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Östliche Weisheitslehren

Subtitle: Ein Sammelband von Vorträgen über Buddhismus

Textbook, 2008, 112 Pages
Author: Peter Grieder
Subject: Philosophy - Philosophy Beyond Occidental Tradition

Details

Category: Textbook
Year: 2008
Pages: 112
Language: German
Archive No.: V119991
ISBN (E-book): 978-3-640-23428-8
ISBN (Book): 978-3-640-23454-7
File size: 440 KB

Abstract

Daniel Aufschläger, der bekannte Tibetkenner, schreibt in der Publikation zum vierzigjährigen Jubiläum des Klösterlichen Tibet-Institutes in Rikon „Buddhismus und westliche Welt im Gespräch“: "Im Jahre 1980 übernahm Peter Grieder die Position des Kurators im Tibet-Institut. Er bildete sich autodidaktisch in Sachen Tibet weiter, unter anderem durch die Betreuung von Studentenarbeiten. Zu jungen Leuten fand er einen besonders guten Draht, denn er vermittelte den Buddhismus in einfachen Worten und in unserer Sprache; im Laufe der Jahre führte er Hunderte von Klassen durch das Tibet-Institut. Peter Grieder war ein begnadeter Kulturvermittler. Eine Schlüsselrolle bei seiner Tätigkeit nahm die Unterstützung einer Arbeit über das Tibetische Totenbuch ein. Dieses Thema begründete einen weiteren Schritt in seiner Laufbahn, nämlich als Referent im C.-G.-Jung-Institut. Seine Vortragstätigkeit über den Buddhismus führten in bald über die Landesgrenzen hinaus. Er fand auch Zeit, sich Buchprojekten zu widmen, davon zwei veritable Bestseller: „Buddhismus – eine atheistische Religion?“ und „Tibet – Land zwischen Himmel und Erde“. Peter Grieder wurde zu einem der bedeutetsten Vermittler des tibetischen Buddhismus in der Schweiz. Seine Kollegen im Stiftungsrat konnte er davon überzeugen, 1985 die erste Kalachakra-Initiation in Europa in Rikon zu organisieren, die ein voller Erfolg wurde. Obwohl selber kein Buddhist, hat er eine grosse Affinität zu dieser Religion, die eigentlich keine ist. Unter anderem fasziniert ihn, dass der Buddhismus nicht auf Glauben baut, sondern auf Logik und Erkenntnis: „Der Buddhismus ist einsichtig wie unsere Wissenschaft. So gibt es eine einfache Brücke zu unserer Geisteswelt. Das westliche Denken ist mit dem Buddhismus kompatibel.“ Im Alter von 77 Jahren trat Peter Grieder 2004 von seiner Funktion im Tibet-Institut zurück. Er setzt sich aber weiterhin aktiv mit philosophischen Fragen auseinander, unter anderem als Förderer des „World Spirit Forum Arosa“, das als spirituelles Gegenstück zum World Economic Forum Davos konzipiert wurde.


Excerpt (computer-generated)

Östliche Weisheitslehren - Peter Grieder


Der Text- und Bildautor Peter Grieder, Kurator des Klösterlichen Tibet-Institutes in Rikon

(Zürich) und Dozent am C.G. Jung-Institut in Küsnacht (Zürich), bietet mit diesem

sachkundigen Werk eine fruchtbare Begegnung zwischen Okzident und Orient an. Mit

sachkundigen Texten geleitet er den Leser und Betrachter von Bild zu Bild, so dass dieser

einem unsichtbaren inneren Faden entlang über die äußere Bilderwelt zu seinem eigenen

inneren Wesen gelangt. Mit wachsender Faszination wird er gewahr, dass er sich auf dem

,,Pfad der Erkenntnis" befindet.

Er lädt den Leser zu einer großen Reise ein, die im geheimnisvollen und sagenumwobenen

Hochland Tibet beginnt und in den Tiefen seines Herzens endet. Mit Blumen, Seen, Kindern

und Landschaften beginnt die Reise, mit dem Totenbuch der Tibeter endet sie. Sie führt

einem Mandala gleich von der Peripherie zum behüteten Geheimnis der Mitte. Schritt um

Schritt legt der Autor die buddhistische Erkenntnislehre dar, die kein ,,Glaubensbekenntnis"

ist, sondern vielmehr eine Lehre, die auf unmittelbarer Erkenntnis und Einsicht beruht und

keine ,,Gottesvorstellung" duldet. Er geleitet den Leser vom Ur-Buddhismus über die

späteren Formen bis zu magisch-tantrischen Spätform, wie sie in Tibet ihre letzte

Ausprägung gefunden hat. Mit ikonographischen, sehr gezielt ausgewählten Darstellungen

führt er in die tibetische Bilderwelt und damit in das ,,Weltbild" des Vajrayâna-Buddhismus

ein.

(Vorwort zum Bildband: *TIBET, LAND ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE*, Grin-Verlag, ISBN: 978-3-638-91326-3)


Zeichen B und D

Die Flagge Tibets

Ausgesprochen *bö" = TIBET

Tibeter ,,bö-pa"

Wenn die Eisenvögel fliegen

Und die Pferde auf Rädern rollen,

dann wird der Mann aus dem Schneeland

seine Heimat verlassen müssen wie die Ameisen,

und die Lehre wird den ,,rotwangigen Mann" erreichen.

(Padmasambhâva, Weissagung aus dem 8. Jahrhundert)

Dank der modernen Entwicklung im Verkehrs- und Kommunikationswesen ist die Welt

kleiner geworden. Heutzutage kann man Gegenden aufsuchen und den dort lebenden

Menschen begegnen, die sich früher weit abseits befanden, oder man kann zum mindesten

an den Erlebnissen der Weitgereisten teilhaben durch die Mittel der Photographie und der

Erzählung. Auf diese Weise kommen wir immer mehr zur Feststellung, dass die Menschen,

ungeachtet ihres geographischen Standortes und ihrer Kultur, sich im Grunde doch sehr

ähnlich sind. Alle sind wir auf der Suche nach dem Glück und wollen dem Leiden entfliehen,

das unser Menschsein umgibt, und so sind wir alle voneinander und erst recht von der

Umwelt abhängig.

Peter Grieder ist von seinem Zuhause in den Bergen Europas hinausgereist und hat in der

großen Welt des Himalajas Inspiration gefunden. Was die Menschen, die er in Ladakh,

Zanskar, Bhutan und Tibet traf, unter sich vereint, ist eine ausgeprägte Seelenstärke und

2


Genügsamkeit, die sie weitgehend aus einer gemeinsamen, im Buddhismus wurzelnden

Kultur schöpfen.

Eines der Hauptelemente der Lehren Buddhas liegt in der Bedeutung des inneren Weges.

Was wir auch immer für äußerliche Entwicklungen durchmachen in dieser Welt oder was für

wunderbare Dinge wir in ihr sehen mögen, ohne eine entsprechende innere Entfaltung

werden wir die Glückseligkeit, nach der wir streben, nie erlangen. In dem Maße jedoch, in

dem es uns gelingt, den inneren Weg zu gehen, ein warmes Herz für die anderen zu haben

und Ruhe für unseren Geist zu finden, liegt die wahre Hoffnung auf Frieden und Freude in

der Welt.

Dieses Buch ist allen suchenden Menschen gewidmet.

3


Der Begründer der Lehre, Siddhârta Gautama Buddha

Daniel Aufschläger

, der bekannte Tibetkenner, schreibt in der Publikation zum

vierzigjährigen Jubiläum des Klösterlichen Tibet-Institutes in Rikon ,,Buddhismus und

westliche Welt im Gespräch": ,,Schon in jungen Jahren übernahm Peter Grieder von seinem

früh verstorbenen Vater die Verantwortung für das Modehaus Grieder & Co. In Zürich. Mit

der tibetischen Kultur kam er in Kontakt, als er vom Roten Kreuz angefragt wurde, ob er

einen tibetischen Jungen, den heutigen Künstler Kesang Lamdark, mit dem Leben in der

Schweiz vertraut machen könne. Später stiess noch Loten Dahortsang zur unterdessen

achtköpfigen Familie.

Wie es der Zufall wollte, wurde mit dem Rücktritt Peter Grieders von der Leitung des

Modehauses im Jahre 1980 auch die Position des Kurators im Tibet-Institut frei. Er erhielt

die Stelle und bildete sich autodidaktisch in Sachen Tibet weiter, unter anderem durch die

Betreuung von Studentenarbeiten. Zu jungen Leuten fand er einen besonders guten Draht,

denn er vermittelte den Buddhismus in einfachen Worten und in unserer Sprache; im Laufe

der Jahre führte er Hunderte von Klassen durch das Tibet-Institut. Peter Grieder war ein

begnadeter Kulturvermittler.

Eine Schlüsselrolle bei seiner Tätigkeit nahm die Unterstützung einer Arbeit über das

Tibetische Totenbuch ein. Dieses Thema begründete einen weiteren Schritt in seiner

Laufbahn, nämlich als Referent im C.-G.-Jung-Institut. Seine Vortragstätigkeit über den

Buddhismus führten in bald über die Landesgrenzen hinaus. Er fand auch Zeit, sich

Buchprojekten zu widmen, davon zwei veritable Bestseller: ,,Buddhismus ­ eine atheistische

Religion?" und ,,Tibet ­ Land zwischen Himmel und Erde". Peter Grieder wurde zu einem

4


der bedeutetsten Vermittler des tibetischen Buddhismus in der Schweiz. Seine Kollegen im

Stiftungsrat konnte er davon überzeugen, 1985 die erste Kalachakra-Initiation in Europa in

Rikon zu organisieren, die ein voller Erfolg wurde.

Obwohl selber kein Buddhist, hat er eine grosse Affinität zu dieser Religion, die eigentlich

keine ist. Unter anderem fasziniert ihn, dass der Buddhismus nicht auf Glauben baut,

sondern auf Logik und Erkenntnis: ,,Der Buddhismus ist einsichtig wie unsere Wissenschaft.

So gibt es eine einfache Brücke zu unserer Geisteswelt. Das westliche Denken ist mit dem

Buddhismus kompatibel."

Im Alter von 77 Jahren trat Peter Grieder 2004 von seiner Funktion im Tibet-Institut zurück.

Er setzt sich aber weiterhin aktiv mit philosophischen Fragen auseinander, unter anderem

als Förderer des ,,World Spirit Forum Arosa", das als spirituelles Gegenstück zum World

Economic Forum Davos konzipiert wurde.


5


Inhaltsverzeichnis


Das Tibetanische Totenbuch spricht von 49 Tagen... 10

Die Bedeutung der Klöster für Tibet und seine Kultur 11

Die tibetische Kultur im Exil 11

Die tibetischen Flüchtlinge sind nicht mit leeren Händen gekommen 12

Zielsetzung und Wirken des Klösterlichen Tibet-Institutes in der Schweiz 12

Der klösterliche Alltag in Rikon 13

Die erste Generation der geflüchteten Tibeter im Schweizer Exil 14

Die Bedeutung der Arbeit für die Buddhisten - am Beispiel der Tibeter 14

Das Tibetanische Totenbuch 17

Das Totenbuch der Tibeter 20

Ist der Buddhismus eine atheistische Religion? 20

Tibetische Bildmeditation 22

Die Lehre Buddhas und das Bodhisattva-Ideal 23

Der Zeitbegriff in Ost und West 26

Die ′stehende Zeit′ 27

Der ′leere′ Raum 28

Buddhismus und das moderne Weltbild 29

Stellungnahme zur Schrift , ′Und der Dalai Lama lächelte..′ von

Bruno-Waldvogel-Frei 33

Der Zeitbegriff in Ost und West - Das Unendliche - einige Annäherungen 34

Der ′leere′ Raum 36


6


Die Buddhistische Erkenntnislehre 36

Der Kaiser Alexander und der Yogi 37

Der geheime tantrische Weg zur Erleuchtung 38

Samatha, der Meditationspfad zur geistigen Ruhe 39

Gedanken zum Thema ′Wiedergeburt′ 40

Der zyklische Zeitbegriff 41

Zur Diskussion mit Schülern: 42

Mandala, der Weg zur Mitte 43

DIE WELTWOCHE vom 13. Februar 2003 43

Beitrag von Lukas Lessing: ,,Der Schrein trügt" 43

Kinder sind Brücken zum Himmel 45

Einführung in Hermann Hesses Roman ′Siddhartha′ 52

Der historische Siddhartha Gautama Buddha 52

Der Sohn des Brahmanen 55

Bei den Samanas 56

Gotama 56

Erwachen 57

Kamala 57

Bei den Kindermenschen 58

Samsara 58

Am Flusse 58

Der Fährmann 59

Der Sohn 59

OM 60

Govinda 60

Gott im Buddhismus 62

Der Buddhismus und die Praxis der Gewaltfreiheit 64

7


Gesundheit und Selbstverantwortung im Buddhismus 67

Der Buddhismus ist kein Glaubensbekenntnis sondern eine Erkenntnislehre 67

′Die Vier Edlen Wahrheiten′: die Diagnose 68

Eröffnungsansprache ,WSF World Spirit Forum′ Arosa 73

Der ,blaue Planet′ 73

Katalog Basel, Einführung zur Tibet-Ausstellung 79

Exodus 79

Die Schweiz und die Flüchtlinge aus dem Schneeland 79

Projektionen, Illusionen und Überraschungen auf beiden Seiten 79

Der Bau des Klosters Rikon 80

Die Tibeter in der zweiten und dritten Generation, in der Schweiz und in Indien 80

Tibetischer Buddhismus im Exil 81

Buddhismus 81

Die zwei religiösen Strömungen der Menschheit 81

Der Zeitbegriff in Ost und West 82

Reinkarnation und Karma 83

Prinz Siddharta Gautama aus dem Geschlecht der Sakya 84

Die ′Vier Ausfahrten′ 84

Der Grosse Aufbruch 85

Die Sieben Lehrjahre 85

Die Erleuchtung 86

′Die Vier Edlen Wahrheiten′ 86

Der ′Achtgliedrige Pfad′ 87

Buddhismus, eine atheistische Religion? 89

Der Wandel von der ′Kleinen Lehre′ (Hinayana) 89

zur ′Grossen Lehre′ (Mahayana) 89

Vajrayana, das ′Diamantene Fahrzeug′ 90

NIRVANA 91

Ansprache Hochzeit Melanie und Damian 91

8


DS-Prävention in einem Heim für resozialisierte ehemalige Bettelkinder

(′Street Kids′) in Kathmandu, Nepal 92

Ausgangslage 92

Auftrag 92

Vorauszusehende Schwierigkeiten 93

Konzept 93

Dokumentation: 93

Durchführung: 94

1. Abend, Sexualaufklärung 94

2. Abend: AIDS-Prävention und Verhütungsmassnahmen 96

Lebenslauf und Abschiedsworte für Hans Peter 98

Wer bin ich? 99

Interview mit Stephan Mögle-Stadel 100

Ansprache Hochzeit Miriam und Matthias 103

Abdankung Florian Braun, 3. Januar 2001, Krematorium Rüti 105

9


Das Tibetanische Totenbuch spricht von 49 Tagen...

Unter den geheimen Lehren Tibets finden wir Überlieferungen, die sich mit dem Zustand

zwischen dem physischen Tod des Menschen und seinem neuen Erdenleben befassen. Die

Reise ins Jenseits beginnt mit dem letzten Atemzug. Der neben dem Sterbenden sitzende

Lama beobachtet, wie das Element Erde im Wasser versinkt, das Element Wasser im Feuer

aufgeht, das Element Feuer sich in Luft auflöst und das Element Luft in den leeren Raum

eingeht. Damit hat der Mensch sein Leben ausgehaucht und seine körperliche Hülle

verlasse. Der 49 Tage dauernde gefahrvolle Weg durch ′die grosse Nacht′ hat begonnen. Im

Gegensatz zu den Initiationen der Lebenden, die ja letztlich alle auf den Tod ausgerichtet

sind, bereitet diese auf die neue Geburt vor. Die Reise geht über die Wahrnehmung des

Grossen Urlichtes, gleitet dann langsam ab in Illusion und Trübung, um dann in einem

neuen Mutterschoss unterzugehen. Auf der ganzen Reise durch das Zwischenreich werden

wir von der Stimme des neben uns sitzenden Lamas begleitet. Letztlich, so denke ich, ist

das Totenbuch ein Buch für die Lebenden, die sich mit Hilfe dieses Buches auf den Tod, auf

das Jenseits, vorbereiten können.

Die 49 Tage sind wohl mystische Tage

Die sieben mal sieben Tage sind gewiss mystische Tage. Die Stunden im Traum

entsprechen ja auch nicht den Stunden am Tag.

Was hat das tibetische, ununterbrochen wiederholte Gebet OM MANI PADME HUM für eine

tiefere Bedeutung?

OM und HUM hat die Bedeutung unseres AMEN und kann nicht wörtlich übersetzt werden.

MANI dagegen bedeutet Juwel, und PADME Lotos. Das Juwel ist der Blütenstempel, der

Lotos die Blüte. Das Erstere steht für das männliche Prinzip in der Schöpfung, das Zweite

für das Weibliche. Beide zusammen verkörpert die ganze Wahrheit und verschwinden im

Nichts. Das männliche Prinzip verkörpert den Heilsweg, das weibliche Prinzip das Heilsziel,

nämlich das ′Erkennen der höchsten und letzten Wahrheit′ - wir würden es Gott nennen.

Weg und Ziel zusammen sind die ganze Wahrheit - und verschwinden im Nichts. Der

Heilsweg ist im Buddhismus barmherzige liebende Zuwendung zu allen fühlenden Wesen,

das Ziel ist die höchste Wahrheit.

Der Weg ist Liebe, das Ziel ist Gott

. Sind unsere

Religionen wirklich in ihrer Essenz soweit voneinander entfernt?

10



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