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Schmuggel als ökonomisches Phänomen

Title: Schmuggel als ökonomisches Phänomen

Diploma Thesis , 2006 , 74 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Diplom-Volkswirt Sebastian Thieme (Author)

Business economics - Economic Policy
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Summary Excerpt Details

Der Titel dieser Arbeit mag im ersten Moment vielleicht etwas verwundern, haftet doch dem Begriff Schmuggel intuitiv etwas Geheimnisvolles und Abenteuerliches an. Allerdings handelt es sich gleichzeitig um ein allgegenwärtiges und aktuelles Thema – sei es in Form des Menschenschmuggels an den Grenzen der EU und USA, im Zusammenhang mit womöglichem Waffenschmuggel im Libanon oder bezüglich des Tank-Tourismus an der sächsischen Grenze zu Polen. Außerdem spielt der Schmuggel unter (wirtschafts-) historischen Gesichtspunkten keine untergeordnete Rolle – etwa im Zusammenhang mit der Jakobiterbewegung in England oder mit der Kolonialisierung Amerikas und dem damit verbundenen Freibeutertum. Jenseits der Geschichtswissenschaften beschäftigen sich aber auch andere wissenschaftliche Disziplinen mit diesem Begriff oder sind – zwangsläufig – mit ihm konfrontiert, z.B. in der Kriegsursachenforschung oder in der (wirtschafts-) politischen Analyse von Sanktionswirkungen; selbst einige makro-ökonomische Wohlfahrtsanalysen widmen sich speziell diesem Phänomen. Die Aktualität und die wissenschaftliche Relevanz dieses Themas sollten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die tatsächliche wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Schmuggel in Grenzen hält. Hinzu kommt, dass die entsprechenden Artikel häufig nur spezielle Aspekte des Schmuggels beleuchten oder einfach nur zeit-punktuelle Zustände beschreiben. Insofern fehlt es leider auch an einer allgemeinen Betrachtung, die sich des Phänomens Schmuggel einmal in genereller Weise annimmt. Eine solche grundlegende Erörterung wäre schon deshalb notwendig, weil der Begriff Schmuggel zwar rege verwendet, aber kaum reflektiert wird.
Genau diesen kritischen Diskurs möchte die vorliegende Arbeit liefern. Dabei soll gezeigt werden, dass sich hinter der landläufigen Bezeichnung Schmuggel verschiedene Phänomene verbergen, welche hauptsächlich – aber nicht nur – der informellen Wirtschaft zuzurechnen sind. Insofern möchte diese Arbeit auch um ein anderes Verständnis des Begriffs Schmuggel werben – nämlich Schmuggel als Form des informellen Handels, über den sich somit auch ein Fenster zur informellen Wirtschaft öffnet. Darauf aufbauend werden im Kapitel C verschiedene reale Formen und Ausprägungen des informellen Handels vorgestellt. Weiterhin soll dabei der Frage nachgegangen werden, was sich am informellen Handel über die Zeit hinweg verändern kann und welche Entwicklungstendenzen beobachtbar sind.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A Einleitung

B Was ist Schmuggel?

B.1 Der Begriff

B.2 Kritischer Diskurs

B.2.1 Inhärente Probleme des Begriffs

B.2.2 Erweiterte Kritik

B.3 Schmuggel als informeller Handel

C Empirie: Informeller Handel & Veränderung

C.1 Einleitende Vorbemerkungen

C.2 Beispiele

C.2.1 Schmuggel in Mexiko (1981-1996)

C.2.2 Schmuggel in Südwest-Kamerun

C.2.2.1 Fallstudie: Benzinschmuggel (Mamfe)

C.2.2.2 Prostitution und Schmuggel

C.2.2.3 Erläuterungen

C.2.3 Alkoholschmuggel (Südafrika)

C.2.4 Schmuggel und Krieg (Balkan)

C.2.4.1 Hintergrund und Vorkriegsphase

C.2.4.2 Die Serbische Seite während des Krieges

C.2.4.3 Die bosnische Situation anhand der Belagerung Sarajevos

C.2.4.4 Nachkriegsphase

C.2.4.5 Anmerkungen und Bewertung

C.2.5 Drogenhandel in Rondônia (Brasilien)

C.2.6 Schmuggel und Jakobitertum

C.3 Beobachtbare Tendenzen

C.3.1 Grundmerkmale und Veränderung

C.3.2 Die Persistenz des informellen Handels

C.3.3 Weitere Auffälligkeiten

C.3.4 Entwicklungstendenzen

D Informeller Handel aus evolutorischer Sicht

D.1 Zur Theoriefähigkeit des informellen Handels

D.2 Was ist Evolutorik?

D.2.1 Charakter und Grundbegriffe der Evolutorik

D.2.2 Entstehung und Ausbreitung von Neuheit

D.2.3 Institutioneller Wandel (Skizze)

D.3 Evolutorische Elemente des informellen Handels

D.3.1 Vorbemerkung

D.3.2 Aspekte der Selektion

D.3.3 Gesellschaftliche und individuelle Institutionen

D.3.4 Evolutorische Aspekte der Persistenz

E Zusammenfassung

F Kritische Reflexion und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht Schmuggel als ein ökonomisches Phänomen und plädiert für ein Verständnis als informellen Handel, um die Komplexität und die dynamischen Veränderungsprozesse dieses Bereichs besser erfassen zu können, wobei insbesondere die evolutorische Ökonomik als Erklärungsansatz herangezogen wird.

  • Kritische Analyse und Neudefinition des Schmuggelbegriffs
  • Empirische Untersuchung von Fallbeispielen zu informellem Handel (u.a. Mexiko, Kamerun, Balkan, Südafrika)
  • Systematisierung der Grundmerkmale und Veränderungstendenzen des informellen Handels
  • Anwendung der evolutorischen Ökonomik auf informelle Handelsprozesse
  • Erklärung von Persistenz und Wandel informeller Strukturen durch evolutorische Mechanismen

Auszug aus dem Buch

C.2.3 Alkoholschmuggel (Südafrika)

Ebenfalls auf Afrika bezieht sich ein Artikel von ERASMUS (1994), wobei er konkret auf die Verflechtungen und Entwicklungen des Alkoholschmuggels in Südafrika eingeht.90 Vom Hintergrund her ist es notwendig zu wissen, dass es der schwarzen Bevölkerung vor Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts nicht erlaubt war, ein legales Alkoholgeschäft zu betreiben. Seitens der schwarzen Bevölkerung fanden diese Tätigkeiten somit im informellen Bereich statt, wo der Handel mit Alkohol über sogenannte Shebeens abgewickelt wurde.91 An den nötigen Alkohol gelangten die Shebeen-Händler über Weiße, die den Alkohol legal beziehen durften. Der so erworbene Alkohol wurde dann in den Tankstellen der weißen Bezirke geparkt und am Abend abgeholt. Dies besaß verschiedene Vorteile. Einerseits errichtete die Polizei am Abend keine Straßensperren; die legalen Getränkeläden waren zu dieser Zeit ohnehin geschlossen. Und andererseits erschienen Autos, die Tankstellen anfuhren, nicht als sonderlich auffällig. Allerdings kam die Polizei bald dahinter: In der Folge errichtete sie auch in der Nacht Straßensperren und überwachte Tankstellen. Daraufhin änderte sich nun wiederum die Strategie der Schmuggler.

Fortan verteilten sie den Alkohol über verschiedene Fahrzeuge. Dabei wurde jedoch ein Fahrzeug als rosa Elefant hergerichtet – mit leeren Flaschen beladen, steuerte dieses gezielt die Tankstellen an. Die Schmuggler versuchten die so provozierten Polizeikontrollen in die Länge zu ziehen, während sich die anderen mit Alkohol beladenen Fahrzeuge bemühten, unbehelligt zu den Shebeens zu gelangen. Andere Strategien setzten beim Alkoholtransport auf Kinder, die – minderjährig und in Schuluniformen – von der Polizei unbelästigt blieben. In Form von Fußball spielenden Kindern wurden sie auch als Wachposten eingesetzt. Weil die Gefahr, von der Polizei aufgegriffen zu werden, trotzdem noch gegeben war und in diesem Fall der gefundene Alkohol beschlagnahmt wurde, hielten die Shebeen-Händler jeweils nur einen Tagesbedarf an Alkohol.

Zusammenfassung der Kapitel

A Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, problematisiert den Schmuggelbegriff als unterkomplex und skizziert das Vorhaben, Schmuggel als Form des informellen Handels zu begreifen.

B Was ist Schmuggel?: Das Kapitel liefert eine kritische begriffliche Herleitung, diskutiert Mängel bisheriger Schmuggeldefinitionen und entwickelt die Grundlage für das Verständnis von Schmuggel als informellen Handel.

C Empirie: Informeller Handel & Veränderung: Auf Basis verschiedener Fallstudien analysiert dieses Kapitel empirisch die Erscheinungsformen, Grundmerkmale und Wandlungsprozesse des informellen Handels.

D Informeller Handel aus evolutorischer Sicht: Dieses Kapitel überträgt Konzepte der evolutorischen Ökonomik auf den informellen Handel, um dessen Entstehung, Persistenz und Wandel theoretisch zu erklären.

E Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zur Neudefinition des informellen Handels und dessen evolutorische Fundierung.

F Kritische Reflexion und Ausblick: Das Schlusskapitel reflektiert den methodischen Ansatz, diskutiert die Grenzen der Arbeit und zeigt Anknüpfungspunkte für zukünftige Forschungen auf.

Schlüsselwörter

Schmuggel, Informeller Handel, Evolutorische Ökonomik, Institutioneller Wandel, Schwarze Märkte, Korruption, Ressourcenallokation, Transaktionskosten, Selektion, Pfadabhängigkeit, Netzwerkökonomie, Sozialkapital, Schattenökonomie, Transformation, Reziprozität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit untersucht Schmuggel nicht als isoliertes kriminelles Delikt, sondern als komplexes wirtschaftliches Phänomen, das tief in die informelle Wirtschaft eingebettet ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die begriffliche Präzisierung von Schmuggel als informeller Handel, die Analyse empirischer Fallbeispiele aus verschiedenen Regionen und die theoretische Fundierung durch die evolutorische Ökonomik.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Wandlungsfähigkeit und Persistenz informeller Handelsstrukturen zu entwickeln, die sich durch herkömmliche ökonomische Modelle oft nur unzureichend erklären lassen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der theoretische Grundlagen der Institutionenökonomik und evolutorischen Ökonomik mit der empirischen Auswertung von Fallstudien und historischer Literatur kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Nach einer kritischen Begriffsklärung werden empirische Fallbeispiele – unter anderem aus Mexiko, Kamerun, Bosnien-Serbien und dem historischen England – analysiert, um Grundmerkmale wie Waren, Nachfrage, Technik, Organisation und Geschäftsfelder zu extrahieren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind informeller Handel, Schmuggel, evolutorische Ökonomik, Selektion, Institutionen, Netzwerkökonomie und Sozialkapital.

Welche Rolle spielt die Korruption bei Schmuggelaktivitäten?

Der Autor zeigt auf, dass Korruption oft eine notwendige Schnittstelle zwischen informellen Netzwerken und dem formellen Staatsapparat darstellt und somit eine zentrale Rolle bei der Etablierung und Aufrechterhaltung illegaler Geschäfte spielt.

Warum ist der Begriff des "Staatsschmuggels" so relevant?

Der Staatsschmuggel verdeutlicht, dass Schmuggelaktivitäten keineswegs immer gegen den Staat gerichtet sein müssen, sondern dass staatliche Akteure selbst aktiv als Koordinator oder Begünstigter in illegale Handelsnetzwerke eingebunden sein können.

Wie erklärt die Arbeit das Überleben von Schmuggelnetzwerken nach Liberalisierungen?

Das Phänomen der Persistenz wird damit erklärt, dass solche Netzwerke eine hohe Anpassungsfähigkeit besitzen, indem sie ihre Geschäftsfelder diversifizieren, ihr Sozialkapital nutzen und sich als Überlebensstrategie in instabilen ökonomischen Umfeldern etablieren.

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Details

Title
Schmuggel als ökonomisches Phänomen
College
University of Leipzig  (Institut für Wirtschaftspolitik)
Grade
1,3
Author
Diplom-Volkswirt Sebastian Thieme (Author)
Publication Year
2006
Pages
74
Catalog Number
V118130
ISBN (eBook)
9783640220335
ISBN (Book)
9783640222681
Language
German
Tags
Schmuggel Phänomen Evolutionsökonomik Informelle Wirtschaft Evolutorik Institutionen Kultur Ethik Moral
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplom-Volkswirt Sebastian Thieme (Author), 2006, Schmuggel als ökonomisches Phänomen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118130
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