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Examination Thesis, 2008, 80 Pages
Author: Sven Köhler
Subject: Pedagogy: Common Didactics, Educational Objectives
Details
Tags: Respekt, Schüler-Lehrer-Beziehung, Begriff, Entstehung, Konsequenzen
Year: 2008
Pages: 80
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 73 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-27960-9
ISBN (Book): 978-3-640-28331-6
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Abstract
»Respect – Find out what it means to me!« (ARETHA FRANKLIN) Respekt ist ein äußerst vielschichtiger und facettenreicher Begriff, der im Laufe der Zeit immer wieder Wandlungsprozesse durchlief und in der Folge unterschiedlichste Verständnisweisen mit sich brachte. Diese Vielschichtigkeit zeigt sich besonders dann, wenn man den Begriff und seine Verwendung im schulischen Kontext betrachtet. So hieß es zu Beginn des letzten Jahrhunderts in einem Ratgeber zum Thema Respekt noch: »Der Schüler sehe dem Lehrer manchen Wunsch von den Augen ab. Er hebe ihm heruntergefallene Gegenstände auf, sei ihm behilflich beim Anziehen des Überrocks, reiche ihm Hut, Stock oder Schirm dar. Er öffne ihm bei passender Gelegenheit, auch außerhalb des Unterrichts, die Türe. Treffen beide an einer Türe zusammen, so lasse der Schüler dem Lehrer den Vortritt und gehe dann hinter ihm her.« Dass dieses Verständnis von Respekt nicht mehr zeitgemäß und fern jeder Realität erscheint, steht außer Frage, wobei ohnehin äußerst fraglich ist, ob sich das obige Zitat wirklich auf Respekt bezieht, oder ob damit nicht vielmehr allgemeine Regeln der Höflichkeit, beziehungsweise des Anstandes gemeint sind. In der Folge solcher Vorstellungen und ihrer Pervertierung in Gestalt der immer stärkeren Gleichsetzung von Respekt mit absolutem Gehorsam und Unterordnung bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, kam es schließlich dazu, dass der Begriff nahezu völlig aus dem pädagogischen Sprachgebrauch verschwand. In der schulischen Realität kommt dem Begriff dagegen nach wie vor eine große Bedeutung zu: Nach HONNETH erwartet der Mensch von seiner sozialen Umwelt neben der allgemeinen Respektierung seiner Rechte gleichzeitig auch die Respektierung seiner jeweiligen spezifischen Bemühungen und Leistungen. Im Umkehrschluss entstehen dementsprechend Frustrationen und Probleme, wenn jene Anstrengungen nicht die jeweils als angemessen erachtete positive Beachtung finden. Dies gilt in besonderem Maße für die Schule: Denn dort befinden sich die Akteure in einer Zwangsgemeinschaft, in der sich in der Regel keiner der Beteiligten – ganz gleich, ob es sich um Schüler oder Lehrer handelt – aussuchen kann, ob er mit dem jeweiligen Gegenüber in Kontakt treten möchte, weshalb der Respekt vor diesem Gegenüber ein wichtiges Fundament einer funktionierenden Schüler-Lehrer-Beziehung darstellt. Wie dieser Respekt entstehen kann, welche Faktoren von Bedeutung sind und woran er letztlich scheitern kann, ist Kern dieser Arbeit.
Excerpt (computer-generated)
12. November 2007
WISSENSCHAFTLICHE HAUSARBEIT
FÜR DAS LEHRAMT AN HAUPT- UND REALSCHULEN
eingereicht dem AMT FÜR LEHRERBILDUNG
____________________________________________________________
Thema:
RESPEKT IN DER
SCHÜLER-LEHRER-BEZIEHUNG
BEGRIFF, ENTSTEHUNG UND
KONSEQUENZEN
____________________________________________________________
FACHBEREICH ERZIEHUNGSWISSENSCHAFTEN
INSTITUT FÜR PÄDAGOGIK DER SEKUNDARSTUFE
JOHANN WOLFGANG GOETHE-UNIVERSITÄT
Frankfurt am Main
Sven Köhler
RESPEKT IN DER SCHÜLER-LEHRER-BEZIEHUNG BEGRIFF, ENTSTEHUNG UND KONSEQUENZEN
_______________________________________________________________________________________________________________________________
INHALT
1. EINLEITUNG
6
2. DER BEGRIFF RESPEKT DEFINITION, BEDEUTUNG
UND VERSTÄNDNISWEISEN
12
2.1. DER FORSCHUNGSSTAND: RESPEKT IN DER PÄDAGOGISCHEN
FACHLITERATUR 12
2.1.1. GORDON: Die Lehrer-Schüler-Konferenz 12
2.1.2. Exkurs: Respekt und Macht 13
2.1.3. DICHANZ: Autorität, Ansehen und Respekt 15
2.1.4. SCHWEER: Gegenseitiges Vertrauen 16
2.1.5. KOWALCZYK und OTTICH: Respektvoller Umgang
miteinander 17
2.2 EINE KRITISCHE GESAMTBETRACHTUNG 19
2.3. DER BEGRIFF 20
2.3.1. FEINBERG:
Respekt
,
Observantia
und
Referentia
21
2.3.2. HUDSON:
Evaluative
,
Obstacle
,
Directive
und
Institutional Respect
23
2.3.3. DARWALL:
Appraisal
und
Recognition Respect
25
2.3.4. GLESER: Respekt in der Lehrer-Schüler-Beziehung 27
2.3.5. Exkurs: Etikettenschwindel Was Respekt nicht ist 30
3
INHALT
_______________________________________________________________________________________________________________________________
2.4. RESPEKT UND AUTORITÄT 32
2.4.1. Persönliche Autorität 33
2.4.2. Sachliche Autorität 34
2.4.3. Institutionelle Autorität 34
2.5. EIGENE DEFINITION: UNTERRICHTSRESPEKT 36
2.5.1. Persönlicher Unterrichtsrespekt 37
2.5.2. Sachlicher Unterrichtsrespekt 40
2.5.3. Institutioneller Unterrichtsrespekt 41
2.6. ZUSAMMENFASSUNG 45
3. UNTERRICHTSBEOBACHTUNG UND
KLASSENGESPRÄCHE
47
3.1. HINTERGRÜNDE UND DURCHFÜHRUNG 47
3.1.1. Gewinnung der Stichprobe 47
3.1.2. Vertretungsunterricht und Unterrichtsrespekt 48
3.1.3. Durchführung und Instrumentarium 48
3.2. DARSTELLUNG UND INTERPRETATION DER ERGEBNISSE 51
3.2.1. »
Der richtige Lehrer bewertet
!« 51
3.2.2. Auswertung 53
3.2.3. »
Keine Information und keine Zeit
« 58
3.2.4. Auswertung 58
4
INHALT
_______________________________________________________________________________________________________________________________
3.2.5. »
Der Ausflug wird gestrichen
!« 59
3.2.6. Auswertung 60
3.2.7. »
Die Offenbarung
« 61
3.2.8. Auswertung 62
3.2.9. »
Überzeugende Kompetenz
« 63
3.2.10. Auswertung 64
4. SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK
66
LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS
70
5
RESPEKT IN DER SCHÜLER-LEHRER-BEZIEHUNG BEGRIFF, ENTSTEHUNG UND KONSEQUENZEN
______________________________________________________________________________________________________________________________
1. EINLEITUNG
»
Respect
Find out what it means to me
!«
(ARETHA FRANKLIN zitiert nach DOBKIN 2004, S. 169)
Respekt ist ein äußerst vielschichtiger und facettenreicher Begriff, der im
Laufe der Zeit immer wieder einflussreiche Wandlungsprozesse durchlief und
in der Folge unterschiedlichste Verständnisweisen mit sich brachte. Diese Viel-
schichtigkeit zeigt sich besonders dann, wenn man den Begriff und seine Ver-
wendung im schulischen Kontext betrachtet. So hieß es zu Beginn des letzten
Jahrhunderts in einem Ratgeber zum Thema Respekt noch:1
»
Der Schüler sehe dem Lehrer manchen Wunsch von den Augen
ab
.
Er hebe ihm heruntergefallene Gegenstände auf
,
sei ihm be-
hilflich beim Anziehen des Überrocks
,
reiche ihm Hut
,
Stock
oder Schirm dar
.
Er öffne ihm bei passender Gelegenheit
,
auch
außerhalb des Unterrichts
,
die Türe
.
Treffen beide an einer Türe
zusammen
,
so lasse der Schüler dem Lehrer den Vortritt und
gehe dann hinter ihm her
.« (zitiert nach KOWALCZYK und
OTTICH 2003, S. 51)
Dass dieses Verständnis von Respekt nicht mehr zeitgemäß und fern jeder Re-
alität erscheint, steht außer Frage, wobei ohnehin äußerst fraglich ist, ob sich
das obige Zitat wirklich auf Respekt bezieht, oder ob damit nicht vielmehr all-
gemeine Regeln der Höflichkeit, beziehungsweise des Anstandes gemeint sind.
In der Folge solcher Vorstellungen und ihrer Pervertierung in Gestalt der im-
mer stärkeren Gleichsetzung von Respekt mit absolutem Gehorsam und Unter-
ordnung bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (SCARBATH 1984, S. 326),
1 Die in dieser Arbeit verwendeten Zitate wurden an die Regeln der Neuen Deutschen
Rechtschreibung angeglichen. Formatierungen innerhalb von Quellen, wie Fettschrift oder
Unterstreichungen, wurden nicht übernommen.
6
EINLEITUNG
_______________________________________________________________________________________________________________________________
kam es schließlich dazu, dass der Begriff nahezu völlig aus dem pädagogischen
Sprachgebrauch verschwand:
»
Respekt war ein Wort
,
das die antiautoritäre Generation hinter
sich gelassen zu haben glaubte
.
Förmlich
,
ziemlich steif und ei-
gentlich lächerlich
.
Respekt verlangen Erwachsene von denen
,
die sie unmündig halten wollten
.« (KAHL 2002, S. 42)
In der schulischen Realität kommt dem Begriff dagegen nach wie vor eine
große Bedeutung zu: Nach HONNETH erwartet der Mensch von seiner sozialen
Umwelt neben der allgemeinen Respektierung seiner Rechte gleichzeitig auch
die Respektierung seiner jeweiligen spezifischen Bemühungen und Leistungen
(HONNETH 1994, S. 217). Im Umkehrschluss entstehen dementsprechend Frust-
rationen und Probleme, wenn jene Anstrengungen nicht die jeweils als ange-
messen erachtete positive Beachtung finden (HONNETH 1994, S. 217). Dies gilt
in besonderem Maße für die Schule und die Schüler-Lehrer-Beziehung: Denn
dort befinden sich die Akteure in einer Zwangsgemeinschaft, in der sich in der
Regel keiner der Beteiligten ganz gleich, ob es sich um Schüler2 oder Lehrer
handelt aussuchen kann, ob er mit dem jeweiligen Gegenüber in Kontakt
treten möchte (SCHWEER 2000, S. 130-131), weshalb der Respekt vor diesem
Gegenüber ein wichtiges Fundament einer funktionierenden Schüler-Lehrer-
Beziehung darstellt.
Die tiefgreifenden Veränderungen in der Lebenswelt von Kindern und Jugend-
lichen, die in jüngerer Vergangenheit zu beobachten waren, stellen nun gänz-
lich neue Herausforderungen (NICKEL 1985, S. 257), die wiederum unmittel-
bare Auswirkungen auf den Respekt haben: Zunächst hat der Anspruch auf
Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung in den letzten Jahren und Jahr-
zehnten immer mehr an Gewicht gewonnen (GIESECKE 2005, S. 44). Dieser
Anspruch stößt in der aktuell bestehenden Schule jedoch an deutliche Grenzen,
die etwa aus der Begrenztheit materieller Ressourcen (FREI 2003, S. 18), oder
auch schlicht aus mangelnder Handlungskompetenz der Lehrkräfte bestehen
können, mit solchen Ansprüchen in angemessener Art und Weise umzugehen
2 Im Sinne der besseren Lesbarkeit wird bei der Bezeichnung von Personengruppen im Folgen-
den in der Regel nur die maskuline Form genannt. Sie schließt weibliche Personen ein.
7
EINLEITUNG
_______________________________________________________________________________________________________________________________
(BAUER 2001, S. 16). Eine weitere Schwierigkeit erwächst dadurch, dass
Schule eine »
Sonderwelt
« darstellt, die nicht identisch mit jener sozialen Um-
gebung ist, auf die sie schließlich vorbereiten soll (HURRELMANN 1985, S.
213). Somit stehen Schulen und Lehrer in immer stärkerem Maße vor der Auf-
gabe, die Schüler auf das Leben in einer Welt vorzubereiten, die man in weiten
Teilen noch nicht kennt (SPITZER 2002, S. 421). Insbesondere die Medien und
die Kompetenzen zu deren Nutzung verstärken diese Tendenz (VON HENTIG
2003, S. 39): Vielfach weiß die junge Generation auf diesem Gebiet mehr als
die Erwachsenen, beziehungsweise die Schüler mehr als ihre Lehrer (BENNACK
2006, S. 40). Durch diese Veränderungen in der Lebenswelt ist eine generelle
Angleichungstendenz zwischen Lehrperson und Lernenden zu beobachten, die
dazu führt, dass der einst gesicherte Glaube an die Autorität des Wissenden ab-
gelöst wird (MEAD 1971, S. 14). Damit ist auch das jeweilige Verständnis von
Respekt tangiert.
Weiterhin ist eine wertebezogene Pluralisierung, eine von den Autoren der 13.
SHELL JUGENDSTUDIE so genannte »
Inflation am Wertehimmel
« (DEUTSCHE
SHELL 2000, S. 93), zu beobachten, die sich aus der Vielfalt von Lebenswelten
und Lebensweisen ergibt. Dadurch erleben sie eine Vielzahl von Alltagen und
Lebensmodellen (LEMPER-PYCHLAU 2007, S. 88), die nicht
mehr eindeutig
hierarchisierbar sind (FREI 2003, S. 20): Das funktional Dringlichste wie etwa
die Schule für den Schüler, ist für ihn nicht unbedingt dasjenige, dem er auch
die meiste Bedeutsamkeit zuspricht (ZIEHE 1996, S. 143). Dass dies deutliche
Konsequenzen für den Respekt in der Schüler-Lehrer-Beziehung hat, ist unbe-
streitbar: Die Schule und damit auch der Lehrer sehen sich einer zuneh-
menden Konkurrenz mit anderen Bereichen ausgesetzt und müssen um ihren
Stellenwert in der Lebenswelt des Jugendlichen kämpfen (BENNACK 2006, S.
44), da er die Schule wie gesehen nicht mehr ohne Weiteres als bedeutsam
ansieht. Damit ist auch die Frage nach der Legitimität und dem Sinn der Unter-
richtsinhalte und des Lehrerhandelns an sich stets präsent (ZIEHE 1996, S. 89).
Mit diesem Begründungsbedürfnis und den aus der Konfrontation von
individuellem Anspruch und schulischer Wirklichkeit resultierenden Spannun-
8
EINLEITUNG
_______________________________________________________________________________________________________________________________
gen und Reaktionen der Schüler, sehen sich Lehrer nun in immer stärkerem
Ausmaß konfrontiert (FREI 2003, S. 18). Die Lehrperson wird nicht mehr als
selbstverständlich und a priori zu respektierende Autoritätsperson wahrge-
nommen (ZIEHE 1983, S. 318), sondern es findet ein ständiges Hinterfragen,
Beurteilen und Einschätzen statt.
All diese Veränderungen, die den Kern der individuellen Identität und des be-
ruflichen Selbstverständnisses heutiger und zukünftiger Lehrer berühren
(HEYMANN 2006 a, S. 32), bedingen Fragen wie die folgenden, aus denen sich
enorme Unsicherheiten herauslesen lassen, die wiederum in besonderem Maße
mit Respekt zu tun haben: »
Werden mich die Schüler überhaupt ernst nehmen
?
Werden sie mich respektieren
?
Werde ich mich
,
wenn es sein muss
,
durchset-
zen können
?« (HEYMANN 2006 a, S. 32)
Daneben existieren weitere, zum Teil sehr drastische Beispiele, die zeigen,
dass das Thema im schulischen Kontext in der Tat von großer Relevanz ist: So
schrieb die BERLINER ZEITUNG am 31. März des Jahres 2006 unmittelbar
nach den Geschehnissen an der Berliner RÜTLI-SCHULE unter der Überschrift
»
Das randalierende Klassenzimmer
«: »
Die Autorität der Lehrer sinkt
,
die Ju-
gendgewalt steigt
,
und der gegenseitige Respekt nimmt ab
.« (MÖSKEN 2006)
Insbesondere die Lehrer würden »
nicht mehr respektiert
« (MILLER, THOMSEN
und MÖSKEN 2006). Auch neueste Phänomene wie das sogenannte
»
Cyberbullying
«
stehen unbestreitbar mit Respekt, beziehungsweise mit sei-
nem Fehlen in Verbindung:
»
Der Pauker ist der Trottel
:
Nach diesem Muster laufen all die
Filme ab
,
die zuhauf auf Internetseiten stehen wie
youtube.com
oder myvideo.de
.
In der Hauptrolle der Lehrer
,
der es nicht
weiß
,
weil er heimlich mit dem Handy aufgenommen wird
.
In den
Nebenrollen Schüler
,
die ihn gnadenlos provozieren und seinen
Wutausbruch oder seine Hilflosigkeit ebenso gnadenlos ins Netz
stellen
.« (VON WRANGEL 2007)
Im Rahmen von Vorfällen dieser Art, werden in der Regel die immergleichen
Forderungen und Appelle nach Disziplin, einem offenen Ohr für die Stimmen
9
EINLEITUNG
_______________________________________________________________________________________________________________________________
der Kinder und Jugendlichen oder eben nach mehr Respekt erhoben (FREI
2003, S. 14).
Auch der Bundespräsident schlägt, ebenfalls unter dem Eindruck der Ereig-
nisse an der RÜTLI-SCHULE, in seiner BERLINER REDE aus dem Jahre 2006 in
die gleiche Kerbe und sieht Respekt als entscheidenden Faktor auf dem Weg zu
einer »
Bildung für alle
« (KÖHLER 2006, S. 1-2):
»
Bildung braucht Anerkennung
!
Wer jungen Menschen Bildung
vermittelt
,
hat Achtung und Unterstützung verdient
.
Und wer mit
Freude lernt und sich mit Eifer neues Wissen aneignet
,
hat An-
spruch auf Wertschätzung und Respekt
.« (KÖHLER 2006, S. 5)
Hier zeigt sich jedoch in besonderem Maße die Gefahr, dass der Begriff zu
einem bloßen Schlagwort verkommt, welches bei mehr oder minder passender
Gelegenheit als Allheilmittel in die bildungspolitischen Diskurse eingeworfen
wird, ohne dass ein wirklich klares und allgemeingültiges Verständnis darüber
bestünde.
Diese Uneindeutigkeit vergrößert sich nochmals, wenn auch die alltagssprach-
liche Verwendung einbezogen wird: So geht etwa die von HORST KÖHLER an-
gesprochene junge Generation selbst äußerst unbefangen mit dem Begriff um
und hat Respekt längst in ihren Sprachschatz übernommen:
»
Respect
!
Wie ein Refrain zieht sich das Wort durch den Sprech-
gesang der aus nordamerikanischen Ghettos kommenden
HipHop
-
Musik
.
Auch hier zu Lande ist es zu einem Schlüsselwort
der Jugendkultur geworden
.« (KAHL 2002, S. 42)
Und dies in dem Sinne, dass damit Aufmerksamkeit, Resonanz und ein Min-
destmaß an Anerkennung eingefordert werden (KAHL 2002, S. 42). Daneben
gibt es ein weiteres, häufig anzutreffendes Verständnis von Respekt, das sich
im folgenden Zitat exemplarisch ausdrückt: So attestierte etwa der Kommen-
tator des DFB-Pokalspiels zwischen Holstein Kiel und dem Hamburger Sport-
verein in der ersten Runde am 5. August 2007 den viertklassigen Gastgebern,
dass »
aus Respekt vor dem Erstligisten langsam Mut
« würde.
10
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