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Der Westen als Feindbild in Karl-Eduard von Schnitzlers Propagandasendung DER SCHWARZE KANAL

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 46 Pages
Author: Michael von Scheidt
Subject: Film Science

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 46
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V12160
ISBN (E-book): 978-3-638-18113-6

File size: 333 KB


Excerpt (computer-generated)

Sommersemester 2001
Hauptseminar:
"Modelle und Fragestellungen der Mediengeschichtsschreibung.
Die Fernsehgeschichte der DDR als Forschungsproblem"


Schriftliche Hausarbeit unter Prüfungsbedingungen


 

"Der Westen als Feindbild in Karl-Eduard

von Schnitzlers Propagandasendung ,Der Schwarze Kanal´"


 

Michael von Scheidt Film- und Fernsehwissenschaften,
Geschichte,
Amerikanistik
8 Fachsemester, derzeit beurlaubt


Inhalt

1. Einleitung 2

2. Journalismus in der DDR 3
2.1 Lenin über die Aufgaben der Presse neuen Typs 3
2.2 Lenins Pressetheorie als Grundlage des Journalismus in der DDR 5
2.3 Kontrollmechanismen 6
2.4 Arbeitssituation von Journalisten 8

3. Fernsehen als Instrument zur ideologischen Auseinandersetzung mit dem Westen 11
3.1. Der DDR-Antifaschismus als Argumentationsbasis 11
3.2 Aufstieg des Fernsehens zum Massen- und Leitmedium 14
3.3 Westfernsehen als Problem und publizistische Frühformen des "Fernsehkrieges" 16
3.4 Massenwirksamkeit und kulturtheoretische Überlegungen im Konflikt 19

4. "Der Schwarze Kanal" 23
4.1 Karl-Eduard von Schnitzler 26
4.2 Der Mauerbau als Gegenstand des "Schwarzen Kanals" im August 1961 29
4.2.1 Von Schnitzlers Sondersendung vom 13. August 1961 30
4.2.2 "Der Schwarze Kanal" vom 21. und 28. August 1961 33

5. Schlussbetrachtung 37

6. Literaturverzeichnis 39

7. Quellenverzeichnis 44

 

1. Einleitung

In einem Artikel, der anlässlich des Todes Karl-Eduard von Schnitzlers im September 2001 im "Spiegel" erschien, wurde seine Fernsehsendung "Der Schwarze Kanal" als "das Bösartigste, was das DDR-Fernsehen zu bieten hatte" beschrieben (o.V. 2001). In ähnlicher Weise schrieb "Die Welt", es falle bei einem Mann wie von Schnitzler schwer, die antike Anstandsregel "De mortuis nil nisi bene" zu befolgen (vgl. Möller 2001). Dass der Autor und Moderator auch über ein Jahrzehnt nach dem Untergang der DDR noch auf so viel Ablehnung seitens seiner westdeutschen Kollegen stieß, lag dabei nicht nur daran, dass er auch noch nach der Wende als Anwalt der SED-Politik "wie ein Leitfossil aus den kältesten Tagen des Kalten Krieges in die Gegenwart ragte" (ebd.). Es war vielmehr vor allem auf die polemische Art der Auseinandersetzung des "Chefpropagandisten der DDR" (o.V. 2001) mit der BRD in seiner Sendung zurückzuführen, die von 1960 bis 1989 insgesamt 1519 mal (vgl. Grape 2000) ausgestrahlt wurde und damit eine der traditionsreichsten Sendungen des DDR-Fernsehens war.
In dieser Arbeit soll versucht werden, den "Schwarzen Kanal" und seinen Moderator nicht, wie häufig geschehen, als besonders skurrile televisionäre Ausnahmeerscheinungen zu betrachten, sondern die Sendereihe in den Kontext der Funktionen des DDR-Journalismus im Allgemeinen und der Rolle des Fernsehens im Klassenkampf im Speziellen einzuordnen. Bevor am Beispiel dreier Sendungen, die sich im August 1961 mit dem Bau der Berliner Mauer befassen, illustriert wird, wie sich von Schnitzlers Umgang mit dem Westen als Feindbild im konkreten Fall darstellte, soll daher zunächst die Anwendung von Lenins Pressetheorie auf die DDR-Medien durch die SED und anschließend die Nutzung des Fernsehens zur Auseinandersetzung mit dem Westen vor dem Hintergrund politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen betrachtet werden.
Zur Anfertigung dieser Arbeit standen neben der angegebenen Literatur Sendemanuskripte einzelner Ausgaben des "Schwarzen Kanals" zur Verfügung, die vom Deutschen Rundfunkarchiv im Internet zur Verfügung gestellt werden. Die herangezogenen Skripte sind inklusive der entsprechenden URLs im Quellenverzeichnis aufgelistet. Auf eine Bereitstellung der Materialien in einem Anhang wurde jedoch verzichtet, da sie zum einen einfach zugänglich sind und zum anderen, trotz der unvermeidbaren Beschränkung auf einen vergleichsweise kurzen Untersuchungszeitraum, recht umfangreich sind.

2. Journalismus in der DDR

Ein tieferes Verständnis des Journalismus in der DDR und seiner vielfältigen Erscheinungsformen, zu denen auch Karl Eduard von Schnitzlers "Schwarzer Kanal" gehört, ist ohne die Kenntnis der Pressetheorie Lenins nicht möglich. In seinen Schriften "Womit beginnen?" (1901), "Was tun? Brennende Fragen unserer Bewegung" (1902) und "Parteilichkeit und Parteiliteratur" (1905) propagierte Lenin nicht nur seine Theorie über die Partei neuen Typs, das heißt die Vorstellung einer disziplinierten Kaderpartei, der als Avantgarde der Arbeiterklasse die Aufgabe zukomme, die Diktatur des Proletariats zu entwickeln, sondern er beschrieb erstmals auch die Aufgaben einer zu schaffenden Presse neuen Typs, die den Interessen der Partei zu dienen habe (vgl. Thomson 1977, 104-110; Scharf 1981, 51 ff.). Lenins Lehre von der Presse neuen Typs bildete die Grundlage der Presse im nachrevolutionären Russland und wurde später auf die hinzukommenden Medien Hörfunk und Fernsehen ausgeweitet (vgl. Kuhlmann 1997, 14).

2.1 Lenin über die Aufgaben der Presse neuen Typs

Nach der von Lenin entwickelten Theorie sollte sich die Partei neuen Typs, deren Spitze sich zu großen Teilen aus gebildeten Berufsrevolutionären zusammensetzen sollte, zur Führung der breiten Bevölkerungsschichten einer gesamtrussischen, politischen Zeitung bedienen können:

[...]


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