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"Auschwitz oder Die Frage nach Gott"

Subtitle: Politisch engagierte Dokumentarliteratur – dargestellt an Rolf Hochhuths „Der Stellvertreter“ und „Heil Hitler!“

Scholary Paper (Seminar), 2008, 39 Pages
Author: Dr. phil. Daria Hagemeister
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: SE Neuere dt. Lit.: Politisches Theater: Texte, Manifeste
Institution/College: University of Vienna (Germanistik)
Tags: Hochhuth, politisch engagierte Literatur, Drama, Dokumentartheater, Nationalsozialismus, Hitler, Papst, Kirche, Irrenanstalten, Juden
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 39
Grade: gut
Bibliography: ~ 37  Entries
Language: German
Archive No.: V120830
ISBN (E-book): 978-3-640-24348-8
ISBN (Book): 978-3-640-24661-8

Abstract

Ende Juli 1934 schrieb Karl Kraus „Warum die Fackel nicht erscheint … Mir fällt zu Hitler nichts ein.“ Erst in den 60er Jahren schien im deutschsprachigen Raum diese Sprachlosigkeit überwunden und man sah sich mit der Notwendigkeit der Aufarbeitung der Vergangenheit konfrontiert. Doch oft mündete diese Aufarbeitung darin, einen Schlussstrich darunter zu ziehen und das Geschehene aus der Erinnerung löschen zu wollen. „Im Hause des Henkers soll man nicht vom Strick reden“ meinte Theodor W. Adorno einmal in einer wissenschaftlichen Kontroverse. „Der Gestus, es solle alles vergessen und vergeben sein, der demjenigen anstünde, dem Unrecht widerfuhr, wird von den Parteigängern derer praktiziert, die es begingen. ... Der Nationalsozialismus lebt nach, und bis heute wissen wir nicht, ob bloß als Gespenst dessen, was so ungeheuerlich war, dass es am eigenen Tode noch nicht starb, oder ob es gar nicht erst zum Tode kam; …“ Und tatsächlich war und ist das „Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie“ bis zum heutigen Tag, und zwar nicht nur in Deutschland, „potenziell bedrohlicher denn das Nachleben faschistischer Tendenzen gegen die Demokratie“.


Excerpt (computer-generated)

Universität Wien
Institut für Germanistik

SE Neuere dt. Lit.: Politisches Theater: Texte, Manifeste

"Auschwitz oder Die Frage nach Gott"

Politisch engagierte Dokumentarliteratur – dargestellt an Rolf Hochhuths „Der Stellvertreter“ und „Heil Hitler!“

Daria Hagemeister

 

Inhaltsverzeichnis


1 Einleitung ... 4

1.1 Literatur und Vergangenheitsbewältigung ... 4
1.2 „Der Sinn der Politik ist Freiheit“ ... 6
1.2.1 Die Politik versus das Politische ... 7
1.3 Für eine „engagierte“ Literatur ... 7
1.3.1 Die Funktion des Dramas ... 8
1.3.2 Die Geburt des Dokumentartheaters ... 8

2 Rolf Hochhuth (* 1. April 1931 in Eschwege) ... 11

3 „Der Stellvertreter“ ... 14

3.1 Der Inhalt: ... 14
3.2 Der Aufbau: ... 15
3.3 Die Figuren: ... 15
3.4 Die Themen: ... 21
3.5 Die Rezeption: ... 22
3.5.1 Kontroversen: ... 22

4 Heil Hitler ... 27

4.1 Der Inhalt: ... 27
4.2 Der Aufbau: ... 28
4.3 Die Figuren: ... 28
4.4 Die Themen: ... 29
4.5 Die Rezeption: ... 30

5 Schlussbemerkungen ... 32

5.1 Das totgesagte Dokumentartheater: ... 32
5.2 Zusammenfassung: ... 33

6 Quellen- und Literaturverzeichnis ... 35

 

 

1 Einleitung

Ende Juli 1934 schrieb Karl Kraus „Warum die Fackel nicht erscheint … Mir fällt zu Hitler nichts ein.“1 Erst in den 60er Jahren schien im deutschsprachigen Raum diese Sprachlosigkeit überwunden und man sah sich mit der Notwendigkeit der Aufarbeitung der Vergangenheit konfrontiert. Doch oft mündete diese Aufarbeitung darin, einen Schlussstrich darunter zu ziehen und das Geschehene aus der Erinnerung löschen zu wollen. „Im Hause des Henkers soll man nicht vom Strick reden“ meinte Theodor W. Adorno einmal in einer wissenschaftlichen Kontroverse. „Der Gestus, es solle alles vergessen und vergeben sein, der demjenigen anstünde, dem Unrecht widerfuhr, wird von den Parteigängern derer praktiziert, die es begingen. ... Der Nationalsozialismus lebt nach, und bis heute wissen wir nicht, ob bloß als Gespenst dessen, was so ungeheuerlich war, dass es am eigenen Tode noch nicht starb, oder ob es gar nicht erst zum Tode kam; …“2

Und tatsächlich war und ist das „Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie“ bis zum heutigen Tag, und zwar nicht nur in Deutschland, „potenziell bedrohlicher denn das Nachleben faschistischer Tendenzen gegen die Demokratie“.3


1.1 Literatur und Vergangenheitsbewältigung

Ob und in welcher Form die Literatur bei der Vergangenheitsbewältigung eine Rolle spielen soll, darüber war man geteilter Meinung. Doch jeder Schriftsteller muss sich selbst die Prinzipienfrage stellen, ob er etwas zu sagen hat, „das der Mühe lohnt, mitgeteilt zu werden.“4 oder eben nicht. „Der ‚engagierte’ Schriftsteller weiß, dass Sprechen Handeln ist: Er weiß, dass Enthüllung Verändern ist und dass man nur enthüllen kann, wenn man verändern will. Er hat den unmöglichen Traum aufgegeben, ein unparteiisches Gemälde der Gesellschaft und des Menschseins zu machen.“5

Literarisches Handeln ist ein Teilbereich des zivilisatorischen Handelns, wobei man jedoch die relative Autonomie literarhistorischer Prozesshaftigkeit auch nicht aus den Augen verlieren sollte.

Der nun folgende Abschnitt möchte nur stichwortartig die literarischen Entwicklungen der 60er Jahre des 20. Jhdts. in Deutschland und Österreich skizzieren, also der beiden deutschsprachigen Länder, die unmittelbar vom 2. Weltkrieg und dem Nationalsozialismus betroffen waren, und erhebt weder Anspruch auf Ausführlichkeit noch auf Vollständigkeit.

In Österreich musste die etablierte Politik der 50er Jahre einer deutlichen Neuorientierung weichen. Auf literarischem Gebiet begann mit dem Theaterstück „Herr Karl“ von Helmut Qualtinger und Carl Merz die Auseinandersetzung mit den Ursachen des Faschismus auf der Bühne. Herr Karl scheint ein Durchschnittsösterreicher zu sein und er ist ein Rückgradakrobat.6 Wahrscheinlich haben mehrere authentische Gestalten als Vorbilder für den Herrn Karl gedient, vor allem Hannes Hoffmann, damals Inhaber des Künstlertreffs Gutruf, in dem auch Qualtinger verkehrte. Trotz seiner charakterlichen Mängel ist Herr Karl aber sympathisch und gerade kein Antiheld. Damit steht das Drama durchaus im Bezug zur These von der "Banalität des Bösen", wie sie Hannah Arendt aufgestellt hat.7 Der Keller eines Lebensmittelladens bietet die Kulisse. Das Bühnenbild wirkt begrenzt und eng, ein stilistisches Mittel, welches den Horizont der Hauptfigur verkörpern soll. In Österreich löste das Stück zunächst einen Proteststurm aus.8

In Westdeutschland beherrschte zu dieser Zeit das Dokumentartheater die Theaterszene, vertreten von Heinar Kipphart, Peter Weiss und Rolf Hochhuth.

Das große Ziel der DDR-Literatur von 1949 bis zur Mitte der 60er Jahre war es, den Leser politisch zu aktivieren. Die Vorzüge des Kommunismus sollten auf diese Weise durch das Medium der Literatur erkannt werden. Doch auch die westliche Literatur wurde in der DDR rezipiert, wie etwa die Werke von Heinrich Böll und Günther Grass. Volker Braun und Heiner Müller waren damals die zwei wichtigsten DDR-Dramaturgen.

 

[...]


1 Kraus, Karl: „Die Fackel“. Nr. 890 – 905, Ende Juli 1934.
2 Adorno, Theodor W.: „Eingriffe. Neun kritische Modelle“, Suhrkamp Verlag, 1. Auflage., Frankfurt am Main 1963, S. 125.
3 Vgl.: Adorno, Theodor W.: „Eingriffe. Neun kritische Modelle“, Suhrkamp Verlag, 1. Auflage., Frankfurt am Main 1963, S. 126.
4 Sartre, Jean-Paul: „Gesammelte Werke. Schriften zur Literatur. Was ist Literatur?“, Rowohlt Taschenbuch Verl. GmbH, Reinbek bei Hamburg 1981, S. 25.
5 Sartre, Jean-Paul: „Gesammelte Werke. Schriften zur Literatur. Was ist Literatur?“, Rowohlt Taschenbuch Verl. GmbH, Reinbek bei Hamburg 1981, S. 26.
6 Vgl.: http://referateguru.heim.at/Der-Herr-Karl.htm
7 1961 nahm Arendt als Reporterin am Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem teil. Darüber schrieb sie ihr damals sehr umstrittenes Buch Eichmann in Jerusalem mit dem Untertitel "Ein Bericht von der Banalität des Bösen", welcher Ausspruch zu einer geflügelten Redewendung wurde. Sie sagte dazu auch: „Eichmann war nicht ... Macbeth ... Außer einer ganz ungewöhnlichen Beflissenheit, alles zu tun, was seinem Fortkommen dienlich sein konnte, hatte er überhaupt keine Motive.“ und führt weiters aus, mit dem "Durchschnittsbürokraten" Eichmann habe eben "kein Teufel in Menschengestalt", sondern "ein beliebiger Hanswurst" den Holocaust organisiert. (Vgl. auch: Goethe-Institut, Online-Redaktion, Januar 2006 : "Der Sinn von Politik ist Freiheit" - Hannah Arendt zum 100. Geburtstag und: Shoah Project, Süddeutsche Zeitung vom 4. März 2000, Feuilleton Hans Heigert „Das Missverständnis Eichmann“: Hannah Arendts Essays über die „Banalität des Bösen“).
8 Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Herr_Karl


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