Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Die Erzählstrategie und ihre Wirkung in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann... close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Die Erzählstrategie und ihre Wirkung in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 23 Pages
Author: Michaela Benner
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 23
Grade: 1,4
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V117001
ISBN (E-book): 978-3-640-19366-0

File size: 157 KB

Abstract

Das Nachtstück „Der Sandmann“ gleicht einem verschwommenen, unscharfen Portrait. Dies ist allerdings kein Mangel in der Gestaltung, sondern wurde mit vielfältigen Mitteln und erzählerischen Kniffen von E.T.A. Hoffmann ausgearbeitet. In dieser Hausarbeit wird diese Vorgehensweise systematisch betrachtet und auf ihre Wirkung hin überprüft. Die zentrale Fragestellung der Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Problem, inwieweit die unheimliche Wirkung der Erzählung „Der Sandmann“ bereits in der Erzählweise angelegt ist. Zuerst werden der Autor selbst und seine Motive im Mittelpunkt der Analyse stehen. Hierbei sollen grundlegende Prinzipien herausgearbeitet und in einem zweiten Schritt die wichtigsten Änderungen im Vergleich mit der ersten Fassung des Stückes aufgezählt und auf ihre Wirkung hin erklärt werden. Der zweite Unterpunkt widmet sie dem Aufbau des „Sandmannes“, womit die verschiedenen Erzählformen und ihre Perspektiven gemeint sind. Nacheinander werden die Passagen von Nathanael, Clara und dem eigentlichen Erzähler behandelt und auf ihren Effekt hin überprüft. Dabei soll vor allem die Reihenfolge der verschiedenen Erzählstile, dass beispielsweise der Brief Nathanaels den Beginn des Stückes markiert, dargestellt und erklärt werden. Der Tempuswechsel wird nach diesen grundlegenden Erörterungen in einem gesonderten Abschnitt aufgegriffen und gedeutet. Auch er hat eine besondere Funktion für die unheimliche Wirkung des Stückes. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt allerdings in der eher verdeckten Multiperspektivität, die für das Leserverständnis einige Schwierigkeiten bereitet. In diesem Abschnitt wird einerseits geklärt, auf welche Bewertungsansätze sich der Leser im Bezug auf die einzelnen Figuren stützen kann, andererseits wird der Wechsel zwischen Realität und Wahnsinn ausführlich mit mehreren Beispielen erläutert und erklärt werden. Die Darstellung der Wahnsinnsanfälle Nathanaels stellen dabei im Stück eine besondere Herausforderung für die erzählerische Gestaltung dar. Mit der ausführlichen Betrachtung der Wahnsinnsanfälle soll detailliert auf die Vorgehensweise Hoffmanns, der das innere Erleben für den Leser greifbar machen möchte, eingegangen werden.


Excerpt (computer-generated)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Deutsches Institut

Hauptseminar: Unheimliches Sehen

Sommersemester 06

Die Erzählstrategie und

ihre Wirkung

in E.T.A. Hoffmanns Erzählung ,,Der Sandmann"


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

S. 1

2. Motive E.T.A. Hoffmanns

S. 2

3. Aufbau der Erzählung ,,Der Sandmann"

S. 5

3.1 Nathanael als Erzähler

S. 5

3.2 Clara als Erzählerin

S. 7

3.3 Der Erzähler

S. 7

4. Rolle des Tempus

S. 10

5. Multiperspektivität

S. 11

5.1 Bewertungsansätze

S. 11

5.2 Realität und Wahnsinn

S. 13

5.3 Beispiel: Die Darstellung des Wahnsinns

S. 15

6. Fazit

S. 17

· Quellenangabe

S. 19

· Literaturangaben

S. 19


1. Einleitung

Das Nachtstück ,,Der Sandmann" gleicht einem verschwommenen, unscharfen Portrait.1 Dies

ist allerdings kein Mangel in der Gestaltung, sondern wurde mit vielfältigen Mitteln und

erzählerischen Kniffen von E.T.A. Hoffmann ausgearbeitet. In dieser Hausarbeit wird diese

Vorgehensweise systematisch betrachtet und auf ihre Wirkung hin überprüft. Die zentrale

Fragestellung der Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Problem, inwieweit die unheimliche

Wirkung der Erzählung ,,Der Sandmann" bereits in der Erzählweise angelegt ist.

Zuerst werden der Autor selbst und seine Motive im Mittelpunkt der Analyse stehen. Hierbei

sollen grundlegende Prinzipien herausgearbeitet und in einem zweiten Schritt die wichtigsten

Änderungen im Vergleich mit der ersten Fassung des Stückes aufgezählt und auf ihre

Wirkung hin erklärt werden.

Der zweite Unterpunkt widmet sie dem Aufbau des ,,Sandmannes", womit die verschiedenen

Erzählformen und ihre Perspektiven gemeint sind. Nacheinander werden die Passagen von

Nathanael, Clara und dem eigentlichen Erzähler behandelt und auf ihren Effekt hin überprüft.

Dabei soll vor allem die Reihenfolge der verschiedenen Erzählstile, dass beispielsweise der

Brief Nathanaels den Beginn des Stückes markiert, dargestellt und erklärt werden.

Der Tempuswechsel wird nach diesen grundlegenden Erörterungen in einem gesonderten

Abschnitt aufgegriffen und gedeutet. Auch er hat eine besondere Funktion für die unheimliche

Wirkung des Stückes.

Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt allerdings in der eher verdeckten Multiperspektivität,

die für das Leserverständnis einige Schwierigkeiten bereitet. In diesem Abschnitt wird

einerseits geklärt, auf welche Bewertungsansätze sich der Leser im Bezug auf die einzelnen

Figuren stützen kann, andererseits wird der Wechsel zwischen Realität und Wahnsinn

ausführlich mit mehreren Beispielen erläutert und erklärt werden. Die Darstellung der

Wahnsinnsanfälle Nathanaels stellen dabei im Stück eine besondere Herausforderung für die

erzählerische Gestaltung dar. Mit der ausführlichen Betrachtung der Wahnsinnsanfälle soll

detailliert auf die Vorgehensweise Hoffmanns, der das innere Erleben für den Leser greifbar

machen möchte, eingegangen werden.

1 Diese Meinung gründet sich auf die im Text beschriebene Absicht des Erzählers ein Portrait zu malen und wird

mehrfach in der Sekundärliteratur zum Ausdruck gebracht. Vgl. dazu Calian, Nicole: ,,

Bild ­ Bildlichkeit, Auge-
Perspektive"

in E.T.A Hoffmanns

Der Sandmann.

Der Prozess des Erzählens als Kunstwerdung des inneren

Bildes. In: E.T.A Hoffmann Jahrbuch. Mitteilungen der E.T.A Hoffmann-Gesellschaft 12 (2004), S. 37-51, hier

S.45,50.

1


Über das Nachtstück ,,Der Sandmann" E.T.A Hoffmann gibt es eine Vielzahl von

Sekundärliteratur. Sowohl in der älteren als auch in der neueren Forschung wurde das Werk

immer wieder neu interpretiert und behandelt. Die Hausarbeit bezieht sich hauptsächlich auf

neuere Literatur zu diesem Thema. Vor allem die Aufsätze von Irene Schroeder und Nicole

Calian waren wichtige Interpretationsgrundlagen für diese Hausarbeit. Ältere Aufsätze zu

diesem Thema sind zwar ebenso in die Ausarbeitung miteingeflossen, allerdings werden vor

allem in der neueren Literatur die für diese Hausarbeit wichtigen erzählerischen Mittel

Hoffmanns beschrieben.

2. Motive E.T.A. Hoffmanns

Die Motive und Ziele E.T.A. Hoffmanns mit dem Nachtstück sind vielfältig und daher soll an

dieser Stelle nur das für die Hausarbeit Wichtigste herausgegriffen werden.

Schon zu Beginn des Nachtstückes benennt der Erzähler ein Ziel seiner Geschichte über

Nathanael: Das Darstellen seines inneren Erlebens.

,,Und nun wolltest du

[Leser]

das innere

Gebilde mit allen glühenden Farben und Schatten und Lichtern aussprechen und mühest dich

ab Worte zu finden, um nur anzufangen."2

Hier lässt sich Hoffmanns Motivation klar

erkennen. Mit dem Nachtstück ,,Der Sandmann" sollen die inneren Erlebnisse, Zustände und

Emotionen von Nathanael nicht nur dargestellt, sondern für den Leser erlebbar gemacht

werden.3

Das innere Erleben weicht von der Realität ab und ist oftmals nicht logisch aufgebaut. Gerade

Nathanael nimmt durch seine Psychose und seine Wahnsinnattacken seine Umwelt oft

irrational und gepaart mit Emotionen wahr. Diese Brüche mit der Realität hat Hoffmann

konkret in den Handlungsverlauf eingearbeitet.

2 Hoffmann, E.T.A.: Der Sandmann. Stuttgart: 2003, S.18. Im Folgenden werden ich Zitate aus der

Quellenliteratur nur noch mit der Seitenzahl direkt hinter dem Zitat kennzeichnen.

3Vgl. Schroeder, Irene: Die Rede vom Farbenglanz des inneren Bildes. Darstellungen abweichender

Wahrnehmung und ver-rückten Erlebens anhand von E.T.A Hoffmanns ,,Der Sandmann". In: Akten des X.

internationalen Germanistikkongresses Wien 2000 ,,Zeitwende- Die Germanistik auf dem Weg vom 20. ins 21.

Jahrhundert". Hg. v. Peter Wiesinger. Bd. 10. Bern: 2003 (= Jahrbuch für internationale Germanistik Reihe A

Kongressberichte, 62), 251-260, hier S. 251-252.

2


Ein Beispiel dafür ist die Passage um den Tod des Vaters:

,,Vor dem dampfenden Herde auf dem Boden lag mein Vater tot mit schwarz
verbranntem grässlich verzerrtem Gesicht, um ihn herum heulten und winselten die
Schwester-

[

...

]

Als man nach zwei Tagen darauf meinen Vater in den Sarg legte,
waren seine Gesichtszüge wieder mild und sanft geworden, wie sie im Leben
waren."(S. 11)

Dieser Abschnitt aus Nathanaels Brief zeigt deutlich seine irrationale Wahrnehmung. Sein

Vater kann nicht mit einem verbrannten und verzerrten Gesicht gestorben sein und zwei Tage

später mit sanften Gesichtszügen begraben werden. Eine ähnlich irrationale Stelle im Text ist

die Rettung Claras vom Ratsturm.4 Die verschlossenen Türen auf einer öffentlichen

Aussichtsplattform machen an dieser Stelle kaum einen Sinn. Im Text lassen sich noch mehr

solcher Ungereimtheiten finden, die gezielt von Hoffmann eingearbeitet wurden. Diese

Passagen wirken auf den Leser irritierend und verunsichernd und unterstützen damit die

bedrohliche und unheimliche Atmosphäre des Nachtstücks.5

Die Ratsturmszene ist nicht nur aufgrund der geschlossenen Eingangtüren unklar. Gerade der

Wahnsinnsanfall und der darauf begründete Tod Nathanaels ist in der Sekundärliteratur

umstritten. Hoffmann änderte den Handlungsverlauf nach der Rettung Claras in der zweiten

Fassung des Nachtstückes ab. Ursprünglich wurde Nathanael von Coppelius in den Tod

getrieben:

,,Nun raste Nathanael herum auf der Gallerie, da rief eine widerwärtige Stimme von
unten herauf: Ey Ey- Kleine Bestie- willst Augen machen lernen- wirf mir dein
Holzpüppchen zu!-

[

...

]

-- es war das klein grau Thürmchen

[in der zweiten Fassung als

grauer Busch gezeichnet]

was Clara geschaut- aber nicht ein Thürmchen- der Advokat
Coppelius stand da unten am Thurm und schaute und rief herauf- Nathanael erblickte
den Coppelius und lachte: haha- Sköne Oken

[

...

]

- Und damit sprang er übers
Geländer!-

(S. 47)

In dieser ersten Fassung treibt Coppelius Nathanael direkt in den Tod, bei der überarbeiteten

Fassung ist er zwar auch vor Ort und spricht mit den umstehenden Schaulustigen, jedoch

nimmt er keinen Kontakt zu Nathanael auf oder treibt ihn gar mit seinen Rufen in den Tod.

Hoffmann hat also absichtlich diesen Beweis, dass Coppelius der Sandmann ist,

herausgenommen. Der Leser bekommt so am Schluss des Textes keinen Hinweis mehr auf

den Zusammenhang zwischen Coppelius und dem Sandmann. Vielmehr wird dessen Rolle

weiter verschleiert und die Figur gewinnt zusätzlich an unheimlicher Wirkung.6

4 Vgl. S. 41.

5 Vgl. Küpper, Achim: Aufbruch und Sturz des heilen Textes. Ludwig Tiecks

Liebeszauber

und E.T.A

Hoffmanns

Sandmann

: Zwei ,,Märchen aus der neuen Zeit". In: E.T.A Hoffmann Jahrbuch. Mitteilungen der

E.T.A Hoffmann-Gesellschaft 13 (2005), S. 7-28, hier S. 20-22.

6 Vgl. ebd., S. 22-23.

3



Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit

Author: Claudia Nickel
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens

Author: Maik Philipp
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/117001/die-erzaehlstrategie-und-ihre-wirkung-in-e-t-a-hoffmanns-erzaehlung-der
please wait Please wait