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Scholary Paper (Seminar), 2004, 31 Pages
Author: lic.phil. Caroline Seeger-Herter
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Basel (Institut für Germanistik)
Tags: Intertextualität, Achim, Arnims, Novelle, Raphael, Nachbarinnen, Seminar, Thema, Künstlernovellen
Year: 2004
Pages: 31
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 21 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-22096-0
ISBN (Book): 978-3-640-22306-0
File size: 231 KB
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Abstract
In seiner 1824 publizierten Novelle „Raphael und seine Nachbarinnen“ wählte Achim von Arnim einen Stoff - den Künstler Raffael , dessen Leben und Werk - welches sich vor ihm schon zahlreiche Schriftsteller bedient hatten. In dieser Arbeit soll es deshalb darum gehen, einige der dem Text Arnims zugrundeliegenden Quellen nachzuweisen und ihren Einfluss auf die struktur- und interpretationsbildenden Momente in der Novelle zu analysieren. In ihrem Aufsatz von 1995 haben Ralf Simon und Malte Stein in diesem Sinne bereits zwei bedeutende Intertextualitäten - W.H. Wackenroders „Herzergiessungen“ und F. Schlegels Aufsatz „Vom Raffael“ – erläutert und die Wichtigkeit solcher Betrachtungen für die Auslegung dieser Novelle aufgezeigt. Auf die beiden von ihnen bearbeiteten Quellen wird im Rahmen dieser Arbeit nicht mehr näher eingegangen, stattdessen sollen aber die Einflüsse der kleineren Schriften Winckelmanns und eines Kapitels aus Giorgio Vasaris „Biographien berühmter Künstler“ auf die Arnimsche Erzählung eingehender behandelt werden. Dabei muss man unterstreichen, dass die Reihenfolge der Kapitel in dieser Arbeit nicht der Chronologie der Erscheinungen der zugrundegelegten Hypotexte entspricht, sondern dass die Intertextualität mit Winckelmanns Schriften, welche sich eindeutiger auf die Binnengeschichte in Arnims Novelle bezieht und deshalb einfacher zu fassen ist, vor Vasaris Biographie betrachtet werden soll.
Excerpt (computer-generated)
Universität Basel
Zur Intertextualität in Achim von Arnims Novelle "Raphael und seine Nachbarinnen"
Caroline Seeger
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 1
1.1 Fragestellung und Aufbau der Arbeit ... 1
1.2 Zu den Begriffen in dieser Arbeit ... 2
2 Intertextualität mit J.J. Winckelmann ... 4
2.1 Winckelmanns kleine Schriften im Überblick ... 4
2.2 Winckelmanns Ideen in Arnims Novelle ... 5
3 Intertextualität mit G. Vasari ... 16
3.1 Vasaris Raffael-Kapitel im Überblick ... 16
3.2 Vasaris Ideen in Arnims Novelle ... 16
4 Schlusswort ... 24
Bibliographie ... 28
1 Einleitung
1.1 Fragestellung und Aufbau der Arbeit
In seiner 1824 publizierten Novelle „Raphael und seine Nachbarinnen“1 wählte Achim von Arnim einen Stoff - den Künstler Raffael2, dessen Leben und Werk - welches sich vor ihm schon zahlreiche Schriftsteller bedient hatten.3 In dieser Arbeit soll es deshalb darum gehen, einige der dem Text Arnims zugrundeliegenden Quellen nachzuweisen4 und ihren Einfluss auf die struktur- und interpretationsbildenden Momente in der Novelle zu analysieren. In ihrem Aufsatz5 von 1995 haben Ralf Simon und Malte Stein in diesem Sinne bereits zwei bedeutende6 Intertextualitäten7 - W.H. Wackenroders „Herzergiessungen“8 und F. Schlegels Aufsatz „Vom Raffael“ – erläutert und die Wichtigkeit solcher Betrachtungen für die Auslegung dieser Novelle aufgezeigt. Auf die beiden von ihnen bearbeiteten Quellen wird im Rahmen dieser Arbeit nicht mehr näher eingegangen, stattdessen sollen aber die Einflüsse der kleineren Schriften Winckelmanns9 und eines Kapitels aus Giorgio Vasaris „Biographien berühmter Künstler“10 auf die Arnimsche Erzählung eingehender behandelt werden. Dabei muss man unterstreichen, dass die Reihenfolge der Kapitel in dieser Arbeit nicht der Chronologie der Erscheinungen der zugrundegelegten Hypotexte11 entspricht, sondern dass die Intertextualität mit Winckelmanns Schriften, welche sich eindeutiger auf die Binnengeschichte in Arnims Novelle bezieht und deshalb einfacher zu fassen ist, vor Vasaris Biographie betrachtet werden soll.
1.2 Zu den Begriffen in dieser Arbeit
Literatur ist zu allen Zeiten intertextuell gewesen, aber es fehlte lange ein umfassender literaturtheoretischer Begriff für die Bezeichnung „aller Bezüge von Texten auf Texte“.12
Man begnügte sich damit, die verschiedenen Arten der Intertextualität mit Termini wie Zitat, Allusion (Anspielung), Travestie, Cento, Parodie, Kontrafaktur etc. zu belegen.13
Erst Michaïl Bachtins14 Theorie der Dialogizität15 in Texten führte in die Nähe des Intertextualitätsbegriffs, der Ende der 60er Jahre von Julia Kristeva eingeführt wurde. Ihrem Werk „Séméiotiké“ liegt eine globale Konzeption der Intertextualität zugrunde, nach der jeder Text in möglichst all seinen Elementen explizit oder implizit auf andere Texte verweist oder aus Echos anderer Texte besteht. 16
Dieser globalen Definition der Intertextualität hat Roland Barthes das Bild eines Raumes verliehen, „in dem die Echos unzähliger Texte unaufhörlich und unzertrennbar voneinander widerhallen.“17 „Diese Auffassung setzt aber zugleich voraus, dass alles Intertext ist und es nichts ausserhalb des Universums der Texte gibt.“18
Während es bei diesem weiten Verständnis der Intertextualität eher um den dynamischen und prozessualen Charakter der Literatur im Allgemeinen ging, versuchte Gérard Genette, indem er den Begriff eingrenzte, diesen operationalisierbar zu machen und eine Systematik der Beziehungen zwischen konkreten Texten auszuarbeiten.19 Er schuf mit Transtextualität einen Oberbegriff, der fünf Untergruppen umfasst:
- Architextualität: Es handelt sich hierbei um Elemente und Strukturen im Text, welche diesen in eine Gattung oder sonstige übergreifende Kategorie einschreiben.
- Paratextualität: Unter diesem Begriff werden Informationen und Mitteilungen zusammengefasst, welche man in einem anderen Text über den Text findet. Diese können in einem Peritext, welcher relativ fest an den „zu interpretierenden“ Text gebunden ist (cf. Titel, Vor- und Nachwort etc.), stehen oder in einem Epitext ausserhalb des Textes zu finden sein (cf. Briefe, Interviews, Tagebücher).
- Intertextualität: Dieser Begriff wird bei Genette ausschliesslich den effektiven Erscheinungsformen eines Textes in einem anderen zugeordnet, also dem Zitat, dem Plagiat, der Anspielung und der Referenz.
- Metatextualität: Darunter versteht Genette den (kritischen) Kommentar eines Textes durch einen anderen.
- Hypertextualität: Diese Erscheinungsform der Transtextualität bezeichnet die komplette Umformung eines Ausgangstextes mittels der Technik der Transformation oder Imitation.20
[...]
1 In dieser Arbeit wird, wenn nicht anders angemerkt, der Text nach folgender Ausgabe zitiert: Arnim (von), Achim : Raphael und seine Nachbarinnen, in: Arnim (von), Achim: Erzählungen, Stuttgart 1991, S. 293-394 (=Reclam UB 1505)
2 Die Orthographie des Namens Raffael folgt in dieser Arbeit folgendem Prinzip: Ist die biographische Person gemeint, wird die Schreibweise mit doppeltem „f“ gewählt, für die fiktive Person in Arnims Novelle hingegen diejenige mit „ph“.
3 Für eine Liste dieser Autoren, v.a. derjenigen aus dem deutschsprachigen Gebiet, cf. u.a. Frenzel, Elisabeth : Stoffe der Weltliteratur , S. 666-667 und Schumacher, Nicole: Pas de deux von Geist und Leben. In: Schudry, Gudrun / Götze, Martin (Hg.): Buchperson, Büchermenschen, Würzburg 2000, S. 127-129 und z.T. auch Mazza, Donatella: „La più innocente delle anime“. Achim von Arnim e la figura di Raffaelo artista-romantico, In: Pensiero religioso e forme letterarie nell’età classicistico-romantica, Pasian di Prato 1996, S. 115 -133
4 Zu den Hypotexten und ihrer „Beweisbarkeit“, cf. Kapitel 1.2
5 Simon, Ralf / Stein, Malte: Zur Intertextualität in Arnims Raphael-Erzählung, In: Athenäum. Jahrbuch der Romantik 5 (1995), S. 293-317
6 Die Herzergiessungen sind sogar in einer expliziten Referenz erwähnt
7 Zu den Begriffen in dieser Arbeit, cf. Kapitel 1.2
8 Vollständiger Titel dieses Werkes: Wackenroder, W.H./ Tieck, L. : Herzergiessungen eines kunstliebenden Klosterbruders
9 Betrachtet werden die 1755 erschienenen Texte mit den Titeln „Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst“, „Sendschreiben über die Gedanken von der Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst“, „Erläuterungen der Gedanken von der Nachahmung der griechischen Werke in Malerei und Bildhauerkunst“, in folgender Ausgabe: Winckelmann, J.J.: Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst, Stuttgart 1969 (=Reclam UB 8338)
10 Titel der Originalausgabe: „Vite de’ piu eccellenti architetti, pittori, et scultori italiani, da Cimabue insino a’ tempi nostri“, in folgender Übersetzung mit Bezug auf die zweite Auflage von 1568: Vasari, G.: Das Leben von Lionardo da Vinci, Raffael von Urbino und Michelagnolo Buonarroti (sic), Stuttgart 1996 (=Reclam UB 9467)
11 Zu den Begriffen in dieser Arbeit, cf. Kapitel 1.2
12 Artikel zur Intertextualität, In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft, S. 177
13 Lachmann, Renate: Intertextualität, In: Ricklefs, Ulfert (Hg): Das Fischer Lexikon Literatur, Frankfurt a. M. 2000, Bd.2, S. 794
14 Die Schreibweise dieses Namens variert in den verschiedenen Artikeln. Es wurde hier diejenige gewählt, welche in den deutschen Texten zur Intertextualität am häufigsten gebraucht ist.
15 Für eine Zusammenfassung dieser Theorie, cf. Piégay-Gros, N.: Introduction à l’intertextualité, Paris 1996, S. 24-29
16 Artikel zur Intertextualität, In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft, S. 175 & 177
17 ibid. S. 179
18 ibid. S. 176
19 www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/epik/intertextg.htm, 12.12.03
20 Die Beschreibung dieser fünf Typen der Transtextualität erfolgt in: Genette,G.: Palimpsestes. La littérature au second degré, Paris 1982, S. 7-14
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