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Subtitle: Ursachen, Ausmaß und Handlungsmöglichkeiten
Bachelor Thesis, 2008, 61 Pages
Author: Bachelor of Arts Nils Pape
Subject: Pedagogy - School Pedagogics
Details
Tags: Aggressives, Verhalten, Gewalt, Schulen
Year: 2008
Pages: 61
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 33 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-26952-5
ISBN (Book): 978-3-640-26833-7
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Abstract
Das Thema „Schulgewalt“ ist vor allem in der näheren Vergangenheit immer wieder Anlass für öffentliche Diskussionen gewesen: Verrohen die Schüler? Ist Schule heute gefährlich? Sollte es härtere Maßnahmen geben? Viele andere Fragen standen und stehen immer noch zur Debatte. Diese Arbeit analysiert, wie man Aggression, Gewalt und aggressives Verhalten zuerst einmal überhaupt definiert, um sich ein Bild zu verschaffen, wovon häufig eigentlich geredet wird. Anschließend werden Geschlecht, Herkunft, Sozialisation und Alter betrachtet. Diese Faktoren spielen hinsichtlich der Gewalt und des aggressiven Verhaltens an Schulen eine wichtige Rolle, geben sie doch Einblicke in die Hintergründe der Schüler und offenbaren die tatsächlichen Gründe für das Aggressionspotenzial mancher Schülerinnen und Schüler bzw. relativieren diese abweichenden Haltungen. Hierbei werden auch die Opfer betrachtet, wie sie sich gebärden und wie sie in diesen Kreis der Gewalt geraten. Auch die Schule an sich kann aggressives bzw. gewaltförmiges Handeln produzieren. Verschiedene Aspekte, wie die Lage der Schule und deren Gestaltung, die Schul- und Klassengröße, die Schulform und auch das Verhalten der Lehrkräfte stehen dabei im Fokus des Interesses. Eine knappe Schilderung, wie Schulgewalt in den Medien geschildert wird, bildet den nächsten Punkt dieser Arbeit um am Ende auf Präventions- bzw. Interventionsmaßnahmen einzugehen, wobei nebst allgemeinen Änderungsvorschlägen auch konkrete Programme vorgestellt werden. 2 Begriffsklärung und Grundannahmen Beinahe täglich kann man den Medien entnehmen, dass irgendwo auf der Welt zur „Gewalt“ gegriffen wurde. Besonders im Zusammenhang mit Schulen, die als sogenannte „Problemschulen“ deklariert werden, wird dieses Wort nur allzu häufig genannt. Dabei werden in vielen Fällen Begriffe wie Gewalt, Aggression oder Aggressivität synonym verwendet, ohne auf die Unterschiede Rücksicht zu nehmen. Im folgenden Abschnitt wird nun differenziert beschrieben, worum es sich denn handelt, wenn man die diversen Vokabeln benutzt. Dabei soll vor allem geklärt werden, ab wann welcher Begriff zu benutzen ist und ob diese gleichbedeutende Verwendung überhaupt irgendwann gerechtfertigt ist.
Excerpt (computer-generated)
Wintersemester 2007/2008
Bachelorarbeit im Studiengang ,,Sozial- Kultur- und Naturwissenschaften"
Eingereicht im Fach ,,Erziehungswissenschaft"
Eingereicht am: 31.01.2008
Aggressives Verhalten und Gewalt an Schulen Ursachen,
Ausmaß und Handlungsmöglichkeiten
Student: Nils Pape
Studienfächer:
Bachelor Sozialwissenschaften/ Erziehungswissenschaft
1
Inhaltsangabe 1
1Einleitung 3
2 Begriffsklärung und Grundannahmen 3
2.1 Aggression 4
2.2 Aggressivität 5
2.3 Gewalt 6
2.3.1 Körperliche Gewalt 7
2.3.2. ,,Gewalt" oder ,,Aggression" gegen Gegenstände? 8
2.3.3 Psychische Gewalt 8
2.3.4 Strukturelle Gewalt 9
2.4 Fazit 10
3 Aggressives Verhalten an Schulen- Die Bedeutung von Geschlecht, Herkunft,
Sozialisation und Alter 10
3.1 Aggressionspotenzial bei Jungen und Mädchen 11
3.1.1 Die Hormonhypothese bzw. biologische Komponenten 12
3.1.2 Die Evolutionshypothese 13
3.1.3 Die Geschlechterrollen-Hypothese 13
3.1.4 Aggressionen und Gewalt bei Mädchen 14
3.2 Herkunft und Sozialisation 15
3.2.1 Lebensumfeld und Erziehung 16
3.2.1.1 Lebensumfeld 16
3.2.1.2 Erziehung 18
3.2.1.2.1 Die Familie 18
3.2.1.2.2 Die Schule 21
3.2.2 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund 24
3.2.2.1 Die Art der Aggressionen/Gewalt 24
3.2.2.2 Gründe für das andere Gewaltverhalten bei Ausländern- Überprüfung der
Richtigkeit der Ergebnisse 25
3.3 Alterstypische Besonderheiten 26
3.3.1 Aggressionen und Gewalt in unterschiedlichen Altersabschnitten 26
3.3.2 Der Einfluss der Gleichaltrigengruppen 30
3.4 Das Opferverhalten 31
3.4.1 Individuelle Besonderheiten der Opfer 32
2
3.4.2 Anzeichen des Opferseins 33
3.4.3 Folgen und Bedingungen des Opferseins 34
3.5 Fazit 35
4 Der Einfluss der Schule auf das Aggressionsverhalten der Schüler 36
4.1 Lage und bauliche Beschaffenheit der Schule 36
4.2 Schul- und Klassengröße 37
4.3 Schulform 38
4.4 Lehrerverhalten 40
4.5 Fazit 42
5 Schulgewalt in den Medien Eine Auswahl 43
6 Präventions- und Interventionsmaßnahmen 45
6.1 Definition der Präventions- und Interventionsmaßnahmen 46
6.1.1 Primäre Prävention 46
6.1.2 Sekundäre Prävention 46
6.1.3 Tertiäre Prävention 47
6.2 Institutionelle und schulorganisatorische Änderungen 47
6.2.1 Schulprofil und Schülerpartizipation 47
6.2.2 Kooperation von Eltern und Schule 48
6.2.3 Änderung von Unterricht 49
6.3 Interventionsprogramm nach Olweus 50
6.4 Konfrontative Pädagogik 52
6.4.1 Konfrontatives Soziales Training (KST) 53
6.4.2 Coolness Training (CT) 54
6.5 Fazit 55
7 Schlussbemerkung 55
8 Literaturliste 58
3
1 Einleitung
Das Thema ,,Schulgewalt" ist vor allem in der näheren Vergangenheit immer wieder
Anlass für öffentliche Diskussionen gewesen: Verrohen die Schüler? Ist Schule
heute gefährlich? Sollte es härtere Maßnahmen geben? Viele andere Fragen standen
und stehen immer noch zur Debatte. Diese Arbeit analysiert, wie man Aggression,
Gewalt und aggressives Verhalten zuerst einmal überhaupt definiert, um sich ein
Bild zu verschaffen, wovon häufig eigentlich geredet wird. Anschließend werden
Geschlecht, Herkunft, Sozialisation und Alter betrachtet. Diese Faktoren spielen
hinsichtlich der Gewalt und des aggressiven Verhaltens an Schulen eine wichtige
Rolle, geben sie doch Einblicke in die Hintergründe der Schüler und offenbaren
die tatsächlichen Gründe für das Aggressionspotenzial mancher Schülerinnen und
Schüler bzw. relativieren diese abweichenden Haltungen. Hierbei werden auch die
Opfer betrachtet, wie sie sich gebärden und wie sie in diesen Kreis der Gewalt
geraten.
Auch die Schule an sich kann aggressives bzw. gewaltförmiges Handeln
produzieren. Verschiedene Aspekte, wie die Lage der Schule und deren Gestaltung,
die Schul- und Klassengröße, die Schulform und auch das Verhalten der Lehrkräfte
stehen dabei im Fokus des Interesses. Eine knappe Schilderung, wie Schulgewalt
in den Medien geschildert wird, bildet den nächsten Punkt dieser Arbeit um am
Ende auf Präventions- bzw. Interventionsmaßnahmen einzugehen, wobei nebst
allgemeinen Änderungsvorschlägen auch konkrete Programme vorgestellt werden.
2 Begriffsklärung und Grundannahmen
Beinahe täglich kann man den Medien entnehmen, dass irgendwo auf der Welt zur
,,Gewalt" gegriffen wurde. Besonders im Zusammenhang mit Schulen, die als
sogenannte ,,Problemschulen" deklariert werden, wird dieses Wort nur allzu
häufig genannt. Dabei werden in vielen Fällen Begriffe wie Gewalt, Aggression
oder Aggressivität synonym verwendet, ohne auf die Unterschiede Rücksicht zu
nehmen. Im folgenden Abschnitt wird nun differenziert beschrieben, worum es sich
denn handelt, wenn man die diversen Vokabeln benutzt. Dabei soll vor allem
geklärt werden, ab wann welcher Begriff zu benutzen ist und ob diese
gleichbedeutende Verwendung überhaupt irgendwann gerechtfertigt ist.
4
2.1 Aggression
Aggression heißt soviel wie ,,auf jemand, etwas zugehen"1, ist in seiner
grundsätzlichen Bedeutung durchaus als typisches, natürliches Element des
Menschen anzusehen. Allerdings begegnet man dem Aggressionsbegriff in
Wörterbüchern häufig wie folgt:
,,Allgemeine und umfassende Bezeichnung für gehäuft auftretendes
feindseliges, sich in verbalen oder tätlichen Angriffen äußerndes Verhalten bzw.
das Überwiegen feindselig-ablehnender und oppositioneller Einstellungen beim
Menschen."2
Definitionen, die Aggression in konstruktiv und destruktiv aufteilen, wurden
veröffentlicht, wobei sich das konstruktive Handeln auf Dinge wie
Zielstrebigkeit, Zähigkeit und Willensstärke bezieht und das destruktive auf
Wutausbrüche, konfrontatives und schädigendes Verhalten.3 Da sich dieses sehr
weitgefasste Aggressionsverständnis jedoch nicht durchgesetzt hat und der
,,engere" Begriff als sinnvoller anzusehen ist, da er präzisere Beschreibungen
zulässt, soll in der Folge das Augenmerk auf Aggression im negativen Sinne
gelegt werden. Aggression kann somit also verstanden werden als ,,Verhalten,
das darauf gerichtet ist, andere Individuen zu schädigen oder ihnen wehzutun"4
oder auch als ,,Verhalten, das auf die absichtliche Schädigung eines
Gegenstandes (Vandalismus) oder die absichtliche Verletzung eines anderen
Menschen zielt."5
Nun muss man sich aber im Klaren darüber sein, dass nicht jeder Vorgang, der
einem anderen Menschen wehtut, gleich Aggression bedeutet, wie das Wort
,,absichtlich" im eben angeführten Zitat verrät. Wenn man beispielsweise einer
Person in der S-Bahn unabsichtlich auf den Fuß tritt, zeigt man damit noch keine
Aggression. Entscheidend ist, ob diese Aggression intendiert, sprich
zielgerichtet, vonstatten ging. Um bei dem Beispiel in der S-Bahn zu bleiben:
Sucht man sich einen speziellen Fahrgast aus und entreißt ihm dann z.B. sein
Fahrticket, ist dies Aggression, da es ein Verhalten ist, dass ein eindeutiges
Ziel verfolgt und zwar, die andere Person zu schädigen. Es muss jedoch nicht
zwingend sein, dass die Aggression ,,erfolgreich" oder körperlich war: Wenn die
Karte nicht weggenommen werden konnte, da die ausgewählte Person sich vielleicht
in diesem Moment weggedreht hat, wird dies ebenso als ,,Aggression" bezeichnet.
1 Von ,,Adgredi" ; vgl. Schmidt, Ralf: Was tun gegen Gewalt unter
Kindern und Jugendlichen? S.9 sowie Gugel, Günther: Erziehung und Gewalt.
Wie durch Familie, Schule, Fernsehen, Spielzeug und Jugendliteratur Aggression
und Gewalt entstehen. S.12
2 Drever, James/ Fröhlich, Werner: dtv-Wörterbuch zur Psychologie. 5. neu
beab. Aufl. München 1971 in Gugel, Günther: Erziehung und Gewalt. Wie
durch Familie, Schule, Fernsehen, Spielzeug und Jugendliteratur Aggression und
Gewalt entstehen. S.12
3 ebd. S.12 sowie Nolting, Hans-Peter: Lernfall Aggression. Wie sie entsteht-
wie sie zu vermindern ist. S.15f
4 In: Nolting, Hans-Peter: Lernfall Aggression. Wie sie entsteht- wie sie zu
vermindern ist. S.15
5 In: Bründel, Heidrun/ Hurrelmann, Klaus: Gewalt an Schulen. Pädagogische
Antworten auf eine soziale Krise. S.11
5
Auch auf verbalem Wege kann man Aggressionen zeigen, wenn man zum
Beispiel in dieser erdachten S-Bahn über die betreffende Person erzählt, sie
hätte zuvor im Kaufhaus etwas geklaut. Ist diese Aussage intendiert und basiert
nicht nur auf einem Irrtum, ist von ,,Aggression" zu reden, da man auch hier den
anderen Menschen durch sein Verhalten schädigen will.6 Auch das Vorgehen gegen
Gegenstände wird der Aggression zugerechnet7, d.h. das nicht unmittelbar eine
Person betroffen sein muss, um von ,,Aggression" sprechen zu können. Angemerkt
werden muss, dass natürlich das Ausmaß des Vorgehens entscheidend ist.
Aggression ist es dann nicht mehr, wenn man z.B. eine Türe kurz und klein
schlägt. Ab diesem (ungehemmten) Punkt rechnet man das Verhalten der Gewalt zu.8
2.2 Aggressivität
Auch eine präzise Unterscheidung von ,,Aggression" und ,,Aggressivität" ist
nicht besonders einfach. Jedoch geht man heute davon aus, dass ,,Aggressivität"
die ,,individuelle Ausprägung der Häufigkeit und Intensität aggressiven
Verhaltens"9 bedeutet. Während also die ,,Aggression" sozusagen als eine Art
Überbegriff im Sinne einer Verhaltensbeschreibung meint, bezieht sich
,,Aggressivität" auf spezielle ,,Eigenschaften."10 Diese spezielle Eigenschaft
ist wahrscheinlich im Menschen verankert, eine gewisse Aggressivität scheint uns
wohl innezuwohnen.
Das es sich bei ,,Aggressivität" nicht um ein unnatürliches Verhalten handelt,
sieht, hört oder liest man immer wieder, unter anderem oder vielleicht sogar vor
allem im Sport (z.B.: ,,Wir müssen aggressiv in die Zweikämpfe gehen.").
,,Aggressivität" ist zu verstehen als die Wut, die einen überkommt, wenn, um ein
Beispiel anzuführen, der Computer nicht das macht, was man möchte. Es beschreibt
das (natürliche?) Verlangen, den PC zu zerstören. Zur ,,Aggression" wird es zu
dem Zeitpunkt, ab dem man tatsächlich gegen diesen Gegenstand vorgeht.11
6 Vgl. Nolting, Hans-Peter: Lernfall Aggression. Wie sie entsteht- wie
sie zu vermindern ist. S.17ff sowie Bäuerle, Siegfried: Ursachen von
Gewalt in der Schule in Bäuerle, Siegfried u.a.: Gewalt in der Schule.
S.8f sowie Gallschütz, Christoph u.a.: Aggressives Verhalten und Gewalt
in der Schule. Prävention und konstruktiver Umgang mit Konflikten. S. 38
7 Vgl. Bründel, Heidrun/ Hurrelmann, Klaus: Gewalt an Schulen. Pädagogische
Antworten auf eine soziale Krise. S.11
8 Siehe Abschnitt 2.3 Gewalt
9 In: Nolting, Hans-Peter: Lernfall Aggression. Wie sie entsteht- wie sie zu
vermindern ist. S.15f
10 ebd. S.15f
11 Vgl.: Bründel, Heidrun/ Hurrelmann, Klaus: Gewalt an Schulen. Pädagogische
Antworten auf eine soziale Krise. S.11 sowie Bäuerle, Siegfried: Ursachen
von Gewalt in der Schule in Bäuerle, Siegfried u.a.: Gewalt in der
Schule. S.8
6
2.3 Gewalt
Wenn man nun davon ausgeht, dass ,,Aggression" schon die Aktion gegen eine
Person bzw. eine Sache bedeutet, stellt sich die Frage, was denn der Begriff der
,,Gewalt" beinhaltet. Kurz gefasst kann man sagen, dass ,,Gewalt" eine
schwerwiegende Form der ,,Aggression" ist.12 Was ist jedoch ,,schwerwiegend"?
Erinnern wir uns an das Beispiel zur ,,Aggression". Jemandem die Fahrkarte zu
entreißen ist unverschämt und auch bestimmt körperlich, die schädigende
Intention ist aber eher nicht auf der Basis der äußeren Verletzung zu finden.
Vielmehr ist physische Gewalt, sowohl gegen Menschen als auch gegen Sachen, das
Vorhaben, jemandem ,,bewusst Schmerz bzw. Schaden zuzufügen."13
Aber auch hier wird wieder deutlich, wie schwierig eine genaue
Begriffsbestimmung ist: Das Wegnehmen der Fahrkarte ist ein bewusster Akt, der
der anderen Person Schaden zufügt. An dieser Stelle soll nochmals auf das Ausmaß
hingewiesen werden. Man kann behaupten, dass die Vorstellung dieses Ausmaßes
relativ ist, allerdings ist das Vorgehen hier nicht unbedingt massiv. Den
Begriff ,,Gewalt" könnte man zwar ohne weiteres hier verwenden14, doch gibt er
den Sachverhalt nur sehr ungenau wieder, da man unter ,,Gewalt" im
wissenschaftlichen Sinn und auch dem öffentlichen Verständnis nach meist das
eben angesprochene ungehemmtere, massivere Verhalten versteht.15
Auch die Erkenntnis, dass Gewalt nicht zwingend ,,nur die körperliche
Verletzung eines Menschen auf der Basis von Aggressionen bezeichnet"16
bedeutet nicht unbedingt, dass die Begriffe ,,Aggression" und ,,Gewalt" völlig
sinngleich sind. Allerdings werden sie zunehmend, auch in der Fachliteratur,
synonym verwendet. Hier gibt es eben jene definitorische Unterschiede. Die
Forschung hat neben den physischen mittlerweile auch die psychische und auch die
verbale Gewalt mitaufgenommen. Entscheidend sind hier wieder Intention und
Ausmaß sowie die erwählte Definition. Auf die physische, psychische/verbale und
auch strukturelle Gewalt wird im Folgenden eingegangen.
12 Vgl.: Nolting, Hans-Peter: Lernfall Aggression. Wie sie entsteht- wie
sie zu vermindern ist. S.16 sowie Schmidt, Ralf: Was tun gegen Gewalt
unter Kindern und Jugendlichen? S.9
13 Vgl.: Schmidt, Ralf: Was tun gegen Gewalt unter Kindern und Jugendlichen?
S.9
14 Vgl.: Bründel, Heidrun/ Hurrelmann, Klaus: Gewalt an Schulen. Pädagogische
Antworten auf eine soziale Krise. S.11f
15 Vgl.: Klewin, Gabriele/ Popp, Ulrike: Gewaltverständnis und Reaktionen auf
Schülergewalt aus der Sicht von Schüler(innen) und Lehrer(innen) in Melzer,
Wolfgang: Gewalt an Schulen. Analyse und Prävention. S.59
16 Vgl.: Bründel, Heidrun/ Hurrelmann, Klaus: Gewalt an Schulen. Pädagogische
Antworten auf eine soziale Krise. S.16f
7
2.3.1 Körperliche Gewalt
Ohne nun noch mal auf die Schwierigkeit der Unterscheidung zwischen
,,Aggression" und ,,Gewalt" hinzuweisen, wird nun beschrieben, was physische
Gewalt beinhaltet: ,,Physische Gewalt ist die Schädigung oder Verletzung
eines oder mehrerer Menschen durch körperliche Kraft und/oder andere
Zwangsmittel. Zu den vorherrschenden Zwangsmitteln gehören Waffen aller Art."17
Diese Definition besagt also, dass ein direktes Vorgehen gegen eine Person das
entscheidende Kriterium ist. Sinnvoller erscheint es jedoch, diese Definition zu
erweitern und zwar um die ,,Gewalt gegen Sachen".18 Die schwerwiegende Form, der
Vandalismus19, weist die selben Merkmale auf, wie Gewaltausübung gegen Menschen,
außer, dass es sich eben nicht um Lebewesen handelt. Allerdings ist auch hier
ungehemmtes, massives und schädigendes Verhalten zu erkennen. Gewalt, in diesem
Fall die Gewalt physischer Art, ist also Objektbezogen. 20 Hierbei kann auch die
selbstbezogene Gewalt, die Autoaggression, genannt werden.21 In diesem
speziellen Fall lässt sich nur schwer feststellen, ab wann es ,,Aggression" ist
und wann ,,Gewalt", da hier das persönliche Empfinden der betroffenen Person
ausschlaggebend ist. Unter Umständen kann hier wieder die schwere als Indikator
dienen. Eine genaue Definition, in welche Kategorie selbstzerstörerisches
Verhalten zu verorten ist, ist schwierig, weshalb auch mittlerweile von
,,Autodestruktion"22 die Rede ist. Hierbei aber von rein körperlicher Gewalt zu
reden, käme der Wirklichkeit jedoch nicht sehr nahe, da die Selbstverletzung, im
Sinne von Verstümmelung aber auch im Sinne von körperlicher Eingeschränktheit
durch hervorgerufene Beschwerden, abhängig ist von der psychischen Konstitution,
also der Punkt der ,,psychischen Gewalt" entscheidend mitwirkt.
Sexuelle Gewalt ist auch ein vorwiegend körperlicher Ausdruck von Gewalt, wobei
auch hier die Verbindung mit der psychischen wie auch der verbalen Gewalt nicht
verschwiegen werden darf. Sexuelle Gewalt dient der Befriedigung des Täters,
indem er seine Opfer zu reinen Gegenständen seines Triebes degradiert. Der Wille
des Gegenübers wird dabei gänzlich außer Acht gelassen.23
17 ebd. S.18
18 Siehe Abschnitt 2.2.1 ,,Gewalt" oder ,,Aggression" gegen Gegenstände?
19 Siehe: Bäuerle, Siegfried: Ursachen von Gewalt in der Schule in
Bäuerle, Siegfried u.a.: Gewalt in der Schule. S.9
20 ebd. S.9
21 Vgl.: Struck, Peter: Wie schütze Ich mein Kind vor Gewalt in der Schule?
Erfolgskonzepte gegen Aggressionen. S.16 sowie Merkens, Luise:
Aggressivität im Kindes- und Jugendalter. Entstehung, Ausdrucksformen,
Interventionen. S.40ff
22 ebd. S.16
23 ebd. S.15
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