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Examination Thesis, 2007, 75 Pages
Author: Markus Friedrich
Subject: English Language and Literature Studies - Comparative Literature
Details
Institution/College: LMU Munich (Department für Anglistik)
Tags: Lieben, Konstitution, Transformation, Liebesideals, Frühen, Neuzeit, Verhandlung, Werken, Shakespeares, Liebe, Begehren, Englischen, Literatur
Year: 2007
Pages: 75
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 50 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-22236-0
File size: 361 KB
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Abstract
With love’s light wings did I o’erperch these walls, For stony limits cannot hold love out, And what love can do, that dares love attempt: Therefore thy kinsmen are no stop to me. (II.ii.66-69) Diese Worte richtet Romeo in der berühmten Balkonszene von Shakespeares Tragödie Romeo and Juliet an seine Angebetete, als er sein kühnes Eindringen in den Garten ihrer Eltern rechtfertigt. Romeo verkörpert den Idealtyp des sogenannten courtly lovers, der sich in eine, gewöhnlich, unerreichbare Frau verliebt hat, sie ohne Rücksicht auf sich selbst anbetet und aufgrund der Nicht-Erfüllung seiner Sehnsucht zum Leiden gezwungen wird. Mag diese Liebesauffassung auch einem heutigen Leser etwas befremdlich erscheinen, so galt sie noch im 17. Jahrhundert als Prototyp der vollkommenen Liebe. Die Ursprünge dieser Liebesform reichen bis in die spätklassische Zeit der griechischen Geschichte zurück, als sich vor allem Platon und dessen Schüler Aristoteles mit den Begriffen Liebe und Freundschaft auseinander setzten und ihre Anschauungen der Nachwelt überlieferten. Im 11. Jahrhundert etablierte sich in der Provence abrupt die troubadour poetry, die unter Bezugnahme auf platonisches Gedankengut die courtly love propagierte. In der Folgezeit entstanden zahlreiche literarische Werke, die sich jenem Liebesideal verschrieben und es auf ihre individuelle Art vertraten. Vor allem der Einfluss des Italieners Francesco Petrarca im 14. Jahrhundert galt als stilprägend, weshalb nun der petrarkistische Liebende als der typische courtly lover gesehen wurde. In seiner Tragödie Romeo and Juliet verhandelt William Shakespeare die Tradition der höfischen Liebe, wendet sich jedoch wenige Jahre später einer neueren und zeitgenössischen Liebessemantik zu, der worldly love. Deren Ursprung reicht ebenfalls bis in die Antike zurück, allerdings stellt sie den Genuss des Partners in den Vordergrund.
Excerpt (computer-generated)
Ludwig-Maximilians-Universität München
Zulassungsarbeit
Lieben und Lieben lassen - Die Konstitution und Transformation des Liebesideals der Frühen Neuzeit und dessen Verhandlung in charakteristischen Werken Shakespeares
Markus Friedrich
Inhaltsverzeichnis
1. Ursprung und Wandel des Liebesideals der Frühen Neuzeit ... 4
2. Entwicklung und Systematisierung von Liebeskonzepten ... 5
2.1 Platonische und aristotelische Kosmologie ... 6
2.1.1 Große Kette der Wesen ... 7
2.1.2 Platonische Liebesvorstellung ... 8
2.2 Wandel des Liebesideals ... 10
2.2.1 Petrarkistische Einflüsse ... 12
2.2.2 Courtly love ... 14
2.2.3 Worldly love ... 15
2.3 Funktionalisierung der Liebe ... 16
2.3.1 Liebessemantik im Mittelalter ... 17
2.3.2 Von der Idealisierung zur Paradoxierung ... 18
3. Realisierung der Liebestypen in A Midsummer Night’s Dream ... 20
3.1 Vertreter der amore contemplativo ... 22
3.1.1 Oberon und Titania ... 22
3.1.2 Theseus und Hippolyta ... 25
3.2 L’amore onesto und ihre Darsteller ... 26
3.2.1 Lysander und Hermia ... 27
3.2.2 Demetrius und Helena ... 29
3.3 L’amore lascivo: Bottom und Titania ... 31
4. Verhandlung der Liebeskonzepte in Shakespeares Tragödien ... 33
4.1 Idealtyp der courtly love: Romeo and Juliet ... 34
4.1.1 Romeos Beziehung zu Rosaline ... 36
4.1.2 Romeos Reifung durch Juliets Einfluss ... 37
4.1.3 Juliets Erwiderung der Liebe ... 41
4.1.4 Vereitelung des Liebesglücks ... 43
4.1.4.1 Unverständnis und Hilflosigkeit der Autoritäten ... 43
4.1.4.2 Fate als bestimmende Macht ... 46
4.1.5 Vollendung der Liebesbeziehung im Tod ... 47
4.2 Übergang zur worldly love: Antony and Cleopatra ... 49
4.2.1 Einfluss der römischen ratio: Antony in Rom ... 51
4.2.1.1 Machtpolitische Interessen ... 52
4.2.1.2 Interpenetration von virtus und voluptas ... 54
4.2.2 Im Bann der voluptas: Cleopatras Ägypten ... 55
4.2.2.1 Genusssucht und Refugium ... 55
4.2.2.2 Cleopatras Persönlichkeit ... 57
4.2.3 Charakteristika der Liebesbeziehung ... 60
4.2.3.1 Misstrauen und Zweifel am Liebesverhältnis ... 62
4.2.3.2 Tod als einziger Ausweg ... 65
5. Resumée ... 67
Bibliographie ... 70
1. Ursprung und Wandel des Liebesideals der Frühen Neuzeit
With love’s light wings did I o’erperch these walls,
For stony limits cannot hold love out,
And what love can do, that dares love attempt:
Therefore thy kinsmen are no stop to me.
(II.ii.66-69)1
Diese Worte richtet Romeo in der berühmten Balkonszene von Shakespeares Tragödie Romeo and Juliet an seine Angebetete, als er sein kühnes Eindringen in den Garten ihrer Eltern rechtfertigt. Romeo verkörpert den Idealtyp des sogenannten courtly lovers, der sich in eine, gewöhnlich, unerreichbare Frau verliebt hat, sie ohne Rücksicht auf sich selbst anbetet und aufgrund der Nicht-Erfüllung seiner Sehnsucht zum Leiden gezwungen wird. Mag diese Liebesauffassung auch einem heutigen Leser etwas befremdlich erscheinen, so galt sie noch im 17. Jahrhundert als Prototyp der vollkommenen Liebe. Die Ursprünge dieser Liebesform reichen bis in die spätklassische Zeit der griechischen Geschichte zurück, als sich vor allem Platon und dessen Schüler Aristoteles mit den Begriffen Liebe und Freundschaft auseinander setzten und ihre Anschauungen der Nachwelt überlieferten. Im 11. Jahrhundert etablierte sich in der Provence abrupt die troubadour poetry, die unter Bezugnahme auf platonisches Gedankengut die courtly love propagierte. In der Folgezeit entstanden zahlreiche literarische Werke, die sich jenem Liebesideal verschrieben und es auf ihre individuelle Art vertraten. Vor allem der Einfluss des Italieners Francesco Petrarca im 14. Jahrhundert galt als stilprägend, weshalb nun der petrarkistische Liebende als der typische courtly lover gesehen wurde. In seiner Tragödie Romeo and Juliet verhandelt William Shakespeare die Tradition der höfischen Liebe, wendet sich jedoch wenige Jahre später einer neueren und zeitgenössischen Liebessemantik zu, der worldly love. Deren Ursprung reicht ebenfalls bis in die Antike zurück, allerdings stellt sie den Genuss des Partners in den Vordergrund.
Die vorliegende Arbeit zeichnet die Entstehungsgeschichte und Systematisierung der beiden Liebeskonzepte nach, indem zunächst die Grundlagen für das Verständnis dieser Ideale erläutert werden. Im Vordergrund stehen dabei die platonische und aristotelische Kosmologie sowie die Liebesauffassung Platons. Der bereits erwähnte Einfluss Petrarcas führt dann zur Differenzierung von courtly love und worldly love. Mit dem Soziologen Niklas Luhmann wird die Diskussion auf den Bereich der Funktionalisierung der Liebessemantik verlegt. Entscheidend ist hierbei die Bedeutung der Liebe im Mittelalter und der Wandel, der im 17. Jahrhundert stattfand, nämlich der Übergang von der Idealisierung des Liebesbegriffs zur Paradoxierung.
Nach diesen theoretischen Überlegungen konzentriert sich die Untersuchung auf Shakespeares Dramen. Die Komödie A Midsummer Night’s Dream exemplifiziert auf anschauliche Weise das Spektrum der Liebesformen. Ausgehend von Platon und ergänzt durch Petrarcas Vorstellungen, wird eine Einteilung der Liebe in drei Arten vorgenommen, denen die im Stück agierenden Liebespaare zugeordnet werden können. Es sei an dieser Stelle vorab darauf hingewiesen, dass die einzelnen Paare nicht in jeder Hinsicht mit den Merkmalen der jeweiligen Kategorie konform gehen, sondern lediglich die unterschiedlichen Liebestypen veranschaulichen und charakterisieren. Im nächsten Schritt erfolgt der Transfer dieser Liebesarten auf das Ideal der courtly love anhand der eingangs erwähnten Tragödie Romeo and Juliet. Durch die Analyse der Liebenden, der Gesellschaft, sowie des Schicksals und des Todes, soll Shakespeares Umgang mit der Liebestradition dargestellt werden. Als Gegenstück dazu beinhaltet eine weitere Liebestragödie Shakespeares, Antony and Cleopatra, die Vorstellung der worldly love. Das Hauptaugenmerk soll hierbei vor allem auf den Antagonismus zwischen Rom und Ägypten gerichtet sein, welcher symbolhaft die Vernunft der Leidenschaft gegenüberstellt. Antonys innere Zerrissenheit, Cleopatras Hadern mit ihrem Schicksal und das daraus resultierende gegenseitige Misstrauen verdeutlichen die fundamentale Veränderung der zugrundegelegten Liebesauffassung und stehen Pate für die beginnende Veränderung der Liebessemantik zu Beginn der Moderne.
2. Entwicklung und Systematisierung von Liebeskonzepten
Um den Ursprung der courtly love zu verstehen ist ein Blick auf die neoplatonische Seins- und Ordnungsvorstellung erforderlich, von der sich besagtes Liebesideal ableitet.2 Hierfür wird im Folgenden in knapper Form die Kosmologie Platons dargestellt und darauf aufbauend die aristotelische Vorstellung der Kette der Wesen erläutert. Dieses Modell bildet, zusammen mit der platonischen Aufspaltung der Liebe in zwei Ebenen, die Grundlage für das Welt- und Liebesverständnis der Gesellschaft des Mittelalters. Unter diesen theoretischen Voraussetzungen konnte die courtly love entstehen, die, vor allem angereichert durch Petrarcas Gedankengut, noch zu Shakespeares Zeit Bestand hatte. Dem gegenüber steht die worldly love, welche von anderen Wertvorstellungen ausgeht und gleichsam eine modernere Liebesform ausdrückt.
[...]
1 Vgl. William Shakespeare. Romeo and Juliet. Ed. Brian Gibbons. London 2004.
2 Vgl. Wolfgang Weiß. Das Drama der Shakespeare-Zeit. Versuch einer Beschreibung. Stuttgart/Berlin 1979, 158.
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