrieren sich auf das sammeln, verarbeiten und interpretieren von Daten, um daraus relevante Informationen zu gewinnen. Da dieser Prozeß in allen Branchen ähnlich abläuft, wird auch keine Branchenunterscheidung vorgenommen. Viel mehr wird auf die zu verarbeitende Datenmenge und auf die Anzahl der Personen, die darauf zugreifen geachtet. Die Software ist so konzipiert, daß sie größere Datenmengen verarbeiten kann, bei gleichzeitigem Zugriff von mehreren zehntausend Personen. [Cogn2004e]
Die Aufbauorganisation des Unternehmens kann und soll eigentlich in der Software abgebildet werden. Das bedeutet, daß jede Abteilung, jede Sparte, jeder Standort usw. sich in der BI –Software wiederfindet. Daher werden keine besondere Betriebstypen unterstützt, da jede Lösung speziell an einem Unternehmen angepaßt werden kann. [Cogn2004e]
4.1.2.3.Aspekte auf Unternehmensebene
Die Bestandteile der Cognos BI–Lösung (ReportNet, Powerplay, Vizualizer, NoticeCast, DecisionStream und Analytic Applications) können sowohl unabhängig voneinander als auch gemeinsam eingesetzt werden. Sie können in einem bestehenden System integriert werden, da sie über offene Schnittstellen (API´s) verfügen, die dieses ermöglichen. Das Hosting der Software bleibt dem Kunden/Unternehmen überlassen. Cognos stellt sowohl technischen Support und Trainingseminare als auch Know How für die Einführung der Software zur Verfügung. [Cogn2004e;Cogn2004j]
Wenn die Module einzeln eingesetzt werden, sind sie erweiterbar mit Modulen und Produkten anderer Anbieter. Cognos bietet sogar speziell konfigurierte Module für die Integration in ein SAP System. [Cogn2004e]
Wenn sie als gemeinsame Lösung (BI-Lösung) eingesetzt werden, baut das eine Modul auf das andere auf. So ermöglicht z. B. ReportNet die Erstellung von Berichten, Powerplay die Datenanalyse durch Online Analytical Processing, Vizualizer den genaueren Einblick mit Landkarten u. ä., NoticeCast überwacht das ganze und alarmiert, wenn Entscheidungen zu treffen sind, DecisionStream übernimmt die Aufgaben von ETL–Werkzeugen und die Analytic Applications ermöglichen die strategische Planung auf Basis der davor verarbeiteten Daten. [Cogn2004e]
4.1.2.4.Aspekte auf Anwenderebene
In der Cognos BI–Lösung sind zwei Rollen vordefiniert: Administrator und Anwender. Der Administrator kann Anwenderklassen definieren, nach eigenen Kriterien. In diesen Klassen werden Rechte für die darunter fallenden Anwender festgelegt. Die Rollen werden in den so genannten Metadaten definiert. Es gibt zwei Möglichkeiten: Metadaten für jedes einzelne Modul oder gemeinsame Metadaten für die gesamte Lösung zu erstellen. Die Anwender ihrerseits können ihren Profil spezifizieren, in dem sie die Sprache, das Layout oder die Art der Informationen, die sie erhalten möchten, einstellen. [Cogn2004e]
Der Zugriff erfolgt über einen Browser (Report Viewer, sämtliche gängige Browser werden unterstützt). In diesem werden sämtliche Anpassungen vom Anwender vorgenommen.
Die Berichte können in Englisch, Französisch, Deutsch oder Japanisch erstellt werden. Derjenige, der diese Berichte ansehen möchte, kann eine der 25 angebotenen Sprachen einstellen; die Übersetzung übernimmt das System. So ist es möglich, dass man als Sprache Spanisch einmal einstellt. Sämtliche Berichte, die man dann bekommt, sind auf Spanisch. Dabei wird nicht nur die Sprache eingestellt, sondern auch die Währung und die landesüblichen Formate. [Cogn2004i]
Bei der Einstellung des Layouts ist es möglich, eigene Objekte zu definieren und sie in die Web Seite, in der auch die Berichte erscheinen, einzubinden. Diese Objekte können auch bei der Erstellung von Berichten eingesetzt werden. [Cogn2004h;Cogn2004i]]

Bild 2 ReportNet / Report Viewer

Bild 3 Cognos BI-Tools
Die Berichte können flache Tabellen sein; sie können aber auch verlinkt sein und zu anderen Berichten, Tabellen oder Datenquellen führen. Ferner sind diverse OLAP–Funktionalitäten (Aggregation, Disaggregation, Drill-Through usw.) möglich. [Cogn2004h;Cogn2004i;Cogn2004k]
Die Kommunikation erfolgt meistens per E-Mail. NoticeCast, das Überwachungsmodul der BI-Lösung von Cognos, kann E-Mails nicht nur an Desktop-PCs, sondern auch an PDAs, Handys und andere mobile Endgeräte übertragen. Die Überwachung schaltet sich automatisch ein, wenn ein Ereignis eintritt (Event), gemäsß den von dem jeweiligen Anwender vorgegebenen Kriterien oder Schwellenwerten. Das Ereignis kann eine eingegangene Nachricht sein, die Zahlen in einem Bericht, die einen Schwellenwert übersteigen, ein verpasster Termin (z. B. Abgabe eines Berichts am Ende des Geschäftsjahres) usw.. Die Nachricht erreicht dann den Verantwortlichen und enthält eine kurze Beschreibung des Ereignisses (Event Management) und Angaben, wo es mehr darüber zu erfahren gibt. [Cogn2004k]
Damit ein Bericht geändert werden kann, muss er erst vom Anwender lokal gespeichert werden. Geänderte oder neu erstellte Berichte können veröffentlicht werden und für alle sichtbar sein oder nur für bestimmte Mitarbeiter zugänglich gemacht werden. Mit Powerplay Web ist beides möglich. [Cogn2004j]
4.1.3 Fazit
Cognos versucht, mit einer Lösung sämtliche Branchen zu bedienen und hat nach eigenen Angaben damit Erfolg. In der Software gibt es wenig Anpassungsmöglichkeiten auf Unternehmensebene. Das Produkt kommt „unbelastet“, unter anderem ohne detailliert vordefinierte Rollen, zum Kunden. Daher ist anzunehmen, dass die Einführung des Produkts mit großem Arbeitaufwand verbunden ist (Dateneingabe). Der Vorteil ist dann natürlich, daß die Software übersichtlich bleibt. Jeder einzelne Mitarbeiter bekommt die üblichen Anpassungsmöglichkeiten (Sprache, Layout, Art der Information), erweitert durch die vielen möglichen Ausgabegeräte. Ausserdem, da die unternehmenseigene Administration sämtliche Anpassungen vornimmt, ist man nicht auf die Hilfe von Aussenstehenden angewiesen.
In der Software wird der gesamte Unternehmensaufbau eingegeben. Das entspricht einen hohen Individualisierungsgrad, da das Produkt an den Anforderungen eines Unternehmens angepaßt werden kann. Trotzdem belegt die Business Intelligence Lösung von Cognos einen der letzten Plätze in der Bewertungsrangliste (siehe Kapitel 5: Fazit und Anhang: Netzdiagramme und Balkendiagramme)
4.2. DATEV
DATEV ist mit 571 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2003 und etwa 5400 Mitarbeitern [DATE2004m] ein Softwarehersteller, der insbesondere für Steuerberater, zuletzt verstärkt auch für Wirtschaftsprüfer und Anwälte Produkte anbietet. Die angestammte Domäne der DATEV bildet Software zum Erstellen von Unterlagen für verschiedene Steuerarten. Nachdem hierfür in der Regel Daten z. B. aus der Finanzbuchhaltung, der Materialwirtschaft oder auch dem Personalrechnungswesen benötigt werden, bietet DATEV auch in diesen Bereichen Produkte an [DATE2004a]. Unternehmen können DATEV-Software für den Einsatz in ihrem Betrieb über ihren Steuerberater lizenzieren.
Da es sich bei den Unternehmensanwendungen der DATEV um separate Anwendungspakete handelt, werden diese im Folgenden jeweils in einem eigenen Abschnitt näher betrachtet.
4.2.1. Personalwirtschaft für Unternehmen
Wie die Übersicht in [DATE2004c] darstellt, gliedert DATEV das Angebot im Bereich Personalwirtschaft in folgende vier Bereiche: Personalwesen, Belegerfassung, Lohnabrechnung und -auswertung sowie Archivieren von Lohnauswertungen.
Die hier relevanten Bereiche sind dabei das Personalwesen sowie der Bereich Abrechnen und Auswerten von Lohn. Für das Personalwesen bietet DATEV das Personal-Managementsystem in drei Ausbaustufen an, die der Kunde entsprechend seiner Anforderungen auswählt. Im Bereich Lohnabrechnung und -auswertung werden Systeme für das lokale Netz und die Verarbeitung direkt im Rechenzentrum der DATEV jeweils wahlweise mit oder ohne Berichts- und Statistikkomponente angeboten.
Eine Analyse des Angebots der DATEV im Bereich Personalwirtschaft anhand der in Kapitel 3. aufgestellten Checkliste ergibt folgendes Ergebnis.
4.2.1.1.Situative Aspekte
Nachdem in den verfügbaren Produktbeschreibungen kein entsprechender Hinweis zu finden ist, bieten die Personalwirtschaftssysteme der DATEV keine Optionen zur Anpassung an bestimmte Lebensphasen des Kundenunternehmens.
Aus dem gleichen Grund ist davon auszugehen, dass die hier betrachtete Software nicht an Besonderheiten einzelner Branchen angepasst werden kann.
Hinsichtlich der Adaption an verschiedene Betriebstypen lässt sich für keines der in der Checkliste genannten Kriterien eine korrespondierende Funktionalität in den Anwendungen finden.
4.2.1.2. Aspekte auf Unternehmensebene
Im zweiten Abschnitt der Checkliste finden sich Adaptionsmöglichkeiten der Personalwirtschaftssoftware der DATEV: Zwar ist es nicht möglich, das Unternehmensleitbild in die Benutzeroberfläche zu integrieren, allerdings erlaubt die Integration der DATEV-Software mit den Microsoft (MS) Office-Produkten das Verwenden von eigenen Dokumentvorlagen für die interne und externe Kommunikation. Dadurch lassen sich beispielsweise eigene, auf die Corporate Identity des Unternehmens zugeschnittene Briefköpfe in der Korrespondenz der Personalabteilung nutzen. Der Kunde hat bei DATEV ferner die Möglichkeit, seine Systeme im Rechenzentrum des Anbieters als Application-Service-Providing-Lösung verwalten zu lassen (vgl. [DATE2004h]), oder, wie bisher die Regel, selbst für die Administration der Installation in seinem Hause zu sorgen. Wie erwähnt, bietet DATEV-Software eine Integration der MS-Office-Produkte bei Korrespondenz oder auch Auswertungen (vgl. [DATE2004e]). Eine Integration weiterer bestehender Systeme lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht ableiten. Zur Erweiterbarkeit durch Fremdsysteme bleibt ebenso nur der Verweis auf eine Importschnittstelle zu MS-Access, die jedoch erst ab der comfort-Variante des Personal-Managementsystems verfügbar ist.
4.2.1.3. Aspekte auf Anwenderebene
Zuletzt werden die Aspekte auf Anwenderebene untersucht. Aus den fünf abgefragten Rollenkategorien lässt sich anhand der DATEV-Produkte Nutzungskontrolle und Rechteorganisation nur die Kategorie der berechtigungsorientierten Rollen darstellen. Vordefiniert ist dabei die Rolle des „Administrators“, die Definition weiterer Rollen bzw. das Anpassen der Rechte einer Rolle ist über die genannten Applikationen möglich [DATE2004f]. Die Arbeitsumgebung einzelner Benutzer ist nur in geringem Maße an deren Wünsche adaptierbar. So ist es zwar möglich, das Layout der Benutzeroberfläche zu variieren, allerdings beschränkt sich diese Variationsmöglichkeit auf das Anpassen der Größe dargestellter Fenster bzw. Teilbereiche. Darüber hinaus lassen sich, ähnlich einem Internetbrowser, Favoriten definieren, die z. B. auf Applikationen, Webseiten oder Datenbankauswertungen verweisen können. Im Rahmen der Definition dieser Datenbankauswertungen erfolgt schließlich die Adaption der Informationsdarstellung sowie der dargestellten Inhalte. Alle Schritte zum Anpassen der Software müssen manuell durch den Anwender vorgenommen werden.
4.2.2. Rechnungswesen für Unternehmen
Das komplette Angebot der DATEV im Bereich Rechnungswesen zeigt [DATE2004b]. Es ist, wie in Bild 4 dargestellt, gegliedert nach dem Grad, zu dem das Unternehmen sein Rechnungswesen im Wesentlichen an seinen Steuerberater abgibt oder selbst durchführt. Im ersten Fall werden mit den Produkten Kassenbuch internet bzw. Beleg-Manager nur Belege im Unternehmen erfasst bzw. ausgewertet. Im zweiten Fall kann das Unternehmen mit Rechnungswesen classic alle Aufgaben der Finanz-, Anlagen-, Kontokorrentbuchführung und Kostenrechnung selbst übernehmen [DATE2004b].

Bild 4 Mögliche Grade der Arbeitsteilung im DATEV-Rechnungswesen ([DATE2004d])
4.2.2.1. Situative Aspekte
Wie schon bei der Analyse der Produktgruppe Personalwirtschaft für Unternehmen, kann auch die Programme der Produktgruppe Rechnungswesen nicht an Besonderheiten einzelner Lebensphasen eines Unternehmens angepasst werden.
Im Rechnungswesen der DATEV existieren keine Branchenlösungen in dem Sinne, wie sie andere in dieser Arbeit vorgestellte Anbieter verstehen. DATEV bietet jedoch so genannte Sonderkontenrahmen für eine Vielzahl von Betriebstypen, wie z. B. Autohändler oder Optiker, an. Eine vollständige Aufstellung dieser Sonderkontenrahmen findet sich in [DATE2004g]. Von den auf der hier verwendeten Checkliste genannten Branchen unterstützt DATEV Rechnungswesen sechs Stück.
Von den unter Punkt 1.3.1 der Checkliste aufgezählten Charakteristika lässt sich das DATEV-Rechnungswesen nur an die Rechtsform des Kunden anpassen, indem bei Anlage des Kunden als Mandant eines Steuerberaters die Rechtsform des Kundenunternehmens mit angegeben wird. Anhand dieser Angabe werden bei Berechnungen z. B. die entsprechenden Steuersätze verwendet. Auf die restlichen Kriterien können die Systeme nicht abgestimmt werden.
4.2.2.2.Aspekte auf Unternehmensebene
Aspekte auf Unternehmensebene können wie in der im Kapitel 4.8.1. beschriebenen Produktgruppe Personalwirtschaft auch im Rechnungswesen abhängig vom Kunden eingerichtet werden, sei es bezüglich der Integration von MS-Office für Auswertungen oder Korrespondenz, oder hinsichtlich der Frage, ob die Applikationen als ASP-Lösung gemietet oder auf eigenen Rechnern im Kundenbetrieb installiert werden.
Wie bei den Applikationen der Personalwirtschaft finden sich auch für das DATEV-Rechnungswesen im vorliegenden Material keine Hinweise darauf, dass sich die Software mit anderen Programmen als den MS-Office-Produkten integrieren lässt. Allerdings besteht die Möglichkeit, das DATEV-Rechnungswesen mit den in 4.8.3. und 4.8.4. vorgestellten Paketen für Warenwirtschaft bzw. Kunden-Management zu koppeln.
4.2.2.3.Aspekte auf Anwenderebene
Die Definition von Rollen findet auch bei den Systemen des Rechnungswesens durch die Programme Nutzungskontrolle bzw. Rechteorganisation, die bereits im vorhergehenden Kapitel erläutert wurden, statt. Abgesehen von berechtigungsorientierten Rollen lassen sich keine Rollen anderer Kategorien definieren.
Der letzte untersuchte Aspekt, die Punkte 3.2.1 und 3.2.2 der Checkliste, stellt sich ebenfalls wie bei den Systemen der Personalwirtschaft dar: begrenzte Anpassungsmöglichkeiten des Layouts, eine Definition von Informationsdarstellung und -umfang über Datenbankabfragen sowie die Möglichkeit, Favoriten zu hinterlegen bilden die wesentlichen Adaptionsoptionen. Der Benutzer muss alle Optionen manuell setzen.
4.2.3. DATEV-Lösungen zur Warenwirtschaft
Die DATEV-Lösungen zur Warenwirtschaft werden in Kooperation mit der Firma HS – Hamburger Software GmbH® angeboten. Zu den DATEV-Lösungen für Warenwirtschaft gehören die Programme Auftragsbearbeitung und Auftragsmanager sowie eine Reihe so genannter Erweiterungsmodule [DATE2004i; DATE2004j], z. B. für Fremdwährungen. Die Auftragsbearbeitung stellt eine um Bestandsführung und Lagerverwaltung erweiterte Version des Auftragsmanagers dar.
4.2.3.1.Situative Aspekte
Unter situativen Aspekten lässt sich zunächst feststellen, dass sich die Applikationen der Warenwirtschaft nicht auf Besonderheiten einzelner Lebensphasen eines Unternehmens einstellen lassen.
Beide Applikationen sind jeweils als „branchenübergreifende Warenwirtschaftslösung“ [DATE2004i; DATE2004j] zu verstehen. Folglich bietet DATEV keine auf einzelne Branchen zugeschnittene Programmpakete im Bereich der Warenwirtschaft an.
Aus dem vorhandenen Material zum Angebot der DATEV im Bereich Warenwirtschaft geht nicht hervor, ob sich unterschiedliche Rechtsformen bei der Konfiguration der Systeme berücksichtigen lassen. Die Größe des Unternehmens wird nur beim Programm Auftragsbearbeitung durch das Erweiterungsmodul Mehrlager berücksichtigt. Durch dieses Modul werden Übersichten über einzelne Filiallager ermöglicht [DATE2004i]. Anhand des Moduls Fremdwährung ist es zwar möglich, andere Währungen als den Euro im System zu verwenden [DATE2004i]. Die Software selbst scheint allerdings nicht für den Einsatz in anderen Ländern konzipiert. Ebenfalls als Zusatzmodule für die Auftragsbearbeitung erhältlich sind Provision und Kasse zur Auftragsbearbeitung. Diese Module bieten eine gewisse Adaptionsmöglichkeit der Software an den Vertrieb über Außendienst und über stationären Handel [DATE2004i].
Die Warenwirtschaftsprogramme der DATEV verwenden als extern entwickelte Produkte nicht die Nutzungskontrolle bzw. Rechteorganisation, um Anwender und deren Position in einer Aufbauorganisation darzustellen [DATE2004i; DATE2004j]. Für eigene Funktionalitäten findet sich kein Hinweis in den verfügbaren Unterlagen.
Auf Optionen, wie die Applikationen bezüglich Wettbewerbsstrategie oder Fertigungsart eines Unternehmens angepasst werden können, findet sich im vorliegenden Material kein Hinweis.
4.2.3.2.Aspekte auf Unternehmensebene
Die in der Checkliste zu dieser Analyse aufgeführten Aspekte auf Ebene einzelner Unternehmen werden bei den DATEV-Lösungen zur Warenwirtschaft nur bedingt berücksichtigt.
So finden sich beispielsweise keine Anzeichen für die Option, die Oberfläche der Software an das eigene Unternehmensleitbild anzupassen. Ebenso schließt DATEV die Warenwirtschafts-Programme ausdrücklich aus ihrem DATEVasp®-Angebot aus [DATE2004h], es bleibt folglich nur der selbstständige Betrieb im eigenen Unternehmen.
Andererseits lassen sich Daten der Programme an DATEV-Rechnungswesen-Programme übergeben und dort weiter verarbeiten [DATE2004i; DATE2004j]. Bezüglich der Kommunikation mit Kunden besteht die Möglichkeit, individuelle Formulare bzw. Belege mit Crystal Reports Professional der Firma Business Objects SA zu erstellen [Hamb2004]. Über das Modul Datenmodell kann eine ODBC-Schnittstelle zur Datenbank angelegt werden, die die einfache Übernahme von Daten z. B. für Serienbriefe ermöglicht.
4.2.3.3.Aspekte auf Anwenderebene
Auf Ebene einzelner Anwender ist aus dem vorliegenden Material nicht ersichtlich, welche Rollenkategorien in der Software abgebildet sind. Wie in den jeweiligen Kapiteln weiter oben beschrieben, sind Rollen in den DATEV-Produkten zu Personalwirtschaft und Rechnungswesen über die separaten DATEV-Applikationen Nutzungskontrolle und Rechteorganisation implementiert. Da es sich bei Auftragsbearbeitung und Auftragsmanager um Produkte eines eigenständigen Anbieters handelt, die DATEV nur vertreibt, wird hier davon ausgegangen, dass keine Integration zu Nutzungskontrolle und Rechteorganisation vorliegt.
Auch für die Frage, ob Optionen zum Personalisieren der Software vorhanden sind, lassen sich keine aussagekräftigen Belege finden. [Hamb2004] beschreibt das Produkt Auftragsbearbeitung 1.60 der Hamburger Software als System mit „Windows-typischer Benutzeroberfläche“, was den Schluss nahe legt, dass der Anwender die Applikation nur in sehr engen Grenzen, vor allem hinsichtlich Layout, personalisieren kann. Der Anwender kann sich nicht für andere Anzeigesprachen entscheiden, verschiedene Kommunikationsmedien werden nicht unterstützt. Inwiefern einzelne Anwender die ihnen präsentierten Informationen durch Verdichten oder Selektieren ihren Wünschen entsprechend darstellen lassen können, kann nicht ermittelt werden.
4.2.4. DATEV-Kunden-Managementsystem
Das DATEV-Kunden-Managementsystem wird wie die Lösungen zur Warenwirtschaft nicht bei DATEV selbst entwickelt, sondern von der Firma SuperOffice GmbH. DATEV vermarktet das Produkt in zwei Varianten als Kunden-Managementsystem compact [DATE2004k] bzw. Kunden-Managementsystem classic [DATE2004l]. Beide sind „als branchenneutrale, auf kleine Unternehmen ausgerichtete Lösung“ konzipiert [DATE2004k; DATE2004l].
4.2.4.1.Situative Aspekte
Für das Kunden-Managementsystem geht aus den vorhandenen Unterlagen nichts hervor, das darauf schließen lässt, dass das Produkt verschiedene Lebensphasen eines Unternehmens abbilden kann.
Als „branchenübergreifende […] Lösung“ [DATE2004k; DATE2004l] ist das Kunden-Managementsystem in seinen beiden Varianten ebenfalls nicht auf bestimmte Branchen spezialisierbar.
Hinsichtlich der Eigenschaften einzelner Betriebstypen geben die vorliegenden Materialien keine Hinweise darauf, dass verschiedene Unternehmensrechtsformen in der Applikation unterschiedlich behandelt werden könnten. Da die Software speziell für kleine Unternehmen entwickelt ist, existieren keine Optionen, um andere Unternehmensgrößen besonders zu berücksichtigen. Die SuperOffice GmbH bzw. deren Muttergesellschaft bietet das Originalprodukt SuperOffice CRM zwar in verschiedenen Sprachen an [Supe2004a, 7], im Rahmen der Vermarktung durch DATEV scheint jedoch keine Fremdsprachenfunktionalität vorgesehen. Die für die classic-Variante als Erweiterungsmodule verfügbaren Komponenten Fernzugriff Außendienst, Abgleich Niederlassungen sowie Einteilung Vertriebsregionen [DATE2004l] erlauben es, das System an die Vertriebsart des Unternehmens anzupassen. Unterschiedliche Wettbewerbsstrategien werden beim Kunden-Managementsystem, genau wie unterschiedliche Fertigungsarten, nicht getrennt behandelt.
Wie die Warenwirtschafts-Produkte ist auch das Kunden-Managementsystem unabhängig von den DATEV-Produkten Nutzungskontrolle und Rechteorganisation [DATE2004k; DATE2004l]. Folglich werden Anwender bzw. deren Rollen direkt im Kunden-Managementsystem modelliert. Aus dem vorliegenden Material zum Basisprodukt SuperOffice CRM geht allerdings nur hervor, dass einzelne Anwender angelegt werden können [Supe2004b, 8]. [Supe2004b, 79] erwähnt, dass Anwender in verschiedene Ebenen eingeteilt werden und der Zugriff auf bestimmte Funktionalitäten der Applikation in Abhängigkeit von der Hierarchieebene des Anwenders erteilt oder verweigert wird. So ist es Anwendern der Ebenen vier und fünf nicht möglich, E-Mails an mehrere Kunden gleichzeitig zu versenden [Supe2004b, 79].
4.2.4.2.Aspekte auf Unternehmensebene
Das Unternehmensleitbild lässt sich in das Kunden-Managementsystem in Form einer unternehmensspezifisch gestalteten grafischen Benutzeroberfläche nicht integrieren. Individuelle Kommunikation mit Kunden wird durch die Integration mit MS Office erreicht. Diese Integration erlaubt es Anwendern, Kunden nach relevanten Kriterien auszuwählen und aus einer unternehmenseigenen Dokumentvorlage einen Serienbrief an alle Kunden der Selektion zu versenden [Supe2004b, 76].
Das Kunden-Managementsystem wird von DATEV ausschließlich auf CD ausgeliefert [DATE2004k; DATE2004l], es kann nicht im Rahmen von DATEVasp bezogen werden [DATE2004h]. Neben der bereits erwähnten Integration mit MS-Office bietet das Kunden-Managementsystem die Option, mit den DATEV-Produkten Rechnungswesen und Warenwirtschaft z. B. Stamm- oder Umsatzdaten auszutauschen [DATE2004k; DATE2004l].
4.2.4.3.Aspekte auf Anwenderebene
Wie im Kapitel 4.8.4.1. erwähnt, lässt sich aus [Supe2004b, 79] schließen, dass SuperOffice CRM als Basisprodukt des Kunden-Managementsystems der DATEV berechtigungsorientierte Rollen bietet. Auch die beim Erweiterungsmodul Einteilung Vertriebsregionen auf [DATE2004l] beschriebene Funktionalität steht für ein berechtigungsorientiertes Rollenkonzept. Obwohl sich das Zuordnen von Anwendern zu Vertriebsregionen als aufgabenorientiert klassifizieren lässt, wird aus den vorliegenden Quellen nicht klar, ob sich Aufgaben zu Rollen zuordnen lassen oder nur zu einzelnen Anwendern. Im zweiten Fall wäre ein aufgabenorientiertes Rollenkonzept streng genommen nicht vorhanden. Die drei weiteren in der Checkliste genannten Rollenkonzepte sind nach den vorhandenen Unterlagen zum Kunden-Managementsystem bzw. SuperOffice CRM nicht implementiert.
Genauso finden sich keine Hinweise auf Möglichkeiten, das Layout der Benutzeroberfläche den Vorlieben einzelner Anwender anzupassen. SuperOffice CRM kann mit verschiedenen Sprachmodulen gleichzeitig installiert werden [Supe2004a, 7], wodurch verschiedene Sprachen abhängig vom einzelnen Anwender möglich sind. DATEV macht allerdings keine Angaben, ob das Kunden-Managementsystem diese Sprachvarianten ebenfalls bietet. Informationen lassen sich durch so genannte Berichte als Text oder Diagramm darstellen [Supe2004b, 127], die präsentierten Inhalte lassen sich sowohl bei diesen Berichten als auch durch so genannte Selektionen einschränken [Supe2004b, 69]. Alle Optionen müssen vom Anwender manuell ausgewählt werden.
4.2.5. Fazit
Zusammenfassend lässt sich zum Angebot der DATEV im Bereich Unternehmenssoftware feststellen, dass sich für den Anwender ein inkonsistentes Bild der Applikationslandschaft bietet.
Ausgehend von insgesamt drei Lieferanten für vier Produktlinien zersplittert das Gesamtangebot in Inseln, die zwar untereinander über Schnittstellen Daten austauschen können, aber dem Anwender in den hier untersuchten Aspekten der situativen und individuellen Adaption verschiedene Konzepte bieten. Einzige Gemeinsamkeit in allen Produktlinien bildet das Vorgehen, jeweils Pakete mit unterschiedlich umfangreichem Leistungsumfang anzubieten. Ansonsten wird der Softwarekäufer genötigt, seine Organisation mit Rechten, Aufgaben und Hierarchien sowohl in den DATEV-eigenen Produkten anzulegen als auch in den vermarkteten Warenwirtschafts- und Kunden-Managementsystemen. Ähnlich die Situation bei der Frage des Softwarebetriebs: Entgegen den eigenen Systemen kann DATEV kein ASP-Angebot für die Systeme von SuperOffice bzw. Hamburger Software vorlegen.
Weniger schwer wiegt durch den Fokus der DATEV auf kleine und mittelständische Betriebe in Deutschland das Fehlen von branchenspezifischen Paketen und weiteren Sprachen für die Oberfläche der Applikationen.
Nachdem der isolierte Einsatz eines der hier vorgestellten Produkte wenig sinnvoll erscheint, da hierdurch höchstens Insellösungen geschaffen würden, wird im Anhang dieser Arbeit neben den Diagrammen zu den einzelnen Produktguppen zusätzlich ein kombiniertes Diagramm aller hier untersuchten DATEV-Produkte gezeigt.
4.3. Sage
Die Sage Group wurde 1981 in Newcastle, England gegründet und ging 1989 an die Londoner Börse. Zahlreiche Tochterfirmen vertreten die Sage Group weltweit und vertreiben deren Produkte, betriebswirtschaftliche Standardsoftware, die vor allem auf kleinere und mittlere Unternehmen spezialisiert ist [Sage2004a]. Neben Software bietet Sage auch Kundensupport durch den Betrieb von Call Centern, der für das erste Fiskalhalbjahr 2003 rund 60% der Einnahmen ausmachte [Cloe2003d].
Sage strebt eine weitere europäische Expansion an, was an Firmenaufkäufen wie dem der französischen Concept Group anfang 2003 deutlich wird [Cloe2003a]. Die Unternehmensgruppe wird weltweit durch zahlreiche Partner- und Tochterunternehmen vertreten. Zusätzlich strebt Sage aber mit dem Kauf von 90 Prozent der Aktien von Accpac und der Übernahme des US-Anbieters Timberline eine stärkere Position im außereuropäischen Markt an [Cloe2003b] [Cloe2003c].
Sage und seine Partner sind mit ihren Produkten vornehmlich auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisiert. Die folgende Produktbeschreibung beschränkt sich aus Übersichtsgründen auf die Produkte des deutschen Sage Partners Sage Deutschland.
Sage Deutschland, das bis vor Kurzem noch Sage KHK hieß, bietet mehrere Produktlinien an, die sich in ihrer Funktionalität an unterschiedliche Unternehmen richten. Die Serie PC-Kaufmann© ist für kaufmännische Aufgaben kleiner und mittlerer Unternehmen, Selbständiger und kleiner Handwerksbetriebe ausgelegt und bietet je nach Anspruch unterschiedlich umfassende Komplettpakete oder auch die Einzelmodule zur beliebigen Kombination [SaKp004p].
Die Office Line© richtet sich vor allem an mittelständische Betriebe unterschiedlicher Sparten. Eine detailliertere Beschreibung folgt in Kapitel 4.3.1.
Die Classic Line© unterstützt die gleichen Bereiche, ist aber nicht in dem hohen Maße individualisierbar wie die Office Line. Aber auch sie bietet eine Reihe von Standardmodulen, die nach Bedarf durch Branchen- und Spezialmodule erweitert werden können [SaKp004q].
Die Serie HP-WIN© richtet sich an kleine und mittelständische Handwerksbetriebe und Dienstleistungsunternehmen [SaKp004r]. Sage Personalwirtschaft© ist eine Produktserie für ein umfassendes Personalmanagement aller bisher genannten Zielgruppen von Sage [SaKp004s]. Der Kundenmanager© ist eine Software für gezieltes Kunden- und Vertriebsmanagement [SaKp004t]. Der WebTrader© ist ein Produkt, das die Internetaktivitäten eines Unternehmens unterstützt, indem es eine Online-Plattform zur Verfügung stellt [SaKp004u].
4.3.1. Office Line
Die Office Line umfasst eine Reihe von Paketen, die für den Mittelstand ausgelegt sind. Sie ist eine integrierte und zentrale Lösung, bei der im Standardpaket betriebswirtschaftliche Geschäftsabläufe in Finanz- und Rechnungswesen, Warenwirtschaft sowie Produktion vereint und gesteuert werden [SaKp004i]. Von Sage Deutschland werden Zusatzmodule vertrieben, welche die Bereiche Personalwirtschaft, Customer Relationship Management und eBusiness abdecken [SaKp004k]. Eine Vielzahl von anderen branchenübergreifenden und branchenspezifischen Zusatzpaketen sind von Partnern der Sage Group zu beziehen [SaKp004b].
Für die Untersuchung wurde die Office Line ausgewählt, da sie bei mehr als 11 500 Kunden in Deutschland installiert wurde und als eine der führenden ERP Lösungen im Bereich bis 100 Mitarbeiter gilt [SaKp004a].
4.3.1.1.Situierung
Es konnte kein Hinweis darauf gefunden werden, dass die Office Line an die verschiedenen Lebensphasen eines Unternehmens anpassbar ist.
Dagegen besteht die Möglichkeit, eine Anpassung an die Branche des Unternehmens vorzunehmen. Zusätzlich zum Standardpaket Office Line gibt es Branchen- und Speziallösungen, die nicht von Sage Deutschland selbst angeboten werden, sondern von Partnerunternehmen implementiert werden und für die Zusammenarbeit mit der Office Line zertifiziert sind [SaKp004b].
Von den für die Untersuchung relevanten Branchen gibt es für die Office Line Zusatzmodule für Behörden und Öffentliche Einrichtungen, Dienstleistung und Großhandel. Da die Office Line hauptsächlich von mittelständischen Betrieben eingesetzt wird, gibt es auch Zusatzpakete, die beispielsweise für Handwerkbetriebe oder selbstständige Unternehmer ausgelegt sind, und deswegen aus dem Branchenmuster der Checkliste, das vor allem für große Unternehmen erstellt wurde, herausfallen [SaKp004b].
Es konnten keine Hinweise darauf gefunden werden, dass die Office Line sich im Hinblick auf die Rechtsform, Vertriebsart, Aufbauorganisation oder Wettbewerbsstrategie eines Unternehmens hin konfigurieren lässt.
Durch die drei Varianten 50, 100 und 200 der Office Line lässt sich die Software an die Unternehmensgröße anpassen. Die Line 50 ist für die kleineren Unternehmen, die Line 100 für Installationen bis zu 25 Arbeitsplätzen ausgelegt. Die Line 200 kann auf bis über 100 Arbeitsplätze skaliert werden.
Die Office Line passt sich nicht nur an die Rechnerarbeitsplätze im Unternehmen an, vielmehr berücksichtigen die Varianten auch die Größe und Zahl der Datenbanken und die Zahl der Mandanten. Auch in den sonstigen Funktionalitäten erfüllen die Varianten von der Line 50 bis zur 200 steigende Anforderungen an Komplexität der Geschäftsprozesse und Anpassungsmöglichkeiten [SaKp004c] [SaKp004d] [SaKp004f].
Die Office Line bietet dem Unternehmen auch die Möglichkeit international zu agieren. Das Modul Rechnungswesen ist so ausgelegt, dass Auslandsüberweisungen gemäß der Außenwirtschaftsverordnung durchgeführt werden. Das Unternehmen kann seine Auslandsbankverbindungen mit der IBAN und SWIFT Kennung der Bank verwalten. Die laut Außenwirtschaftsverordnung erforderlichen Meldedatensätze für die Bundesbank werden erfasst und die Freigrenze automatisch berücksichtigt. [SaKp004e]
Auch die Möglichkeit eigene Preise in einer anderen Währung als dem Euro auszuzeichnen und zu führen, ist ein wichtiges Kriterium für einen internationalen Einsatz der Office Line [SaKp004o].
Für die Office Line steht ein Zusatzpaket Fremdsprachige Benutzeroberfläche Englisch/Französisch zur Verfügung. Zu diesem gehören die von Muttersprachlern übersetzten Benutzeroberflächen (außer Administrator, Hilfen, Dokumentation). Die Sprache lässt sich vom Benutzer individuell über die Windows-Systemsteuerungsfunktion umschalten. Um dem Benutzer die Handhabung zu erleichtern, wurde ein fremdsprachiger Sage Office Line Quick-Reference-Guide eingebunden. Für Angebote in weitere Fremdsprachen existieren Lösungen der Partnerunternehmen [SaKp004e].
Im Modul Warenwirtschaft werden in der Office Line die Artikelstammdaten mit einer Länderkennzeichnung angelegt. Wird ein Artikel gekauft bzw. verkauft, erhält der Lieferant bzw. Kunde den Verkaufs- bzw. Einkaufsbeleg in der passenden Sprache [SaKp004e] [SaKp004g], wie in Bild 5 zu sehen. Ebenso besteht die Möglichkeit, in Fremdwährung ausgezeichnete Preislisten in Euro zu konvertieren [SaKp004g].

Bild 5 Spracheinstellung für Kunden [SaKp004g]
Auch die Fertigungsart eines Unternehmens wird durch die Office Line berücksichtigt. Das Modul Produktion der Office Line ist so ausgelegt, dass sowohl Einzel- als auch Serien- und Variantenfertigung möglich ist. Im Bereich der Einzelfertigung wird beispielsweise eine Schnellanlage der häufigen „Einmalartikel“ ermöglicht, um ein zeitaufwändiges, einzelnes Eintragen zu ersparen. Es stehen ein Produktkonfigurator und Variantenmanagement zur Verfügung, die für eine übersichtliche Konfiguration der Stücklisten verwendet wird [SaKp004h].
4.3.1.2.Unternehmensebene
Es konnte kein Hinweis darauf gefunden werden, dass sich die Programmmasken der Office Line an das Unternehmensleitbild anpassen lassen. Jedoch besteht die Möglichkeit, zumindest personalisierte Briefe und HTML-Vorlagen für individuelles E-Mail Marketing zu erstellen [SaKp004e]. Die Bildschirmoberflächen sind im Aussehen dem Microsoft Office Stil nachempfunden [SaKp004i].
Auch die persönliche Kommunikationsart lässt sich nicht in der Software einstellen.
Es konnten keine Hinweise darauf gefunden werden, dass Sage in Deutschland ein Hosting der Office Line anbietet. Allerdings kann die Office Line von Sage KHK Österreich gemietet werden [SaKp004j].
Der Umstieg von einer Office Line auf eine komplexere Version ist laut Sage problemlos möglich [SaKp004c]. Auch die Anbindung der Zusatzmodule Sage Personalwirtschaft, Sage Kundenmanager und der Sage WebTrader kann ohne Probleme umgesetzt und die vorhandenen Daten weiter genutzt werden [SaKp004k].
Die Funktionen der Office Line arbeiten mit den Microsoft Office-Produkten zusammen. So lassen sich beispielsweise E-Mails der Office Line über Outlook versenden. Ebenso kann die für die Aufgabenverwaltung die Office Line oder Outlook als Informationsplattform verwendet werden [SaKp004f].
Von verschiedenen Fremdunternehmen werden Add-Ins für die Office Line angeboten. So gibt es von WEKO Informatik einen ganzen Katalog mit Produkten zur Ergänzung des Standardangebots der Office Line. Dazu gehören etwa eine Artikelexportmöglichkeit aus Excel und die Möglichkeit, Etiketten über die Office Line zu drucken [Weko2004]. Das Modul Warenwirtschaft bietet auch die Möglichkeit, Daten zum Erstellen einer Grafik direkt an Excel oder Powerpoint zu übergeben [SaKp004g].
Die Office Line stellt eine Reihe von Schnittstellen zur Verfügung, darunter eine ADO und ODBC Schnittstelle, wodurch es möglich ist, auf alle Datenbanken zugreifen, die diese unterstützen. Ebenso hat sie eine zertifizierte Datev-Schnittstelle und kann XML-Daten für Kunden, Artikel und Belege importieren [SaKp004e].
Das Modul Produktion der Office Line bietet die Möglichkeit, die Daten von mit beliebigen CAD Programmen erstellten Zeichnungen als Stückliste in die Office Line zu übernehmen. Für die Produktion steht auch eine EDI Schnittstelle für die Auftragsabwicklung zur Verfügung, welche die relevanten VDA-Normen unterstützt [SaKp004l].
4.3.1.3.Individualisierung
Von den fünf zur Verfügung stehenden Rollenkategorien realisiert die Office Line zwei.
Die Aufgabenorientierung ist an den Wiedervorlagen zu erkennen, die für einzelne Personen oder Gruppen erstellt werden können, und sie an Termine oder ähnliches erinnern sollen [SaKp004m]. Daraus lässt sich schließen, dass Gruppen aufgabenbezogen erstellt werden oder ihnen später Aufgaben zugewiesen werden können.
Die Berechtigungsorientierung ist im benutzer- und gruppenbezogenen Sicherheitssystem der Office Line zu erkennen. Es existiert eine benutzerbezogene Kennwortverwaltung und der Zugriff auf Daten und Funktionen ist an Berechtigungen gebunden. Für Daten gibt es Anzeige- und Änderungssperren, die bei Bedarf gesetzt werden können [SaKp004e]. Zusätzlich ist ein regelbasiertes Berechtigungskonzept umgesetzt, nach dem bestimmte Benutzer beispielsweise nur Aufträge bis 10 000 € einsehen können [SaKp004e].
Es konnte kein Hinweis darauf gefunden werden, ob Rollen vordefiniert sind und neue erstellt werden können, obwohl man eigentlich davon ausgehen kann, dass zumindest eines von beiden angeboten wird.
Im Hinblick auf eine Gestaltung des Layouts lassen sich die Programmoberflächen und Eingabemasken der Office Line nach der persönlichen Arbeitsweise gestalten. Mit dem Berichtsassistenten kann die Zusammenstellung der Berichte an den jeweiligen Anforderungen ausgerichtet werden [SaKp004n].
Wie bereits in Abschnitt 4.3.2.1 aufgeführt, ist die Spracheinstellung für die Oberflächenmasken der Office Line individuell vom Benutzer durchzuführen. Über die Windows Systemsteuerungsfunktionen kann als Sprache Englisch oder Französisch ausgewählt werden, wenn das Zusatzpaket Fremdsprachige Benutzeroberflächen Englisch / Französisch installiert worden ist [SaKp004e].
Um sich die Informationsdarstellung nach Wunsch im Hinblick auf Präsentation zu konfigurieren, können Berichte selbst mit Hilfe eines Berichtsassistenten erstellt werden. So lassen sich Informationen selektieren und auch mit Hilfe von Auswertungstabellen verdichten [SaKp004n].
Die Office Line unterstützt die Kommunikation per E-Mail. Die Kommunikation muss nicht zwangsweise über das integrierte E-Mail-System erfolgen, sondern kann auch über andere Applikationen wie Outlook abgehandelt werden [SaKp004f].
Als Ergänzung der Kommunikationsmöglichkeiten wird das Paket Telefonverkauf angeboten, das die Verarbeitung von Verkaufsbelegen im Telefonverkauf erleichtert und eine Anruferkennung mit automatischem Aufruf der Kundendaten besitzt [SaKp004e].
Bei der Untersuchung des Ansatzes, der für die Personalisierung verwendet wird, konnte kein Hinweis auf eine Automatisierung der Software gefunden werden. Ebenso wenig wurden Anzeichen einer rechnergestützten Anpassung entdeckt, so dass von einer rein manuellen Einstellung ausgegangen werden muss.
4.3.2. Fazit
Die Anpassungsmöglichkeiten der Office Line im Bereich der Situierung sind relativ schwach ausgeprägt.
Das Unternehmen wird nicht im Hinblick auf die Lebensphase, in der es sich befindet, durch eine Anpassung der Software unterstützt. Von den 16 Branchen, die in die Checkliste aufgenommen wurden, sind nur bei 5 Erweiterungen für die Office Line zu kaufen und von den 7 Dimensionen, bei denen Einstellungen hinsichtlich des Betriebstyps vorgenommen werden könnten, stehen nur 3 zur Verfügung.
Für Anpassungen im Bereich der Unternehmensebene ist etwas mehr Spielraum gegeben. So sind von den fünf möglichen Einstellungen, die für individuelle Vorgaben bezüglich der Unternehmenspolitik vorgenommen werden könnten, immerhin drei vorgesehen.
Im Bereich der Individualisierung sind die Konfigurationsmöglichkeiten der Software unterschiedlich gut angeboten.
Das Rollenkonzept wird von der Office Line nicht in vollem Maße unterstützt. Es konnten Hinweise darauf gefunden werden, dass zwei der fünf Rollenkategorien unterstützt werden. Allerdings sind nur spärliche Informationen verfügbar, ob und wie viele Rollen vordefiniert sind und ob weitere Rollen vom Benutzer erstellt werden können. Aus logischen Gesichtspunkten muss aber zumindest einer dieser Ansätze verfolgt werden.
Der Bereich der Personalisierung der Software durch den Anwender ist besser in die Office Line eingebunden. So wird die individuelle Anpassung der grafischen Schnittstelle in vollem Maße angeboten. Im Hinblick auf den Ansatz, der für die Personalisierung verwendet wird, stehen wieder nur wenige Informationen zur Verfügung, so dass nur von einem rein manuellem Ansatz ausgegangen werden kann.
Ein Spinnwebdiagramm ist im Anhang 3 abgebildet, um die von der Office Line angebotenene Möglichkeiten zu Adaption an das Unternehmen zu veranschaulichen.
4.4. Siebel
Siebel Systems wurde 1993 von Tom Siebel, dem bisherigen Chief Executive Officer (CEO), und Patricia House gegründet [McIn2004]. Der neue CEO von Siebel wird Michael Lawrie sein [Cloe2004e]. Ursprünglich war die Entwicklung von Software geplant, welche die Kommunikation mit dem Kunden in diversen Unternehmensbereichen verbessert und automatisiert. Mittlerweile erstreckt sich das Softwareportfolio, das Siebel anbietet, auf Anwendungen im gesamten CRM Bereich und deckt auch mit CRM onDemand© den Bereich der Software zur Miete ab. Siebels aggressive Ziele in diesem Bereich werden auch durch die Übernahmen zweier Konkurrenten, Upshot und Ineto Services, deutlich, die auf diesem Sektor tätig waren [ClHo2003].
In den USA vertreibt Siebel seine Produkte auch über Partnerunternehmen. In Zukunft wird erwogen, diese Strategie auch in Deutschland zu verfolgen [Hein2004].
Die traditionelle Sparte Siebels ist das Angebot von CRM Software. Im Laufe der Zeit wurden noch andere Bereiche wie Mitarbeiterverwaltung und Analyse der Kundendaten durch Softwareprodukte abgedeckt. Die aktuelle Produktlinie ist Siebel 7. Auf Basis einer einheitlichen Architektur werden verschiedene Produkte angeboten.
Siebel Produkte lassen sich in drei Bereiche einteilen.
Für große Unternehmen werden die Siebel eBusiness Applications© angeboten. Eine genauere Beschreibung folgt im Abschnitt 4.2.1.
Als zweiter Bereich wendet sich die Midmarket Edition© an mittlere und kleine Unternehmen von 15 bis 250 Benutzern, die in naher Zukunft von CRM Professional abgelöst werden soll [Fris2004]. Die Midmarket Edition unterstützt die Bereiche Vertrieb, Service, Marketing und Partnermanagement und bietet auch ein Kundeninformations-Portal. Als Ergänzung zu den Standardfunktionen der Midmarket Edition werden zusätzlich die Module eCustomer, eFinance und eInsurance angeboten [Sieb2004t].
Verstärkt widmet sich Siebel in letzter Zeit auch seinem dritten Bereich, dem Miet-Produkt Siebel CRM OnDemand, das beim Kunden installiert ist, während Siebel für die Pflege und Wartung verantwortlich ist. CRM OnDemand ist für alle Unternehmensgrößen geeignet. Zu den Funktionalitäten von CRM OnDemand gehören Sales, Service, Marketing, Contact Center und ein eingebautes Analyse-Modul [Sieb2004u].
4.4.1. eBusiness Applications
Speziell für große Unternehmen sind die Siebel eBusiness Applications ausgelegt. Sie sind in Module strukturiert, die sich beliebig kombinieren lassen und sich gegenseitig ergänzen. Für den CRM Bereich werden die Module Siebel Sales, Siebel Marketing, Siebel Service und Siebel Interactive Selling angeboten [Busi2000].
Das Gesamtziel der Module ist es, den Anwender so zu unterstützen, dass er eine langfristige Beziehung zum Kunden aufbauen und halten kann. Dies wird dadurch angestrebt, dass Kundenanfragen schnell und kompetent bearbeitet werden. Dazu werden die Kanäle angesteuert, die der Kunde wünscht, und die Kontaktzeiten nach seinen Präferenzen ausgerichtet. Die Module sind auf eine bestmögliche Betreuung der Kunden und eine effiziente Verwaltung der Kundendaten ausgerichtet [Sieb2004g] [Sieb2004h].
Zusätzlich stehen noch die Module Siebel Partner Relationship Management, Siebel Employee Relationship Management und Siebel Analytics zur Verfügung. Die Funktionalität einiger Module ist wiederum in Untermodule gegliedert.
In Zukunft möchte Siebel auch den Verkauf seines Analysemoduls getrennt von den CRM Anwendungen betreiben, um sich im Markt für BI zu platzieren [Alex2004].
Als Schnittstelle zur Einbindung von Fremdsoftware dient das Universal Application Network, das eine herstellerunabhängige, flexible Plattform zur Integration verschiedener Anwendungen ist und hilft, die verwendeten Daten in ein Format zu konvertieren, um eine Gesamtsicht auf den Datenbestand zu erhalten [Frey2004] [Sieb2004f].
Für die Untersuchung wurden die eBusiness Applications ausgewählt. Sie sind das Kernprodukt von Siebel. Als erstes Produkt von Siebel, das über die Jahre hinweg kontinuierlich verbessert und weiterentwickelt wurde, sind sie am besten erprobt, und es kann davon ausgegangen werden, dass sie am weitesten entwickelt sind.
4.4.1.1.Situierung
Die Siebel eBusiness Applications bieten nach [Frey2004] keine Unterstützung für die unterschiedlichen Phasen eines Unternehmens. Siebel Produkte sind darauf ausgelegt, die Entwicklung eines Unternehmens nur in Hinblick auf die wachsende Benutzerzahl zu unterstützen. Und auch diese Unterstützung beruht auf unterschiedlichen Produkten, nicht auf einer Anpassung der eBusiness Applications [Sieb2004v].
Die eBusiness Applications bieten eine Reihe von Modulen zur Unterstützung von Branchen.
Sie stehen für die folgenden Branchen zur Verfügung: Automobilbranche, Öffentliche Einrichtungen, Life Sciences, Energieversorger, Dienstleistung, Gesundheitswesen, Konsumgüter, Telekommunikation, Tourismus und Transport. Die Unterstützung der Siebel-Module im Bereich Dienstleister bezieht sich auf Finanzdienstleister und Versicherungen, für die jeweils extra Module angeboten werden [Sieb2004o].
Die ursprüngliche Funktionalität der eBusiness Applications wird durch die Installation eines branchenspezifischen Moduls nicht eingeschränkt, da die Anwendung auf zahlreichen Kernkomponenten aufbaut und diese lediglich erweitert [Sieb2004d]. Als Beispiel dienen die speziellen Funktionen der Lösung für die Automobilbranche, die zusätzlich zu den Standardfunktionen angelegt sind.
Die spezielle Gestaltung der Branchenmodule wurde durch einen Ausbau der Architektur der eBusiness Applications erzielt. So besitzt Siebel Communications beispielsweise ein Modul für die Erfassung und Validierung von Kundenanfragen für Telekommunikationsprodukte und Dienstleistungen. Es wurde auch eine spezielle Funktion integriert, die bei der Preisgestaltung des Angebots berücksichtigt, ob monatliche oder einmalige Aufwendungen vorliegen [Sieb2004e].
Die unterschiedlichen Betriebstypen werden durch die eBusiness Applications nur teilweise unterstützt. Siebel bietet keine Unterstützung an, die sich auf die Rechtsform eines Unternehmens bezieht, und auch die Unternehmensgröße wird nur über das Angebot der unterschiedlichen Produkte eBusiness Applications, Midmarket Edition und CRM onDemand abgedeckt und nicht in den eBusiness Applications selbst berücksichtigt. Diese sind nur für große Unternehmen ausgelegt [Sieb2004p].
Da die Siebel eBusiness Applications für große Unternehmen ausgelegt sind, unterstützen sie auch die Internationalität des Geschäftsbereiches. So ist beispielsweise das Modul Sales stark skalierbar und berücksichtigt Zeitzonen, Ländergrenzen und verschiedene Währungen bei der Vertriebsorganisation [Sieb2004a]. Die eBusiness Applications sind in 17 Sprachen erhältlich und unterstützen den vollständigen Unicode. Dadurch können die Unternehmen in verschiedenen Ländern unterschiedliche Zeichensätzen und dabei eine einheitliche Kodierung verwenden [Visa2002].
Die Vertriebsart eines Unternehmens wird ebenfalls im Modul Sales berücksichtigt. Dort ist auch eine Verwaltung verschiedener Vertriebskanäle und der Vertriebsgebiete möglich [Sieb2004a].
Eine Unterstützung der Aufbauorganisation durch die eBusiness Applications ist nicht vorgesehen. Es besteht nur die Möglichkeit, die flexiblen Voreinstellungen, die vorgegeben sind, an die Struktur des eigenen Unternehmens anzupassen [Frey2004].
Eine direkte Unterstützung der gewählten Wettbewerbsstrategie eines Unternehmens ist nicht gegeben, aber das Modul Sales bietet die Funktion Target Account Selling an, die eine optimalen Wettbewerbsstrategie empfiehlt, der die Mitarbeiter folgen können [Sieb2004b].
4.4.1.2.Unternehmensebene
Die eBusiness Applications erlauben auf verschiedene Art und Weise, interne Vorgaben bezüglich der Unternehmenspolitik umzusetzen.
Die webbasierte Oberfläche der Benutzerportals ist frei editierbar und lässt sich an das Unternehmensleitbild anpassen [Sieb2004q].
Als Kommunikationsmedium steht E-Mail zur Verfügung [Sieb2004h]. Bei bestimmten Situationen kann auch eine Auswahl des Kommunikationsmediums erfolgen. Als Beispiel dafür kann der Analyseagent von Siebel Analytics bei einer proaktiven Überwachung seine Warnmeldungen an ein beliebiges Gerät z.B. als E-Mail oder an einen Pager, PDA, RIM oder Handy zustellen [Sieb2004c].
Siebel Marketing ermöglicht es dem Benutzer, seine Kampagnen über mehrere Kanäle zu streuen. Dies umfasst beispielsweise Telefon, Postversand, das Internet, schnurlose Geräte, E-Mail, Direktverkäufe und Partnernetzwerke [Tecp004].
Das Modul Siebel Sales erweitert noch die Funktionalität der E-Mail-Komponente. Bei Bedarf kann ein bestimmter Adressat beispielsweise über eine Konferenz per E-Mail benachrichtigt werden [Sieb2004b].
Ein Hosting der eBusiness Applications durch Siebel wird nicht angeboten, da Siebel für diesen Bereich ein eigenes Produkt, CRM onDemand, anbietet. Allerdings bietet IBM einen Hostservice für die eBusiness Applications an [Ibme2004].
Ein Update älterer Siebel Versionen wird von Siebel unterstützt. Eigens für diesen Zweck werden Workshops angeboten, bei denen der Kunde seine bestehende Siebel-Implementierung bewertet und eine „Roadmap“ für die Neu-Implementierung anhand der Daten und Anforderungen des Kunden aufgestellt wird. Die Methodik der Roadmap besteht aus Phasen, die auch erfahrungsgemäß beim Projektmanagement durchlaufen werden [Sieb2001].
Für die Integration von Fremdsoftware stehen unterschiedliche Produkte bereit, die von verschiedenen Herstellern angeboten werden. Von Cisco Systems wird der Cisco CTI Driver angeboten, der eine Integration der Siebel eBusiness Applications mit Cisco CTI-Produkten ermöglicht [Cisc2004]. Für die Integration von Siebel mit anderen Systemen gibt es Adapter, die einen Datenaustausch ermöglichen, z.B. den BEA WebLogic Adapter [Beas2004]. Es stehen auch Administrationstools zur Verfügung, so z.B. IBM Tivoli Monitoring for Applications [Ibmc2002a] [Ibmc2002b].
Die Siebel Produkte besitzen für den Import von Daten aus Fremdsystemen standardisierte Schnittstellen für XML, JCA, Web Services, COM, Java und CORBA [Sieb2002].
Ebenfalls ist eine Interaktion der eBusiness Applications mit Microsoft Produkten möglich. So lassen sich aus Siebel Sales heraus Word-Dokumente öffnen, die zu Angeboten erstellt wurden [Sieb2004r].
4.4.1.3.Individualisierung
Die Benutzerverwaltung und -authentifizierung der eBusiness Applications beruhen auf dem Rollenprinzip. Die Software berücksichtigt von den fünf vorgestellten Rollenkategorien den aufgabenorientierten, den organisationsorientierten, den berechtigungsorientierten und den kompetenzorientierten Ansatz.
Der aufgabenorientierte Ansatz wird beispielsweise daran deutlich, dass die Möglichkeit besteht, Warnmeldungen auszugeben, wenn der Benutzer bestimmte Aufgaben erledigen muss. Diese Funktion existiert beispielsweise im Modul Siebel Service im Bereich Field Service [Sieb2004s].
Ebenso erkennt man die Aufgabenorientierung daran, dass bei der Personalisierung der Benutzeroberflächen im Modul ERM nur die für den jeweiligen Benutzer relevanten Daten angezeigt werden [Sieb2004m], d.h. Daten, die ihm bei Erledigung seiner Aufgabe behilflich sind.
Der organisationstheoretische Ansatz wird insofern unterstütz, als die eBusiness Applications es erlauben, die Rollen des Unternehmens abzubilden und die Struktur der Organisation durch die Vorgesetzte-Untergebene-Beziehung nachzubauen. Je nach Rolle des angemeldeten Benutzers wird die Oberfläche der Anwendung angepasst und nur die Seiten angezeigt, auf die er nach den ihm zugeteilten Rechten zugreifen darf oder die in sein Aufgabenfeld fallen. [Sieb2004q]
Der kompetenzorientierte Ansatz lässt sich daran erkennen, dass beispielsweise bei einem Kundenanruf der Kunde automatisch beim ersten Telefonat an den Mitarbeiter weitergeleitet wird, der für die Bearbeitung am besten qualifiziert ist [Visa2002].
Eine Reihe von Rollen ist in den eBusiness Applications vordefiniert. Unter anderem sind dies Administratoren, Geschäftsführer, Außendienst, Innendienst, Call Center, Marketing und Sales. Es ist aber auch möglich, eigene Rollen zu definieren, da das UAN eine Programmierschnittstelle für Administratoren und Systemprogrammierer bietet [Frey2004] [Sieb2004f].
Die individuelle Anpassung der Arbeitsumgebung kann der Benutzer auf unterschiedliche Weise vornehmen. Das Layout der Portaloberfläche lässt sich individuell editieren [Sieb2004i].
Die Siebel eBusiness Applications sind in vielen Sprachen erhältlich, so wurde die Produktlinie Siebel 7.5 in 17 Sprachen vertrieben, ob allerdings die Spracheinstellung vom Benutzer selbst vorgenommen werden kann, konnte nicht herausgefunden werden [Visa2002].
Die Art der Informationsdarstellung kann der Anwender selbst vornehmen. So sind beispielsweise, wie in Bild 6 zu sehen, in das Modul Siebel Marketing Analytics Standardberichte integriert, die personen- und rollenbezogen angepasst werden können [Sieb2004j].

Bild 6 Siebel Marketing Analytics – vorgefertigte Kundenprofilberichte [Sieb2004j]
Als Kommunikationsmedium zum Kunden stehen verschiedene Kanäle zur Verfügung. So können Marketingkampagnen über folgende Kanäle ausgeführt werden: Telefon, Direct Mail, Internet, Mobilgeräte, E-Mail, Direktvertrieb und Partnernetzwerke [Sieb2004h]. Ebenfalls als Kommunikationskanäle sind mobile Geräte ansprechbar, so wird Siebel Sales durch ein Modul Siebel Mobile Sales erweitert, das die Anbindung an mobile Geräte wie Handhelds, Mobiltelefon, Pager oder einen PDA ermöglicht. Der Vertriebsmitarbeiter kann so von unterwegs in Echtzeit die Siebel Sales Daten erhalten, die er benötigt [Sieb2004k] [Sieb2004l].
Im Hinblick auf die in der grafischen Oberfläche dargestellten Inhalte stellt das Modul ERM eine Funktionalität zur Verfügung, mit deren Hilfe Informationen in einen einheitlichen Datenbestand integriert werden können. Diese Informationen können als Wissensbasis im Unternehmen vorhanden sein oder auch außerhalb gesammelt werden. Der Anwender kann sich für Informationsgebiete aus der so geschaffenen unternehmensinternen Wissensbasis, die für seine Rolle im Unternehmen oder für seine berufliche Weiterbildung wichtig sind, anmelden und sich diese zielgerichtet auf seiner personalisierten Homepage anzeigen lassen [Sieb2004m].
Für die Personalisierung der Software wird der manuelle Ansatz unterstützt. So ist die Funktion zur Bearbeitung des Layouts frei verfügbar in die Portaloberfläche integriert [Sieb2004q].
Es konnte allerdings kein Hinweis darauf gefunden werden, ob auch automatisierte oder rechnergestützte Anpassung möglich ist.
4.4.2. Fazit
Die Siebel eBusiness Applications bieten dem Benutzer insgesamt betrachtet eine große Vielzahl an Möglichkeiten, sie an die Eigenschaften des Unternehmens anzupassen.
Anpassungsmöglichkeiten im Hinblick auf Situierungsaspekte des Unternehmens wenig angeboten.
So können an den eBusiness Applications keine Einstellungen im Hinblick auf die Lebensphase des Unternehmens vorgenommen werden. Von den 16 Branchen, die in die Checkliste aufgenommen wurden, werden allerdings für 9 extra Module angeboten. Die Berücksichtigung des Betriebstyps des Unternehmens ist wieder weniger in die Parametrisierung einbezogen. Von den 7 möglichen Dimensionen, an denen die Software sich am Unternehmen ausrichten ließe, stehen nur drei für den Anwender zur Verfügung.
Die Integration individueller Vorgaben bezüglich der Unternehmenspolitik ist für die eBusiness Applications umfassend eingeplant. Die fünf in der Checkliste vorgesehenen Anpassungsmöglichkeiten werden alle angeboten.
Auch die Individualisierung der Software ist umfassend in der Implementierung bedacht worden.
Von den fünf Rollenkategorien können drei dargestellt werden. In der Software sind eine Anzahl von Rollen bereits für unveränderten Gebrauch vorimplementiert. Ebenso besteht auch die Möglichkeit für den Administrator, weitere Rollen zu erstellen.
Eine Personalisierung der Software kann ebenfalls vorgenommen werden, obwohl hier über den verfolgten Ansatz detailliertere Informationen nicht gefunden werden konnten. Die individuelle Anpassung der grafischen Schnittstelle durch den Benutzer ist jedoch in jedem der Punkte vorgesehen.
Der Preis, den der Benutzer für diese vielfältigen Konfigurationsmöglichkeiten zahlen muss, ist eine relativ aufwendige Installation und umfassende Schulungen. Das lässt sich bereits an dem sehr umfassenden Angebot an unterschiedlichen Service- und Betreuungsleistungen, die man bei Siebel kaufen bzw. mieten kann, erkennen [Sieb2004n].
Es ist zu vermuten, dass die Anpassungen, die sich über die Siebel eigene Schnittstelle, das UAN, vornehmen lassen, nur durch gut geschultes Personal vornehmen lassen und relativ kompliziert sind.
Im Anhang 4 ist ein Spinnwebdiagramm abgebildet, das den Umfang an Unterstützungsmöglichkeiten, die die eBusiness Applications anbieten, grafisch darstellt.
4.5. PeopleSoft
PeopleSoft wurde im Jahre 1987 von Dave Duffield und Ken Morris gegründet und behauptet von sich der weltweit grösste Anbieter von Lösungen für den Mittelstand zu sein. Drei Jahre nach der Gründung wagt das Unternehmen die Expansion nach Europa und kommt im Jahre 1995 nach Deutschland. Fünf Jahre später (2000) präsentiert PeopleSoft die Pure Internet ArchitectureTM, diejenige internetbasierte Architektur ohne Code auf dem Client, auf Basis welcher sämtliche internetbasierte PeopleSoft Anwendungen laufen [Peop2004n]. Die vieldiskutierte Akquisition des Konkurrenten J.D.Edwards im Jahre 2003 verhilft dem Unternehmen zu großem Wachstum und etabliert es unter den Großen der Branche [Comp2003a]. Derzeit versucht das Unternehmen, eine feindliche Übernahme durch den Konkurrenten Oracle abzuwenden [Comp2003b].
PeopleSoft beschäftigte in 2003 12000 Mitarbeiter, bediente 12100 Kunden und konnte 350 Partner weltweit und einen Umsatz über 2,3 Milliarden US-Dollar vorweisen. Bei PeopleSoft Deutschland werden in den zwei Niederlassungen, München und Frankfurt, rund 160 Mitarbeiter beschäftigt [Peop2004o].
4.5.1. Produktbeschreibung
Bei einem ersten Blick fällt es nicht leicht, die Produkte von PeopleSoft zu unterscheiden. Letztendlich geht es um einzelne Module, welche jeweils eine bestimmte Funktion im Unternehmen abdecken. Diese werden zu Funktionsspezifische Lösungen zusammengefasst (z.B. SCM, CRM, Finanzen usw.) und diese ihrerseits zu Branchenlösungen (z.B. für die Automobilindustrie). Interessant sind die Integrationsprodukte (AppConnect), welche eine internetbasierte Abwicklung der Geschäftsprozesse erlauben [Peop2004a].
PeopleSoft bietet drei Produktfamilien, zwei Produkte für die Integration von Geschäftsprozessen und diverse Branchenlösungen. Bei den Produktfamilien handelt es sich um [Peop2004a]:
1. PeopleSoft Enterprise
Basierend auf der Pure Internet Architecture ermöglicht die Produktfamilie die offene Integration von Anwendungen unterschiedlicher Hersteller. Sie eignet sich besonders für das Finanz-, Bildungs-, Gesundheitswesen, Behörden und andere Dienstleistungsbranchen, sowie für unternehmensweite Funktionsbereiche wie Personalmanagement, Vertrieb, Beschaffung, Marketing usw. Dementsprechend beinhaltet diese Suite Campus-Lösungen (Bildungswesen), Produktmodule für Customer Relationship Management, Finanzmanagement, Human Capital Management, Service Automation, Supplier Relationship Management, Supply Chain Management, sowie Entwicklungstools und -technologien (Enterprise Tools) [Peop2004p].
2. PeopleSoft EnterpriseOne
Diese Produktfamilie beinhaltet sämtliche J.D.Edwards Produkte. Sie besteht aus modularen, vorintegrierten branchenspezifischen Anwendungen und eignet sich besonders für Unternehmen, die in der Herstellung, der Gestaltung, dem Vertrieb, der Wartung oder der Verwaltung von Produkten oder Wirtschaftsgütern tätig sind. Sie beinhaltet Module für Asset Lifecycle Management, Customer Relationship Management, Finanzmanagement, Human Capital Management, Projektmanagement, Supplier Relationship Management und Supply Chain Management sowie Entwicklungsmodulen und Technologien [Peop2004q].
3. PeopleSoft World
Diese Produktfamilie (auch als Worldsoftware bekannt) stellt eine Lösung für die IBM ISeries-Plattform dar. Sie beinhaltet Module und Lösungen für Kunden-, Lieferanten- und Mitarbeiter-Self-Service sowie Storefront Applikationen (IBM WebSphere® Commerce Suite for PeopleSoft® World). Ferner bietet PeopleSoft Unterstützung und Erweiterung dieser Produktfamilie ohne zeitliche Einschränkung [Peop2004r].
4. Branchenlösungen
PeopleSoft bietet spezifische Komplettlösungen für folgende Branchen:
- Automobilindustrie
- Aussendienstorganisation
- Banking und Finanzdienstleister
- Bauherren
- Bauwesen
- Biotechnologie
- Bund-/Land-/Gemeinde-/Stadtregierung
- Chemische Stoffe und Betriebsstoffe
- Einzelhandel
- Energiedienstleister
- Gesundheitswesen
- High-Tech Electronics
- Higher Education
- Immobilien
- Industrielle Fertigung
- Konsumgüter
- Papier- und Verpackungsindustrie
- Personalbeschaffung
- Professional Services Organizations
- Staatliche Organisationen
- Telekommunikation
- Utilities
- Versicherungen
Die Branchenlösungen von PeopleSoft sind Ansammlungen von einzelnen Modulen und Lösungen. Die Anpassung an die Bedürfnisse der Branchen erfolgt, in dem zu einer bestimmten Branchenlösung nur diejenigen Module zusammengefasst werden, welche die Prozesse der bestimmten Branche abdecken [Peop2004l]. Als Beispiel dazu dient PeopleSoft für industrielle Produkte mit den Modulen Supply Chain Management, Enterprise Performance Management, Erweiterte Kostenrechnung, Customer Relationship Management, Auftragsoptimierung, Advanced Pricing und Asset Lifecycle Management [Peop2004j].
Die Konfiguration dieser Lösung sollte als Empfehlung verstanden werden. Der Kunde hat die Möglichkeit, weitere Module dazu zu kaufen bzw. Module auszulassen. Danach wird bei PeopleSoft auch zwischen Großunternehmen und Konzernen auf der einen und kleinen und mittleren Unternehmen auf der anderen, d.h. kleinere Unternehmen „brauchen“ nicht so viele Software Module wie Konzerne. Die Software „wächst“ zusammen mit dem Unternehmen [Peop2004s].
5. AppConnect
Ist die Plattform zur Integration von Anwendungen verschiedener Hersteller. Ziel ist die Entstehung einer zentralen, integrierten Sicht auf sämtliche Unternehmensinformationen aus den unterschiedlichsten Quellen. Die AppConnect Plattform beinhaltet unter anderem die für diese Arbeit sehr interessanten Portallösungen, welche im nächsten Abschnitt näher beschrieben werden [Peop2004t/Peop2004i].
6. PeopleSoft Enterprise Performance Management
Diese Anwendung liefert einen Echtzeit-Einblick in das Unternehmen mit dem Ziel die strategische Ziele und die taktische Umsetzung aufeinander abzustimmen. Sie beinhaltet das Enterprise Warehouse, das Data Warehouse von PeopleSoft, diverse funktionelle, vordefinierte und industriespezifische Analyselösungen [Peop2004t].
Bei PeopleSoft gibt es keine klare Trennung zwischen den Modulen der diversen Lösungen. So findet man z.B. das CRM Portal Pack sowohl im AppConnect als auch im PeopleSoft Enterprise CRM. Ferner greifen die PeopleSoft Lösungen ineinander ein bzw. die Produkte ergänzen einander. Für die Zwecke dieser Arbeit ist es interessant, genauer zu untersuchen, wie eine „allgemeine“ Lösung funktioniert. Aus diesem Grund wurde die PeopleSoft Enterprise Supply Chain Management Lösung untersucht.
4.5.2. Ergebnisse der Untersuchung
4.5.2.1.PeopleSoft Enterprise Supply Chain Management
Die PeopleSoft Enterprise SCM Lösung befasst sich mit der Synchronisation der Logistikkette eines Unternehmens mit dem Ziel, die Kosten zu minimieren und dabei den Informations- und Produktfluss zu maximieren. Die SCM Lösung von PeopleSoft umfasst mehrere Produktmodule und Lösungen, welche zu einer SCM Gesamtlösung je nach Bedarf und Wunsch kombiniert werden können. Diese sind:
1 Die Fertigungslösung mit Modulen für die Produkteinführung und das Änderungsmanagement, die Fertigung, die Fliessfertigung und die Qualitätssicherung.
2 Die Lösung für das Kundenauftragsmanagement mit Modulen für die Auftragsabwicklung, die Debitoren, die elektronische Rechnungsstellung (eBill), die Fakturierung, das Lager, den Produktkonfigurator, das SCM Portalpaket und die Verkaufsförderung.
3 Die Lösung für das Supply Chain Planning mit Modulen für die Bedarfsplanung, die Lagerhaltung (Inventory Policy Planning), die Materialbedarfsplanung (Supply Multisite Material Planner) und die Kapazitätsplanung (Supply Planning Advanced Planner).
Die Synchronisation einer Logistikkette stellt drei Schlüsselanforderungen.
1 Eine passende Unternehmensarchitektur, welche sämtliche Kunden, Lieferanten und Angestellten integriert. PeopleSoft genügt dieser Anforderung mit der Reine Internet Architektur (Pure Internet Architecture), eine Technologie ohne Code im Client, mit rollenbasierte Portale, eingebettete Analysetools und offene Schnittstellen zur Integration von Applikationen anderer Anbieter
2 Integrierte Geschäftsprozesse, so dass die gesamte Logistikkette als ein System betrachtet, verwaltet und kontrolliert werden kann.
3 Eingebettete Analysen, um aus den Daten „lernen“ zu können und brauchbare Schlussfolgerungen ziehen zu können ]Peop2004b]
4.5.2.2.Situative Aspekte
PeopleSoft Enterprise Supply Chain Management unterstützt und unterscheidet Lebensphasen eines Unternehmens nur in so weit, als einzelne Module erworben werden können, die dann durch kontinuierliche Erweiterung durch andere PeopleSoft Module zur einer umfassenden Lösung wachsen können [Peop2004b].
PeopleSoft Enterprise SCM unterscheidet verschiedene Branchen: Kommunikation, Energie und Energieversorgung, Konsumgüter, Finanzdienstleistung, Gesundheitswesen, Hightech und Elektronik, Industrie Produkte und industrielle Produktion, Biowissenschaften, Professional Services, Öffentlicher Sektor (Bildung und Regierung), Dienstleistungen (allgemein) und Großhandel. Die Charakteristika der jeweiligen Branchen werden durch die zur Verfügung stehenden Daten, in den speziell dafür entworfenen Datenpaketen (Portal Packs) und durch die zur Verfügung stehenden Module die mit der SCM-Lösung angebunden werden können abgebildet [Peop2004b].
PeopleSoft Enterprise SCM unterscheidet diverse Betriebstypen. Zunächst unterscheidet sie auf der einen Seite Konzerne und auf der anderen Seite kleine und mittlere Unternehmen [Peop2004s]. Diese Unterscheidung nach der Unternehmensgröße bietet PeopleSoft auch in anderen Lösungen. Ferner berücksichtigt die Software verschieden Verkaufskanäle. Von Direktmarketing und Direktverkauf bis Telemarketing mit Zwischenhändlern [Peop2004b]. In der Fertigung wird eine Art besonders betrachtet, die Fließfertigung. Darin werden Konzepte wie Kanban oder Just-In-Time berücksichtigt. Alle anderen Fertigungsarten werden nicht gesondert betrachtet.[Peop2004d; Peop2004e]
4.5.2.3.Aspekte auf Unternehmensebene
Die PeopleSoft Enterprise Supply Chain Management Lösung stellt diverse unternehmensindividuelle Anpassungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Das Hosting der Lösung kann vom Kunden selbst oder von PeopleSoft durch so genannte eCenter übernommen werden. Diese sind Hostingzentren, welche von PeopleSoft geführt werden und mehrere Kunden bedienen können. Sie übernehmen die Administration, den Support und die Führung der IT eines Unternehmens in dessen Auftrag [Peop2004b; Peop2004v].
Die Softwareprodukte von PeopleSoft sind grundsätzlich vielfältig erweiterbar. Für die SCM-Lösung am besten dazu geeignet sind Module und Lösungen für Supplier Relationship Management, Produktion, Planung von Kunden- und Lieferantenbeziehungen, Absatzplanung usw. Sie besitzt offene Schnittstellen zur Integration diverser weit verbreiteter Softwareprodukte welche im Unternehmen eines Kunden bereits bestehen können oder welche der Kunden noch einsetzen möchte[Peop2004b]. Die Schnittstellen werden von PeopleSoft als Integrationspunkte (Enterprise Integration Points oder EIP) bezeichnet und sind in einem Katalog (EIP Catalog) zusammengefasst. Dieser arbeitet in Verbindung mit den so genannten PeopleBooks, in welchen die technischen Daten der EIP geführt und beschrieben werden. Dabei werden hauptsächlich vier Technologien beschrieben:
- Application Messaging für den Nachrichtenaustausch zwischen Applikationen.
- Component Interfaces für die synchronisierte Zusammenarbeit zwischen Applikationen.
- Business Interlinks für den Zugriff einer Applikation auf Objekte einer anderen.
- Application Engine für die Server Aufgaben, besonders den Datenaustausch auf Internetbasis [Peop2004l].
Die PeopleSoft Software unterstützt sowohl EDI, als auch XML basiertes Application Messaging für die Kommunikation zwischen Applikationen oder Prozessen [Peop2004m].
4.5.2.4.Aspekte aus Anwenderebene

Bild 7 Personalisierte und individualisierte Portal Home Page eines Anwenders
Individualisierung und Rollenorientierung werden von PeopleSoft mit dem Enterprise Portal und den so genannten Portal Packs realisiert. Portal Packs sind Ansammlungen von vordefinierten Applikationsobjekten, den Pagelets. Ein Pagelet ist ein kleines „Tor“ zur Information des Unternehmensportals. Es liefert applikationsspezifische Warnungen, Funktionalitäten, Analysen, Stati und anderen Inhalt ins PeopleSoft Enterprise Portal. Jedes Portal Pack ist konzipiert gemäss einer PeopleSoft Lösung [Peop2004g; Peop2004h]. Daher gibt es für die PeopleSoft Enterprise SCM Lösung das SCM Portal Pack, welches zusammen mit der Lösung geliefert wird. Das Enterprise Portal bildet die Grundlage der Arbeit. Sämtliche Informationen aus den Portal Packs werden im Enterprise Portal veröffentlicht. Die Unternehmensangehörigen können dann auf die Daten mittels eines gängigen Browsers zugreifen [Peop2004b; Peop2004u; Peop2004g; Peop2004h].
Im Bild 8 wird die Funktionsweise des Enterprise Portal mit den Portal Packs dargestellt. Die Informationen laufen in zwei Richtungen, einerseits von unten (Portal Packs) nach oben (Portal) und ganz oben (Mitarbeiter, Manager, SC-Teilnehmer, Applikationen/Fremdsysteme) und anderseits von ganz oben in Richtung Portal, sodass im Portal sich sowohl die vordefinierten Portal Pack Daten, als auch die von den Unternehmensangehörigen definierte Daten befinden und den Anwendern zur Verfügung stehen. Es werden folgende Portal Packs angeboten: CRM. EPM, Financials, HRM, ESA und SCM [Peop2004g; Peop2004h; Peop2004u].
Für den Zugriff der Unternehmensangehörige auf die verfügbaren Daten werden im Portal spezifischen Rollen definiert. Diese werden von den IT-Administratoren vergeben. Im Portal können auch Daten von Fremdsystemen importiert werden. Diese Daten können entweder von mit dem Portal direkt verbundenen Fremdsystemen stammen oder von Unternehmensangehörigen mit den entsprechenden Rechten eingegeben werden, in Form von Pagelets. Diese beinhalten dann Summendaten oder Links, welche denjenigen der darauf zugreifen will dorthin navigieren, wo die Daten tatsächlich liegen. Solche Pagelets sind to-do-Listen, Scorecards, self-service-Transaktionen, elektrische Reports, E-Mails, News und andere.

Bild 8 Das Enterprise Portal von PeopleSoft
Mit Hilfe der PeopleTools, des Integration Broker und des Intelligent Context ManagerTM , ist es dem Unternehmen möglich weitere technische Anpassungsmöglichkeiten im Portal vorzunehmen, um das Portal besser auf die Unternehmensbedürfnisse abzustimmen.
Im PeopleSoft Enterprise Portal sind diverse Funktionen inbegriffen. Für die Situierung und die Individualisierung interessant sind unter anderem folgende:
- Administration: Diese Funktion ermöglicht der IT-Administration des Unternehmens die Anwenderrollen zu verwalten und den Unternehmensangehörigen ihre eigenen personalisierten Portalseiten zu verwalten.
- Content Management: Mit dieser Funktion werden Inhalte verwaltet.
- Context Management: Mit dieser Funktion wird die Anbindung von Applikationen und der Import von Analysen ermöglicht.
- Flexible Navigation: Für das personalisierte Suchen, anwenderspezifische Personalisierung
- Globalisierung: Für die Anpassung von Sprache, Zeit, länderspezifische Formate usw.
- Integration: Für die Integration von Fremdsoftware und Fremddaten
- Roles Engine: Für die Rollendefinition. Die Rollenvergabe erfolgt automatisch, nach den von der Administration festgelegten Kriterien. Inbegriffen ist ein Warnungsmechenismus, der die betroffenen Mitarbeiter benachrichtigt, falls für sie relevante Daten vorliegen
- Web Services, XSLT, XML