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Sucht als Überlebensstrategie nach Sexuellem Mißbrauch close

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Sucht als Überlebensstrategie nach Sexuellem Mißbrauch

Termpaper, 2004, 34 Pages
Author: Sabine Prager
Subject: Social Pedagogy / Social Work

Details

Event: Methoden der Sozialen Arbeit/ Psychologie
Institution/College: University of Applied Sciences Jena
Tags: Sucht, Sexuellem, Mißbrauch, Methoden, Sozialen, Arbeit/, Psychologie
Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 34
Grade: 1,4
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V117253
ISBN (E-book): 978-3-640-19374-5

File size: 1423 KB


Excerpt (computer-generated)

Fachhochschule Jena

Studienfach: Handlungswissenschaften der Sozialen Arbeit

Sucht als Überlebensstrategie nach Sexuellem Mißbrauch

Sabine Prager

 

Inhaltsverzeichnis


0 Einleitung ... 2

I Sexueller Missbrauch ... 3 - 9

1.1. Definition ... 3
1.2. Versuch der Beschreibung der Gefühle der Opfer ... 5
1.3. Wer tut so etwas? ... 6
1.4. Zahlen und Fakten ... 6
1.5. Folgen sexuellen Missbrauchs ... 7

II Abhängigkeit/ Sucht ... 9 - 14

2.1. Definition ... 9
2.2. Zahlen und Fakten ... 10
2.3. Die Wirkung von Alkohol auf den menschlichen Organismus ... 11
2.4. Genese allgemein ... 13

III Sexuellen Missbrauchs und Sucht ... 14 - 18

3.1. Warum Drogen, wie Alkohol „helfen“ ... 14
3.2. Der Umgang mit der Tatsituation ... 15
3.3. Konsequenzen für die soziale Arbeit ... 16

IV Schlussbemerkungen ... 18


Anhang 1 – 4

Literaturverzeichnis

 

 

Du hast mir wehgetan, so weh, hast mich zurückgelassen mit dieser Angst.
Immer wieder kriecht sie empor, lässt mich erstarren, und ich nehm’ mir jetzt vor:
Sie muss weg, sie muss weg; sie macht mich ganz krank.
Ich spüre, ich hab’ mich völlig verrannt. Weg nur weg, wie ist egal.
Ich tu es immer wieder und wieder, ich hab’ keine Wahl…
Der Rausch trägt mich weg, in eine reine und heile Welt,
wo endlich nur die Liebe zählt!

(Gedicht einer Betroffenen)


0 Einleitung

Die Erfahrung von sexuellem Missbrauch in der Kindheit ist ein schwerwiegendes Ereignis in der Lebensgeschichte eines Menschen und bewirkt in der Regel ein tiefes psychisches Trauma mit erheblichen Folgewirkungen. Kinder, die sexuell ausgebeutet wurden, kommen nicht aus Randgruppen der Gesellschaft. Sexueller Missbrauch an Säuglingen, Kindern und Jugendlichen ist in allen Gesellschaftsschichten anzutreffen. Zerstörtes Selbstwertgefühl und ein abstraktes Verhalten zum eigenen Körper können sich daraus entwickeln. (vgl. Bütow Seminar 2004)
Heute ist bekannt, dass sexueller Missbrauch ist für viele Mädchen und Jungen ein alltägliches Problem. Die meisten Menschen allerdings nehmen dies vor erst durch Veröffentlichung spektakuläre Fälle zur Kenntnis. Taten, die allgemein Entsetzen, Betroffenheit und Hilflosigkeit auslösen. Aber auch gegenteilige Reaktionen sind mir bei Recherchen zu dieser Arbeit begegnet, wie hilfloses Achselzucken und schnelles Ablenken von der Thematik.
Als Außenstehender neigt man viel leichter dazu, sich „raus“ zuhalten. Man kann sich nicht vorstellen, dass Eltern oder Verwandte, oder Menschen überhaupt so etwas tun. Das schmerzt in der eigenen Seele, allein die Vorstellung davon tut weh. Darum ist es leichter wegzuschauen, sich nicht zu äußern und das grausame Geschehen bei den „Anderen“ zu lassen. Mir ging es ähnlich, aber gerade darum habe ich mich mit diesem Thema auseinandergesetzt.
Da ich meine Vordiplomarbeit über die Entstehung zu Abhängigkeitserkrankungen von psychotropen Substanzen, speziell von Alkoholismus geschrieben habe „entdeckte“ ich einen wahrscheinlichen Zusammenhang zwischen Sucht und sexuellem Missbrauch. Ich möchte darum in dieser Hausarbeit untersuchen, ob eine Abhängigkeitserkrankung auch die Folge sexuellen Missbrauchs im Kindes- und Jugendalter sein kann? Bedeutet das, das viele sexuell missbrauchte Menschen suchtgefährdet sind? Ist sexueller Missbrauch ein Auslöser für Sucht? Welche Bedeutung hat für diesen Prozess der Umgang mit dem Missbrauch? Wie können die Folgen einer solchen Tat für den betroffenen Menschen eingedämmt, oder verhindert werden?
Ich werde mich nicht mit den Ursachen und den Tätern beschäftigen, sondern ausschließlich mit den Opfern. Meine Ausgangsthese ist, das sexueller Missbrauch im Spannungsfeld eines Familiensystems in Korrelation mit dem direkten sozialen Umfeld passiert und geduldet wird. Im günstigen Fall sind wissende, helfende Zeugen da, die zur Aufdeckung beitragen und dem Opfer beistehen.
Diese Zeugen sind Personen im Umfeld des Kindes, die das Unrecht als solches wahrnehmen, dem Kind seine Gefühle bestätigen, es halten, begleiten und lieben. Diese wissenden Zeugen sind entscheidende Begleiter der Opfer auf ihrem Entwicklungsweg für die Bearbeitung der Tat und für ihre Heilung. Ihre Rolle ist enorm ausgleichend und kann die Folgen der Tat sogar ausheilen. (vgl. #7, S.63/64, 2004)
Vorab sind jedoch Begriffe zu klären und Grundaussagen zum sexuellen Missbrauch und zur Abhängigkeitserkrankung zu klären.
Zur besseren Lesbarkeit habe ich für diese Arbeit ausschließlich die männliche Form gewählt. Ich beschreibe damit jedoch allumfassend beide Geschlechter, sowohl den männlichen als auch den weiblichen Personenkreis der Betroffenen.


I Sexueller Missbrauch


1.1. Definition

„Es gibt in der Literatur viele Definitionen, die in der Regel eine Gemeinsamkeit aufweisen. Alle beschreiben „ein Gefälle (…) im Hinblick auf Alter, Reife oder Macht (…), und das es sich um sexuelle Übergriffe handelt, die meist gegen den Willen des Kindes erfolgen.“ (#7, S. 12, 2004). Eine Definition, auf die häufig in der Literatur verwiesen wird ist die von Schechter und Roberge (1976). Sie definiert sexuelle Misshandlung „als die Inanspruchnahme von abhängigen, entwicklungsmäßig unreifen Kindern und Jugendlichen für sexuelle Handlungen, die sie nicht gänzlich verstehen, in die einzuwilligen sie in dem Sinne außerstande sind, da sie nicht die Fähigkeit haben, Umfang und Bedeutung der Einwilligung zu erkennen, oder die sozialen Tabus von Familienrollen verletzen“. (#14, S. 14, 2004)

Wobei ich kritisch zu der Begrifflichkeit „unreif“, im Sinne von nicht altersgerecht entwickelt, Widerspruch anmelde. Die Betroffenen sind in ihrer allgemeinen Entwicklung nicht unreif oder zurückgeblieben und sind durchaus im Stande das Unrecht zu fühlen, was ihnen passiert. Sie können es nur nicht bewusst einordnen und wahrnehmen, weil meist eine enge Beziehung zu den Tätern besteht. Diese kommen nicht selten aus dem unmittelbaren Umfeld, wie Familie oder Verwandtschaft oder Freundeskreis. Den Opfern ist es unmöglich, zumindest bis zu einem bestimmten Alter, das Unrecht als solches wahrzunehmen und zu benennen. Sie befinden sich in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihren Tätern, das überlebensnotwendig ist, und mit Drohungen und Schuldzuweisungen genährt wird. Die Körperwahrnehmung des Kindes ist dabei real, so real und schmerzhaft, dass sie nicht integriert werden kann in die Kognition der kindlichen Wahrnehmung. Das ist auch der Grund dafür, dass die emotionale Wahrnehmung von der körperlichen Wahrnehmung abgespalten wird, um diesen Widerspruch und die Verletzung aushalten zu können.

Sexuelle Misshandlung ist eine Generationsschranken grenzüberschreitende sexuelle Aktivität eines Erwachsenen gegenüber einem Minderjährigen unter Ausnutzung seiner Macht- (Autoritäts-)Position. Folgende Formen sind bekannt (vgl. #3, 2004):
1. Belästigung,
2. Masturbation,
3. Penetration (genital, anal, oral),
4. sexuelle Nötigung,
5. Vergewaltigung sowie
6. sexuelle Ausbeutung durch Nötigen von Minderjährigen zu pornographischen Aktivitäten und Prostitution

 

[...]



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