Untertitel: Eine Textanalyse
Autor: Jochen Haag
Fach: Italienisch als Schulfach (s. auch Romanistik)
Details
Institution/Hochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Romanisches Seminar)
Jahr: 2008
Seiten: 17
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 9 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 112 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-15652-8
ISBN (Buch): 978-3-640-15656-6
Zusammenfassung / Abstract
Dem italienischen Schriftsteller Dino Buzzati gelang im Jahr 1940 der Durchbruch mit dem Roman „Il deserto die tatari“. „In seiner Epik konstruiert Buzzati häufig phantastische und groteske Situationen, die menschliche Grunderfahrungen [...] versinnbildlichen sollen“ (Wanning: 2005, 143). So auch in seinem im Jahre 1958 verfassten Text Appuntamento con Einstein, der aus der Erzählsammlung Sessanta Racconti stammt und die Gefahren verdeutlicht, die mit einer Vielzahl wissenschaftlicher Entdeckungen verbunden sind. Der Autor schildert in pessimistischem Ton die Folgen einer solchen Entdeckung, die die Welt verändert hat. Diese Erzählung ist typisch für das Werk Buzzatis und soll im weiteren Verlauf dieser Arbeit analysiert werden.
Textauszug (computergeneriert)
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Romanisches Seminar, Wintersemester 2007/2008
Proseminar: ,,Kurzprosa der Moderne von Verga bis heute"
Abgabedatum:
25.03.2008
Dino Buzzatis ′Appuntamento con Einstein′
Eine Textanalyse
Verfasser: Jochen Haag
Studiengang: Lehramt an Gymnasien
Studienfächer: Spanisch, Italienisch, Anglistik
Fachsemester: 3
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Seite 3
2. Textanalyse
Seite 3
2.1 Handlungsanalyse
Seite 3
2.2 Figurenanalyse
Seite 5
2.2.1 Figurenkonstellation
Seite 5
2.2.2 Figurencharakterisierung
Seite 6
2.2.2.1 Die historische Person Albert Einstein als fiktive Figur
Seite 6
2.2.2.2 Iblís
Seite 7
2.3 Analyse des Raums
Seite 9
2.4 Analyse der Zeit
Seite 10
2.5 Analyse des Erzählstils
Seite 11
2.6 Analyse des Erzählanfangs und -schlusses
Seite 12
2.7 Versuch der Gattungszuordnung
Seite 13
3. Resümee
Seite 15
4. Bibliographie
Seite 16
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1. Einleitung
Dem italienischen Schriftsteller Dino Buzzati gelang im Jahr 1940 der Durchbruch mit
dem Roman ,,Il deserto die tatari". ,,In seiner Epik konstruiert Buzzati häufig phantastische
und groteske Situationen, die menschliche Grunderfahrungen [...] versinnbildlichen sollen"
(Wanning: 2005, 143). So auch in seinem im Jahre 1958 verfassten Text
Appuntamento
con Einstein
, der aus der Erzählsammlung
Sessanta Racconti
stammt und die Gefahren
verdeutlicht, die mit einer Vielzahl wissenschaftlicher Entdeckungen verbunden sind. Der
Autor schildert in pessimistischem Ton die Folgen einer solchen Entdeckung, die die Welt
verändert hat. Diese Erzählung ist typisch für das Werk Buzzatis und soll im weiteren
Verlauf dieser Arbeit analysiert werden.
2. Textanalyse
2.1 Handlungsanalyse
Die Handlung ist zum einen die elementarste und wichtigste Ebene in der Struktur eines
Erzähltexts, aber zum anderen gerade deshalb eng mit den übrigen Ebenen verflochten,
weshalb sie keinesfalls isoliert von diesen betrachtet werden darf (Vgl. Wenzel: 2004, 48).
Der kurze Text von Dino Buzzati ist eine kritische Reflexion über die Gefahren, die von
vielen wissenschaftlichen Entdeckungen ausgehen, denn die Formeln und Rechnungen, ,,le
piccole formulette, le pure astrazioni" (Buzzati: 1973, 272), sind nicht so harmlos wie man
annehmen könnte. Einsteins Relativitätstheorie ebnete den Weg für vielfältige
Anwendungsmöglichkeiten der Nuklearenergie und so auch für die Entwicklung neuer
Massenvernichtungswaffen. Die Risiken der Wissenschaft, wenn diese dem Militär und
skrupellosen Politikern unterworfen ist und ethische Prinzipien missachtet, sind von
immensem Ausmaß. In falsche Hände geraten, wird die Wissenschaft zu einem Werkzeug
des Teufels und dient der Verwirklichung seiner grausamen Pläne. Gemäß dem Autor ist
demnach die Wissenschaft ohne Gewissen nichts anderes als der Vorhof der Hölle.
Buzzatis Erzählung ist eine Parabel auf die Gesellschaft der 40er und 50er Jahre. Der
Abwurf der Atombombe im Jahr 1945 sowie der kurz darauf folgende Beginn des Kalten
Krieges, das damit verbundene Wettrüsten und die Entwicklung immer gefährlicherer
nuklearer Waffen hielten die Welt in Atem. Jedoch verzichtet der Autor auf genaue
Zeitangaben und eine nähere Beschreibung des Schauplatzes, um verstärkt darauf
aufmerksam zu machen, dass es sich um ein zeitloses, nicht ortsgebundenes Problem
handelt. Der Drang nach der Entdeckung von Neuartigem ist Teil des menschlichen
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Daseins und begleitet uns seit Anbeginn der Zeit. Doch viele Entdeckungen und
Erfindungen bringen gleichermaßen auch Gefahren mit sich. So können eigentlich
harmlose Formeln und Rechnungen unter Umständen dazu missbraucht werden, tödliche
Waffen zu bauen. Aber auch nützliche Erfindungen wie Autos oder Flugzeuge bergen
Gefahren in sich. Sie verschmutzen die Umwelt und Autounfälle oder Flugzeugabstürze
können viele Menschenleben kosten. Es ist also nicht der Teufel, der die Menschen
zerstört, es sind die Menschen selbst.
Die Handlung entfaltet den klassischen Konflikt Gut gegen Böse personifiziert von
Einstein und Iblís, wobei die Stellung Einsteins kritisch zu betrachten ist.
Angst ist ein Schlüsselbegriff in Buzzatis Werken und auch hier allgegenwärtig.
Die Handlung weist einen kontinuierlichen Spannungsbogen auf, der mit Erscheinen des
Teufels seinen Anfang nimmt. Einstein überschreitet psychisch und auch physisch eine
Grenze, als er bedeutende neue wissenschaftliche Erkenntnisse erlangt, welche immensen
Schaden verursachen können, und sich zugleich allein an einem fremden, mysteriösen Ort
wiederfindet.
Wirkt die Handlung durch die bloße Gedankenwiedergabe des Physikers zunächst sehr
statisch, wird sie nun immer dynamischer. Die dramatischen Dialoge zwischen Einstein
und dem Todesengel erzeugen eine Spannung, die kontinuierlich ansteigt und am Ende in
der Auflösung ihren Höhepunkt findet.
Das offene Ende lässt viel Raum für Interpretationen und lädt den Leser zum
Weiterdenken ein. Allerdings ist die Intention des Autors nicht eindeutig. Zwar könnte er
das Ende dergleichen konzipiert haben, um Raum für Interpretationen offen zu lassen, aber
es wäre ebenfalls denkbar, dass der Autor selbst nicht weiß, wie es weitergeht.
Buzzati greift in seiner Erzählung das traditionell christlich geprägte Motiv der Begegnung
mit dem Teufel auf und setzt es zeitgemäß um. Entgegen dieser Tradition lässt er das Böse
siegen und verleiht dem Text dadurch ein ebenso überraschendes wie nihilistisches,
pessimistisches Ende. Aber auch die Darstellung seines Teufels distanziert sich deutlich
von dieser Tradition. Iblís ist der Teufel im Islam und wirkt daher bereits durch sein
äußeres Erscheinungsbild befremdlich auf den Leser. Außerdem lässt ihn der Autor im
typisch amerikanischen Kleidungsstil auftreten. Iblís trägt unter anderem einen
Militärmantel, ,,aveva un vecchio cappotto militare" (270), und erklärt dadurch das
amerikanische Militär zum Teufel. Buzzatis Kritik am Missbrauch der Wissenschaft am
Beispiel der Atombombe ist unübersehbar. Als Iblís Einstein eine Demonstration seiner
Macht gibt, nimmt er einigen Blättern das Leben und bläst sie danach fort, wodurch eine
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