Scholarly Research Paper, 1993, 32 Pages
Author: Olaf Breuer
Subject: Engineering
Details
Tags: Lean, Production
Year: 1993
Pages: 32
Grade: 1
Bibliography: ~ 60 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-24877-3
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Abstract
Lean Production: Zielsetzung dieser Niederschrift ist, einen Überblick über Methoden und Elemente der Lean Production zu geben. Dabei besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit, was den üblichen Rahmen einer Studienarbeit sicherlich gesprengt hätte. Die Komplexität des Themas ist beispielhaft am umfangreichen Literaturverzeichnis abzulesen. Trotzdem habe ich versucht, wesentliche Punkte herauszuarbeiten und diese in kurzer Form schriftlich festzuhalten. Ergebnis: Handeln nach dem KAIZEN-PRINZIP, d.h. ständiges Bemühen um Verbesserung, VEREINFACHTE STRUKTUREN in allen Unternehmensbereichen, STRATEGISCHE ALLIANZEN eingehen
Excerpt (computer-generated)
FH Aachen
Fachbereich Maschinenbau
Lean Production
Studienarbeit von Olaf Breuer
Dezember 1993
2
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung
3
2. Grundlagen der Lean Production
4
2.1 Begriffsbestimmung
4
2.2 Die Entwicklung der industriellen Produktion
5
2.3 Lean Production - Ein Überblick
7
3. Elemente der Lean Production
8
3.1 Das schlanke Management
8
3.2 Der Mensch in der Lean Production
11
3.3 Zulieferer in schlanken Systemen
14
3.4 Die schlanke Fertigung
16
3.5 Integrierte Produktentwicklung in der Lean Production
18
3.6 Der Kunde und die Lean Production
20
4. Zusammenfassung und Ausblick
22
Anhang
24
A.1 Literaturverzeichnis
25
3
Einleitung
1. Einleitung
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine Studienarbeit, die von mir
Olaf Breuer
an der Fachhochschule Aachen erstellt wurde.
Zielsetzung dieser Niederschrift ist, einen Überblick über Methoden und Elemente der Lean
Production zu geben. Dabei besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit, was den üblichen
Rahmen einer Studienarbeit sicherlich gesprengt hätte. Die Komplexität des Themas ist
beispielhaft am umfangreichen Literaturverzeichnis abzulesen.
Trotzdem habe ich versucht, wesentliche Punkte herauszuarbeiten und diese in kurzer Form
schriftlich festzuhalten.
Zons, den 01.12.1993
Olaf Breuer
4
Grundlagen und Begriffsbestimmung
2. Grundlagen der Lean Production
In diesem Kapitel werden die Grundlagen der Lean Production dargelegt.
2.1 Begriffsbestimmung
Der Begriff "lean production" kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt "magere
Herstellung" bzw. "schlanke Produktion".
Er steht, wie wir im späteren noch sehen werden, eigentlich nur als Synonym für das von Eiji
Toyoda und Taiichi Ohno nach dem 2. Weltkrieg bei der "Toyota Motor Company"
eingeführte Produktionssystem.
Durch die im Deutschen oft fälschliche Auslegung des Begriffs "production" als "Fertigung",
wird das Konzept der Lean Production häufig zu sehr auf den reinen Herstellprozeß bezogen.
In der Literatur über diese japanischen Unternehmenskultur findet man häufig andere
Begriffe, die jedoch im Grunde alle die gleichen thematischen Ansätze beinhalten.
Beispiele hierfür sind:
·World Class Manufacturing
·Schlanke Produktion
·Schlanke Fertigung
·Lean Management
·Einfache Produktion
·Das ganzheitliche Unternehmen
Mittlerweile kann man von einer richtigen "Lean-Welle" sprechen, da der Begriff Lean mit
vielen anderen Bereichen einer Unternehmung verknüpft wird, wie z. B. "Lean Controlling",
"Lean Organization", "Lean Personal Management", "Lean Office" oder "Lean Management".
Vom Ursprung her sind all diese Teilgebiete jedoch schon in der Lean Production inbegriffen,
so daß ich mich in den folgenden Kapiteln an den Oberbegriff "Lean Production1" halten
werde.
1In Anbetracht der Eindeutschung dieses Begriffes werde ich mich auch an die im Deutschen übliche
Großschreibung halten.
5
Die Entwicklung der industriellen Produktion
2.2 Die Entwicklung der industriellen Produktion
Aus heutiger Sicht kann man drei Phasen der industriellen Produktion herausstellen, die
jedoch nicht klar abzugrenzen sind, sondern teilweise zeitparallel verliefen.
Die älteste Art der Produktion ist die der
rein handwerklichen Fertigung
. Sie wurde bis zum
Ende des ersten Weltkriegs ausschließlich praktiziert, danach fand man sie nur noch in
einigen kleineren Spezialbetrieben.
Ihre Kennzeichen waren die große Flexibilität auf spezifische Kundenwünsche direkt
eingehen zu können, das geringe Produktionsvolumen, die notwendigerweise
hochqualifizierten, weil vielseitig beanspruchten, Handarbeiter und der Einsatz von Allzweck-
Werkzeugmaschinen.
Als größter Mangel dieser Produktionsmethode erwies sich jedoch im Laufe der weiteren
industriellen Entwicklung die fehlenden Möglichkeiten zu grundlegender technischer
Innovation, sowie die hohen Kosten, die nicht mit steigender Stückzahl sanken, und damit
industriell gefertigte Produkte nur einer begrenzten Oberschicht zugänglich machten.
Außerdem war der Qualitätsbegriff aufgrund des fehlenden einheitlichen Maß- und
Passungssystem nur in begrenztem Umfang anwendbar, negativ machte sich vor allem die
mangelnde Reproduzierbarkeit der gelieferten Ergebnisse bemerkbar.
Diese letztgenannten Probleme erkannte Henry Ford und er entwickelte ein
Produktionssystem für Automobile, welches sich bis in die heutige Zeit bei einigen
Industriebetrieben durchgesetzt hat und in allen Bereichen der Industrie eine Revolution
auslöste:
die Massenproduktion
.
Er versuchte die oben erwähnten Nachteile der handwerklichen Fertigung zu umgehen, indem
er ein einheitliches Maßsystem in seinen Fertigungsstätten einführte, welches die vollständige
und passgenaue Austauschbarkeit der Bauteile und ihre Einfachheit im Zusammenbau
ermöglichte. Diese Errungenschaft gestattete es ihm, die Montagearbeiten von ungelernten
Arbeitskräften durchführen zu lassen. Sein Automobil, daß berühmte Ford T-Modell von
1908, paßte genau in seine Philosophie von fertigungsgerechter und benutzerfreundlicher
industrieller Produktion.
Das Kernparadigma der Massenproduktion1 inspirierte Ford im weiteren zu einigen
wesentlichen Entscheidungen, die die weitere Entwicklung der industriellen Produktion
prägen sollten. So führte er ein, daß jeder Arbeiter nur noch einen Arbeitsschritt der
Montagearbeiten ausführen sollte und schließlich entwickelte er das Fließband, welches
Taktzeit und Montagekosten auf ein Minimum senkte.
Im Laufe der weiteren Entwicklung zeigten sich aber Schwierigkeiten, mit denen Ford nicht
gerechnet hatte.
Die extreme Arbeitsteilung führte bei komplexen Produkten zu Problemen an den
Schnittstellen der Arbeitsübergabe. Desweiteren machte sich die monotone Tätigkeit der
Arbeiter negativ bei deren Motivation bemerkbar, sie konnten in dem System keine eigenen
1Das Kernparadigma der Massenproduktion ist auch als das tayloristische Prinzip der Arbeitsteilung bekannt.
Dabei geht man davon aus, daß komplexe Aufgaben derart aufgeteilt werden, das spezifische Arbeitsaufgaben
entstehen, die leicht erlernbar oder mit speziellem Fachwissen zu erledigen sind.
6
Die Entwicklung der industriellen Produktion
Vorstellungen oder Verbesserungen einbringen. Die totale vertikale Produktion1, die Ford
aufgrund mangelnden Vertrauens in den freien Markt und dessen Fähigkeiten eingeführt hatte,
führte zu einer Aufblähung des Verwaltungsapparats und zu einer umfassenden
Bürokratisierung, die gekennzeichnet war durch viele indirekte Arbeiter ohne eigentliche
Wertschöpfung (z. B. Entlastungskollegen, Reinigungspersonal, Nachschubpersonal, etc.). Es
bestand die Notwendigkeit große Pufferspeicher einzurichten, da ein Stillstand des Bands
enorme Ausfälle bedeutete. Aus diesem Grund entstanden Teilespeicher, die oft Teile für
mehrere Wochen enthielten.
Durch die vom Band gegebene Taktzeit bestand nicht die Möglichkeit, Montageprobleme
direkt zu lösen. Fehlerhafte Teile wurden eingebaut und mußten nach Verlassen des Bandes
aufwendig in Nacharbeitszonen korrigiert werden.
Ferner war das Standardprodukt, Ford´s T-Modell, aufgrund unterschiedlicher wirtschaftlicher
und politischer Gegebenheiten nicht uneingeschränkt für den Weltmarkt einsetzbar.
Problematisch gestaltete sich auch der Transport und die Handelsschranken, die viele Länder
zum Schutz der eigenen Wirtschaft eingerichtet hatten.
Trotz all dieser negativen Aspekte, hat sich die industrielle Massenproduktion bis in die
heutige Zeit gerettet und wird noch von vielen Industriebetrieben, wenn auch in modifizierter
Form, betrieben.
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde in Japan ein Produktionssystem entwickelt,
dessen Leistungsfähigkeit viel später erkannt wurde und dessen Auswirkungen auf die
industrielle Produktion erst in der heutigen Zeit von den meisten Unternehmen
wahrgenommen werden.
Nach einem Besuch eines japanischen Ingenieurs in Ford´s Rouge-Komplex2, berichtete
dieser seiner Heimatzentrale, daß er Möglichkeiten zur Verbesserung der praktizierten
Massenproduktion sah. Dieser Ingenieur war Eiji Toyoda. Nach seiner Rückkehr ins
heimatliche Japan versuchte er und sein enger Mitarbeiter Taiichi Ohno die gewonnenen
Erkenntnisse zu verarbeiten und auf die Situation in Japan anzuwenden. Diese beiden waren
es wohl, die die
Lean Production
in ihren Anfängen entwickelten und später so weit
verbesserten, daß sie letztendlich als "Die zweite Revolution in der Automobilindustrie3" bzw.
als "Drittes Produktionssystem nach handwerklicher Fertigung und Massenproduktion" gelten
muß.
Zu bemerken ist noch, daß die Maßnahmen sicherlich nicht alle gleichzeitig eingeführt
wurden, im Gegensatz dazu wurden sie schrittweise von Toyoda und Ohno erprobt, um dann
im Laufe der Zeit einer ständigen Verbesserung unterzogen zu werden.
In den folgenden Kapiteln werden die Merkmale des Produktionsystems "Lean Production"
näher beschrieben.
1vollständige Produktion aller benötigten Teile, vom Rohmaterial bis zum Endprodukt, in eigenen Werken
2Ford´s Rouge-Komplex, gegründet 1927 in Detroit, war der erste Betrieb in dem Ford versuchte die totale
vertikale Integration einzuführen.
3siehe gleichnahmiges Buch, Literaturliste Nr.:6
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