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Diploma Thesis, 2002, 140 Pages
Author: Armin Schreiber
Subject: Pedagogy - Pedagogic Psychology
Details
Tags: Musik, Medium, Therapie, Musikalische, Improvisation, Raum, Veränderungen, Wachstum
Year: 2002
Pages: 140
Grade: sehr gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-17795-5
File size: 398 KB
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Excerpt (computer-generated)
Fachbereich Erziehungswissenschaften
der Philipps-Universität Marburg
Diplomarbeit
von
Armin Schreiber
Musik als Medium in der Therapie -
Die musikalische Improvisation als intermediärer Raum
für therapeutische Veränderungen und persönliches Wachstum
Abgabetermin: 2. Dezember 2002
"Die Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann
und worüber es unmöglich ist, zu schweigen."
Victor Hugo (Schriftsteller)
Danksagung
[...]
Inhalt
Einleitung ... 8
I. Grundzüge der Musiktherapie ... 12
1. Definition: Musiktherapie als Psychotherapie ... 12
2. Die geschichtliche Entwicklung der Musiktherapie ... 14
2.1. Die magisch-mythische Form der Musikheilung ... 14
2.2. Die rational-wissenschaftliche Musikheilung ... 15
2.3. Musik und Medizin vom 15. - 19. Jahrhundert ... 16
3. Wirkungsweisen der Musik ... 16
3.1. Entwicklungsgeschichtliche Aspekte ... 17
3.1.1. Ontogenetische Aspekte ... 17
3.1.2. Hirnphysiologische Aspekte ... 19
3.2. Physiologische Aspekte ... 19
3.2.1. Ergotrope Musik ... 20
3.2.2. Trophotrope Musik ... 20
3.3. Tiefenpsychologische Aspekte des Musikerlebens ... 21
4. Die Beziehung zwischen Musiktherapie und anderen Therapiemodellen ... 25
4.1. Das medizinische Modell ... 26
4.2. Das tiefenpsychologisch-psychodynamische Modell ... 26
4.3. Das lerntheoretische Modell ... 27
Das humanistisch-existentialistische Modell ... 29
4.4. Theoretische Fundierung der Musiktherapie ... 29
5. Gegenwärtige Therapieformen und Therapieverfahren ... 31
5.1. Die rezeptive Musiktherapie ... 31
5.2. Die aktive Musiktherapie ... 33
5.3. Einzel- und Gruppentherapie ... 35
5.3.1. Einzeltherapie ... 35
5.3.2. Gruppentherapie ... 35
6. Indikation ... 37
7. Therapeutische Ziele der Musiktherapie ... 39
II. Grundlagen der Improvisation ... 42
1. Die musikalische Improvisation ... 42
1.1. Zum Musikverständnis ... 42
1.2. Wesen und Funktion der musikalischen Improvisation ... 44
1.3. Improvisationsformen ... 47
1.3.1. Freie Improvisation ... 48
1.3.2. Strukturierte Improvisation ... 49
2. Die einzelnen Komponenten der Musik ... 52
2.1. Klang ... 52
2.2. Rhythmus ... 55
2.3. Melodie ... 57
2.4. Dynamik ... 58
2.5. Form ... 59
2.6. Anmerkungen zur therapeutischen Arbeit mit dem Komponentenmodell ... 61
3. Die Musikinstrumente und ihre Funktionen ... 62
3.1. Das Instrumentarium ... 62
3.2. Zur Funktion der Musikinstrumente im therapeutischen Prozess ... 63
3.3. Das Instrument und die Musik als Übergangs- und Intermediärobjekt ... 66
4. Musik und Kommunikation ... 67
4.1. Allgemeines ... 68
4.2. Kommunikationstheoretische Aspekte ... 69
4.3. Zur therapeutischen Bedeutung der kommunikationstheoretischen Betrachtung ... 72
III. Die Improvisation und ihre psychologische Bedeutung ... 74
1. Die Phasen im therapeutischen Prozess ... 74
2. Zur Hermeneutik musikalisch-psychischer Prozesse ... 76
3. Gestalttherapeutische Elemente der Musiktherapie ... 78
3.1. Grundannahmen und Krankheitslehre der Gestalttherapie ... 79
3.2. Abwehrmechanismen in der Gestalttherapie ... 81
3.2.1. Die Introjektion ... 82
3.2.2. Die Projektion ... 83
3.2.3. Die Konfluenz ... 84
3.2.4. Die Retroflektion ... 85
3.2.5. Die Deflektion ... 86
3.3. Zur therapeutischen Bedeutung des Kontakt-Modells ... 86
4. Morphologische Elemente der Musiktherapie ... 89
4.1. Grundzüge der morphologischen Psychologie ... 89
4.2. Sechs Gestaltfaktoren ... 91
4.2.1. Aneignung und Umbildung ... 92
4.2.2. Einwirkung und Anordnung ... 94
4.2.3. Ausbreitung und Ausrüstung ... 95
4.3. Beschreibung und Rekonstruktion ... 96
4.4. Anmerkungen zur Beschreibung und Rekonstruktion ... 98
IV. Aspekte der musiktherapeutschen Behandlung ... 100
1. Der Austausch zwischen Musik und Sprache ... 100
1.1. Diskursive und präsentative Symbolik ... 100
1.2. Das Gespräch in der Musiktherapie ... 102
2. Die therapeutische Beziehung ... 103
2.1. Allgemeine Aspekte ... 103
2.2. Übertragungsphänomene ... 107
2.2.1. Übertragung ... 107
2.2.2. Gegenübertragung ... 109
2.3. Begegnung ... 111
3. Die Arbeit am Widerstand ... 111
4. Intervention und therapeutisches Handeln ... 114
V. Spiel und Kreativität ... 118
1. Das Spiel ... 118
2. Musiktherapie als kreative Methode der Psychotherapie ... 121
2.1. Zum Begriff der Kreativität ... 122
2.2. Kreativität und Gesundheit ... 123
2.3. Wirkfaktoren kreativer Methoden ... 125
2.3.1. Kreativität und Emotion ... 125
2.3.2. Kreativität und Kognition ... 126
2.3.3. Kreativität und Ästhetik ... 127
VI. Resümee ... 129
Literatur ... 132
Anhang 139
EINLEITUNG
Die Wirkung der Musik auf die psychische und physische Gesundheit des Mensch ist schon seit Jahrtausenden bekannt. Trotzdem ist die Musiktherapie in Theorie und Praxis eine junge wissenschaftliche Disziplin. Besonders in den letzten Jahren haben sich mehrere musiktherapeutische Strömungen entwickelt, die einen großen Einfluss auf das Erscheinungsbild der gegenwärtigen Musiktherapie haben. Was die verschiedenen musiktherapeutischen Ansätze, mit ihren Methoden und theoretischen Bezügen jedoch verbindet, ist das gemeinsame Arbeitsprinzip der aktiven musikalischen Improvisation.
Die musikalische Improvisation existiert seit eh und je bei allen Völkern und in allen Kulturen. Sie kann als die Urform allen Musizierens angesehen werden. In einigen Kulturkreisen ist die Praxis der musikalischen Improvisation in ihrer Ursprünglich- und Selbstverständlichkeit bis heute erhalten geblieben, so z.B. im indischen Raga oder in der traditionellen afrikanischen Musik. Doch mit der Entdeckung von musikalischen Gesetzmäßigkeiten, aus denen heraus sich eine Lehre von Harmonie, Rhythmus und Komposition entwickelte, wurde das Musizieren immer mehr zu einer Tätigkeit, die über einen langen Zeitraum hinweg nur wenigen Menschen vorbehalten war, die über ein bestimmtes Musikverständnis und über gewisse Fähigkeiten verfügten. In den 70er Jahren wurde die spontane musikalische Improvisation als musikalisches Gestaltungsprinzip in der avantgardistischen Musik und im Jazz wiederentdeckt. Aus dieser aufkommenden musikalisch-emanzipatorischen Bewegung, die sich von dem musikalischen, traditionellen Formzwang und dem alten Musikverständnis befreite, ging eine neue Musik hervor, die den spontanen und freien Intentionen der Spieler einen Ausdrucksraum zur Verfügung stellte. In vielfältiger Weise wurde in der musikalischen Improvisation ein Nutzen für pädagogische und psychotherapeutische Bereiche gesehen. Die musikalisch Improvisation gewann vor allem durch Lili Friedemann Einzug in pädagogische Arbeitsbereiche und wurde zu unterschiedlichen pädagogischen Förderungszwecken eingesetzt. Im gleichen Zuge erhielt die musikalische Improvisation Einzug in die aktive Musiktherapie, die in ihrem gegenwärtigen Erscheinungsbild eine maßgebliche Rolle spielt. Mit der Zeit entwickelten sich hieraus unterschiedliche musiktherapeutische Ansätze.
Auf der Grundlage der Musiktherapie als Psychotherapie werde ich der Frage nachgehen, welche Funktion die musikalische Improvisation im therapeutischen Prozess hat, welche spezifischen Wirkungen sie aufweist, welche inneren Prozesse sie im Spieler auszulösen vermag und worin ihr therapeutisches Potential als Methode der aktiven Musiktherapie liegt. Ausgehend von der These, dass die Methode der musikalischen Improvisation ein geeignetes Verfahren ist, im Bereich von psychischen Krankheiten heilsame Prozesse anzustoßen, die zu positiven Veränderungen des Krankheitszustandes führen, werde ich mich in dieser Arbeit auf verschiedene musiktherapeutische Strömungen und konzeptionelle Ansätze beziehen. Aufgrund der vielfältigen konzeptionellen Ansätze der Musiktherapie ist es mir leider nicht möglich, alle gegenwärtigen theoretischen und methodischen Ansätze der Musiktherapie einzubeziehen. Die vorliegende Arbeit baut daher auf den theoretischen Grundlagen der gestalttherapeutischen, der integrativen, der morphologischen und der analytische n Strömung der Musiktherapie auf. Obwohl diese Richtungen von ihrer jeweiligen theoretischen und methodischen Fundierung Unterschiede aufweisen, können sie sich m.E. für eine psychologische Betrachtungsweise der Improvisation fruchtbar ergänzen.
Im Dschungel der musiktherapeutischen Literatur zeichnet sich ein Erscheinungsbild der verschiedenen musiktherapeutischen Strömungen ab, dass sich sehr uneinheitlich gestaltet. Dabei sind auch die einzelnen Richtungen nicht klar voneinander abgegrenzt. Bruhn macht in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass „[...] kein Psychotherapie-Modell in Reinform in der Musiktherapie vertreten ist.“1 Daher sieht er die moderne Musiktherapie als eine eklektische Mischform aus therapeutischen Richtungen.2 Dennoch zeichnet sich ab, dass für den Großteil der Musiktherapeuten in ihrer Arbeit eine tiefenpsychologische Denkweise bestimmend ist, auch wenn wesentliche Anteile anderer Therapiemodelle enthalten sind. Aufgrund dieser Tatsache werden in der vorliegenden Arbeit an einigen Stellen Aussagen von Autoren, die sich zu unterschiedlichen musiktherapeutischen Richtung bekennen, nebeneinander existieren. Eine klare Abgrenzung der verschiedenen musiktherapeutischen Strömungen ist jedoch dort aufzufinden, wo auf wesentliche theoretische und methodische Grundlagen Bezug genommen wird.
Zum Aufbau der Arbeit
Im ersten Kapitel werden die „Grundzüge der Musiktherapie“ dargestellt. Dies geschieht anhand ihrer geschichtlichen Entwicklung, den Wirkungsweisen von Musik, den unterschiedliche n musiktherapeutischen Strömungen mit ihren theoretischen Bezügen sowie den heute anzutreffenden musiktherapeutischen Therapieformen und - verfahren. Dieser allgemeinen Darstellung folgt im zweiten Kapitel „Grundlagen der Improvisation“ eine Beschreibung der in der aktiven Musiktherapie vorzufindenden Methode der musikalischen Improvisation. Hierbei wird auf die therapeutische Funktion der Improvisation, die einzelnen musikalischen Grundelemente, auf die Funktion der Musikinstrumente sowie auf die Bedeutung der Kommunikation über das Medium Musik eingegangen. Im dritten Kapitel wird neben einer allgemeinen Darstellung und Hermeneutik des musiktherapeutischen Prozesses (aus der Sicht der „Integrativen Musiktherapie“) auf die Theorien und Methoden der gestalttherapeutisch orientierten Musiktherapie sowie auf die „Morphologische Musiktherapie“ Bezug genommen. Mit diesen theoretischen Hintergründen lässt sich das aus der Improvisation hervorgegangene Material rekonstruieren und auf ihre psychologische Bedeutung hin untersuchen. Sie beinhalten weiterhin prozessual-diagnostische Möglichkeiten, aus denen heraus therapeutische Ziele, Behandlungsschwerpunkte und therapeutische Maßnahmen entwickelt werden können. Im vierten Kapitel werden allgemeine Aspekte der musiktherapeutischen Behandlung dargestellt. Hierzu gehören der Austausch und der Wechsel zwischen Musik und Sprache, die therapeutische Beziehung, die therapeutische Arbeit am Widerstand des Klienten sowie therapeutisches Intervenieren und Handeln. Im fünften und inhaltlich letzten Kapitel steht die Bedeutung des Spiels und der Kreativität als ressourcenorientierte Methode der Musiktherapie im Mittelpunkt. Dem schließt sich im sechsten Kapitel ein Resümee der bisher dargestellten theoretischen und methodischen Modelle an.
Formale Aspekte
In dieser Arbeit werde ich mich der männlichen Schreibform bedienen. Sie erscheint mir für den Lesefluss die geeignetste Form der Darstellung. Wenn ich die männliche Form benutze, so steht sie gleichermaßen für Frau-Mann in einer Gleichwertigkeit.
Bis auf wenige wörtliche Zitate werde ich für den Begriff „Patient“, den mir sympathischeren in humanistischer Bedeutung stehenden Begriff „Klient“ verwenden. Er rückt die eigene Aktivität und Verantwortung des einzelnen Mensch in den Fordergrund und steht zugleich für die Abgrenzung gegen die Macht- und Herrschaftsfunktion des medizinisch- industriellen Komplexes.
Zitate zu Beginn einiger Abschnitte beziehen sich auf deren nachfolgenden Inhalt, spiegeln diesen wieder oder heben einzelne zentrale Aspekte hervor.
[...]
1 Bruhn 2000, S. 76.
2 Vgl. Bruhn 2000, S. 77.
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