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Hausarbeit, 2007, 17 Seiten
Autor: Bachelor of Arts Nina Eger
Fach: Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Details
Institution/Hochschule: Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (Institut für Sozialwissenschaften)
Tags: Virtueller, Krieg, Kann, Umkehrung, Opferverhältnisses, Konsequenz, Krieges, Einführung, Theorie-, Ideengeschichte
Jahr: 2007
Seiten: 17
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 13 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-19256-4
ISBN (Buch): 978-3-640-19267-0
Dateigröße: 64 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Krachend schlägt eine Handgranate ein, die israelischen Soldaten hinter den Barrikaden ihres Militärpostens sterben mit einem tiefen ‚Ah’, und der Spieler erreicht eine neue Runde.“ So beginnt ‚Under Siege’ das neue Computerspiel der Softwarefirma Afkar Media, das sich den ‚Befreiungskampf des palästinensischen Volkes’ zum Thema macht. Kriegscomputerspiele, mit denen man den Krieg virtuell von zuhause aus ‚erleben’ kann und in denen man Punkte für das Töten von Menschen bekommt, erleben zurzeit einen regelrechten Boom. So scheint es nicht verwunderlich, wenn mit dem Begriff „Virtueller Krieg“ oft Computerspiele assoziiert werden. Der Begriff des virtuellen Krieges steht in der Politik natürlich nicht für Computerspiele, sondern vielmehr für eine neue Art der Kriegsführung. Und doch scheinen beide, der politische und der computerspielerische Begriff des virtuellen Krieges einiges gemeinsam zu haben. Zum einen wird der Krieg in den Computerspielen wie auch in der Wirklichkeit oft nur noch virtuell erlebt und zum anderen scheint er die Hemmgrenze zum Töten von Nonkombattanten gesenkt zu haben. Herfried Münkler fasst letztere Entwicklung wie folgt zusammen: „In den bis Anfang des 20. Jahrhunderts geführten Kriegen gehörten etwa 90 Prozent der Gefallenen und Verwundeten zu den Kombattanten […], in den neuen Kriegen am Ende des 20. Jahrhunderts ist die Opferbilanz ziemlich genau ins Gegenteil verkehrt: Bei etwa 80 Prozent der Getöteten und Verletzten handelt es sich um Zivilisten und nur bei den restlichen 20 Prozent um Soldaten, die bei Kampfhandlungen zu Schaden kommen.“ In dieser Arbeit soll deshalb der Frage nachgegangen werden, ob die Umkehrung des Opferverhältnisses als Konsequenz des virtuellen Krieges interpretiert werden kann. Um diese Frage zu beantworten, soll zunächst der klassische Krieg und die drei Entwicklungen, die zu seinem Bedeutungsverlust beitrugen sowie das Charakteristische der neuen Kriege, kurz dargestellt werden. Im Anschluss wird der virtuelle Krieg mit seinen Kennzeichen und Zielen erläutert. Danach werden die Opferbilanzen beider Kriegsformen sowie drei Erklärungsansätze für die Umkehrung des Opferverhältnisses dargestellt. Im letzten Punkt soll dann mit einem Resümee die Fragestellung beantwortet werden. [...]
Textauszug (computergeneriert)
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Wintersemester 2006/07
Vorlesung:
Einführung in die politische Theorie
Hausarbeit
Virtueller Krieg
Vorgelegt von:
Nina Eger
3. Fachsemester Sozialwissenschaften
1. Einleitung
2
2.
Klassische Kriege vs. Neue Kriege
3
2.1 Klassische Kriege 3
2.1.1 Kennzeichen 3
2.2 Drei Entwicklungen 4
2.2.1 Privatisierung 5
2.2.2 Asymmetrisierung 5
2.2.3 Entmilitarisierung 6
2.3 Neue
Kriege 6
3.
Virtuelle Kriege
8
3.1 Kennzeichen 9
3.1.1 Bildschirmkriege 9
3.1.2 Virtuelle Beteiligung 10
3.2 Ziel(e) 10
4.
Opferbilanzen
11
4.1 Zahlen 11
4.2 Erklärungsansätze 12
5.
Fazit
13
Literatur
14
Internetlinks
15
1
1. Einleitung
,,Krachend schlägt eine Handgranate ein, die israelischen Soldaten hinter den Barri-
kaden ihres Militärpostens sterben mit einem tiefen ,Ah′, und der Spieler erreicht eine
neue Runde."1 So beginnt ,Under Siege′ das neue Computerspiel der Softwarefirma
Afkar Media, das sich den ,Befreiungskampf des palästinensischen Volkes′ zum
Thema macht. Kriegscomputerspiele, mit denen man den Krieg virtuell von zuhause
aus ,erleben′ kann und in denen man Punkte für das Töten von Menschen bekommt,
erleben zurzeit einen regelrechten Boom.2 So scheint es nicht verwunderlich, wenn
mit dem Begriff ,,Virtueller Krieg" oft Computerspiele assoziiert werden.
Der Begriff des virtuellen Krieges steht in der Politik natürlich nicht für Computerspie-
le, sondern vielmehr für eine neue Art der Kriegsführung. Und doch scheinen beide,
der politische und der computerspielerische Begriff des virtuellen Krieges einiges
gemeinsam zu haben. Zum einen wird der Krieg in den Computerspielen wie auch in
der Wirklichkeit oft nur noch virtuell erlebt und zum anderen scheint er die Hemm-
grenze zum Töten von Nonkombattanten gesenkt zu haben.3
Herfried Münkler fasst letztere Entwicklung wie folgt zusammen:
,,In den bis Anfang des 20. Jahrhunderts geführten Kriegen gehörten etwa 90 Prozent der
Gefallenen und Verwundeten zu den Kombattanten [...], in den neuen Kriegen am Ende des
20. Jahrhunderts ist die Opferbilanz ziemlich genau ins Gegenteil verkehrt: Bei etwa 80 Pro-
zent der Getöteten und Verletzten handelt es sich um Zivilisten und nur bei den restlichen
20 Prozent um Soldaten, die bei Kampfhandlungen zu Schaden kommen."4
In dieser Arbeit soll deshalb der Frage nachgegangen werden, ob die Umkehrung
des Opferverhältnisses als Konsequenz des virtuellen Krieges interpretiert werden
kann. Um diese Frage zu beantworten, soll zunächst der klassische Krieg und die
drei Entwicklungen, die zu seinem Bedeutungsverlust beitrugen sowie das Charakte-
ristische der neuen Kriege, kurz dargestellt werden. Im Anschluss wird der virtuelle
Krieg mit seinen Kennzeichen und Zielen erläutert. Danach werden die Opferbilan-
zen beider Kriegsformen sowie drei Erklärungsansätze für die Umkehrung des Op-
1 Vgl.: http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/31.03.2005/1729973.asp, Zugriff am 23.03.2007.
2 Das Spiel ,Under Ashes′, der Vorgänge von ,Under Siege′, wurde z.B. bereits 500.000 herunter ge-
laden.
3 Einschränkend muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass es bei ,Under Siege′ Punktabzug gibt,
wenn ein Zivilist getötet wird. Anders ist das bei ,American Army′, hier wird keine Rücksicht auf sog.
Kollateralschäden genommen, vgl.: http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/31.03.2005/1729973.asp,
Zugriff am 23.03.2007.
4 Münkler, Herfried: Die neuen Kriege, Reinbek bei Hamburg, Rowohlt, 2002, S. 28.
2
ferverhältnisses dargestellt. Im letzten Punkt soll dann mit einem Resümee die Fra-
gestellung beantwortet werden.
2.
Klassische Kriege vs. Neue Kriege
2.1 Klassische
Kriege
In den klassischen Kriegen5, den sog. Staatenkriegen, galt der Staat als Monopolist
des Krieges.6 Dieses Modell des Krieges entwickelte sich nach der langsamen Her-
ausbildung eines staatlichen Gewaltmonopols im neuzeitlichen Zentraleuropa.7
Durch den vermehrten Einsatz der Artillerie und die gleichzeitige Entwertung von
Burgen und Stadtmauern und dem zunehmenden Zwang, über drei Waffengattungen
(Infanterie, Kavallerie und Artillerie) zu verfügen, kam es zu einer starken Verteue-
rung des Kriegswesens. Diese Verteuerung machte den Staat zum Monopolisten des
Krieges, da nur er die Kosten für den Unterhalt eines entsprechenden Heeres auf-
bringen konnte.8
Der idealtypische klassische Krieg war nach Geis eine vollkommen verstaatlichte,
einigermaßen durch Regeln eingeschränkte Unternehmung von begrenzter Dauer
und mit klarer politischer Zielrichtung.9
2.1.1 Kennzeichen
Die klassischen zwischenstaatlichen Kriege waren u.a. dadurch gekennzeichnet,
dass sich die gegnerischen Streitkräfte im Kampf gegenüberstanden. Es galt nach
Ignatieff immer die stillschweige Vereinbarung: ,,Töte oder werde getötet."10
5 In der Literatur wird die Bezeichnung ,klassische Kriege′ synonym mit dem Begriff ,alte Kriege′ ver-
wandt. Der Einheitlichkeit halber wird in dieser Arbeit nur der Begriff ,klassische Kriege′ gebraucht.
6 Vgl.: Münkler, Herfried: Die neuen Kriege, Bundeszentrale für politische Bildung, Reinbek bei Ham-
burg, 2002, S. 7f.
7 Vgl.: Kaldor, Mary: Neue und alte Kriege, Suhrkamp, Frankfurt, 2000, S. 26f.
8 Vgl.: Münkler, Herfried: Was ist neu an den neuen Kriegen? - eine Erwiderung auf die Kritiker, in:
Geis, Anna: Den Krieg überdenken, Nomos, Baden-Baden, 2006, S. 139.
9 Vgl.: Geis, Anna: Den Krieg überdenken. Kriegsbegriffe und Kriegstheorien in der Kontroverse, in:
Geis, Anna: Den Krieg überdenken, Nomos, Baden-Baden, 2006, S. 15.
10 Ignatieff, Michael: Virtueller Krieg, Rotbuch Verlag, Hamburg, 2001, S. 147.
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