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Dan Flavin, “monument” to Vladimir Tatlin

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 27 Pages
Author: Eva Lindner
Subject: Art - Installation / Action/Performance Art / Modern Art

Details

Event: Kunst in den USA im 20. Jahrhundert
Institution/College: Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg (Institut für Kunstgeschichte)
Tags: Flavin, Vladimir, Tatlin, Kunst, Jahrhundert
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 27
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V121954
ISBN (E-book): 978-3-640-27118-4
ISBN (Book): 978-3-640-27136-8

Abstract

[...] In dieser Arbeit soll sein Werk allerdings im Kontext seiner Zeit begriffen werden. Deshalb wird er den Minimalisten zugeschrieben. In diesem Text wird auf diese Künstlerphase genauer eingegangen. Dan Flavin arbeitete seit dem Beginn der 60er Jahre mit fluoreszierenden Leuchtstoffröhren. Systematisch untersuchte er dieses Medium und arbeitete damit bis zu seinem Tod. Er war fasziniert von einer Kunst aus genormten Fertigteilen und von ihrer sparsamen Geometrie. Er wirft die Situation auf, dass ein neutrales, technisches Material durch den Eingriff des Künstlers zum Kunstwerk wird. Werke anderer Künstler sind im Normalfall auch außerhalb ihrer Ausstellungen als solche anzusehen, während sie bei Flavin nur während der Ausstellung Kunst sind, vorher und danach aber nur einfaches Beleuchtungsmaterial. Seine Werke unterscheiden sich stark. Flavin selbst betonte, dass er jeden Teil des Fluoreszenzlicht-Systems ständig wiederholen könnte und dass den Elementen der geschichtliche Ausdruck fehle. Innerhalb seines Werkplanes empfand Flavin keine stilistische oder strukturelle Entwicklung von Bedeutung, sondern nur Betonungsverlagerungen in Bezug auf abänderbare Teile. Bezeichnungen wie Environments oder Skulpturen lehnte er für seine Werke ab. Für ihn enthielten sie „Lebensbestimmung“, waren unmittelbar wirksam und unbrauchbar für schwierige visuelle Künstlichkeit Auch lehnte er ab, ein Oeuvre erschaffen zu haben, er beschränkte sich darauf, ein System, eine Proposition, eine Situation, ein Modell oder einen Werkplan gefertigt zu haben. Diese Arbeit möchte den Künstler und sein Schaffen vorstellen und dabei einen besonderen Fokus auf seine Werkreihe der „munuments“, die dem russischen Konstruktivisten Vladimir Tatlin gewidmet sind, legen. Flavins künstlerischer Werdegang und seine Position innerhalb des Minimalismus und seiner Künstlerkollegen sollen skizziert werden. Im Blick auf seine „monuments“ wird deren puristische Technik erklärt und näher auf deren Widmungen, besonders die an Tatlin eingegangen. Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich mit dem Licht der Monumente und deren Bezugnahme auf den Raum, in dem sie angebracht sind. Eine Einordnung ihrer Bedeutung im kunstgeschichtlichen Rahmen soll bei der Rezeption und der abschließenden Kritik helfen. Auf einen Bildanhang wird in dieser Arbeit, aufgrund der Unmöglichkeit, Lichtkunst angemessen auf Papier auszudrucken, verzichtet.


Excerpt (computer-generated)

Friedrich- Alexander Universität Erlangen-Nürnberg

Institut für Kunstgeschichte

HS: Kunst in den USA im 20. Jahrhundert, SS 2008

Dan Flavin

"monument" to Vladimir Tatlin, 1966

von

Eva Lindner

Theater- und Medienwissenschaft, Neuere dt. Literaturgeschichte, Kunstgeschichte

Semester: 07


Inhaltsverzeichnis

I. Vorwort 1

II. Dan Flavin, "monument" to Vladimir Tatlin, 1966 3

1. Biographie 3

2. Zeitgeschichtliche Einordnung 4

2.1 Flavins Werdegang als Künstler 4

2.2 Flavin und der Minimalismus 6

3. Die ,,monuments" 9

3.1

Stil 9

3.1.1 Technik 9

3.1.2 Widmungen 10

3.1.3 Vladimir Tatlin und der Konstruktivismus 11

3.1.4 Bezugnahme der ,,monuments" auf andere Werke 13

3.2 Raum 14

3.3 Licht 15

3.4 Rezeption 20

3.4.1 Kritik 21

III. Nachwort 22

Bibliographie 24

II


I.

Vorwort

fluoreszierende

Pole

schimmern

zittern

flackern

aus

trübe

Monumente

von

ein

und

aus

Kunst1

Dieses Gedicht stammt von dem Künstler Dan Flavin und umschreibt in prägnanten Stichwor-

ten und Gedankenfetzen seine Kunst. Er gilt als einer der Hauptvertreter der Minimal Art und

nimmt eine Position zwischen Pop-Art, Moderne und Massenkultur ein. Die Strömungen der

zurückliegenden Dekade, wie Licht- und Objektkunst, pop-minimal- und concept-art, beein-

flussten ihn mit Sicherheit, konkret zuschreiben ließ er sich aber keiner von ihnen. Flavin

sträubte sich gegen jede Einordnung.

In dieser Arbeit soll sein Werk allerdings im Kontext seiner Zeit begriffen werden. Deshalb

wird er den Minimalisten zugeschrieben. In diesem Text wird auf diese Künstlerphase genau-

er eingegangen.

Dan Flavin arbeitete seit dem Beginn der 60er Jahre mit fluoreszierenden Leuchtstoffröhren.

Systematisch untersuchte er dieses Medium und arbeitete damit bis zu seinem Tod. Er war

fasziniert von einer Kunst aus genormten Fertigteilen und von ihrer sparsamen Geometrie. Er

wirft die Situation auf, dass ein neutrales, technisches Material durch den Eingriff des Künst-

lers zum Kunstwerk wird. Werke anderer Künstler sind im Normalfall auch außerhalb ihrer

Ausstellungen als solche anzusehen, während sie bei Flavin nur während der Ausstellung

Kunst sind, vorher und danach aber nur einfaches Beleuchtungsmaterial.

1

Dan Flavin: ,,Gedicht" vom 2. Oktober 1961. In: Jochen Poetter: Neue Anwendungen fluoreszierenden

Lichts mit Diagrammen, Zeichnungen und Drucken von Dan Flavin. Baden Baden 1989, S. 40.

1


Seine Werke unterscheiden sich stark. ,,Sein gesamtes Werk und oft auch einzelne Arbeiten

[...] wirken angenehm entspannt."2

Flavin selbst betonte, dass er jeden Teil des Fluoreszenzlicht-Systems ständig wiederholen

könnte und dass den Elementen der geschichtliche Ausdruck fehle. Innerhalb seines Werkpla-

nes empfand Flavin keine stilistische oder strukturelle Entwicklung von Bedeutung, sondern

nur Betonungsverlagerungen in Bezug auf abänderbare Teile.3

Bezeichnungen wie E

nvironments

oder

Skulpturen

lehnte er für seine Werke ab. Für ihn ent-

hielten sie ,,Lebensbestimmung", waren unmittelbar wirksam und unbrauchbar für schwierige

visuelle Künstlichkeit.4 Auch lehnte er ab, ein

Oeuvre

erschaffen zu haben, er beschränkte

sich darauf, ein

System

, eine

Proposition,

eine

Situation

, ein

Modell

oder einen

Werkplan

ge-

fertigt zu haben.

Diese Arbeit möchte den Künstler und sein Schaffen vorstellen und dabei einen besonderen

Fokus auf seine Werkreihe der ,,munuments", die dem russischen Konstruktivisten Vladimir

Tatlin gewidmet sind, legen.

Flavins künstlerischer Werdegang und seine Position innerhalb des Minimalismus und seiner

Künstlerkollegen sollen skizziert werden. Im Blick auf seine ,,monuments" wird deren puristi-

sche Technik erklärt und näher auf deren Widmungen, besonders die an Tatlin eingegangen.

Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich mit dem Licht der Monumente und deren Bezug-

nahme auf den Raum, in dem sie angebracht sind. Eine Einordnung ihrer Bedeutung im

kunstgeschichtlichen Rahmen soll bei der Rezeption und der abschließenden Kritik helfen.

Auf einen Bildanhang wird in dieser Arbeit, aufgrund der Unmöglichkeit, Lichtkunst ange-

messen auf Papier auszudrucken, verzichtet.

2

Don Judd: Aspekte von Flavins Arbeit. Aus ,,Aspects of Flavin`s work", Art and Artists, IV, März

1970, S. 48f. In Zdenek Felix (Red.): Kunsthalle Basel, fünf Installationen in fluoreszierendem Licht von Dan

Flavin, vom 8. März bis 16. April 1975. Basel 1975, o. S.

3

Vgl. Felix, aus Flavins ,,some remarks", o.S.

4

Ebd.

2


II. Dan Flavin, "monument" to Vladimir Tatlin, 1966

1. Biographie

,,Mein Name ist Dan Flavin. Ich bin zweiunddreißig Jahre alt, über-

gewichtig und unterprivilegiert, ein Weißer im Jahr der Schwarzen.

Ich erblicke das Licht der Welt (schreiend) als zweieiiger Zwilling,

vierundzwanzig Minuten vor meinem Bruder David im Mary Imma-

culate Hospital, Jamaica, New York, gegen sieben Uhr morgens an ei-

nem verregneten Samstag, dem 1. April 1933, als Sohn eines asketi-

schen, ziemlich unmännlichen, trägen irisch-katholischen Offiziers

und einer dummen, fetten Tyrannin von Frau, Nachfahrin des bayeri-

schen Königsgeschlecht, doch ohne nur eine Spur von Noblesse."5

So beginnt Dan Flavins autobiographische, selbstkritische, aber auch selbstsichere Skizze

,,...in Tageslicht oder kühlem Weiss [sic!]" und lässt erste Schlüsse auf Flavins Kindheit, sein

weiteres Leben und, so man will, auch auf sein Werk ziehen. Dem Elternhaus, in dem Flavin

unterdrückt und wenig gefördert wurde, entfloh er 1953 durch eine meteorologische Ausbil-

dung bei der US Air Force. Im Koreakrieg diente er von 1954-55 als Wetterbeobachter. Zu-

rück in New York begann er im Jahr darauf ein Studium an der

New School for Social Re-

search

in New York. Von 1957-59 studierte Flavin an der

Columbia University of North Ca-

rolina

, wo er alle seine Prüfungen in Kunstgeschichte ablegte.

Als Künstler war Flavin Autodidakt. Anfangs entstanden vor allem Zeichnungen. 1961 heira-

te er Sonja Severdija, die ihm 1964 seinen Sohn Stephen Conor gebärt. Durch Marcel Du-

champs Befürwortung erhält Flavin den Kunstpreis ,,An Avard in Art for 1964" der

William

and Norma Copley Foundation Chicago

(Illinois). Mitte der 60er Jahre fertigte er größere In-

stallationen für bestimmte Räume an und schuf regelrechte Licht- Environments. Im Jahr

1967 hält Flavin Gastvorträge an der

University of North Carolina

, Greensboro. 1973 besetz

er den Albert Dorne-Lehrstuhl an der Universität von Bridgeport, Rhode Island. 1983 eröffnet

das Dan Flavin Art Institute als permanente Ausstellung in der Dia Art Foundation in Bridge-

hampton, New York.

Am 29. November 1996 starb Dan Flavin in Riverhead, New York.6

5

Helmut Friedel (Hrsg.): Dan Flavin. Kunstbau Lenbachhaus München Architektur Uwe Kiessler. Mün-

chen 1994, S. 19.

6

Die Biographischen Eckdaten stammen aus Christos M. Joachimedes/ Norman M. Rosenthal (Hrsg.):

Amerikanische Kunst im 20. Jahrhundert. Malerei und Plastik 1913-1993. Berlin 1993, S. 473f.

3


2. Zeitgeschichtliche Einordnung

2.1

Flavins Werdegang als Künstler

,,Die unkontrollierten, nichtssagenden und überspannten taktilen Phantasien, die sich über un-

zählige Meter von Segeltuch erstreckten"7 widerstrebten Dan Flavin, wie er in diesem Zitat

sagte, deshalb wandte er sich schon sehr früh von der hier beschimpften Malerei ab. Auch

Donald Judd verabschiedet sich von der Malerei, als er sagt, ,,Es sieht aus, als sei die Malerei

am Ende"8.

Flavin bevorzugte drei Dimensionen als wirklichen Raum. Das sollte ihn befreien vom Illusi-

onismus, vom nur bezeichnenden Raum und nicht zuletzt von den Relikten der europäischen

Kunst. Die Begrenzungen eines Bildes bestehen nicht mehr, tatsächlicher Raum ist für ihn

aussagekräftiger und spezifischer, als Farbe auf einer flachen Ebene. Im Raum kann alles

jede erdenkbare Form eingehen, regelmäßig oder unregelmäßig, und jede Beziehung zu

Wand, Boden, Decke, Raum, Räume, Außenwelt, zu nichts oder zu allem haben.9 Flavin war

einer der ersten, der zugunsten von Environments auf Objekte verzichtete, um einen architek-

tonischen Raum neu zu definieren.

Er selbst beschrieb, wie er 1961 bei seinen Gängen als Wärter durch das

Museum of Natural

History

über eine neue Kunst nachdachte, in der sich keine privaten Gefühle abreagieren soll-

ten und kein neuer Subjektivismus einziehen sollte.

Seine ersten dreidimensionalen Arbeiten in den frühen 60er Jahren waren bemalte Holzkisten,

an denen er Glühbirnen befestigte. Flavin bezeichnet sie als

Ikonen

, allerdings nur in ihrer ei-

gentlichen Wortbedeutung als ,,kleine Bilder" und nicht als Kultbilder eines Heiligen. So be-

gegnet er möglichen Assoziationen mit einem Hinweis auf ihre Stummheit und Bescheiden-

heit. Er schrieb 1962:

,,Meine Ikonen unterscheiden sich von einem byzantinischen thronen-

den Christus. Sie sind dumm ­ anonym, ohne jede Verherrlichung. Sie

sind ebenso stumm und neutral wie der Großteil unserer Architektur.

Meine Ikonen werden nicht als Heilsgestalten in kunstvollen Kathed-

ralen aufgestellt. Es handelt sich um einfache Konstruktionen, mit de-

nen leere Räume gefeiert werden sollen. Sie liefern ein begrenztes

Licht."10

7

Joachimides, S. 137.

8

Friedel, S. 19

9

Vgl. Laszlo Glozer: Westkunst. Zeitgenössische Kunst seit 1939. Köln 1981, o. S.

10

Gérard Durozoi: Die Kunst im 20. Jahrhundert. Sehen und Verstehen. Paris 1998, S. 142.

4



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