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Die Oper Alcina

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2000, 25 Pages
Author: Carolin Pirich
Subject: Musicology

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2000
Pages: 25
Grade: sehr gut
Language: German
Archive No.: V11082
ISBN (E-book): 978-3-638-17339-1

File size: 106 KB


Excerpt (computer-generated)

Die Oper Alcina

Carolin Pirich

 

1 EINLEITUNG  3

2 ENTSTEHUNGSBEDINGUNGEN  3

3 DIE OPER ALCINA  5
3.1 Aufbau der Oper und ihre Textvorlage  5
3.2 Die Instrumentalstücke  7
3.2.1 Die Ouvertüre  8
3.2.2 Die Ballette  9
3.2.2.1 Ballett für den Szenenwechsel (Akt I, 2.Szene)  10
3.2.2.2 Die Schlummerszene (Akt II, letzte Szene)  10
3.3 Der Ausdruckstanz  11
3.4 Die Vokalstücke  12
3.4.1 Abweichungen vom Libretto  12
3.4.2 Affektdarstellung und Charakterzeichnung in den Arien  14
3.4.2.1 Die Arien der Alcina, insbesondere „Ah, mio cor“  15
3.4.2.2 Die Arien des Ruggiero, insbesondere „Verdi prati“  17
3.4.3 Die Chöre 19

4 DAS LIETO FINE – EIN GLÜCKLICHES ENDE?  21

5 SCHLUßBEMERKUNG  23

6 LITERATURVERZEICHNIS  25

 

1 Einleitung

Das Dramma per musica „Alcina“ war einer der letzten großen Opernerfolge Georg Friedrich Händels. Im Kampf gegen den Untergang der italienischen Oper in London erwiesen sich die Voraussetzungen am Covent Garden Theatre als besonders vorteilhaft für die formale und dramaturgische Anlage der Komposition, die Händel als erste Oper bewußt für dieses Theaterhaus verfaßte. Angeregt von dortigen Arbeitsbedingungen nahm er in das Schema einer italienischen Barockoper neue Elemente auf. Das Werk bezeugt, daß sich Händel „im Spannungsfeld zwischen den Kompositionen der Barockoper und den Vorstößen zu einer neuen Gefühls- und Ausdrucksästhetik des hervordrängenden bürgerlichen Zeitalters bewegte.“1 Händel stellte neben die eher typisierten Nebenfiguren eine ausdrucksvolle, realitätsnahe Protagonistin. Die Tendenz zur Schaffung eines psychologisch schlüssigen Musikdramas ist unverkennbar. In dieser Arbeit sollen besonders die Abweichungen von der konventionellen Opera seria herausgestellt werden.

2 Entstehungsbedingungen

Als Händel die Zauberoper „Alcina“ (HWV 34) am 16. April 1735 im Covent Garden Theatre uraufführte, hatte er eine turbulente Zeit ausgestanden. Die italienische Opera seria befand sich in einer tiefen Krise, denn das Interesse des englischen Publikums an ihr schwand zunehmend. Die italienische Oper mußte weiterhin mit den Problemen kämpfen, die sich ihr in London stellten2. Darüber hinaus trieb auch der unüberhörbare Ruf nach einer englischen Oper und die begeisterte Aufnahme der Beggar’s Opera – auch beim adeligen Publikum - die Operisti mehr und mehr in die Enge. Obwohl sich Händels englische Oratorien ebenfalls großer Beliebtheit erfreuten, sah dieser nicht von der Komposition italienischer Opern ab, sondern „glaubte immer noch an [...] seine Fähigkeit, sie zum Triumph zu führen“3.

Die prekäre Lage der Opera seria spitze sich noch weiter zu, als Friedrich, Prinz von Wales, Sohn des Königs Georg II., die „Opera of the Nobility“ ins Leben rief, um Händel, dem bevorzugten Komponisten des Königs und somit seinem Vater, Schaden zuzufügen und politische Zwecke zu verfolgen.4 Am 29. Dezember 1733 öffnete das Konkurrenzunternehmen zur „Royal Academy of Music“ im Lincoln’s Inn Fields Theatre seine Pforten, um ebenfalls Opere serie aufzuführen. Die Gegenoper, die außer der Sopranistin Anna Strada del Po alle herausragenden Sänger Händels, Senesino eingeschlossen, unter Vertrag nahm, verpflichtete den italienischen Komponisten Nicola Porpora.5 Beide Opernhäuser wandten alle erdenklichen Kniffe an, um die Gunst der spärlichen Besucherschar zu erwerben.6 Am Ende der Spielzeit 1733/34 lief der Vertrag Händels und J.J. Heideggers am Haymarket-Theater aus, und Händels langjähriger Partner Heidegger nutzte die Gelegenheit, dem Schlachtfeld um die italienische Oper den Rücken zu kehren, da sich beide Opernunternehmen dem finanziellen Ruin näherten.7 Händel mußte also das Haymarket-Theater verlassen, und die Adelsoper übernahm die Pacht des Theaters mit allem Zubehör.8

Händel, ohne festes Sängerensemble, mietete daraufhin ab der Spielzeit 1734/35 für zwei bis drei Abende pro Woche John Richs Covent Garden Theatre, das jener am 7. Dezember 1732 eröffnet hatte. Die Gründe, weshalb Händel ausgerechnet zu Rich wechselte, der durch die Aufführung von Bänkelopern der Opera seria große Probleme bereitete, sind bis heute unklar geblieben.9 Da seine namhaften Sänger von der Adelsoper abgeworben worden waren und diese zudem mit dem berühmten Kastraten Farinelli aufwarten konnte, stellte Händel ein neues Sängerensemble zusammen, um sich für den Kampf mit der Adelsoper zu rüsten.

 

[....]


1  Zauft, Karin: Sinnbild und Sinnenfreude. Händel und die Oper Alcina HWV 34, S.24. In: Österreichische Musikzeitschrift, 52. Jg., Wien 1997. S.24-31.
2  Die Londoner waren der italienischen Sprache, der stilisierten, realitätsfernen Themen und der stereotypen musikalischen Form überdrüssig, die hohen Ga gen der Sänger verursachten Finanzierungsschwierigkeiten, außerdem war sie als Institution für den Adel dem breiten Publikum schwer zugänglich. (Vgl. Hume, Robert D.: Handel and opera management in London in the 1730s. In: Music and letters 67 (1986).)
3  Lang, Paul Henry: Georg Friedrich Händel. Sein Leben, sein Stil und seine Stellung im englischen Geistes- und Kulturleben, Basel 1979, S.222.
4  Vgl. konkretisierend Lang, S.219f.
5  Diederichsen, Diedrich: Zwischen Kunst und Kommerz. Organisationsformen der Barock-Oper, S.125. In: Marx, Hans-Joachim (Hg.): Händel auf dem Theater. Bericht über die Symposien der Internationalen Händel-Akademie Karlsruhe 1986 und 1987, Laaber 1988, S.171-180.
6  Vgl. hierzu konkretisierend Lang, S.220-222.
7  Vgl. Hume, S.349f. zur Partnerschaft von Händel und Heidegger.
8  Vgl. Lang, S.225.
9  Hierzu vgl. Hume, S.352-354.


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