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"El Buscón" und "Oráculo manual" - Wegweiser durch eine amoralische Welt

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 19 Pages
Author: Alexander Zuckschwerdt
Subject: Romance Languages - Spanish Studies

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 19
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V116839
ISBN (E-book): 978-3-640-18910-6

File size: 214 KB


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin

Institut für Romanistik

Sommersemester 2008

HS: ,,Gracián und die europäische Moralistik"

Alexander Zuckschwerdt
K: Spanische Philologie

El Buscón und Oráculo Manual

Wegweiser durch eine amoralische Welt

 


INHALTSVERZEICHNIS

I. MORALISTIK ,A LA PICARESCA′ 3

II. DIE KUNST DER WELTKLUGHEIT 4

III. DIE SCHANDE DES SCHELMS 8

IV. INITIIERUNG UND DESENGAÑO DES DON PABLOS 11

LITERATUR 18

Seite 2

 


I. MORALISTIK ,A LA PICARESCA′

Die Epoche der größten spanischen Literaten und Philosophen in der frühen Neuzeit, das Goldene Jahrhundert (1492-1681), hatte, neben einem hochkarätigen kulturellen Aufgebot, eine zunehmende Neigung unter den Regenten und Staatsdienern zu Süffisanz und Korruption zu verzeichnen. Besonders unter der Misspolitik der beiden Felipes III (1578-1621) und IV (1605-1665) mussten sowohl die Staatskassen als auch die Staatsmoral erheblich leiden. Die infolge der kontinuierlichen Ausbeutung der amerikanischen Indianervölker noch unverhältnismäßig überfüllten königlichen Depots und die außenpolitische und kulturelle Spitzenreiterrolle boten scheinbar die Gelegenheit zu Muse und Vernachlässigung der weltlichen Obliegenheiten ­ sowohl dem Staat als auch dem Gewissen gegenüber. Dieses Spanien der Kontraste ­ materieller Reichtum einerseits, moralisch-ethischer Verfall andererseits ­ wird zum Lebensraum zweier herausragender Persönlichkeiten, deren Reflexionen zu der Konstellation Mensch-Gesellschaft-Ethik in je einem ihrer bekanntesten Werke auf den folgenden Seiten in Parallele gebracht werden sollen.

Der um 1608 von Francisco de Quevedo Villegas (1580-1645) verfasste Roman El Buscón1 ist, ebenso wie zahlreiche andere pikareske Erzählungen (u.a. Lázaro de Tormes, 1554; Guzmán de Alfarache, 1599-1604; Rinconete y Cortadillo eine Kernaussage zu dem Roman als Ganzes verantworten lässt.

Dazu wird es nötig sein, zu ermitteln, wie und in welchem Maße direkte und indirekte moralistische Stellungnahmen des Autors in den Text eingewoben sind. Bekanntermaßen ist die novela picaresca aufgrund ihrer vordergründigen Situations- und Verbalkomik in früheren Tagen oftmals als eher substanzlose Literatur abgetan und seinen englischen und französischen Folgegenerationen gegenüber hinsichtlich der didaktischen Verwertbarkeit als minderwertig vorverurteilt worden.

In dieser Arbeit soll nun herausgestellt werden, dass jenseits und zum Teil auch auf der Basis der augenscheinlichen

1 Der vollständige Titel der editio princeps lautet Historia de la vida del Buscón, llamado don Pablos, elemplo de vagamundos y espejo de tacaños. Sie wurde 1626 in Zaragoza von dem Buchhändler Roberto Duport finanziert.

Seite 3

 


Unterhaltungsabsicht des Buscón durchaus auch eine gewisse Alltagsethik aus dem Roman Quevedos extrahiert werden kann, die sich in bestimmten Punkten mit der eines berühmten Zeitgenossen des Autors koordinieren lässt.

Gleich in den ersten Sätzen der Widmung an den Leser wird, außer auf ,,lo gracioso de don Pablos", ,,todo género de picardía" und dem ,,ocio", worin eindeutige Hinweise auf den reinen Amüsementgehalt des Textes gegeben sind, ebenso auf das dem Text inhärente Potential, als lehrreiche Lektüre verwertet zu werden, hingedeutet: ,,y no poco fruto podrás sacar dél si tienes atención al escarmiento"; ergänzend hält der Verfasser aber auch sowohl sich als auch dem Leser den Weg des ,,ocio" offen, der jedoch in einem Leben ,,a la droga", also in einer pikaresken Existenz in Lug, Trug und Schein enden kann.2 Auf diese Art eröffnet der Autor dem Publikum die theoretische Möglichkeit, den Text aus persönlichen Motiven welcher Art auch immer zu verstehen. Dennoch setzt Quevedo auf die schon zum Zeitpunkt des Bucherwerbs im Leser vorhandene innere Bereitschaft zu einer imaginären Autoimplikation in den vorliegenden Text und dessen Kontext, wenn er ihm suggeriert: ,,dudo nadie compre libro de burlas para apartarse de los incentivos de su natural depravado."3 Der Leser wird durch die selbstsichere Formulierung des Autors regelrecht in einen hermeneutischen Zirkel genötigt, wo er sich im Folgenden mit ,,sunatural depravado" auseinandersetzen muss.4

II. DIE KUNST DER WELTKLUGHEIT

Mit der Absicht, zumindest einen Einblick in die scheinbar unüberschaubare Landschaft der Moralistik im Europa des 17. Jahrhunderts auf der Grundlage von sowohl literarischen als auch nicht-literarischen Texten zu erstellen, wird in dieser Arbeit neben Quevedo ein weiterer maßgeblicher Vertreter des spanischen Barocks konsultiert werden: Baltasar Gracián y Morales (1601-1658) verfasste mit seinem Oráculo manual y arte de prudencia (1647) ein exakt dreihundert Maximen umfassendes Lebensregelwerk nach machiavellistischer Ideologie, getreu der Devise ,,Der Zweck heiligt die Mittel."

2 Quevedo, 9. Ich beziehe mich mit dieser Interpretation der Formulierung Quevedos (,,vivir a la droga") auf die achte Definition des DRAE (20. Ed.) zu dem Nomen droga: ,,f. desus. Embuste, ardid, engaño. U. en Argentina."
3 Quevedo, 9.
4 Ähnliche Versuche der Moralisierung der Leserschaft sind über El Buscón hinaus auch in Quevedos Poesie vorzufinden: ,,En cualquier caso, esa musa puede leerse como una especie de muestrario moral, cuyos poemas contemplan sucesivas manifestaciones de la conducta humana a partir de unos supuestos ideológicos homogéneos. Tal vez a semejanza de Epicteto y Focílides, que expusieron una variada gama de principios morales, Quevedo decidió ofrecer su propio conjunto de propuestas éticas" (Rey, 65f.).

Seite 4

 



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