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Seminararbeit, 2006, 15 Seiten
Autor: Cand. phil. Eric A. Leuer
Fach: Filmwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Universität Wien (Institut für Zeitgeschichte)
Tags: Einführung, Filmtheorie, Voyeurismus, Hitchcock, Rear Window, Fenster zum Hof
Jahr: 2006
Seiten: 15
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 16 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-24004-3
ISBN (Buch): 978-3-640-24434-8
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Zusammenfassung / Abstract
Alfred Hitchcocks „Rear Window“ aus dem Jahr 1954 ist sicherlich einer seiner bekanntesten Filme. Er basiert auf einer Kurzgeschichte von Cornell Woolrich und gilt als einer der typischsten Hitchcocks, er selbst bezeichnete ihn als „die Möglichkeit, einen vollkommen filmischen Film zu machen“ . Dennoch war „Rear Window“ gemeinsam mit vier weiteren Werken der Öffentlichkeit lange Zeit nicht zugänglich. Hitchcock selbst hatte die Rechte an den Filmen zurückgekauft und sie als Erbe an seine Tochter vermachen wollen. Erst 1984 wurden die fünf „verlorenen“ Hitchcocks wieder aufgeführt, was ihnen einen außerordentlichen Schub an Popularität verlieh. Unabhängig davon ist „Rear Window“ ein bemerkenswerter Film. Vordergründig ein Thriller, beschäftigt er sich mit Voyeurismus, männlichen Sichtweisen, Entwicklung von Weiblichkeit, Wahrnehmung von eigener Identität, ist aber auch rein technisch ein grandioses Meisterwerk, das vielleicht sogar der beste Hitchcock sein mag. Laura Maulvey stellte in den 70er Jahren die Theorie auf, daß Hollywood-Kino in erster Linie von Männern für Männern gemacht ist und cineastische Darstellung auf Gewaltdarstellungen reduziert, die meist gegen Frauen gerichtet sind; die Frau somit als bloßes Objekt männlichen Sadismus und Voyeurismus, als dingliches „Eigentum“ des Mannes dargestellt und somit passiv als Zuseherin in eben eine solche, minderwertige Rolle gedrängt wird . Hitchcocks filmisches Konzept, psychologische Interpretationen mit der Hilfe von „Thrill“ und „Suspense“ zu verkaufen, widerspricht dabei Mulveys Theorie, im Falle von Rear Window sogar in vollkommener Hinsicht, denn hier ist es eine Frau die (zuletzt sogar buchstäblich) die „Hosen an hat“ und nicht nur einen Mörder sondern auch einen heiratsunwilligen Junggesellen „überlistet“ . „Rear Window“ ist also ein Film, der sich auf den ersten Blick mit männlichen Sichtweisen beschäftigen mag, tatsächlich aber von weiblicher Durchsetzungskraft in einer männlich dominierten Welt handelt.
Textauszug (computergeneriert)
Eric A. Leuer
Analyse dinglicher und bildlicher Quellen
Einführung in die feministische Filmtheorie
Sommersemester 2006
Hausarbeit
,,To See You Is To Love You"
Zur Rolle des Voyeurismus in Alfred Hitchcocks
,,Rear Window"
(Das Fenster zum Hof)
2
Inhalt
I. Einleitung 3
II. Die Geschichte von ,,Rear Window" 4
III. Besetzung der Hauptrollen 4
A. James Stewart 4
B. Grace Kelly 6
IV. Die Anfangssequenz 7
V. Zur Rolle des Voyeurismus 9
VI. Schluß 12
VII. Bibliographie 14
3
I. Einleitung
Alfred Hitchcocks ,,Rear Window"1 aus dem Jahr 1954 ist sicherlich einer seiner bekanntesten
Filme. Er basiert auf einer Kurzgeschichte von Cornell Woolrich2 und gilt als einer der typischsten
Hitchcocks, er selbst bezeichnete ihn als ,,die Möglichkeit, einen vollkommen filmischen Film zu
machen"3. Dennoch war ,,Rear Window" gemeinsam mit vier weiteren Werken4 der Öffentlichkeit
lange Zeit nicht zugänglich. Hitchcock selbst hatte die Rechte an den Filmen zurückgekauft und sie
als Erbe an seine Tochter vermachen wollen. Erst 1984 wurden die fünf ,,verlorenen" Hitchcocks
wieder aufgeführt, was ihnen einen außerordentlichen Schub an Popularität verlieh.
Unabhängig davon ist ,,Rear Window" ein bemerkenswerter Film. Vordergründig ein Thriller,
beschäftigt er sich mit Voyeurismus, männlichen Sichtweisen, Entwicklung von Weiblichkeit,
Wahrnehmung von eigener Identität, ist aber auch rein technisch ein grandioses Meisterwerk, das
vielleicht sogar der beste Hitchcock sein mag.
Laura Maulvey stellte in den 70er Jahren die Theorie auf, daß Hollywood Kino in erster Linie von
Männern für Männern gemacht ist und cineastische Darstellung auf Gewaltdarstellungen reduziert,
die meist gegen Frauen gerichtet sind; die Frau somit als bloßes Objekt männlichen Sadismus und
Voyeurismus, als dingliches ,,Eigentum" des Mannes dargestellt und somit passiv als Zuseherin in
eben eine solche, minderwertige Rolle gedrängt wird5 .
Hitchcocks filmisches Konzept, psychologische Interpretationen mit der Hilfe von ,,Thrill" und
,,Suspense" zu verkaufen, widerspricht dabei Mulveys Theorie, im Falle von Rear Window sogar in
vollkommener Hinsicht, denn hier ist es eine Frau die (zuletzt sogar buchstäblich) die ,,Hosen an
hat" und nicht nur einen Mörder sondern auch einen heiratsunwilligen Junggesellen ,,überlistet"6 .
,,Rear Window" ist also ein Film, der sich auf den ersten Blick mit männlichen Sichtweisen
beschäftigen mag, tatsächlich aber von weiblicher Durchsetzungskraft in einer männlich
dominierten Welt handelt.
1 In Deutschland unter dem Titel ,,Das Fenster zum Hof" ausgestrahlt.
2 Woolrich, Cornell, Das Fenster zum Hof und vier weitere Kriminalstories (OT.: Rear Window), Zürich, 1989.
3 Truffaut, Francois, Mr. Hitchcock, wie haben sie das gemacht?, München, 1973, S.211.
4 Es handelt sich um: ,,Rope" (Cocktail für eine Leiche) von 1948, ,,The Trouble With Harry" (Immer Ärger mit
Harry), von 1955, der zweiten, amerikanischen Version von ,,The Man Who Knew Too Much" (Der Mann der zuviel
wusste) von 1956 und ,,Vertigo" (Aus dem Reich der Toten) von 1958.
5 Vgl. dazu: Mulvey, Laura, Visual Pleausure and Narrative Cinema. Screen 16, Nr.3, 1975, S. 6 ff.
Sowie: Modleski, Tania, The women who knew too much, New York, 1989, S.1.
6 Obwohl Mulvey einen äusserst umfangreichen Rahmen klassischer Hollywoodfilme zur Begründung ihrer Thesen
heranzieht, widmet sie ,,Rear Window" lediglich einen einzigen, kurzen Paragraphen. Dies erscheint angesichts der
Bedeutung des Films seltsam, kann aber durchaus daran liegen, dass Mulvey den Film als ungenügenden, weil
widersprüchlichen Beleg zu ihrer These sieht.
4
II. Die Geschichte von ,,Rear Window"
Der Fotoreporter L. B. Jeffries7 , von seinen Freunden Jeff genannt, hat sich bei einem Unfall ein
Bein gebrochen und ist dadurch für einige Wochen an den Rollstuhl gebunden. Bei erdrückend
schwüler Hitze verbringt er die Tage in seiner Wohnung im New Yorker Stadtteil Greenwich
Village, die er aufgrund seiner Behinderung nicht verlassen kann. Geplagt von erdrückender
Langeweile bekommt er nur regelmäßige Besuche von seiner Pflegerin Stella8 und seiner Freundin
Lisa Fremont9 , die verzweifelt versucht ihn zu einem Eheversprechen zu bewegen. Jeff beobachtet
unterdessen die umliegenden Wohnungen und ,,schnüffelt" im Privatleben seiner Nachbarn herum.
Dabei kommt er zu dem Verdacht, daß der Handlungsreisende Lars Thorwald10 seine bettlägerige,
kranke Frau ermordet hat, da diese plötzlich verschwunden ist. Er versucht Lisa und den
befreundeten Polizisten Tom Doyle11 von seiner Vermutung zu überzeugen, jedoch glaubt ihm
zunächst niemand. Doch schliesslich lassen sich seine Pflegerin und seine Freundin auf seine These
ein und unterstützen Jeff, indem sie für ihn die Spuren suchen, die er aufgrund seiner Behinderung
nicht sammeln kann. Als Lisa in Thorwalds Wohnung eindeutige Beweise findet, bemerkt dieser,
daß als auch von wem er beobachtet wird und versucht Jeff in einem nächtlichem Attentat
umzubringen, indem er ihn aus exakt dem Hinterhoffenster stürzt, welches Jeffs Beobachtungen
gedient hat. Gerade rechtzeitig wird Thorwald festgenommen, Jeff stürzt jedoch dennoch in den
Hinterhof und bricht sich das zweite Bein. Der Film endet damit, dass Jeff nun mit zwei Gipsbeinen
im Rollstuhl sitzt, von Lisa jedoch so sehr beeindruckt ist, dass er ihrem Werben nachgibt und einer
Heirat zustimmt.
III. Besetzung der Hauptrollen
A. James Stewart12
James ,,Jimmy" Stewart wurde am 20. Mai 1908 in India, Pennsylvania geboren und gilt bis
heute als einer der herausragendsten Schauspieler des Hollywood-Kinos. Zumeist war er die
,,ideale Verkörperung des anständigen Amerikaners"13 , obwohl seine wahrscheinlich besten
Filme diesem Image nicht entsprechen.
7 James Stewart.
8 Thelma Ritter.
9 Grace Kelly.
10 Raymond Burr.
11 Wendell Corey.
12 Vgl.: http://www.rasscass.com/templ/te_bio.php?PID=266&RID=1 .
13Gadenstätter, Lisa, Die Darstellung der Frau bei Alfred Hitchcock, dargestellt am Beispiel Rear Window, Wien,
2001, S.78.
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