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Verbesserung des sozialen Klimas durch Interaktionen in einer wöchentlichen Klassenratstunde eines dritten Schuljahres

Examination Thesis, 2008, 49 Pages
Author: Silke Kaiser
Subject: Pedagogy - School Pedagogics

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2008
Pages: 49
Grade: 1,2
Bibliography: ~ 60  Entries
Language: German
Archive No.: V119701
ISBN (E-book): 978-3-640-22953-6

File size: 10629 KB

Abstract

Mit dem Stichwort „Klassenrat“ werden häufig Aussagen, wie „Zeit für Gespräche in der Klasse“, „Mit Kindern ins Gespräch kommen“ und „Den Kindern das Wort geben“ assoziiert. Dabei ist die Forderung, den Kindern lediglich Zeit für mehr Kommunikation über Probleme zu ermöglichen, zu einseitig formuliert. Vielmehr bedarf es dabei der Fokussierung auf die gemeinsame Veränderung des Umgangs miteinander, des Lernklimas, der Klassenkultur und der Schulkultur, um so die Integration dieses Lerngegenstands in den Schulalltag zu ermöglichen. In der heutigen Zeit werden vielfältige Erwartungen an die Schule gerichtet, den Kindern einen wichtigen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen, den Lernstoff zu vermitteln und gleichzeitig ein Auffangbecken für Sorgen und Probleme darzustellen. Dabei stelle ich mir die Frage, wie diese Vereinbarung im unterrichtlichen Alltag zu realisieren sind und wo Schule Freiräume für die Belange der Kinder schaffen kann, in denen sie ihre Vorstellungen von Leben und Zusammenleben artikulieren können! Der Klassenrat stellt dabei eine Konstruktion von Erwachsenen für Schüler dar, die ihnen ein Forum für Besprechung von alltäglichen Konflikten im Kontext des sozialen Lernens auf der Grundlage der Beteiligung an der Planung und Gestaltung des Schulalltags bieten soll. Unterstützt durch den Anspruch der Lehrpläne, Kompetenzen der Kinder im sozialen Kontext aufzubauen, um Anforderungen für die Interaktion im Zwischenmenschlichen Bereich zu erfüllen, wird neben kognitiven Fähigkeiten auch die Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen der Schüler angestrebt. Im Referenzrahmen des Instituts für Qualitätsentwicklung in Hessen wird diese Forderung verstärkt und formuliert im Qualitätsbereich 5, dass Schule als Ort des sozialen Umgangs, geregelten Zusammenlebens und demokratischer Beteiligung erfahren werden soll und dass Unterricht einen sozialen Prozess darstellt, dem ein bestimmter Rahmen geboten werden muss (Bereich 6). Neben einer angemessenen Unterrichtsplanung erscheint es mir demnach sinnvoll, dass die Einführung von Institutionen, wie dem Klassenrat, soziales Lernen in der Klassengemeinschaft initiiert und als tragende Säule eines harmonischen Lernklimas fungieren kann.


Excerpt (computer-generated)

Schriftliche Arbeit zur Zweiten Staatsprüfung
für das Lehramt an Grundschulen im Land Hessen

eingereicht:
dem Studienseminar für Grund-, Haupt-, Real-, und Förderschulen in
Korbach (Außenstelle Borken)

Verbesserung des sozialen Klimas durch Interaktionen in einer wöchentlichen Klassenratstunde eines dritten Schuljahres

Silke Kaiser

 

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung ... 1

2. Theoretische Grundlagen ... 3

2.1 Das soziale Lernen ... 3
2.2 Das „soziale Klima“ einer Lerngruppe ... 4
2.3 Die Klasse als zentraler Ort des sozialen Lernens ... 5
2.4 Der Klassenrat als interaktive Praxis ... 7
    2.4.1 Reformpädagogische Wurzeln ... 7
    2.4.2 Rahmenbedingungen und Voraussetzungen ... 8
    2.4.3 Begründung und Zielsetzung ... 9

3. Entwicklung und Durchführung des Klassenrats in der Lerngruppe ... 10

3.1 Lerngruppenbeschreibung und Lernausgangslage ... 10
    3.1.1 Allgemeine Lernbedingungen ... 10
    3.1.2 Spezielle Lernbedingungen ... 11
        3.1.2.1 Das „soziale Klima“ der Lerngruppe ... 11
3.2 Didaktische Begründungen des Vorhabens ... 14
    3.2.1 Gegenwarts- und Zukunftsperspektive ... 14
    3.2.2 Bezüge zum Rahmenplan, dem Bildungs- und Erziehungsplan von 0-10 Jahren sowie den Bildungsstandards im Fachbereich Deutsch ... 16
3.3 Gestaltung des Klassenrats und methodische Vorgehensweise ... 17
    3.3.1 Regeln ... 18
    3.3.2 Rolle der Lehrperson ... 19
    3.3.3 Ämtervergabe ... 19
    3.3.4 Interaktionen ... 19
3.4 Übersicht der geplanten Teilvorhaben ... 21
3.5 Lernziele des Vorhabens ... 21
3.6 Überprüfung der angestrebten Ziele ... 22

4. Reflektierende Dokumentation und Auswertung des Unterrichtsvorhabens ... 22

4.1 Durchführung des Klassenrats ... 22
    4.1.1 Einführungsstunde ... 22
    4.1.2 Weitere Durchführung ... 23
    4.1.3 Zwischenreflexion und Ausblick ... 26
4.2 Auswirkungen auf die Lerngruppe ... 27

5. Resümee und Ausblick ... 28

 

 

1. Einleitung


„Sonja hat gesagt, dass sie nicht mehr meine Freundin sein will!“1

So und ähnlich sehen die alltäglichen Beschwerden der Kinder eines dritten Schuljahres aus, die an mich als LiV der Heiligenbergschule in Gensungen herangetragen werden und meist sofortige Anhörung sowie zeitgleiche Klärung abverlangen.
Ständige Streitereien im Schulalltag, ganz besonders nach den Pausen, belasten den Unterricht der Lerngruppe und lassen oftmals keinen ungestörten Unterrichtseinstieg zu. Emotionen werden in Form von Empörung, Trauer, Ärger, Wut aber ebenso durch Überheblichkeit, Ignoranz und Stärke symbolisiert. Eine Stimmung, die es mir oft unmöglich macht meinen Unterricht zu beginnen. Ein täglicher Gewissenskonflikt geht mit der Entscheidung einher, den Unterricht trotzdem zu beginnen oder den Kindern Zeit für die Lösungsfindung einzuräumen. Die Position der Schiedsrichterin stellt meine Geduld jeden Tag aufs Neue auf die Probe, da die Gewissheit einer wiederkehrenden Situation am Folgetag die Lösung des aktuellen Falls belastet. Zudem wirken sich diese Alltagskonflikte am Unterrichtsbeginn negativ auf die gesamte Lernatmosphäre und das Klassenklima2 aus, was sich auch im Sozialverhalten der Kinder widerspiegelt. Diesbezüglich beobachte ich besonders im Konflikt- und Kontaktverhalten sowie der Bereitschaft zur Kooperation und Verantwortungsübernahme bei einigen Schülern3 Defizite (vgl. 3.1.2.1).
Um der Konfliktlösung in Zukunft gerecht zu werden, damit einhergehend den Unterricht zu entlasten und die Gruppenentwicklung innerhalb der Klasse zu fördern, muss zielsetzend das soziale Lernen im Schulalltag angestrebt werden.
Für mein Unterrichtsvorhaben wähle ich daher den Klassenrat, als eine Möglichkeit zur Förderung der Lerngemeinschaft und des Sozialverhaltens. Woraus sich das Thema „Verbesserung des sozialen Klimas durch Interaktionen in einer wöchentlichen Klassenratstunde eines dritten Schuljahres“ entwickelte. Mit dem Stichwort „Klassenrat“ werden häufig Aussagen, wie „Zeit für Gespräche in der Klasse“, „Mit Kindern ins Gespräch kommen“ und „Den Kindern das Wort geben“4 assoziiert. Dabei ist die Forderung, den Kindern lediglich Zeit für mehr Kommunikation über Probleme zu ermöglichen, zu einseitig formuliert. Vielmehr bedarf es dabei der Fokussierung auf die gemeinsame Veränderung des Umgangs miteinander, des Lernklimas, der Klassenkultur und der Schulkultur, um so die Integration dieses Lerngegenstands in den Schulalltag zu ermöglichen.5 In der heutigen Zeit werden vielfältige Erwartungen an die Schule gerichtet, den Kindern einen wichtigen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen, den Lernstoff zu vermitteln und gleichzeitig ein Auffangbecken für Sorgen und Probleme darzustellen. Dabei stelle ich mir die Frage, wie diese Vereinbarung im unterrichtlichen Alltag zu realisieren sind und wo Schule Freiräume für die Belange der Kinder schaffen kann, in denen sie ihre Vorstellungen von Leben und Zusammenleben artikulieren können! Der Klassenrat stellt dabei eine Konstruktion von Erwachsenen für Schüler dar, die ihnen ein Forum für Besprechung von alltäglichen Konflikten im Kontext des sozialen Lernens auf der Grundlage der Beteiligung an der Planung und Gestaltung des Schulalltags bieten soll.6
Unterstützt durch den Anspruch der Lehrpläne7, Kompetenzen der Kinder im sozialen Kontext aufzubauen, um Anforderungen für die Interaktion im Zwischenmenschlichen Bereich zu erfüllen8, wird neben kognitiven Fähigkeiten auch die Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen der Schüler angestrebt. Im Referenzrahmen des Instituts für Qualitätsentwicklung in Hessen wird diese Forderung verstärkt und formuliert im Qualitätsbereich 5, dass Schule als Ort des sozialen Umgangs, geregelten Zusammenlebens und demokratischer Beteiligung erfahren werden soll und dass Unterricht einen sozialen Prozess darstellt, dem ein bestimmter Rahmen geboten werden muss (Bereich 6).9 Neben einer angemessenen Unterrichtsplanung erscheint es mir demnach sinnvoll, dass die Einführung von Institutionen, wie dem Klassenrat, soziales Lernen in der Klassengemeinschaft initiiert und als tragende Säule eines harmonischen Lernklimas fungieren kann. Daraus ergeben sich bezüglich meiner angeführten Defizite im Lernklima folgende Fragen, die ich versuche im Laufe meiner Ausführungen zu durchleuchten, zu beantworten oder weiterzuentwickeln:

1. Inwieweit gelingt es, durch ausgewählte Interaktionen in der wöchentlichen Klassenratstunde das soziale Klima zu verbessern?
2. Welche Auswirkungen, im Hinblick auf die Persönlichkeitsentwicklung, sind bei der Lerngruppe zu beobachten?

Die vorliegende Arbeit ist in fünf Kapitel unterteilt und soll im Anschluss an diese Einleitung im zweiten Kapitel den Aspekt des sozialen Lernens im theoretischen Kontext sowie im Hinblick auf das „soziale Klima“ einer Lerngruppe aufzeigen und die Klasse als zentralen Ort des sozialen Lernens definieren. Dabei werde ich den Klassenrat als eine Form der Konfliktlösung in der Grundschule herausstellen und einleitend auf historischer Basis seine reformpädagogischen Wurzeln, die damit verbundenen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen sowie seine Begründung und Zielsetzung beschreiben. Das dritte Kapitel hat die Entwicklung des Klassenrats in der Unterrichtspraxis zum Schwerpunkt und soll meine Folgerungen aus den theoretischen Ansätzen für die Durchführung darstellen. Basierend auf der Lernausgangslage und der didaktischen Begründung des Vorhabens, zeige ich die Gestaltung des Klassenrats und die methodische Vorgehensweise auf. Daran schließt die Übersicht über die geplanten Teilvorhaben und die Lernziele sowie deren Überprüfung an10. In der reflektierenden Dokumentation und Auswertung des Unterrichtsvorhabens des vierten Kapitels beschreibe und reflektiere ich die Durchführung des Klassenrats im Hinblick auf die gewählten Interaktionen sowie die Auswirkungen auf die Lerngruppe. Den Abschluss der Arbeit bilden schließlich mein Resümee, als zusammenfassenden Überblick über die gewonnen Erkenntnisse sowie der Ausblick für die Weiterarbeit.


2. Theoretische Grundlagen


2.1 Das soziale Lernen


„Lernen, miteinander besser umzugehen. Sich einander besser verstehen. Zuhören, was der andere meint. Diskutieren, ohne dabei zu streiten. Einander helfen, wenn man in Not ist.“11

Diese Aussage eines Schülers ermöglicht einen authentischen Einblick in dessen Vorstellung von einem angemessenen Umgang miteinander auf der Basis sozialer Verhaltensweisen und Bildung sozialer Werthaltungen.12 Für mich verdeutlicht sie in wenigen Worten, was soziales Lernen im schulischen Kontext ausmacht und wie es zu verstehen ist. Als Ausgangspunkt schulischer Lernprozesse wird im Zeichen der Zeit (vgl. 3.2.1) die Bedeutung und Notwendigkeit sozialen Lernens angeführt, das sowohl von Theoretikern als auch von Praktikern als Zielsetzung in den schulischen Kontext gerückt wurde.13 Da die Schule nicht nur einen Lernort, sondern auch einen wichtigen Lebensort für die Kinder darstellt, ist es bedeutend, wichtige Lernchancen im Lebensort Schule „für die Entwicklung des Selbst, des sozialen Verstehens, des Denkens und des moralischen Urteilens“ 14 zu bieten. Die Entwicklung sozialer Kompetenzen wird in das Blickfeld gerückt und die Notwendigkeit sozialen Lernens einmal mehr formuliert.

 

[...]


1 Aussage von Linda, einem Mädchen aus der Lerngruppe. Aus Datenschutzgründen wurden alle Namen geschlechtsspezifisch anonymisiert!
2 Siehe Anhang A3: Auswertung des Fragebogens zum Klassenklima (vgl.www.blk-demokratie.de/Demokratie- Baustein „Selbstevaluation“).
3 Im Rahmen der gesamten Arbeit wird ein maskuliner Duktus verwendet, um das Lesen und Schreiben zu erleichtern.
4 Vgl. Glänzel (1995), S. 31-43.
5 Vgl. www.blk-demokratie.de.
6 Vgl. de Boer (2006), S. 11.
7 Rahmenplan Grundschule, Bildungs- und Erziehungsplan von 0-10 Jahren und Bildungsstandards.
8 Vgl. BEP (2007), S. 42.
9 Vgl. www.iq.hessen.de
10 Diese basieren auf eigenen Empirien – wie der teilnehmenden Beobachtungen, einem Fragebogen zum Klima, einer schriftlichen sowie mündlichen Reflexion und ermöglichen einen Einblick in die Unterrichtspraxis.
11 Keller/Hafner (1999), S. 9.
12 Vgl. Ebd.
13 Vgl. Korte (1997), S. 15f.
14 Faust-Siehl (2001), S. 237.


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