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Seminararbeit, 2003, 24 Seiten
Autor: Sarai Jung
Fach: Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwiss.
Details
Institution/Hochschule: Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg (Philosophisches Institut II)
Tags: Handlungs-, Unterricht, Eine, Alternative, Epochenbilder, Deutschunterricht
Jahr: 2003
Seiten: 24
Note: 1
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-17675-0
ISBN (Buch): 978-3-638-64190-6
Dateigröße: 127 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Was ist eigentlich unter handlungs- und produktionsorientiertem Literaturunterricht zu verstehen? Die Idee des Handelns impliziert aktives Tätigsein im Hinblick auf ein bestimmtes Ziel. Dazu kommt die zweite Komponente, nämlich die Produktion. Das bezieht sich darauf, dass die Schüler nicht nur nachvollziehen und nachbilden, sondern gleichzeitig eigene Texte schaffen und selbst kreativ gestalten. In der Produktion von neuen, mehr oder weniger literarischen, auf jeden Fall aber eigenen Texten können die Schüler erfahren, wie und mit welcher Wirkung sie selbst literarische Formen verwenden können. Besonders wichtig ist, dass mit Hilfe von handlungs- und produktionsorientierten Verfahren die traditionelle Kluft zwischen Theorie und Praxis überwunden wird, so dass der Schwerpunkt nicht mehr nur auf der Kopfarbeit liegt, sondern alle Sinne mit eingebunden werden und auch „Handarbeit“ geleistet wird. Diese Art des „learning by doing“ entspricht auch den Erkenntnissen der Lernpsychologie. Außerdem verspricht man sich, auf diese Weise die Schule ein wenig näher an das wirkliche Leben heran zu führen. Denn natürliches Lesen ist immer auch ein aktives Mitgestalten der Sinnzusammenhänge eines Textes. Eine handlungs- und produktionsorientierte Unterrichtsgestaltung zielt also auf eine ganzheitliche schüleraktive Form der Wissensvermittlung ab. Sie stellt den Anspruch, nicht bloßes Wissen zu vermitteln, sondern dieses Wissen „Erfahrung“ werden zu lassen. Die Schüler sollen Literatur und deren Besonderheit nicht nur kognitiv-analytisch lernen, sondern auch sinnlich erfahren und verstehen können. Man will zurückkehren zu dem ursprünglichen Zweck von Literatur und die Schüle wieder Lesegenuss lehren. Denn traditionelle Methoden, wie die der Textanalyse, liegen weit entfernt von einem natürlichen Lesen und von wirklichem Spaß an Literatur. Die vorliegende Arbeit gibt einen knappen Überblick über Grundlagen, Konzepte, Ziele und Vorteile, sowie Diskussionsansätze und methodische Aspekte des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts.
Textauszug (computergeneriert)
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Epochenbilder im Deutschunterricht
Thema: Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht
WS 2002/2003
Sarai Jung
Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht:
Eine schülerzentrierte Alternative
Gliederung
1. Einleitung: Handlungs- und Produktionsorientierter Unterricht
2. Grundlagen: Rezeptionsästhetik
2.1. Der literarische Text
2.1.1. Produziertheit
2.1.2. Intertextualität
2.1.3. Unbestimmtheitsstellen
2.2. Der literarische Leser als Koproduzent
3. Konzepte des handlungs- und produktionsorientierten Unterrichts
3.1. Gerhard Haas
3.2. Wolfgang Menzel
3.3. Kaspar H. Spinner
4. Ziele und Vorteile von handlungs- und produktionsorientiertem Literaturunterricht
4.1. Lerngegenstand
4.2. Persönlichkeitsentfaltung der Schüler
4.3. Verbesserung des sozialen Klimas im Unterricht
5. Handlungs- und Produktionsorientierter Unterricht in der Diskussion
6. Methodische Aspekte
6.1. Wann kann ich handlungs- und produktionsorientierte Methoden einsetzen?
6.2. Was muss ich bei der Vorbereitung beachten
6.3. Wie gehe ich mit den Schülerproduktionen um
6.4. Bewertung von handlungs- und produktionsorientierten Aufgaben
7. Abschließende Bemerkungen
8. Anhang
Was ist eigentlich unter handlungs- und produktionsorientiertem Unterricht zu verstehen? Um uns diesem relativ jungen Konzept der Didaktik aus den 80er Jahren zu nähern, wollen wir seine beiden wesentlichen Komponenten heranziehen. Die Idee des Handelns impliziert aktives Tätigsein im Hinblick auf ein bestimmtes Ziel. Dazu kommt die zweite Komponente, nämlich die Produktion. Das bezieht sich darauf, dass die Schüler nicht nur nachvollziehen und nachbilden, sondern gleichzeitig eigene Texte schaffen und selbst kreativ gestalten. In den Worten von Gerhard Haas: „Hauptziel ist immer zuerst die Herstellung eines engen, intensiven Kontakts mit dem Text durch handelndes Reagieren auf ihn und produktives Agieren mit ihm.“1 In der Produktion von neuen, mehr oder weniger literarischen, auf jeden Fall aber eigenen Texten können die Schüler erfahren, wie und mit welcher Wirkung sie selbst literarische Formen verwenden können. Besonders wichtig ist, dass mit Hilfe von handlungs- und produktionsorientierten Verfahren die traditionelle Kluft zwischen Theorie und Praxis überwunden wird, so dass der Schwerpunkt nicht mehr nur auf der Kopfarbeit liegt, sondern alle Sinne mit eingebunden werden und auch „Handarbeit“ geleistet wird. Diese Art des „learning by doing“ entspricht auch den Erkenntnissen der Lernpsychologie. Außerdem verspricht man sich, auf diese Weise die Schule ein wenig näher an das wirkliche Leben heran zu führen. Denn natürliches Lesen ist immer auch ein aktives Mitgestalten der Sinnzusammenhänge eines Textes. Eine handlungs- und produktionsorientierte Unterrichtsgestaltung zielt also auf eine ganzheitliche schüleraktive Form der Wissensvermittlung ab. Sie stellt den Anspruch, nicht bloßes Wissen zu vermitteln, sondern dieses Wissen „Erfahrung“ werden zu lassen. Die Schüler sollen also Literatur und deren Besonderheit nicht nur kognitiv-analytisch lernen, sondern auch sinnlich erfahren und verstehen können. Man will zurückkehren zu dem ursprünglichen Zweck von Literatur und die Schülern wieder Lesegenuss lehren. Denn traditionelle Methoden, wie die der Textanalyse, liegen weit entfernt von einem natürlichen Lesen und von wirklichem Spaß an Literatur.
Wir wollen nun etwas genauer darauf eingehen, aus welchem Grund gerade der Lerngegenstand „Literatur“ die Forderung nach einem produktiven Umgang mit ihm nahe legt. Dabei legen wir besonderes Augenmerk auf den literarischen Text in seiner Eigenschaft als etwas bewusst „Gestaltetes“. Als zweiten Punkt werden wir darauf eingehen, warum folglich auch das „literarische Verstehen“2 am sinnvollsten über produktive und handlungsorientierte Verfahren eingeleitet werden kann. Ich folge hier im wesentlichen der Zusammenfassung rezeptionsästhetischer Grundlagen von Günter Waldmann. Die Idee des handlungs- und produktionsorientierten Unterrichts fußt nämlich auf der Auffassung, wie sie von Hans Robert Jauß vertreten wird, „dass ein Kunstwerk sich erst im Akt der Rezeption vollendet. Gleich einer Partitur bedarf der einzelne Text der Inszenierung durch die Phantasie des Lesers, um wirklich zu werden.“3 Damit wird die Bedeutung des individuellen Leseaktes betont.
Zuerst jedoch wenden wir uns dem Basis des Literaturunterrichts zu: dem literarischen Text. Was macht einen Text zu einem literarischen Text? Ein wesentliches Merkmal des literarischen Textes ist seine „Produziertheit“4, in dem Sinne, dass der literarische Text von einem Autor bewusst gestaltet wird. Jeder Autor wählt bewusst bestimmte Ausschnitte aus der ihm bekannten Wirklichkeit aus, um aus ihnen eine Erzählung, ein Drama oder ein Gedicht zu machen. Er bildet diese Ausschnitte jedoch nicht einfach nur ab, sondern kombiniert sie neu, formt sie um, verändert sie, und schmückt sie mit seiner eigenen Phantasie aus. Er greift also gestaltend in diese Versatzstücke der Wirklichkeit ein. Die Produktion eines literarischen Werkes ist jedoch kein „willkürliches Jonglieren mit Wirklichkeits- und Phantasieteilen“5. Ganz im Gegenteil, der Autor richtet sich nach literarischen Regularitäten und wendet ganz bestimmte Techniken an: er verwendet Stilmittel; er benutzt eine literarische Sprache; er setzt den Inhalt seines Werkes in eine entsprechende literarische Form und erzielt auf diese Weise eine bestimmte Wirkung; er wählt eine bestimmte Erzählhaltung aus; er entscheidet sich für eine oder mehrere Perspektiven, etc. Die Gestalt und der Inhalt des Textes sind demnach immer das Produkt einer vom Autor getroffenen Auswahl aus einer Reihe von alternativen Möglichkeiten; „aus seinem literarischen Repertoire, aus dem gegenwärtigen oder traditionellen literarischen Fundus; aus literarischen Vorbildern der Vergangenheit und der Gegenwart;
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1 Waldmann, Günter: Produktiver Umgang mit Literatur im Unterricht: Grundriss einer produktiven Hermeneutik. 1998. In: Deutschdidaktik aktuell. Hrsg. von Günter Lange, Karl Schuster, Werner Ziesenis. Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren. S. 53
2 Begriff nach Waldmann, Günter: Produktiver Umgang mit Literatur . In: Taschenbuch des Deutschunterrichts: Grundfragen und Praxis der Sprach- und Literaturdidaktik; 1994 5 hrsg. von Günter Lange. (S. 466) Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren. S. 466
3 Waldmann, Günter: Produktiver Umgang mit Literatur im Unterricht: Grundriss einer produktiven Hermeneutik. 1998. In: Deutschdidaktik aktuell. Hrsg. von Günter Lange, Karl Schuster, Werner Ziesenis. Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren. S. 53
4 Waldmann, Günter: Produktiver Umgang mit Literatur . In: Taschenbuch des Deutschunterrichts: Grundfragen und Praxis der Sprach- und Literaturdidaktik; 1994 5 hrsg. von Günter Lange. (S. 466) Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren. S. 468
5 Waldmann, Günter: Produktiver Umgang mit Literatur . In: Taschenbuch des Deutschunterrichts: Grundfragen und Praxis der Sprach- und Literaturdidaktik; 1994 5 hrsg. von Günter Lange. (S. 466) Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren. S 467
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