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Vermittlung von Kindern und Jugendlichen aus der Notaufnahme in weiterführende sozialpädagogische Maßnahmen

Subtitle: am Beispiel bed by night (Hannover)

Scholary Paper (Seminar), 2005, 34 Pages
Author: Diplom Sozialpädagoge (FH) Jan-Nicolas Paul
Subject: Social Pedagogy / Social Work

Details

Event: Projektseminar Soziale Arbeit in innerstädtischen Brennpunkten
Institution/College: Protestant University of Applied Sciences Hanover
Tags: Vermittlung, Kindern, Jugendlichen, Notaufnahme, Maßnahmen, Projektseminar, Soziale, Arbeit, Brennpunkten
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 34
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 11  Entries
Language: German
Archive No.: V113423
ISBN (E-book): 978-3-640-14231-6
ISBN (Book): 978-3-640-14235-4
File size: 292 KB

Abstract

Durch die Medienberichterstattung der letzten Jahre wurde die breite Öffentlichkeit immer wieder mit dem Thema „Straßenkinder in Deutschland“ konfrontiert. So publizierte zum Beispiel der SPIEGEL im Herbst 2000 die Straßenkarrieren der beiden Mädchen Anja, damals 15, und Jane, 17. Beide flüchteten nach Berlin und wurden heroinabhängig. Anfang dieses Jahres wurde die Story wieder aufgenommen, nachdem Jane dem Milieu entkommen war und Anja an einer Überdosis starb. „War sie nicht zu retten?“ fragte das Magazin in seiner Ausgabe vom 10. Januar 2005. (vgl. SPIEGEL 2/2005) In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Thematik der „Vermittlung von Kindern und Jugendlichen aus der Notaufnahme in weiterführende sozialpädagogische Maßnahmen am Beispiel von bed by night.“ Ich werde dabei einen Blick auf das Klientel der Straßenkinder in Hannover und die Möglichkeiten der Vermittlung in weiterführende Einrichtungen werfen. Im Rahmen meines Studiums an der EFH Hannover nehme ich an dem Projekt 8.1 „Soziale Arbeit in innerstädtischen Brennpunkten“ teil. Zudem bin ich durch meine Tätigkeit als Nachtbereitschaft in der Einrichtung bed by night an dieser Thematik in besonderer Weise interessiert. Meine Hausarbeit ist in insgesamt sechs Kapitel unterteilt. Zunächst werde ich die wichtigsten Fachbegriffe definieren. Das erste Kapitel meiner Hausarbeit stellt das Projekt für Straßenkinder bed by night vor. Es beschreibt den Auftrag und die Ziele der Einrichtung, sowie deren konzeptionelle Umsetzung. Anschließend befasse ich mich intensiver mit dem Klientel. Es soll aufgezeigt werden, für welche Zielgruppen die Notunterkunft bed by night eine Anlaufstelle bietet. Anknüpfend daran folgt der Abschnitt über die vielfältigen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen. In den folgenden Kapiteln werden nun die Grundbedürfnisse der Klienten, sowie deren besondere Wünsche nach Veränderung ihrer momentanen Situation veranschaulicht werden. Im weiteren Verlauf der wissenschaftlichen Arbeit stelle ich die Probleme der Klienten dar. Bestimmte Schwierigkeiten und Risikofaktoren aus den unterschiedlichen Lebensbereichen sind Thema des vierten Kapitels. Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit Lösungsmöglichkeiten und Ansätzen, welche die dargestellten Bedürfnisse des Klientels befriedigen sollen.


Excerpt (computer-generated)

Hausarbeit

im Projektseminar

Soziale Arbeit in innerstädtischen Brennpunkten 8.01

an der Ev. Fachhochschule Hannover


Thema Vermittlung von Kindern und Jugendlichen aus der
Notaufnahme in weiterführende sozialpädagogische
Maßnahmen

am Beispiel ′bed by night′


Verfasser: Jan ­ Nicolas Paul

7. Semester Sozialwesen



Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung ___ 3

0.1 Begriffserklärung ___ 4

0.1.1 Straßenkinder ___ 4

0.1.2 Inobhutnahme ___ 5

0.1.3 Lebenswelten ___ 6

1. Darstellung der Einrichtung ′bed by night′ ___ 6

1.1 Entstehungsgeschichte ___ 7

1.2 Auftrag der Einrichtung ___ 8

1.3 Ziele der sozialen Arbeit ___ 9

1.4 Konzeptionelle Umsetzung ___ 10

2. Beschreibung der Zielgruppe ___ 11

2.1 Herkunft der Klienten ___ 11

2.2 Soziale Umfelder der Klienten ___ 11

3. Bedürfnisse der Klienten ___ 12

3.1 Grundbedürfnisse ___ 12

3.2 Schutz- und Ruheräume ___ 12

3.3 Veränderung der Wohnsituation ___ 13

3.4 Lebensperspektiven erarbeiten ___ 13

4. Darstel ung der Probleme ___ 14

4.1 Analyse der Probleme ___ 14

4.1.1 Familiale Risikofaktoren ___ 15

4.1.2 Risikofaktoren im sozialen Umfeld ___ 17

4.1.3 Gesel schaftliche Veränderungen ___ 18

4.1.4 Lebensphasische Orientierungslosigkeit ___ 19

5. Lösungsansätze und Handlungsperspektiven ___ 21

5.1 Handlungsperspektiven von Klienten und Professionellen ___ 22

5.1.1 Vergleich der beiden Handlungsperspektiven ___ 23

5.2 Vermittlung in weiterführende Einrichtungen ___ 23

5.2.1 Sozialpädagogische Betreuungseinrichtungen ___ 24

5.3 Konsequenzen und Anforderungen an die Soziale Arbeit ___ 26

6. Fazit ___ 28

Literaturverzeichnis ___ 29

Gesprächsprotokol Nr. 1 ___ 30

Gesprächsprotokol Nr. 2 ___ 32


Seite 2


0. Einleitung

Durch die Medienberichterstattung der letzten Jahre wurde die breite Öffentlichkeit immer wieder mit dem Thema ,,Straßenkinder in Deutschland" konfrontiert. So publizierte zum Beispiel der SPIEGEL im Herbst 2000 die Straßenkarrieren der beiden Mädchen Anja, damals 15, und Jane, 17. Beide flüchteten nach Berlin und wurden heroinabhängig. Anfang dieses Jahres wurde die Story wieder aufgenommen, nachdem Jane dem Milieu entkommen war und Anja an einer Überdosis starb. "War sie nicht zu retten?" fragte das Magazin in seiner Ausgabe vom 10. Januar 2005. (vgl. SPIEGEL 2/2005)

In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Thematik der "Vermittlung von Kindern und Jugendlichen aus der Notaufnahme in weiterführende sozialpädagogische Maßnahmen am Beispiel von ′bed by night′." Ich werde dabei einen Blick auf das Klientel der Straßenkinder in Hannover und die Möglichkeiten der Vermittlung in weiterführende Einrichtungen werfen. Im Rahmen meines Studiums an der EFH Hannover nehme ich an dem Projekt 8.1 ,,Soziale Arbeit in innerstädtischen Brennpunkten" teil. Zudem bin ich durch meine Tätigkeit als Nachtbereitschaft in der Einrichtung ′bed by night′ an dieser Thematik in besonderer Weise interessiert.

Meine Hausarbeit ist in insgesamt sechs Kapitel unterteilt. Zunächst werde ich die wichtigsten Fachbegriffe definieren.

Das erste Kapitel meiner Hausarbeit stellt das Projekt für Straßenkinder ′bed by night′ vor. Es beschreibt den Auftrag und die Ziele der Einrichtung, sowie deren konzeptionelle Umsetzung.

Anschließend befasse ich mich intensiver mit dem Klientel. Es soll aufgezeigt werden, für welche Zielgruppen die Notunterkunft ′bed by night′ eine Anlaufstelle bietet.

Anknüpfend daran folgt der Abschnitt über die vielfältigen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen. In den folgenden Kapiteln werden nun die Grundbedürfnisse der Klienten, sowie deren besondere Wünsche nach Veränderung ihrer momentanen Situation veranschaulicht werden.

Im weiteren Verlauf der wissenschaftlichen Arbeit stelle ich die Probleme der Klienten dar. Bestimmte Schwierigkeiten und Risikofaktoren aus den unterschiedlichen Lebensbereichen sind Thema des vierten Kapitels.


Seite 3


Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit Lösungsmöglichkeiten und Ansätzen, welche die dargestellten Bedürfnisse des Klientels befriedigen sollen. Dem geht eine Analyse der sozialen Probleme voraus. Herausgearbeitet werden sollen hier ebenfalls die möglichen Vermittlungsmöglichkeiten an entsprechende weiterführende Einrichtungen. Hieraus ergeben sich mögliche Handlungsperspektiven für die soziale Arbeit. Sie werden ebenfalls in diesem Teil der Hausarbeit thematisiert.

Im sechsten und letzten Kapitel ziehe ich ein abschließendes Fazit zum Thema Vermittlung von Kindern und Jugendlichen aus der Notaufnahme in weiterführende sozialpädagogische Maßnahmen am Beispiel ′bed by night′.

Entsprechend dem Oberthema habe ich meine Hausarbeit dem Lernbereich II: ,,Institutionen und Organisationen Sozialer Arbeit in der Gegenwart" zugeordnet. Zur besseren Lesbarkeit meiner Hausarbeit verwende ich ausschließlich die männliche Form. Dies soll in keiner Weise diskriminierend wirken, sondern dient ausschließlich dem besseren Verständnis des Textes.

0.1 Begriffserklärung

Bevor ich im ersten Kapitel meiner Hausarbeit auf die Einrichtung ′bed by night′ eingehe, möchte ich vorweg die wichtigsten Fachbegriffe meiner Hausarbeit benennen. Einige der Begriffe werden im al gemeinen Sprachgebrauch mehrdeutig verwendet. Eine genaue Definition derselbigen soll dazu beitragen, eventuellen Missverständnissen vorzubeugen.

Die im al täglichen Sprachgebrauch als "Notaufnahme" bezeichnete Einrichtung ′bed by night′ ist rechtlich gesehen eine "Inobhutnahmestelle".

0.1.1 Straßenkinder

"Straßenkinder sind in der neueren bundesdeutschen Debatte definiert als minderjährige Jugendliche, die sich weitgehend und dauerhaft abgewendet haben von gesellschaftlich vorgesehenen Sozialisationsinstanzen, sich im Wesentlichen, meist zusammen mit anderen Jugendlichen, am Lebensmittelpunkt "öffentlicher Raum" als einzigem aktuellem Sozialisationsstandort orientieren und mit ihrem Handeln gegen gesellschaftlich anerkannte "Normalzustände" verstoßen. (...) Der Begriff Straßenkinder selbst ist wegen seiner Assoziationen zu den Straßenkindern Südamerikas und Osteuropas umstritten. (...) Kilb unterscheidet zwischen orientierungssuchenden und experimentierenden Jugendlichen in nichtkonformen


Seite 4


Wohngelegenheiten (1), Migrantenjugendlichen mit kulturel er und adoleszenter Bruchproblematik (2), sowie Jugendlichen mit gescheiterten "Jugendhilfekarrieren" (3). Die "Straßenkarrieren" Jugendlicher werden dabei als "multiples Problemverhalten im komplexen Gefüge von Risikofaktoren" identifiziert, in dem lebensphasisch bedingte (meist in der frühen Kindheit entstandene und in der Adoleszenz wieder aufgebrochene), familiale und im sozialen Umfeld (peer-group, Schule usw.) liegende Risikofaktoren "multikatoriel " miteinander korrespondieren. (...)" (KILB 2002, zitiert in DEUTSCHER VEREIN 2002, S. 949 - 950)

Der Begriff suggeriert häufig durch die entsprechende Medienberichterstattung die vorwiegende Betroffenheit sehr junger Minderjähriger (Kinder unter 14 Jahren). Jedoch handelt es sich nach übereinstimmender Expertenmeinung beim Großteil der jungen Menschen, die in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt vorübergehend oder längerfristig "auf der Straße" haben, um Jugendliche (14- bis 17-Jährige) und junge Erwachsene (18- bis 26-Jährige). Einig sind sich die meisten Autoren in der Ansicht, dass es sich bei Straßenkindern um Personen handelt die den gesellschaftlichen Normen nicht entsprechen, sich von anerkannten Sozialisationsinstanzen (Familie, Jugendhilfe, Schule usw.) abgewendet haben und sich eher subkulturellen Szenemilieus zugewendet haben. "Straßenkinder" wird nun als Sammelbegriff für sehr heterogene Problemlagen und Biografien (im Folgenden auch "Straßenkarrieren" genannt) benutzt. (vgl. BUSCH-GEERTSEMA 1999, S. 13-14)

0.1.2 Inobhutnahme

"§ 42 Abs. 1 Satz 1 [SGB VIII] enthält eine so genannte Legaldefinition der Inobhutnahme. Danach ist die Inobhutnahme die vorläufige Unterbringung eines Minderjährigen 1. bei einer geeigneten Person oder

2. in einer Einrichtung oder

3. in einer sonstigen betreuten Wohnform.

(...) Unter einer Einrichtung ist (wie bei § 45 SGB VIII) eine auf gewisse Dauer angelegte Verbindung von sächlichen und persönlichen Mitteln zu einem bestimmten Zweck unter der Verantwortung eines Trägers zu verstehen. Einrichtungen müssen orts- und gebäudebezogen sein, ambulante Maßnahmen fallen nicht darunter. (...) Der Auftrag der Inobhutnahme lässt sich insofern umschreiben mit der Sicherstellung, der materiellen Versorgung (Essen, Schlafplatz, Körperpflege), der Schaffung von Entlastung für den Minderjährigen durch Sicherheit, Ruhe und Zeit


Seite 5


und Gewährleistung emotionaler Zuwendung und der umfassenden sozialpädagogischen Beratung und Stabilisierung mit dem Ziel, Handlungsperspektiven aufzuzeigen. (...)" (LAKIES 1997,

S. 21 - 22)

0.1.3 Lebenswelten

"Mit Lebenswelt wird in der sozialen Arbeit heute überwiegend die al tägliche Wirklichkeitserfahrung eines verlässlichen, soziale Sicherheit und Erwartbarkeit bietenden primären Handlungszusammenhangs (Familie, Nachbarschaft, Gemeinwesen, bestimmte Gruppen, soziokulturelle Milieus usw.) bezeichnet. In der Lebenswelt wird in einer stil schweigenden, gemeinsamen Unterstellung bzw. Auslegung der Geltung sozialer Regeln, Strukturen und Abläufe die Grundlage sozialen Handelns gelegt. In einer Zeit zunehmenden Zerfalls der Lebenswelten, d.h. insbesondere auch der Auflösung primärer sozialer Hilfeerwartungen und - beziehungen, stellt sich ­ so die Schlussfolgerung in diesem Denkmodel für soziale Arbeit die Aufgabe, noch funktionierende soziale Zusammenhänge der Lebenswelt durch Aktivierung vorhandener Ressourcen zu entwickeln, zu stützen oder durch geeignete Hilfeangebote zu ergänzen. (...) " (FRANK, zitiert in DEUTSCHER VEREIN 2002, S. 609)

1. Darstellung der Einrichtung ′bed by night′

′bed by night′ ist eine niederschwel ige Inobhutnahmestelle (vgl. Kapitel 0.1.2) für Straßenkinder (vgl. Kapitel 0.1.1). Die Einrichtung nimmt Kinder und Jugendliche nach SGB VIII / §42 auf. Zusätzlich wird hier ein Tagestreff angeboten. ′bed by night′ ist dem Fachbereich Jugend und Familie der Landeshauptstadt Hannover angeschlossen (vgl. HEIMVERBUND 2005, S. 1).

Seit der Gründung nimmt ′bed by night′ pro Kalenderjahr etwa 150 bis 180 verschiedene Kinder und Jugendliche auf (vgl. Gespräch mit Sozialarbeiter A, Anhang 1, S. 1).

Seit 2002 findet die Arbeit von ′bed by night′ in einer zweistöckigen Containeranlage statt. Insgesamt 19 wieder aufgearbeitete Container bieten Platz für einen großen Aufenthaltsraum, eine geräumige Küche, zwei Büros, sechs Schlafzimmer mit insgesamt 10 Betten, einen Betreuerschlafraum, zwei Abstellräume und je zwei Sanitärräumen pro Etage. Die Anlage befindet sich am Welfenpark in der Celler [...]


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