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Hauptseminararbeit, 2002, 25 Seiten
Autor: Tina Brackmann
Fach: Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege
Details
Institution/Hochschule: Kunstakademie Münster Hochschule für Bildende Künste (Kunstakademie Münster)
Tags: Corbusier, Städtebautheorie, Abschied, Zentrum, Architektur, Antike, Renaissance, Gegenwart
Jahr: 2002
Seiten: 25
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 20 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-19922-8
ISBN (Buch): 978-3-640-20954-5
Dateigröße: 154 KB
"Eine außergewöhnlich klare, gut strukturierte, inhaltlich differenzierte und kritisch abwägende Darstellung des Themas. Auch sprachlich ausgezeichnet. Insgesamt eine ausgezeichnete Arbeit""Eine außergewöhnlich klare, gut strukturierte, inhaltlich differenzierte und kritisch abwägende Darstellung des Themas. Auch sprachlich ausgezeichnet. Insgesamt eine ausgezeichnete Arbeit"
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Zusammenfassung / Abstract
Le Corbusier wird als ,,der einflussreichste und hervorragendste Architekt des 20. Jahrhunderts [bezeichnet], dessen Einfallsreichtum bzw. formale Erfindungskraft nur mit der schöpferischen Begabung von Picasso verglichen werden kann" Das amerikanische Time Magazine hat ihn zum wichtigsten Architekten dieses Jahrhunderts erkoren. Der Städtebau war in seinem frühen Werk ebenso wie die Massenproduktion von Wohnhäusern ein Teil seines Denkens und Schaffens. Die vorliegende Arbeit beginnt mit der Biographie Le Corbusiers. Es folgt seine Städtebautheorie, die Stadtpläne ,,Ville Contemporaine“ (mit den Unterteilungen in „das Stadtzentrum“ und „die Gartenstadt“), „Plan Voisin“ und ,,Ville Radieuse“. Die Charakteristika, der von Le Corbusier geplanten Städte, werden in den anschließenden Kapiteln: „Stadt zum Wohnen“, „Ort des Lebens“, „Grüne Stadt“ und „Stadt der Menschen“ aufgezeigt. Mit „Chandigarh“ wird ein realisiertes Projekt beschrieben. In „Eisenman versus Le Corbusier“ werden die genannten Architekten einander gegenüber gestellt. Es wird ein kurzer Ausblick auf die „Entwicklung nach Corbusier“ geleistet und die Frage „Abschied vom Zentrum?“ zu beantworten versucht. Den Abschluss bildet das „Fazit“.
Textauszug (computergeneriert)
Kunstakademie Münster, Hochschule für Bildende Künste
HS: Abschied vom Zentrum. Architektur aus Antike, Renaissance und Gegenwart.
SoSe 2002
Le Corbusier
Städtebautheorie
Tina Brackmann
Sek.I: Deutsch,
Kunst (9. Sem.)
12. 07. 2002
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Biographie 3
3. Die Städtebautheorie 7
4. Ville Contemporaine 8
4.1 Das Stadtzentrum 9
4.2 Die Gartenstadt 9
5. Plan Voisin 9
6. Ville Radieuse 10
7. Stadt zum Wohnen 11
8. Ort des Lebens 13
9. Grüne Stadt 13
10. Chandigarh 14
11. Eisenman versus Le Corbusier 15
12. Entwicklung nach Corbusier 18
13. Abschied vom Zentrum? 19
14. Fazit 20
15. Literaturverzeichnis 24
2
1. Einleitung
Le Corbusier wird als ,,der einflussreichste und hervorragendste Architekt des 20.
Jahrhunderts [bezeichnet], dessen Einfallsreichtum bzw. formale Erfindungskraft nur mit der
schöpferischen Begabung von Picasso verglichen werden kann"1 Das amerikanische Time
Magazine hat ihn zum wichtigsten Architekten dieses Jahrhunderts erkoren.2 Der Städtebau
war in seinem frühen Werk ebenso wie die Massenproduktion von Wohnhäusern ein Teil
seines Denkens und Schaffens.
Die vorliegende Arbeit beginnt mit der Biographie Le Corbusiers. Es folgt seine
Städtebautheorie, die Stadtpläne ,,Ville Contemporaine" (mit den Unterteilungen in ,,das
Stadtzentrum" und ,,die Gartenstadt"), ,,Plan Voisin" und ,,Ville Radieuse". Die
Charakteristika, der von Le Corbusier geplanten Städte, werden in den anschließenden
Kapiteln: ,,Stadt zum Wohnen", ,,Ort des Lebens", ,,Grüne Stadt" und ,,Stadt der Menschen"
aufgezeigt. Mit ,,Chandigarh" wird ein realisiertes Projekt beschrieben. In
,,Eisenman versus Le Corbusier" werden die genannten Architekten einander gegenüber
gestellt. Es wird ein kurzer Ausblick auf die ,,Entwicklung nach Corbusier" geleistet und die
Frage ,,Abschied vom Zentrum?" zu beantworten versucht. Den Abschluss bildet das ,,Fazit".
2. Biographie
Am 6. Oktober 1887 wird Charles Edouard Jeanneret (später Le Corbusier) als Sohn eines
Graveurs und einer Musikerin in La Chaux-de-Fonds in der Schweiz geboren.3
Mit 14 Jahren beginnt er 1900 eine Graveur- und Ziseleurlehre an der Kunstgewerbeschule in
seinem Geburtsort. Die dort ausgebildeten Graveure arbeiteten hauptsächlich für die
Uhrenindustrie. Er besuchte in dieser Schule die Kurse für Skulpturen und Wandmalerei und
interessierte sich sehr für die Architektur. Ab 1905 wird er an der selben Schule zum
Architekten ausgebildet.4 Kaum 18 Jahre alt, erhält Jeanneret von einem Vorstandsmitglied
der Kunstschule den Auftrag eine Villa zu bauen (Villa Fallet).5 Mit diesem Honorar begibt
sich Jeanneret auf Reisen nach Italien, Budapest und Wien. Ab 1908 arbeitet Jeanneret in
Paris im Atelier von August Perret 15 Monate lang als Architekt, wo er Einblick in die
Möglichkeiten von Stahlbetonkonstruktionen erhielt.6
1 Lexikon der Weltarchitektur, S. 373.
2www.coopzeitung.ch/Jahrhundertschweizer/def_jhch.htm
3 Le Corbusier (mein werk), S. 19.
4 Curtis, S. 19.
5 Boesiger, S. 9.
6 Curtis, S. 24ff.
3
1910-1911 unternimmt er im Auftrag von der Kunstschule La Chaux-de-Fonds eine
Studienreise nach Deutschland, um die Entwicklung der kunstgewerblichen Bewegung zu
studieren. Dort arbeitete er im Jahre 1910 fünf Monate lang bei Peter Behrens, wo er sein
Wissen über Stahlbeton weiter vertiefen konnte. 1911 erscheint in La Chaux-de-Fonds eine
offizielle Publikation über diese Studie in Deutschland.7 Zu seinen frühen Arbeiten zählen
das Konzept der Dom-ino-Häuser, ein 1914/15 erarbeitetes Bausystem zur industriellen
Serienproduktion in Stahlbeton, und 1916 die Villa Schwob in La Chaux-de-Fonds, ein
Stahlbetonbau im klassizistischen Gewand.8 1917 ließ sich Jeanneret in Paris nieder und
signierte zum ersten Mal Artikel mit dem Pseudonym Le Corbusier. 9 Hier lernte er auch den
Maler Amédée Ozenfant kennen, mit dem er das Manifest ,,Apres le cubisme" (1918)
veröffentlichte und ab 1920 die Zeitschrift ,,L′Esprit Nouveau" herausgab.10
Zwischen 1920 und 1922 entwickelte er die Citrohan-Häuser, schachtelartige Bauten mit
tragenden Wänden an den Längsseiten, die in einer zweiten Fassung auf Stützen gehoben
wurden.11
1922 schloss er sich mit seinem Vetter Pierre Jeanneret zusammen, arbeitete an der Villa
Ozenfant in Paris und entwickelte das Konzept für eine Stadt mit drei Millionen Einwohnern
(Ville Contemporaine).12 1923 gab Le Corbusier seine gesammelten Artikel aus ,,L′Esprit
Nouveau" unter dem Titel ,,Vers une Architecture" neu heraus.13 In der Folgezeit baute er
unter anderem das Doppelhaus La Roche und Jeanneret in Auteuil (1923), eine Wohnsiedlung
in Pessac (1925)14, das Haus Cook in Boulogne-sur-Seine (1926) und die Villa Stein in
Garches (1927)15. Sein Pavillon de L′Esprit Nouveau auf der Pariser Ausstellung von 1925
bildete den modellhaften Baustein eines Großwohnblocks.16 Hochhäuser dominierten
schließlich seinen ,,Plan Voisin" für ein neues Paris (1925).17 1927 nahm er am Wettbewerb
des Genfer Völkerbundpalastes und an der Werkbundausstellung in Stuttgart-Weißenhof mit
zwei Wohnhäusern teil, wobei er versuchte, sein Fünfpunkteprogramm einer neuen,
zeitgemäßen Architektur umzusetzen: Pfosten (Pilotis), Dachgärten, freier Grundriss,
Langfenster und freie Fassadengestaltung.18 1928 wurden die beiden Häuser in der
7 Curtis, S. 34.
8 Gast, S. 16 ff.
9 Le Corbusier (mein werk), S.
10 Le Corbusier (mein werk), S. 49, 62f.
11 Gast, S. 30f.
12 Le Corbusier (mein werk), S. 49.
13 Le Corbusier (mein werk), S. 49.
14 Curtis, S. 77 ff.
15 Benevolo, S. 905.
16 Le Corbusier (mein werk), S. 49.
17 Besset, S. 180.
18 Roth, S. 5 ff.
4
Weißendorfsiedlung in Stuttgart gebaut.19 Die Pläne für den Völkerpalast in Genf wurden
abgelehnt,
da
sie
,,nicht
mit
Tusche
gezeichnet"
waren.20
1926: Le Corbusier gewinnt den 1. Preis im Wettbewerb für das Völkerbundsgebäude in
Genf.21 Es wurde nicht gebaut, was ein Mitgrund zur Gründung der CIAM (Congrès
Internationaux d´Architecture Moderne) war (1928).22 Die CIAM- Kongresse haben von
1928- 1958 getagt23. Ihre Ziele waren: Das zeitgenössische Problem der Architektur zu
formulieren; den Geist der modernen Architektur aufzuzeigen; diesem Geist in technischen,
wirtschaftlichen und sozialen Kreisen zum Durchbruch zu verhelfen und die Verwirklichung
der Aufgabe der Architektur zu überwachen. Auf schlanke Stützen stellte er die Villa Savoye
in Poissy (1929-31), ein weißes Prisma mit Rampen und überraschenden Durchblicken im
Innern.24
Es folgt die Cité de Refuge der Heilsarmee in Paris (1929-32)25 und der Schweizer Pavillon
der Cité Universitaire in Paris (1930-32).26 Für das Projekt des Sowjet-Palastes in Moskau
(1931) erarbeitete er eine Halle, die an einem weiten, überspannenden Parabelbogen hängt.27
1935 reiste er zum ersten Mal in die USA28 und veröffentlichte ein weiteres
Stadtplanungskonzept unter dem Titel ,,La Ville Radieuse".29 Seine Planungen für ein
Ministeriumsgebäude in Rio de Janeiro und die Zentrale der Vereinten Nationen in New York
wurden zwischen 1937 und 1943 ausgeführt.30
Erste Vorarbeiten zum Modulor, einem von Le Corbusier entwickelten Maßsystem nach dem
Prinzip des Goldenen Schnitts, ausgehend von den Proportionen des menschlichen Körpers,
entstanden 1942.31 1943 gründete er die ASCORAL, eine Vereinigung von Konstrukteuren
für die Erneuerung der Architektur.32 1944 veröffentlichte er die Charta von Athen,
Überlegungen und Forderungen zu einer zeitgemäßen, funktionellen Stadt, die 1933 vom
CIAM zusammengestellt33 und 1941 von Le Corbusier weiterentwickelt worden waren. 1933
19 Le Corbusier (mein werk), S. 51.
20 Le Corbusier (mein werk), S. 79.
21 Le Corbusier (mein werk), S.16.
22 Le Corbusier (mein werk), S. 50.
23 Le Corbusier (mein werk), S. 83.
24 Boesiger, S. 58.
25 Besset, S. 83.
26 Le Corbusier (mein werk), S. 96.
27 Besset, S. 117.
28 Le Corbusier (mein werk), S. 126.
29 Besset, S. 203.
30 Benevolo, S. 909.
31 Le Corbusier (mein werk), S. 158 f.
32 Le Corbusier (mein werk), S. 137.
33 Curtis, S. 142ff.
5
werden die Bücher Le Corbusiers in Deutschland als ,,Bolschewistische Architektur..."34 und
in Moskau als ,,bekannt kapitalistische Architektur"35 verboten.
Der Wiederaufbauplan für Saint-Dié (1946), der den Aufbau der im Kriege zerstörten Stadt
durch acht Wohneinheiten für 20.000 Einwohner vorsah, wurde abgelehnt.36
Ein bedeutendes Experiment im Massenwohnungsbau stellt die Unité d′Habitation in
Marseille (1945-52) dar, ein Hochhauskomplex auf massigen Pilotis mit 337 Wohneinheiten,
Ladenstraße, Freizeit- und Kommunikationseinrichtungen. Weitere Unités folgten unter
anderem in Nantes-Reze (1952-57)37, in Berlin (1956/57) und in Meaux (1957-59). Im Jahre
1956 hat Le Corbusier für die Stadt Meaux ein neues Wohnzentrum von 5 ,,Unité
d′habitation" entworfen38, und später, im Jahre 1960, wurde ihm der Auftrag erteilt, eine
Siedlung mit 15 Unités und ,,6 Tours des célibataires" zu projektieren.
Zu Le Corbusiers Spätwerk, expressiv geformten, skulpturalen Bauten, die auch nicht mehr
den prototypischen Anspruch seiner Vorkriegsbauten hatten, gehören die Wallfahrtskirche
Notre-Dame-du-Haut in Ronchamp (1950-55)39, das Dominikanerkloster Sainte-Marie-de-la-
Tourette in Evreux-sur-L′Arbresle (1957-60)40 sowie der Justizpalast in Chandigarh (1950-
56)41 . Bereits 1950 und 1951 arbeitete er mit Maxwell Fry und Jane Drew an einem
Flächennutzungsplan für diese indische Stadt.42 In Amerika errichtete er nur das Visual Arts
Center in Cambridge, Massachusetts, das 1964 vollendet wurde.43 Le Corbusier gehört nicht
nur zu den wichtigsten Architekten und Städteplanern des 20. Jahrhunderts, sondern war
daneben auch ein bedeutender Theoretiker und Maler. Am 27. August 1965 stirbt Le
Corbusier nahe Cap Martin bei Nizza.44
34 Le Corbusier (mein werk), S. 158 f.
35 Le Corbusier (mein werk), S. 50.
36 Le Corbusier (mein werk), S. 148 f.
37 Le Corbusier (mein werk), S. 171.
38 Le Corbusier (mein werk), S. 188.
39 Le Corbusier (mein werk), S. 166.
40 Le Corbusier (mein werk), S. 172, 265.
41 Le Corbusier (mein werk), S. 178.
42 Gast, S. 98.
43 Besset, S. 130.
44 Besset, S. 206.
6
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