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Untertitel: Boethius' "De Consolatione Philosophiae" in der Tradition antiker Konsolationsliteratur
Hausarbeit, 2008, 22 Seiten
Autor: Elisabeth Adam
Fach: Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen
Details
Institution/Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Institut für Philosophie)
Tags: Behandlung, Trost, Philosophie, Mittelseminar, Boethius, Trost, Philosophie
Jahr: 2008
Seiten: 22
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-16597-1
ISBN (Buch): 978-3-640-16625-1
Dateigröße: 173 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Sicherlich kennt jeder Mensch Situationen in denen er Trost brauchte oder jemand anderem Trost spenden musste. Egal ob ein Schicksalsschlag Ursache ist, Probleme und Sorgen in Leben oder Beruf, Enttäuschungen in Freundschaft oder Liebe, Trost ist ein zentrales Thema, das jeden Einzelnen betrifft. Vielleicht ist das der Grund, warum sich schon seit Jahrtausenden Wissenschaft, Literatur aber auch Philosophie immer wieder mit den Ursachen und Wirkungen von Tröstungen auseinander setzen. Aus dieser Auseinandersetzung heraus entwickelte sich die Gattung der Konsolations- oder Trostliteratur. Eines der bedeutendsten Werke dieses Genres ist bis heute Boethius' De Consolatione Philosophiae. Aber inwiefern ist dieses überhaupt der Gattung zuzuordnen und in welchem Maße reiht es sich in die Tradition antiker philosophischer Trostschriften ein? Diese zentrale Frage soll in vorliegender Arbeit beantwortet werden. Als Grundlage soll hierzu zunächst das Genre selbst dargestellt werden, indem seine Entstehung, die verschiedenen Arten und zentrale Topoi erläutert werden. Um Boethius' Schrift auf seine Zugehörigkeit zu antiken philosophischen Konsolationen zu überprüfen, wird im nächsten Schritt speziell auf diese Werke Bezug genommen. Von der Antike bis zur Moderne sollen verschiedenste Philosophen und Philosophenschulen betrachtet werden, um zu untersuchen, welche Konsolationswerke es gibt, worin die Philosophen die Ursachen für Trost sehen und wie dieser ihrer Meinung nach aussehen kann oder muss. Besonderes Augenmerk soll denn auch auf der Antike liegen, da De Consolatione Philosophiae unmittelbar in Tradition zu Werken dieser Zeit steht. Im letzten Punkt soll schließlich die oben genannte zentrale Frage beantwortet werden. Weil die Lebensumstände des Autors wichtig für das Verständnis der Schrift als Konsolation sind, soll als Grundlage eine Biographie von Boethius dienen, bevor das Werk selbst vorgestellt wird. Im letzten Schritt soll Vom Trost der Philosophie dann bezüglich der Zugehörigkeit zum Genre, speziell zur antiken philosophischen Konsolationsliteratur, analysiert werden. Welche zentralen Topoi enthält die Schrift? Inwiefern steht das Werk in Tradition zu anderen Konsolationen der Philosophie? Wie wurde diese Tradition von Boethius umgesetzt? [...]
Textauszug (computergeneriert)
Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg
Institut für Philosophie
Mittelseminar: Boethius, ,,Trost der Philosophie"
Sommersemester 2008
Die Behandlung von Trost in der Philosophie
- Boethius′ De Consolatione Philosophiae in der Tradition antiker
Konsolationsliteratur -
Elisabeth Adam
Iberoromanische Philologie 8 / Philosophie 4
1
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
S. 3
1. Das Genre Konsolationssliteratur
S. 4
2. Konsolation in der Philosophie
S. 6
2.1
Antike
S. 6
2.1.1
Pytagoreismus
S. 7
2.1.2 Sophistik
S. 7
2.1.3 Klassik: Sokrates, Platon, Aristoteles
S.
7
2.1.4 Hellenismus: Stoa, Epikureismus
S.
8
2.1.5 Lateinische Philosophen: Cicero, Augustinus
S.
9
2.2 Mittelalter
S. 10
2.3 Neuzeit und Moderne
S. 11
3. De Consolatione Philosophiae
S. 12
3.1 Boethius Der Autor
S. 12
3.2 Die Schrift
S. 14
3.3 De Consolatione Philosophiae als Konsolationsschrift
S.
15
Fazit
S. 19
Bibliographie
S. 20
2
Einleitung
Sicherlich kennt jeder Mensch Situationen in denen er Trost brauchte oder jemand anderem Trost spenden musste. Egal ob ein Schicksalsschlag Ursache ist, Probleme und Sorgen in Leben oder Beruf, Enttäuschungen in Freundschaft oder Liebe, Trost ist ein zentrales Thema, das jeden Einzelnen betrifft.
Vielleicht ist das der Grund, warum sich schon seit Jahrtausenden Wissenschaft, Literatur aber auch Philosophie immer wieder mit den Ursachen und Wirkungen von Tröstungen auseinander setzen. Aus dieser Auseinandersetzung heraus entwickelte sich die Gattung der Konsolations- oder Trostliteratur.
Eines der bedeutendsten Werke dieses Genres ist bis heute Boethius′ De Consolatione Philosophiae. Aber inwiefern ist dieses überhaupt der Gattung zuzuordnen und in welchem Maße reiht es sich in die Tradition antiker philosophischer Trostschriften ein? Diese zentrale Frage soll in vorliegender Arbeit beantwortet werden.
Als Grundlage soll hierzu zunächst das Genre selbst dargestellt werden, indem seine Entstehung, die verschiedenen Arten und zentrale Topoi erläutert werden.
Um Boethius′ Schrift auf seine Zugehörigkeit zu antiken philosophischen Konsolationen zu überprüfen, wird im nächsten Schritt speziell auf diese Werke Bezug genommen. Von der Antike bis zur Moderne sollen verschiedenste Philosophen und Philosophenschulen betrachtet werden, um zu untersuchen, welche Konsolationswerke es gibt, worin die Philosophen die Ursachen für Trost sehen und wie dieser ihrer Meinung nach aussehen kann oder muss. Besonderes Augenmerk soll denn auch auf der Antike liegen, da De Consolatione Philosophiae unmittelbar in Tradition zu Werken dieser Zeit steht.
Im letzten Punkt soll schließlich die oben genannte zentrale Frage beantwortet werden. Weil die Lebensumstände des Autors wichtig für das Verständnis der Schrift als Konsolation sind, soll als Grundlage eine Biographie von Boethius dienen, bevor das Werk selbst vorgestellt wird. Im letzten Schritt soll Vom Trost der Philosophie dann bezüglich der Zugehörigkeit zum Genre, speziell zur antiken philosophischen Konsolationsliteratur, analysiert werden. Welche zentralen Topoi enthält die Schrift? Inwiefern steht das Werk in Tradition zu anderen Konsolationen der Philosophie? Wie wurde diese Tradition von Boethius umgesetzt?
3
1 Das Genre Konsolationsliteratur
Schon seit der Antike wird Trost (lat.: consolatio) in Literatur, Dichtung und auch Philosophie immer wieder thematisiert. Das Genre der Konsolationsliteratur bildete sich bereits, etwa gegen Ende des 8. Jahrhunderts, aus den Anfängen bei Homer.1 Für ihn lag Trost in innigem Zuspruch und gegenseitiger Klage unter eng verbundenen Menschen; zum Beispiel zwischen Eltern und Kindern.2
In Konsolationswerken werden Anlässe menschlichen Leidens reflektiert. Ihr Ziel ist es, die Trauer des Betroffenen zu lindern oder sogar ganz und gar zu überwinden.3
Im Grunde lassen sich zwei verschiedene Arten von Konsolationsliteratur unterscheiden. Im engeren Sinn sind Trostschriften solche, die aus einem unmittelbaren Traueranlass geschrieben werden, um Lösungen zu finden, den Trauernden von seinem Leid zu befreien oder dies zumindest zu lindern.4 Hierbei kann der Autor die Schrift entweder als Trost für andere, aber auch als Trost an sich selbst verfassen. Als Beispiel für den Selbsttrost eines Autors können unter anderem Ovids Konsolationsschriften Tristia und Epistulae ex Ponto genannt werden, wohingegen Sokrates mit philosophischen Gesprächen nicht sich, sondern seine Freunde über seinen bevorstehenden Tod hinwegzutrösten versucht.5 Im weiteren Sinn gehören zur Gattung Konsolationsliteratur auch Werke, die ohne konkreten Trauerfall verfasst werden. Sie sollen dazu dienen, den Lesern bei Problemen verschiedenster Art gedankliche Hilfestellungen zu leisten und Lösungsansätze zu bieten.6
Eine Trostschrift ist nicht zu vergleichen mit heute bekannten, meist unliterarischen Kondolenzbriefen oder Grabreden, denn der Verfasser glaubt, über diese puren Beileidsbekündungen und rührenden Worte hinaus, tatsächlich etwas gegen das Leid und den Schmerz des Trauernden ausrichten zu können.7 Allerdings werden in Konsolationsschriften keine Tipps im Stil eines Ratgebers gegeben, sondern Hinweise, sich an die guten Dinge des Lebens zu erinnern oder neuen Mut zu fassen. Häufig soll sogar die
1 Stammkötter, F.B.: Art. Trost, in: Joachim Ritter; Karlfried Gründer (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der
Philosophie Bd. 10, Basel: Schwabe & Co AG, 1998, Sp. 1524-1525.
2 Kassel, Rudolf: Untersuchungen zur griechischen und römischen Konsolationsliteratur, München: C.H.
Beck′sche Verlagsbuchhandlung, 1958, S. 5-6.
3 Stammkötter, a.a.O., Sp. 1524-1525.
4 Kassel, a.a.O., S. 3.
5 Gruber, Joachim: Kommentar zu Boethius, De consolatione philosophiae, Berlin/New York: Walter de
Gruyter, 2006, S. 26-27. und Stammkötter, a.a.O., Sp. 1525.
6 Kassel, a.a.O., S. 3.
7 Kassel, a.a.O., S. 4.
4
alleinige Beschäftigung mit Dichtung oder Philosophie zu einer Linderung der Trauer führen.8
In der Entwicklung des Genres bildeten sich zahlreiche Trosttopoi heraus, die in der klassischen Konsolationsliteratur, aber auch bis heute, immer wieder thematisiert werden.9
Am häufigsten setzen sich die Autoren in unterschiedlicher Weise mit dem Thema Tod auseinander. Im Großen und Ganzen lassen sich hierbei zwei verschiedene Arten von Konsolationsschriften mit dem Topos Tod unterscheiden. Der Verfasser kann beispielsweise sich selbst oder Anderen Trost spenden bei der Trauer um einen Verstorbenen. So hat unter anderem Cicero seine Consolatio ad se ipsum geschrieben, um seinen Schmerz über den Verlust seiner verstorbenen Tochter Tullia zu lindern.10 Daneben werden Trostschriften häufig aber auch bei einer so genannten Unabwendbarkeit des Todes verfasst, also dann, wenn der Autor selbst seinen Tod, durch Krankheit, Hinrichtung oder Ähnliches, vor Augen hat.11 Wie man an Boethius′ De Consolatione Philosophiae sieht, entweder als Selbsttrost oder um seine Angehörigen und Freunde wegen seines eigenen bevorstehenden Todes zu trösten. Bereits zuvor wurde erwähnt, dass dies unter anderem Sokrates umgesetzt hat.12
Ein weiterer häufig verwendeter Topos ist das Verbannungsmotiv.13 Hierbei befindet sich der Autor der Konsolationsschrift aus verschiedensten Gründen im Exil und versucht mit Hilfe von Dichtung oder Philosophie diese neue Situation zu akzeptieren oder wiederum seine Angehörigen und Freunde über seinen Verlust zu trösten. Als Beispiel kann hier Seneca genannt werden. Seine Konsolation Ad Helviam matrem war offenbar als Selbsttrost gedacht, wird durch eine Widmung aber gleichzeitig ein Trost für seine Mutter wegen ihres Kummers um seine Verbannung.14 Als nicht philosophisches Beispiel kann, die schon vorher erwähnte Tristia genannt werden, in der Ovid die Härten seines Exils beschreibt um sich damit selbst zu trösten.15
Ein anderes Motiv, dass immer wieder in Konsolationsschriften behandelt wird, ist das des [...]
8 Gruber, a.a.O., S.25.
9 Gruber, a.a.O., S. 24.
10 Relihan, Joel C.: The Prisoner′s Philosophy. Life and Death in Boethius′s Consolation, Notre Dame:
University of Notre Dame Press, 2007, S. 48-51. und Kassel, a.a.O., S. 18.
11 Vgl. ebd., S. 52.
12 Gruber, a.a.O., S 26. und Stammkötter, a.a.O., Sp. 1525.
13 Relihan, a.a.O., S. 49.
14 Gruber, a.a.O., S. 27.
15 Classen, Jo-Marie: Displaced Persons. The Literature of Exile from Cicero to Boethius, Madison: The
University of Wisconsin Press, 1999, S. 244.
5
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