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Kinder fühlen manchmal anders - Ein kritischer Beitrag zum Diskurs über den Kinderleistungssport

Scholary Paper (Seminar), 1997, 32 Pages
Author: Thomas Springub
Subject: Sport - Sport Pedagogy, Didactics

Details

Event: Seminar: Erziehung im, durch und zum Sport
Institution/College: Carl von Ossietzky University of Oldenburg (Fachbereich Sport)
Tags: Kinderleistungssport, Ethik, Pädagogik
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 1997
Pages: 32
Grade: sehr gut
Language: German
Archive No.: V1164
ISBN (E-book): 978-3-638-10734-1
ISBN (Book): 978-3-638-73144-7
File size: 163 KB
Notes :
Kritische Auseinandersetzung mit dem in den Medien reißerisch-pamphletisch behandelten Thema des Kinderleistungssports. Eigene Erfahrungen gingen dieser Arbeit voraus.


Abstract

In jüngster Zeit tauchen in den Medien - sowohl in der Boulevardpresse als auch bei `seriösen´ massenmedialen Vertreibern - immer wieder Berichte aus dem Leistungssport über „geschundene“ und „gepeinigte“ Kinder auf. Besonders betroffen sind hierbei die Mädchen in den kompositorischen Sportarten, wie Kunstturnen, Rhythmische Sportgymnastik und Eiskunstlauf, sowie Schwimmen und Tennis. Solche vermeintlich gesellschaftskritischen und aufklärerischen Artikeln waren z.B.: „Auf Biegen und Brechen; [...] brachte ein Tabuthema wieder ins Bewußtsein: die seelischen und körperlichen Qualen in den Trainingshallen [...]“ , „Feuer unter die Waden: [...] Weil sie ihr Leben von früher Kindheit an auf `Training und Schmerzen´ konzentriert habe, `habe ich gelernt zu leiden´ [...]“ , „Gepeinigt wie Pferde: Die Qualen der `Turnküken´ im modernen Leistungssport“ , „Baby im Luxusknast: [...] den Alltag amerikanischer Jugendlicher, wie sie ihn verzweifelt suchte, fand sie nicht [...]“, „Warum tun sie sich das an?: [...] das Kind als Spielball [elterlicher] Wünsche [...]“ , etc.. Hier werden zumeist Einzelschicksale herausgegriffen und pauschalisiert. Nicht zuletzt weil ich selbst als Kind Leistungssport in einer kompositorischen Sportart (Trampolinturnen) betrieben habe, interessieren mich solche Artikel sehr, und ich möchte in dieser Arbeit genauer überprüfen, ob diese Beschreibungen repräsentativ sind. Im Diskurs zum Kinderleistungssport geht es den Gegnern immer darum, die Gefahren kindlichen Leistungssports zu verdeutlichen, und die Befürworter (deren Anzahl deutlich zurückgeht) wollen die sich dadurch eröffnenden Möglichkeiten aufzeigen. Die dort auftretenden Argumente stammen aus den Bereichen Ethik, Entwicklungspsychologie, Sozialisation, Gesundheit, u.a.. Die Übergeordnete Frage in diesem Zusammenhang ist häufig die Frage nach dem Kindheitsverständnis. Auch hier sollen im Folgenden unterschiedliche Argumentationsebenen berücksichtigt werden, allerdings immer `unter der Flagge´ eines modernen Kindheitsbegriffs, welcher zunächst genauer beschrieben werden soll.


Excerpt (computer-generated)

Seminar : Erziehung im, durch und zum Sport
Semester : WS 1996/ 97

Kinder fühlen manchmal anders

Ein kritischer Beitrag zum Diskurs
zum Kinderleistungssport

Thomas Springub

7. Sem. LA/ GS;
Germanistik, Sport, Kunst

 

Inhaltsverzeichnis

   
Seite

0.

Einleitung

3

1.

Ein Verständnis von Kindheit als Grundlage

4

1.1
Kinder: Keine kleinen Erwachsenen ?
4

1.2

Bestimmungsversuch

4

1.3

Das Kind ?

4

1.4

Die Umwelt des Kindes - Vorteilhaftes
Das Elternhaus # Die Schule # Der Freizeitbereich


6

1.5

Veränderte Kindheit

8

1.6

Fazit: doppelschichtiger Kindheitsbegriff

9

2.

Gefahren, Scheingefahren und Chancen

10

2.1

Das Kind im Leistungssport
Zeit # Belastung-Bewältigung # Lebensbedingungen und -inhalte # Soziale Kontakte # Typisch kindliches Verhalten # Kindliche Bedürfnisse # Kindliche Wahrnehmung

10

2.2

Leistungssport mit Kindern
Ethische Aspekte # Strukturelle Voraussetzungen/ System

21

2.3

Fazit

27

3.

Schlußfolgerungen und Forderungen

29

3.1

Hinweise für kindgerechtes Leistungstraining

30
 
Literatur

33

 

0. Einleitung

In jüngster Zeit tauchen in den Medien - sowohl in der Boulevardpresse als auch bei `seriösen´ massenmedialen Vertreibern - immer wieder Berichte aus dem Leistungssport über ,,geschundene" und ,,gepeinigte" Kinder auf. Besonders betroffen sind hierbei die Mädchen in den kompositorischen Sportarten, wie Kunstturnen, Rhythmische Sportgymnastik und Eiskunstlauf, sowie Schwimmen und Tennis. Solche vermeintlich gesellschaftskritischen und aufklärerischen Artikeln waren z.B.: ,,Auf Biegen und Brechen; [...] brachte ein Tabuthema wieder ins Bewußtsein: die seelischen und körperlichen Qualen in den Trainingshallen [...]"1, ,,Feuer unter die Waden: [...] Weil sie ihr Leben von früher Kindheit an auf `Training und Schmerzen´ konzentriert habe, `habe ich gelernt zu leiden´ [...]"2, ,,Gepeinigt wie Pferde: Die Qualen der `Turnküken´ im modernen Leistungssport"3, ,,Baby im Luxusknast: [...] den Alltag amerikanischer Jugendlicher, wie sie ihn verzweifelt suchte, fand sie nicht [...]", ,,Warum tun sie sich das an?: [...] das Kind als Spielball [elterlicher] Wünsche [...]"4, etc.. Hier werden zumeist Einzelschicksale herausgegriffen und pauschalisiert.5 Nicht zuletzt weil ich selbst als Kind Leistungssport in einer kompositorischen Sportart (Trampolinturnen) betrieben habe, interessieren mich solche Artikel sehr, und ich möchte in dieser Arbeit genauer überprüfen, ob diese Beschreibungen repräsentativ sind.
Im Diskurs zum Kinderleistungssport6 geht es den Gegnern immer darum, die Gefahren kindlichen Leistungssports zu verdeutlichen, und die Befürworter (deren Anzahl deutlich zurückgeht) wollen die sich dadurch eröffnenden Möglichkeiten aufzeigen. Die dort auftretenden Argumente stammen aus den Bereichen Ethik, Entwicklungspsychologie, Sozialisation, Gesundheit, u.a.. Die Übergeordnete Frage in diesem Zusammenhang ist häufig die Frage nach dem Kindheitsverständnis.
Auch hier sollen im Folgenden unterschiedliche Argumentationsebenen berücksichtigt werden, allerdings immer `unter der Flagge´ eines modernen Kindheitsbegriffs, welcher zunächst genauer beschrieben werden soll.

[...]

1 Der Spiegel, 43/ 1994.

2 Der Spiegel, 52/ 1994.

3 ebd., a.a.O..

4 Die Zeit, 04.11.1994.

5 Desweiteren stehen diese Veröffentlichungen im krassen Widerspruch zur gleichzeitigen Faszination junger, erfolgreicher (Spitzen-)Sportler.

6 In der Literatur wird oft großer Wert auf die Unterscheidung der Begriffe Leistungs- und Hochleistungssport gelegt. Ich werde dies hier nicht tun, denn in der Praxis sind die Grenzen fließend.


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