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Termpaper, 2006, 35 Pages
Authors: Marco Alves, Tobias Pont
Subject: Environmental Sciences
Details
Institution/College: Leuphana Universität Lüneburg (Institut für Rechtswissenschaften)
Tags: Bestrebungen, Food, Agriculture, Organisation, Zugangsregulierung, Ressourcen, Antwort, Problematiken, Kontext, Biodiversität, Zugang, Ressourcen, Megadiversitätsländern, Aspekte
Year: 2006
Pages: 35
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 27 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-28998-1
ISBN (Book): 978-3-640-29013-0
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Abstract
Die Welt wird durch eine steigende Weltbevölkerung, einer weltweiten Zunahme von Hunger und Armut, sowie einem fortschreitenden Klimawandel und Umweltverschmutzung großen Herausforderungen unterworfen. Die biotechnologische Verwertung und Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen spielt hierbei im Hinblick auf die Sicherung und Sicherheit der zukünftigen Nahrungsmittelproduktion eine entscheidende Rolle. Durch die Exploration und den Erhalt einer hohen Vielfalt an pflanzengenetischen Ressourcen kann eine Grundlage geschaffen werden, um auf die Herausforderungen von sich verändernden Situationen reagieren zu können. Genetische Ressourcen sind aus ökonomischer Sicht Hilfsmittel um bestimmte Produktionen in Gang zu setzen. Es handelt sich um eine Ressource, wenn Zugänglichkeit gegeben ist, wenn das Hilfsmittel technisch nutzbar gemacht werden kann und wenn das Hilfsmittel, gerade vor dem Hintergrund der Landwirtschaft als „big business“, einen Wert für die Wirtschaft hat. Wie es so oft bei einem Nutzen für die Wirtschaft ist, so hat auch diese Medaille eine Kehrseite. Genetische Ressourcen fungieren als wirtschaftliche Güter, deren biotechnologische Verwertung und deren Konsum im Zusammenhang mit Patentierung in den Punkten Zugang, Nutzung und Nutzen Problematiken aufwirft. Diesen Problematiken gilt es, aufgrund der hohen Wertigkeit pflanzengenetischer Ressourcen für die Bekämpfung der oben genannten Herausforderungen und der sich daraus resultierenden Notwendigkeit der Charakterisierung, Konservierung und Nutzung phytogenetischer Ressourcen, durch entsprechende Regulierungen beim Zugang entgegenzuwirken. Die Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) ist hierbei ein bedeutender Akteur, der sich mit der dargestellten Gesamtproblematik befasst und eine Vielzahl von Lösungs- und Ansatzwegen hervorgebracht hat.
Fulltext (computer-generated)
Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Institut für Rechtswissenschaften
Bestrebungen der Food and Agriculture
Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler
Zugangsregulierung pflanzengenetischer
Ressourcen als Antwort auf Problematiken im
Kontext von Biodiversität
Hausarbeit zum Seminar
,,Zugang zu genetischen Ressourcen in Megadiversitätsländern. Ökonomische,
rechtliche und soziokulturel e Aspekte"
im Wintersemester 2005 / 2006
Tobias Pont
Marco Alves
Studienfach Europastudien
Studienfach Umweltökonomie
Siebtes Fachsemester
Siebtes Fachsemester
Lüneburg, den 28.02.2006
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
1.1 Vorworte 3
1.2 Theoretischer Rahmen und Methoden 5
2. Die Food and Agriculture Organization of the United Nations 7
2.1 Selbstverständnis und al gemeine Ziele der FAO 8
2.2 Aktivitäten der FAO 9
3. Die Bedeutung von Biodiversität 10
3.1 Der Wert von Biodiversität 10
3.2 Die Gefährdung von Biodiversität 12
3.3 Die Bedeutung von Biotechnologie für den Erhalt der Biodiversität durch
Charakterisierung und Konservierung phytogenetischer Ressourcen 14
4. Problematiken im Kontext von Biodiversität 16
4.1 Folgen der Einführung geistiger Eigentumsrechte auf pflanzengenetische
Ressourcen 16
4.2 Biopiraterie 22
5. Zugangsregulierung pflanzengenetischer Ressourcen von Seiten der FAO 26
6. Fazit 30
Literaturverzeichnis
2
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
1.
Einleitung
1.1
Vorworte
Die Welt wird durch eine steigende Weltbevölkerung, einer weltweiten Zunahme von Hunger
und Armut, sowie einem fortschreitenden Klimawandel und Umweltverschmutzung großen
Herausforderungen unterworfen.
Die biotechnologische Verwertung und Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen spielt
hierbei
im
Hinblick
auf
die
Sicherung
und
Sicherheit
der
zukünftigen
Nahrungsmittelproduktion eine entscheidende Rol e, wobei durch die Exploration und den
Erhalt einer hohen Vielfalt an pflanzengenetischen Ressourcen (einem hohen Maße an
Biodiversität) eine Grundlage geschaffen werden kann, um auf die Herausforderungen von
sich verändernden Situationen, wie zum Beispiel durch eine Steigerung von Angebot,
Diversität und Qualität von Nahrungsmitteln, sowie durch eine Reduzierung der Kosten für
Produktion und umweltbezogene Defensivmaßnahmen, reagieren zu können.
Genetische Ressourcen sind aus ökonomischer Sicht Hilfsmittel um bestimmte Produktionen
in Gang zu setzen. Es handelt sich um eine Ressource, wenn Zugänglichkeit gegeben ist,
wenn das Hilfsmittel technisch nutzbar gemacht werden kann und wenn das Hilfsmittel,
gerade vor dem Hintergrund der Landwirtschaft als ,,big business", einen Wert für die
Wirtschaft hat.
Wie es so oft bei einem Nutzen für die Wirtschaft ist, so hat auch diese Medaille eine
Kehrseite. Genetische Ressourcen fungieren als wirtschaftliche Güter, deren
biotechnologische Verwertung und deren Konsum im Zusammenhang mit Patentierung in
den Punkten Zugang, Nutzung und Nutzen Problematiken aufwirft.
Diesen Problematiken gilt es, aufgrund der hohen Wertigkeit pflanzengenetischer
Ressourcen für die Bekämpfung der oben genannten Herausforderungen und der sich
daraus resultierenden Notwendigkeit der Charakterisierung, Konservierung und Nutzung
phytogenetischer Ressourcen, durch entsprechende Regulierungen beim Zugang
entgegenzuwirken.
3
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
Die Food and Agriculture Organization of the United Nations ist hierbei ein bedeutender
Akteur, der sich mit der dargestel ten Gesamtproblematik befasst und eine Vielzahl von
Lösungs- und Ansatzwegen hervorgebracht hat.
4
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
1.2
Theoretischer Rahmen und Methoden
Der vorliegenden Arbeit liegt ein theoretischer Rahmen zugrunde, der auf drei ethischen
Ansätzen beruht.
Diese sind der Ansatz der Menschenrechte, Minderheitenrechte und Rechte Indigener, der
Ansatz des Eurozentrismus, sowie der Ansatz des Utilitarismus.
Mit dem Ansatz des Eurozentrismus und dem Ansatz des Utilitarismus arbeiten wir heraus,
dass nach westlichen Vorstel ungen, Normen und Werten der Zugang, die Nutzung und der
Nutzen aus phytogenetischen Ressourcen sittlich gut und richtig ist, wenn es im Sinne des
größten Glückes der größten Zahl, wie es Jeremy Bentham1 formulierte, nützlich ist und
worin der Nutzen besteht.
Vor diesem Hintergrund behelfen wir uns des Ansatzes der Menschenrechte,
Minderheitenrechte und Rechte Indigener, um zu Betrachten was für negative Auswirkungen
sich im Zusammenhang mit dem Zugang und damit zusammenhängend Nutzung und
Nutzen phytogenetischer Ressourcen hauptsächlich auf Bauern, wie aber auch auf indigene
Bevölkerungsgruppen ergeben und welche Rechte dieser beiden Gruppen verletzt werden
und geschützt werden müssen.
Zur Verfolgung dieser Ansätze benutzen wir die problemorientierte Methode, wobei wir
folgendermaßen vorgehen:
Wir beginnen damit, die Food and Agriculture Organization der United Nations (FAO), deren
Selbstverständnis, al gemeine Ziele und Aktivitäten vorzustel en, da wir uns der in der
Einleitung aufgezeigten Problematik aus der Sicht der FAO nähern und deren Lösung aus
der Perspektive der FAO darstel en.
Im nachfolgenden Teil wird die Rolle von Biodiversität, deren Bedeutung und Gefährdung
beschrieben, da dies essentiel für das Verständnis ist, wie wichtig die Exploration, der Erhalt
und die Nutzung phytogenetischer Ressourcen für die zukünftige Nahrungssicherung und -
Sicherheit der Weltbevölkerung ist.
Anschließend gelangen wir zu dem Punkt der Darstel ung der Problematiken, die sich im
Zusammenhang mit Zugang, sowie damit zusammenhängend Nutzung und Nutzen der
1
Auf Jeremy Bentham und John Stuart Mill geht der Ansatz des Utilitarismus zurück. Vgl.
www.wikipedia.de; Suchbegriff: Utilitarismus; http://de.wikipedia.org/wiki/Utilitarismus
5
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
genetischen Ressourcen ergeben und zeigen dann im Folgenden auf, welche Regulierungen
im Bereich des Zugangs die FAO zur Lösung der Problematiken hervorgebracht hat.
Abschließend fassen wir zusammen, ob und wie diese Regulierungen global durchsetzbar
sind.
6
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
2.
Die Food and Agriculture Organization of the United
Nations
Die Food and Agriculture Organization (FAO) wurde am 16. Oktober 1945 in Quebec City,
Canada als spezialisierte Organisation der United Nations (UN) gegründet. Ihr Sitz ist seit
1951 in Rom und ihr amtierender Generaldirektor ist in der dritten Legislaturperiode2 Dr.
Jacques Diouf aus Senegal.3
Die FAO ist mit einem Haushaltsvolumen von 749,1 Millionen US$ (2004-2005) und einem
Personalbestand von etwa 3700 Mitarbeitern die größte Sonderorganisation der UN. Die
Mitgliedszahlen liegen bei 183 Einzelstaaten und der Europäischen Union (EU).4
Der als Welthungertag bekannte Welternährungstag erinnert nunmehr seit 60 Jahren nicht
nur an den Tag der Gründung der FAO, sondern auch an die weltweiten mit Ernährung
zusammenhängenden Problematiken, deren Lösung sich die FAO verschrieben hat.5
2
Eine Legislaturperiode als Generaldirektor dauert 6 Jahre
3
Vgl. Food and Agriculture Organization of the United Nations: Structure and Finance.
http://www.fao.org/UNFAO/about/finance_en.html
4
Vgl. Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei FAO, WFP und IFAD Rom: FAO.
http://www.rom-io.diplo.de/de/03/FAO.html
5
Vgl. www.wikipedia.de. Suchbegriff: FAO.
http://de.wikipedia.org/wiki/Food_and_Agriculture_Organization
7
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
2.1
Selbstverständnis und allgemeine Ziele der FAO
Vor dem Hintergrund internationaler Bestrebungen für Nahrungssicherung und
Nahrungssicherheit, sieht sich die FAO einerseits als neutrale Plattform für die Diskussion
und Aushandlung von Abkommen und Richtlinien, auf der die teilnehmenden Nationen
(Entwicklungs-, Schwel en- und Industrienationen) als gleichwertige Verhandlungspartner
angesehen werden. Andererseits sieht sich die FAO als ,,source of knowledge and
information"6, wodurch Entwicklungs- und Schwel enländern geholfen werden sol , ihre
Tätigkeiten im Bereich der Fischerei, Forst- und Landwirtschaft zu verbessern.
Angestrebt wird al en Menschen weltweit durch eine quantitative und qualitative Steigerung
Land-, Forst-, und Fischereiwirtschaftlicher Produktivität und einer verbesserten Verteilung
landwirtschaftlicher Erzeugnisse, regelmäßigen Zugang zu ausreichend qualitativ
hochwertigen Nahrungsmitteln zu ermöglichen, um letzten Endes ,,zur Überwindung von
Hunger und Unterernährung beizutragen"7 und den Menschen einen höheren
Lebensstandard zu sichern.
6
Food and Agriculture Organization of the United Nations: About Us.
http://www.fao.org/UNFAO/about/index_en.html
7
Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei FAO, WFP und IFAD Rom: Ziele der FAO.
http://www.rom-io.diplo.de/de/03/Ziele__der__FAO.html
8
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
2.2
Aktivitäten der FAO
Die Aktivitäten der FAO konzentrieren sich im Wesentlichen auf vier Bereiche.
Die Weltnahrungs- und Landwirtschaftsorganisation organisiert und unterstützt durch
technisches Know-How und in wenigen Fäl en auch mit finanziel en Mitteln eine Vielzahl von
Entwicklungshilfsprogrammen und Projekten. In Krisenfäl en arbeiten sie mit humanitären
Organisationen wie dem World Food Programme zusammen, um beispielsweise
Nahrungsmittelhilfe zu leisten.
Durch ein weites Spektrum an Experten und Wissenschaftlern der FAO werden
Informationen, die zur Entwicklung der weltweiten Land-, Forst-, Fischerei- und
Ernährungswirtschaft dienlich sind gesammelt, ausgewertet und über Dokumente auf der
FAO Internetseite, ,,hundreds of newsletters, reports and books, (...) several magazines,
numerous CD-ROMS and dozens of electronic fora"8 verbreitet. Als Beispiel für diese
Informationsarbeit kann die 1986 (als AGROSTAT) gegründete FAOSTAT genannt werden.
Eine multilinguale Onlinedatenbank, welche als weltweit umfassendstes Sammelsurium
standardisierter
und
validierter
internationaler
Statistiken
über
Landwirtschaft,
Forstwirtschaft, Fischereiwesen und Ernährung ist.9
Die Regierungen der Mitgliedsstaaten werden bei der Vorbereitung und Planung der
Implementierung effektiver gesetzgeberischer Maßnahmen im Bezug auf die Entwicklung
des ländlichen Raumes, oder der Bekämpfung von Hunger unterstützt und beraten. Auf
internationaler Ebene nimmt die FAO ebenso normative Aufgaben wahr, indem sie
beispielsweise internationale Lebensmittelstandards (durch die Codex Alimentarius
Commission10) entwickelt.11
Des Weiteren liegt eine der vier Hauptaktivitäten darin, politischen Entscheidungsträgern und
Experten ein Forum, sei es am Hauptsitz, oder in den lokalen Büros, zu bieten, um sich über
wichtige Fragen im Bezug auf Nahrung und Landwirtschaft auszutauschen.
8
Food and Agriculture Organization of the United Nations: FAO′s activities.
http://www.fao.org/UNFAO/about/activities_en.html
9
Vgl. FAOSTAT Homepage. http://faostat.fao.org/
10
Die Codex Alimentarius Commission wurde 1963 von FAO und WHO gegründet, um
Lebensmittelstandards,
Richtlinien und verwandte Texte wie Codes of Practice zu entwickeln.
11
Vgl. Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei FAO, WFP und IFAD Rom: Ziele der
FAO.
http://www.rom-io.diplo.de/de/03/Ziele__der__FAO.html
9
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
3.
Die Bedeutung von Biodiversität
3.1
Der Wert von Biodiversität
Im Rahmen des World Food Day 200412 hob der Generalsekretär der United Nations Kofi
Annan die besondere Bedeutung von Biodiversität hervor, indem er ,,individuals and
institutions alike" aufforderte, ,,to give greater attention to biodiversity as a key theme in our
efforts to fight the twin scourges of hunger and poverty and achieve the Mil ennium
Development Goals"13.
Die von Annan genannte Schlüsselrol e von Biodiversität, also der Diversität an genetischen
Ressourcen, liegt in mehreren Faktoren begründet, die im Folgenden aufgezeigt werden
sol en.
Die vor ca. 10000 Jahren begonnene Domestikation von Feldfrüchten, also die Anpassung
und das Einfügen ausgesuchter wilder Pflanzenarten in ein vom Menschen geschaffenes
spezielles Habitat, hatte zweierlei Auswirkungen. Einerseits beziehen sich diese
Auswirkungen auf menschliche Gesel schaften, nicht nur in dem Punkt, dass der Großteil
unserer Nahrung von domestizierten Pflanzenarten stammt und somit die Domestikation
verstanden werden kann, als ,,prerequisite to the rise of civilization, and it transformed global
demography"14, sondern auch in dem Sinne, dass es einen Wandel von unstetem Jagen und
Sammeln zu stetem Landwirtschaften ermöglichte. Andererseits zeigen sich die
Auswirkungen der Domestikation in den Veränderungen der domestizierten Pflanzenarten.
Jedes Anbaugebiet hat bestimmte Umweltverhältnisse, wie beispielsweise klimatische
Bedingungen und Bodenverhältnisse, welche die Produktion beeinflussen. Die
domestizierten Pflanzen haben sich oder wurden diesen Umwelteinflüssen angepasst und
haben im Bezug auf ihre Umwelt und Stressoren, speziel e Merkmale im Sinne von
Morphologie oder Ertrag ausgebildet.
Dadurch, dass nun heutzutage die Nahrungsmittelproduktion von nur 30 Arten von
Nutzpflanzen
dominiert wird, ist die Nahrungsmittelversorgung durch die Konzentration auf
12
Der World Food Day wird jedes Jahr am 16. Okotber als Gründungstag gefeiert. An diesem Tag wird
jährlich eine internationale Konferenz zu einem bestimmten Thema abgehalten.
13
FAO. 2005. The role of biotechnology for the characterisation and conservation of crop, forest, animal
and fishery genetic resources in developing countries. Background Document to Conference 13 of the FAO. S. 1
Biotechnology Forum (6 June to 3 July 2005): http://www.fao.org/biotech/C13doc.htm
14
FAO. 2005. The role of biotechnology for the characterisation and conservation of crop, forest, animal
and fishery genetic resources in developing countries. Background Document to Conference 13 of the FAO. S. 2
Biotechnology Forum (6 June to 3 July 2005): http://www.fao.org/biotech/C13doc.htm
10
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
diese geringe Zahl an Arten höchst empfindlich. Phytogenetische Ressourcen von kürzlich,
vor tausenden von Jahren und von bisher nicht domestizierten Pflanzenarten spielen hierbei
die Rol e einer
,,insurance against unfavourable ecosystem changes"15, wobei man davon ausgeht, dass auf
Veränderungen des Ökosystems, wie zum Beispiel Temperaturanstieg, oder sogar auf
Veränderungen bei der Produktnachfrage, wie zum Beispiel im Bezug auf Haltbarkeit,
Geschmack oder produzierte Menge, mit der Grundlage eines hohen Maßes an Biodiversität
und der Anwendung von Biotechnologie dadurch reagiert werden kann, dass Pflanzenarten
mit den gewünschten, den Veränderungen angepassten Merkmalen oder Resistenzen,
gezüchtet werden können. Die Nahrungsmittelproduktion ist auf einer solchen Grundlage
praktisch stabil und kann sich veränderten Situationen anpassen.
Durch die Nutzung genetischer Ressourcen kann also auch eine verbesserte Anpassung
einer Pflanze an eine gegebene Situation, beziehungsweise die Anpflanzung oder Züchtung
einer Art vorgenommen werden, die einer gegebenen Situation besser ausgesetzt ist als ihr
Vorgänger. Denkbar ist also die Züchtung von Pflanzenarten, die in einem schwierigen
Ökosystem, beispielsweise mit einer geringen durchschnittlichen Niederschlagsmenge und
schlechten Bodenverhältnissen, einen quantitativ und idealerweise auch einen qualitativ
höherwertigen Ertrag liefern. Dies kann somit zur Bekämpfung von Hunger und Armut in
Krisengebieten beitragen, da einerseits durch einen qualitativ höheren Ertrag der Nährwert
gesteigert werden kann und andererseits durch einen quantitativ höheren Ertrag nicht nur
eine verbesserte Nahrungsmittelversorgung erreicht werden kann, sondern Landwirte auch
eine produktive Effizienzsteigerung und somit eine monetäre Ertragssteigerung erzielen
können. 16
Das für die Sicherung und Sicherheit der Nahrungsmittelproduktion, sowie die damit
einhergehende Verbesserung der Lebensumstände der Menschen benötigte Maß an
Biodiversität ist jedoch durch eine Vielzahl vom Menschen verschuldeter Faktoren stark
gefährdet.
15
FAO. 2001. Ethical Issues in Food and Agriculture. The issues S.4. FAO Corporate Document
Repository: http://www.fao.org/documents/show_cdr.asp?url_file=/DOCREP/003/X9601E/X9601E00.HTM
16
Vgl. FAO. 2005. The role of biotechnology for the characterisation and conservation of crop, forest,
animal and fishery genetic resources in developing countries. Background Document to Conference 13 of the
FAO Biotechnology Forum (6 June to 3 July 2005): http://www.fao.org/biotech/C13doc.htm
11
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
3.2
Die Gefährdung von Biodiversität
Der Erhalt der Diversität phytogenetischer Ressourcen wird durch eine Vielzahl von
Einflüssen bedroht. Der Generaldirektor der FAO Jacques Diouf zeigte diese Bedrohung
während des World Food Day 2004 an einem Beispiel im Bezug auf die Reduktion
forstwirtschaftlicher Biodiversität auf, indem er sagte, dass obwohl Wälder unter den
wichtigsten Stätten von Biodiversität seien, die weltweiten Waldflächen in einer
alarmierenden Rate sinken würden.17
Die Zunahme der Weltbevölkerung, Landflucht, eine gestiegene Penetration globalisierter
Märkte und die damit verbundene ,,specialization in agricultural production, industrial
pol ution and deforestation"18 können als Gründe für die Bedrohung genannt werden.
Der Anstieg der Weltbevölkerung äußert einen Druck auf die Produktivität der
Nahrungsmittelproduktion, welcher durch eine in globale Märkte eingegliederte und nahezu
industriel erscheinende Landwirtschaft ,,as an increasingly large-scale business"19
aufgefangen wird.
Im Nahrungs- und Landwirtschaftssektor gibt es global gesehen eine Dominanz von einigen
wenigen transnational agierenden Unternehmen, die ein privates profitorientiertes Interesse
verfolgen. Die Reaktion auf den gestiegenen Druck auf Produktivität und Effizienz der
Nahrungsmittelproduktion, sowie auf den durch globale Konkurrenz erzeugten Preisdruck hat
zur Folge, dass Nutzpflanzen mehr und mehr genetisch homogen werden, da nur solche
Pflanzenarten (massenhaft) angebaut werden, die auch letzten Endes den höchsten privaten
Nutzen bringen, wobei ,,local varieties or landraces" ersetzt werden ,,by improved and/or
exotic varieties and species"20
17
Vgl. FAO. 2005. The role of biotechnology for the characterisation and conservation of crop, forest,
animal and fishery genetic resources in developing countries. Background Document to Conference 13 of the
FAO. S. 1 Biotechnology Forum (6 June to 3 July 2005): http://www.fao.org/biotech/C13doc.htm
18
Vgl. FAO. 2001. Ethical Issues in Food and Agriculture. The issues. FAO Corporate Document
Repository: http://www.fao.org/documents/show_cdr.asp?url_file=/DOCREP/003/X9601E/X9601E00.HTM
19
FAO. 2001. Ethical Issues in Food and Agriculture. Current trends. FAO Corporate Document
Repository: http://www.fao.org/documents/show_cdr.asp?url_file=/DOCREP/003/X9601E/X9601E00.HTM
20
FAO. 2005. Conference 13 of the FAO Biotechnology Forum. Summary document of the FAO e-mail
conference: "The role of biotechnology for the characterisation and conservation of crop, forest, animal
and fishery genetic resources in developing countries". Archives of debate, conference 13.
http://www.fao.org/biotech/logs/C13/summary.htm
12
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
Im Gegensatz zu Industrieländern, in denen durch Rückgang von Geburtenraten und einer
hohen Lebenserwartung die Bevölkerungsstrukturen von einer hohen Anzahl älterer
Menschen
dominiert
werden,
haben
Entwicklungsländer
wesentlich
jüngere
Bevölkerungsstrukturen. Da die jungen Bevölkerungsteile den größten Anteil an der in
Entwicklungsländern stark vorherrschenden Migrationsbewegungen vom Land in die Stadt
haben, führt dies zu einem Anstieg des demographischen Alters in ländlichen Gegenden,
was Auswirkungen auf die Zahlen der ländlichen zu landwirtschaftlicher Arbeit fähigen
Bevölkerung hat. Dies wiederum führt dazu, dass durch den Rückgang landwirtschaftlicher
Arbeit nicht nur die Möglichkeiten zur Selbstversorgung mit landwirtschaftlichen Produkten
sinken, sondern auch genetische Ressourcen vom Verschwinden bedroht sind, da gerade
kleine Bauern und gerade in ländlichen Gegenden der Entwicklungsländer, wo wiederum
gerade hier ein hohes Maß an Biodiversität vorherrscht, traditionel überwiegend
Pflanzenarten anbauen, die wilde Verwandte der domestizierten Pflanzenarten sind und
Merkmale im Zusammenhang mit Umwelteinflüssen aufweisen, deren genetische
Ressourcen einen hohen Wert
aufweisen. 21
Eine Verdrängung oder ein Rückgang phytogenetischer Ressourcen wird des Weiteren auch
durch Umweltverschmutzung und Degradierung von Ökosystemen, die hauptsächlich durch
fortschreitende Industrialisierung und die industriel e Verwertung und Nutzbarmachung von
landwirtschaftlichen Gütern entsteht, vorangetrieben.
Beispielhaft zu nennen sind hier neben der Verschmutzung von Luft, Wasser und Land, auch
,,overgrazing and reduced fal ow periods in shifting cultivation, deforestation and land
clearance"22, sowie Desertifikation.
21
FAO. 2001. Ethical Issues in Food and Agriculture. Current trends. FAO Corporate Document
Repository: http://www.fao.org/documents/show_cdr.asp?url_file=/DOCREP/003/X9601E/X9601E00.HTM
22
FAO. 2005. The role of biotechnology for the characterisation and conservation of crop, forest, animal
and fishery genetic resources in developing countries. Background Document to Conference 13 of the FAO
Biotechnology Forum (6 June to 3 July 2005): http://www.fao.org/biotech/C13doc.htm
13
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
3.3
Die Bedeutung von Biotechnologie für den Erhalt der Biodiversität
durch Charakterisierung und Konservierung phytogenetischer
Ressourcen
Aus der im vorherigen Kapitel herausgearbeiteten besonderen Bedeutung und starken
Gefährdung von phytogenetischen Ressourcen, ergibt sich die Notwendigkeit zu handeln
und diese durch Charakterisierung und Konservierung zu erhalten. An diesem Punkt spielt
die Nutzung und Anwendung von Biotechnologie eine wichtige Rol e.
Die Nutzung und Anwendung von Biotechnologie mit einer Vielzahl an unterschiedlichen
Techniken kann durch eine Verbesserung der ,,efficiency of plant breeding and crop
improvement for higher yield potential and resistance/tolerance to biotic and abiotic
stresses"23 grundlegend dazu beitragen, die Ziele des World Food Summit (WFS) und der
Mil enium Development Goals (MDG), zu erfül en, Hunger bis 2015 zu halbieren. Die
Erhöhung der Einkommen der Bauern durch gesteigerte produktive Effizienz, ein höherer
Nährgehalt der Nahrungsmittel und eine verbesserte Nahrungsmittelversorgung sind, wie
auch die Möglichkeit der Anpassung an zukünftige Veränderungen in Ökosystemen ist
hierbei wichtiger Bestandteil.
Um die genannten Verbesserungen überhaupt durchführen zu können, ist es jedoch gerade
auch im Hinblick auf eine fortschreitende Abnahme und Gefährdung Notwendig,
phytogenetische Ressourcen, die Grundlage für solche Verbesserungen und Entwicklungen
sind, in globalem Maßstab zu charakterisieren und zu konservieren.
Nach einer vorangegangenen Bioprospektion, also nach der Suche nach kommerziel
verwertbaren Bestandteilen, Substanzen oder genetischen Materials in der Natur, ermöglicht
es die Charakterisierung, welche Hand in Hand mit der Konservierung geht, die Stärken und
Schwächen von verfügbaren genetischen Ressourcen zu identifizieren. Dabei untersucht
werden "morphological and physiological features; their phenotypic and economic
performance in different environments; their interaction with, and relation to, the environment;
23
FAO. 2005. FAO statement at the ECOWAS ministerial conference on biotechnology. (Bamako, Mali,
21-24 June 2005). http://www.fao.org/world/regional/raf/about/raf_adg_bamako_june2005.pdf
14
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
their value as social or cultural objects; their role in scientific research; their diversity at the
gene and DNA sequence level; their population size and degree of endangerment"24
Bei der Konservierung phytogenetischer Ressourcen gibt es zwei vorherrschende Methoden.
Die eine ist die in-situ conservation, wobei eine untersuchte Population in seinem natürlichen
Habitat bleibt. Die andere ist die ex-situ conservation, wobei die untersuchte Population
außerhalb seines Habitats, beispielsweise in Genbanken gehalten wird. 25
Im Zusammenhang mit dem Zugang zu phytogenetischen Ressourcen, vor, während und
nach den drei erwähnten Schritten Bioprospektion, Charakterisierung und Konservierung, die
der Nutzbarmachung phytogenetischer Ressourcen vorangehen, ergeben sich eine Vielzahl
von Problematiken, die den Schwerpunkt des nachfolgenden Kapitels bilden.
24
FAO. 2005. Conference 13 of the FAO Biotechnology Forum. Summary document of the FAO e-mail
conference: "The role of biotechnology for the characterisation and conservation of crop, forest, animal
and fishery genetic resources in developing countries". Archives of debate, conference 13.
http://www.fao.org/biotech/logs/C13/summary.htm
25
Vgl. FAO. 2005. Conference 13 of the FAO Biotechnology Forum. Summary document of the FAO e-
conference: "The role of biotechnology for the characterisation and conservation of crop, forest, animal
and fishery genetic resources in developing countries". Archives of debate, conference 13.
http://www.fao.org/biotech/logs/C13/summary.htm
15
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
4.
Problematiken im Kontext von Biodiversität
4.1
Folgen
der
Einführung
geistiger
Eigentumsrechte
auf
pflanzengenetische Ressourcen
Wie auch bereits in den vorangegangenen Kapiteln dargestel t, stel t die biologische Vielfalt
unseres Planeten seit jeher eine wesentliche Grundlage für die Landwirtschaft dar und trägt
damit zur Sicherung der weltweiten Ernährung bei.26
Eine der größten Sorgen der heutigen Zeit betrifft daher den zunehmenden Verlust an
Biodiversität, auf den bereits seit den 20er Jahren verstärkt aufmerksam gemacht wurde
sowie die Folgen, die sich daraus für die Menschen ergeben.27
Die Einführung von geistigen Eigentumsrechten im Bereich pflanzengenetischer Ressourcen
in der jüngsten Vergangenheit ist in diesem Kontext von entscheidender Bedeutung. Im
Folgenden sol en die damit verbundenen, negativen Auswirkungen auf die biologische
Vielfalt und die weltweite Ernährungssicherheit näher erläutert werden.
Paral el zum Aufschwung der amerikanischen Saatgutindustrie und später zur Einrichtung
kommerziel er Pflanzenzuchtprogramme zeichnete sich ein gestiegenes Interesse der
Wirtschaft an der Ausdehnung des Konzepts geistiger Eigentumsrechte auf biologisches
Material ab.28 Nur auf diese Weise könnten durch die Vermarktung von Produkten, die mit
Hilfe der Gen- und Biotechnologien erzeugt wurden, große Profite mit genetischen
Ressourcen erzielt werden.29
Ein Patent, das die engste Auslegung geistiger Eigentumsrechte repräsentiert, räumt dem
Patentinhaber über einen bestimmten Zeitraum von 15 bzw. 20 Jahren ein Ausschlussrecht
in Bezug auf den Patentgegenstand ein. Das bedeutet für den Patentinhaber die Möglichkeit,
andere von der Nutzung seiner Erfindung auszuschließen oder alternativ die Nutzung an die
Zahlung von Lizenzgebühren zu knüpfen.
Letzteres fördert zwangsläufig die Monopolisierung des Weltmarkts für pflanzengenetische
Ressourcen, da es nur wenigen, transnationalen Konzernen möglich ist, aufgrund ihrer
26
Vgl. Klaffenböck/Lachkovics (2001) S. 11
27
Vgl. ebd. (2001) S. 12
28
Vgl. Fowler (2001) S. 46
29
Vgl. Koechlin (2001 a) S. 111
16
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
finanziel en Ausstattung derartige Lizenzen zu erwerben.30 Mittlerweile teilen sich
beispielsweise fünf Konzerne die Kontrol e über den gesamten globalen Handel von
Weizen.31
Hinzu kommt bei Pflanzenpatenten die Besonderheit, dass sie einen außerordentlich breiten
Geltungsbereich umfassen. Der Patentschutz für biologisches Material bezieht sich gemäß
Art. 8 Biopatentrichtlinie nicht nur auf das ursprüngliche Erzeugnis eines gentechnischen
Verfahrens, sondern erstreckt sich darüber hinaus auf jedes biologische Material, ,,das aus
diesem Material durch generative oder vegetative Vermehrung in gleicher oder
abweichender Form gewonnen wird und mit denselben Eigenschaften ausgestattet ist." 32
Art. 9 Biopatentrichtlinie präzisiert den Schutzumfang durch Ausweitung ,,auf jedes Material,
in das dieses Erzeugnis Eingang findet und in dem die genetische Information enthalten ist
und ihre Funktion erfül t." 33
Il ustriert an einem konkreten Beispiel, umfasst das Patent der US-Firma Monsanto für
transgenes Round-Up-Ready Soja neben Ausschlussrechten bezogen auf al e transgenen,
gegen das Totalherbizid Round-Up resistenen Sojapflanzen, auch Rechte auf al e
gentechnisch veränderten Pflanzen mit einer derartigen, künstlich herbeigeführten
Resistenz, wie Weizen, Reis, Soja, Baumwol e und andere.34
Zusammengenommen entsteht auf diese Weise eine Form von Nahrungsmitteltotalitarismus,
vermittels dem eine handvol Unternehmen die Kontrol e über die weltweite
Nahrungsmittelversorgung übernehmen.35
Die Interessen der Industrie manifestierten sich in der Folge in internationalen Abkommen
mit dem Ziel, geistige Eigentumsrechte im Bereich pflanzengenetischer Ressourcen weltweit
durchzusetzen und gesetzlich zu verankern.
In diesem Zusammenhang sind insbesondere das UPOV-Übereinkommen der
Internationalen Union zum Schutz von Pflanzenzüchtungen, das 1961 in Paris von über 40
Staaten unterzeichnet wurde sowie das Übereinkommen über handelsbezogene Aspekte der
Rechte des geistigen Eigentums (TRIPS) von der Welthandelsorganisation (WTO) von
besonderer Relevanz.
30
Vgl. ebd. (2001 a) S. 112f.
31
Vgl. Shiva (2000) S. 9
32
Vgl. Simon (2002) S. 12
33
Vgl. ebd. (2002) S. 12
34
Vgl. Koechlin (2001 a) S. 113
35
Vgl. Shiva (2000) S. 17
17
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
Das UPOV-Übereinkommen räumt gewerblichen Züchtern Rechte auf Eigentum an
Pflanzensorten ein und verpflichtet seine Mitglieder, diese zu erteilen und anzuerkennen,
sol ten die Sorten die Kriterien der Neuheit, Unterscheidbarkeit, Homogenität und
Beständigkeit erfül en.36 In den Jahren 1972, 1978 und 1991 wurden die Rechte der Züchter
(Plant Breeder′s Rights) durch Revisionen des ursprünglichen Übereinkommens beständig
erweitert. Die Version von 1991 sieht zusätzlich die Erteilung von Patenten auf
Pflanzensorten vor und vergrößert gleichzeitig den Schutzumfang auf nunmehr al e
Pflanzengattungen und spezies. Die Revision von 1978 enthielt im Gegensatz dazu
Schutzbestimmungen lediglich für eine eingeschränkte Anzahl von Spezies.
Beim TRIPS-Übereinkommen handelt es sich um ein relativ neues Regelwerk aus dem Jahr
1999, durch das Rechte an geistigem Eigentum global vereinheitlicht werden.37 Artikel 27
des Regelwerks garantiert den Schutz von Pflanzensorten entweder durch ein Patent oder
durch ein effektives sui generis-System, wie es die UPOV-Regelungen darstel en bzw. durch
eine Kombination dieser beiden Möglichkeiten.38
Während sich diese Entwicklungen zweifelsohne im Geist industriel er Interessen vol ziehen,
haben sie zugleich negative Auswirkungen auf den al gemeinen Zugang zu
pflanzengenetischen Ressourcen und deren Nutzung und Weiterentwicklung.39
Leidtragende sind in diesem Fal vor al em lokale bäuerliche und indigene Gemeinschaften,
von denen der Großteil in ländlichen Regionen der so genannten Dritten Welt beheimatet ist.
Die jüngste Revision des UPOV-Übereinkommens von 1991 hatte eine massive
Beschneidung bäuerlicher Rechte zur Folge.40
Bis dato war es für die Bauern möglich gewesen, Ausgangsmaterial zur Weiterentwicklung
von Saatgut über Genbanken zu beziehen, die ihnen wie auch gewerblichen Züchtern freien
und kostenlosen Zugang zu Proben des dort gelagerten Keimmaterials gewährten. Diesem,
von den Zielen der Grünen Revolution getragenem Prinzip wurde durch die neuen
Besprochen und der Zugang zu genetischem Material erheblich eingeschränkt.41
Die Einführung geistiger Eigentumsrechte kann unter diesem Gesichtspunkt auch als
Privatisierung ehemals öffentlich zugänglicher Güter angesehen werden42
36
Vgl. International Union for the Protection of new Varieties of Plants (UPOV) (1978),
http://www.upov.int/en/publications/conventions/1978/act1978.htm
37
Vgl. Klaffenböck/Lachkovics (2001) S. 15
38
Vgl. Fowler (2001) S.56
39
Vgl. Klaffenböck/Lachkovics (2001) S. 15
40
Vgl. Nijar (2001) S. 125
41
Vgl. Le Prestre (2002) S. 185f.
42
Vgl. ebd. (2002) S. 185f.
18
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
Weiterhin wurde den Bauern das traditionel e Recht abgesprochen, Saatgut für den eigenen
Gebrauch aufzubewahren und weiterzuentwickeln.4344 Dadurch wurden sie praktisch der
Möglichkeit beraubt, die genetische Vielfalt zu bewahren, zu deren Erhalt und Entwicklung
sie durch jahrtausendelange, an den jeweiligen Standort angepasste Kulturarbeit
beigetragen haben.45 Mit der Option, Eigentumsrechte auf verbesserte, mit speziel en
Eigenschaften ausgestattete Pflanzensorten geltend machen zu können, verkam die
jahrhundertealte Praxis der Gewinnung eigenen Saatguts aus der Ernte zu einer kriminel en
Tat. Aufgrund der Tatsache, dass schätzungsweise 1,4 Mil iarden arme Menschen in der
Dritten Welt zum Überleben größtenteils auf selbst gezogenes Saatgut angewiesen sind, das
durch lokale Selektion und Züchtung entwickelt wurde, könnte die Ernährungssicherheit der
ländlichen Gemeinschaften somit auf Dauer negativ beeinträchtigt werden.46
Daneben zeichnet sich durch die Einführung von geistigen Eigentumsrechten, wie bereits
angedeutet, eine Tendenz zur Konzentration der Märkte für pflanzengenetische Ressourcen
ab. Da es für Bauern und Indigene nicht möglich bzw. finanziell erschwinglich ist, ihre
Produkte zu registrieren, wie es das Gesetz vorschreibt, geraten sie in zunehmendem Maße
unter die Kontrol e transnational operierender Konzerne.47
Sie sind gezwungen, ihr Saatgut und in manchen Fäl en auch entsprechende Agrochemie
von diesen Konzernen zu beziehen.48 In diesem Zusammenhang sei zusätzlich auf ein
neues gentechnisches Verfahren hingewiesen, das auch als Terminator-Technologie
bezeichnet wird. Diese Technologie dient dazu, Saatgut durch den Einbau von Selbstmord-
Gensequenzen unfruchtbar zu machen, um auf diese Weise den Konzernen eine Form von
Kontrol e zu ermöglichen, wie sie durch Patente al ein nicht möglich ist. Sol te diese
Technologie verstärkt zum Einsatz kommen, hätte dies sicher folgenschwere Auswirkungen
auf den Nachbau ausgerechnet derjenigen Pflanzen, die die Grundlage der Ernährung eines
Großteils der Weltbevölkerung darstel en, wie Reis, Weizen, Hirse und Soja.49
Die moderne Industrie bevorzugt Hochertragssorten. Gezielte Werbemaßnahmen und die
beschriebene, zunehmende Abhängigkeit der Bauern von den Konzernen führen zu einer
43
Vgl. Nijar (2001) S. 128
44
Vgl. Le Prestre (2002) S. 183f.
45
Vgl. Klaffenböck/Lachkovics (2001) S. 12
46
Vgl. Nijar (2001) S. 128
47
Vgl. Shiva (2000) S. 90
48
Vgl. Koechlin (2001 a) S. 113f.
49
Vgl. ebd. (2001 a) S. 114f.
19
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
schrittweise Verdrängung lokal angebauter Landsorten50 zu Gunsten der Ausbreitung von
Monokulturen. Monokulturen ersetzen dabei die genetische Vielfalt51 und vernachlässigen
gleichzeitig deren Schutz.52
Im Unterschied zu Landsorten, die hervorragend an ihre spezifische Umwelt angepasst sind,
was Boden- und Klimabedingungen aber auch Krankheits- und Schädlingsresistenz betrifft,
sind Monokulturen besonders anfäl ig für Krankheiten und Schädlinge und bedingen den
verstärkten Einsatz von Pestiziden.53
Für die Umwelt sind die Folgen einer Monokultur-Bewirtschaftung zumeist destruktiv und
zeigen sich in zunehmender Nährstoffarmut der Böden, die als Ackerflächen dienen. Diese
Tatsache wiederum wirft Fragen bezüglich der Langzeitproduktivität von Hochertragssorten
auf.54
Ungleich bedeutungsvol er erscheint in diesem Zusammenhang die Bedrohung traditionel en
Wissens lokaler bäuerlicher und indigener Gemeinschaften im Zusammenhang mit der
Kultivierung von Landsorten über deren Wechselwirkungen in der Natur und in der
Landwirtschaft.55
Dieses Wissen hat seit jeher zur Gesundheit und Ernährung der Menschen beigetragen und
geholfen, die biologische Vielfalt zu schützen und weiterzuentwickeln. Im Bereich der
Arzneimittelforschung beispielsweise wurden Wissenschaftler auf bestimmte Wirksubstanzen
nur aufmerksam, weil sie in traditionel er Heilkunde angewendet wurden.56 Durch die
Verdrängung der traditionel en Landsorten läuft auch das traditionel e Wissen um die
Pflanzen Gefahr, unwiederbringlich verloren zu gehen. Um die biologische Vielfalt zu
bewahren, ist es jedoch dringend erforderlich, diese Wissenssysteme zu schützen.57
Das Konzept des geistigen Eigentums schützt in erster Linie Wissen, das im Zusammenhang
mit internationalem Handel eine Rol e spielt und dient damit hauptsächlich den Interessen
transnationaler Konzerne. Instrumente wie das TRIPS-Übereinkommen unterstützen die
50
Vgl. Shiva (2000) S. 10
51
Vgl. ebd. (2000) S. 80
52
Vgl. Keller u.a. (2002) S. 13
53
Vgl. Shiva (2000) S. 10
54
Vgl. Le Prestre (2002) S. 189
55
Vgl. Klaffenböck/Lachkovics (2001) S. 12
56
Vgl. Nijar (2001) S. 122f.
57
Vgl. ebd. (2001) S. 124
20
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
Globalisierung des an westlichen Realitäten orientierten Paradigmas58, das jedoch für die
meisten südlichen Kulturen einen starken Widerspruch zu ihren ethischen Auffassungen
enthält.59
Indigene Völker und bäuerliche Gemeinschaften kannten kein Recht auf Eigentum an
Lebensformen. Leben gilt ihnen als heilig und kann nicht durch individuel e Besitzrechte
vereinnahmt werden.60
Wol te man von Rechten sprechen, die sich auf biologische Substanzen beziehen, so
betreffen diese stets die ganze Gemeinschaft und können weder veräußert, verschenkt noch
nach außen übertragen werden. Jegliches Wissen um die natürlichen Ressourcen ist
eingebunden in die Verantwortung gegenüber dem Kol ektiv. Innovationen dienen in erster
Linie der Förderung des Gemeinwohls und erfolgen im Geiste eines freien Austausches.61
Dabei sind sie in der Regel für den heimischen Gebrauch statt für den internationalen Handel
bestimmt.
Durch den ausschließlichen Schutz handelsbezogener Innovationen und die Forcierung
privater Rechte vor Gemeinschaftsrechten bleibt traditionel es, kol ektiv erworbenes Wissen
zur Förderung des Gemeinwohls unberücksichtigt.62 Patente entsprechen demnach vor
al em westlicher Logik und vernachlässigen Unterschiede zu Wertsystemen von Nationen
und lokalen Gemeinschaften der Dritten Welt.63
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Frage, wie sich Art 6 Abs. 1 Biopatentrichtlinie,
der sich inhaltlich auf Art. 27.2 des TRIPS-Übereinkommens bezieht, auf diesen Tatbestand
auswirken könnte. Laut dem ist eine Patentierung nicht möglich, ,,wenn die Verwertung
gegen die öffentliche Ordnung oder die guten Sitten verstößt."64 Öffentliche Ordnung und
gute Sitten gelten zwar als unbestimmte Rechtsbegriffe, es besteht al erdings ein
al gemeiner Konsens darüber, dass sie die moralischen Werte einer Gesel schaft
widerspiegeln.65
58
Vgl. Nijar. (2001) S. 128
59
Vgl. Klaffenböck/Lachkovics (2001) S. 15
60
Vgl. Shiva (2000) S. 89
61
Vgl. Nijar (2001) S. 124f.
62
Vgl. ebd. (2001) S. 129
63
Vgl. Shiva (2000) S. 89
64
Vgl. Simon (2002) S. 12
65
Vgl. ebd. (2002) S. 12
21
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
4.2
Biopiraterie
Biopiraterie bezeichnet die Ausbeutung genetischer Ressourcen und traditionel en Wissens
der Länder des Südens durch transnational operierende Konzerne aus dem industrialisierten
Norden durch das Mittel der geistigen Eigentumsrechte.
Wie bereits ausgeführt, kol idiert das Konzept der geistigen Eigentumsrechte vielfach mit den
Wertvorstel ungen zahlreicher lokaler und indigener Gemeinschaften.
Der Vorwurf seitens der betroffenen Länder und Gemeinschaften richtet sich aber vor al em
auch gegen die Tatsache, dass die biologische Vielfalt in ihren Ländern als gemeinsames
Erbe der Menschheit angesehen, genetische Ressourcen entnommen und ihnen
anschließend, nachdem mit Hilfe gentechnischer Verfahren Änderungen daran
vorgenommen und sie mit Eigentumsrechten belegt wurden, erneut als Handelsware zum
Kauf angeboten werden.66
Indem biologische Ressourcen als gemeinsames Erbe der Menschheit betrachtet werden,
wird bei deren Verwendung in den meisten Fäl en auf vorherige Absprachen, die das erklärte
Einverständnis dazu Entnahme sowie eine eventuel e Vergütung zum Inhalt haben,
verzichtet.
Pflanzenzucht beinhaltet normalerweise das Neuordnen und Manipulieren von Genen. Da es
auch mithilfe modernster Technologien nicht möglich ist, neue Gene zu erschaffen, sind
private Unternehmen im Rahmen ihrer Zuchtprogramme auf bereits vorhandenes
pflanzengenetisches Ausgangsmaterial angewiesen. Eine große Anzahl von Proben
pflanzengenetischer Ressourcen wird aus Gründen der ex-situ Konservierung in Genbanken
auf der ganzen Welt aufbewahrt, die in der Regel für wissenschaftliche Zwecke und
Pflanzenzucht frei zugänglich sind. Der überwiegende Anteil dieser Proben stammt dabei
von Landsorten, die ursprünglich in den Entwicklungsländern von lokalen bäuerlichen und
indigenen Gemeinschaften über Generationen domestiziert und weiterentwickelt wurden. Sie
bilden das Rohmaterial, das in Pflanzenzuchtprogrammen benutzt wird.67
66
Vgl. Nijar (2001) S. 125
67
Vgl. Fowler (2001) S. 48
22
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
Ein prominentes Beispiel für Biopiraterie stel t in diesem Zusammenhang das Patent für
Basmati-Reis der US-Firma Rice Tec dar.
Das Unternehmen hat durch einfache Kreuzung aus dem Keimplasma 22 verschiedener
Basmati-Reissorten aus Indien und Pakistan eine neue Reissorte geschaffen und
patentieren lassen, die jetzt in den USA angebaut und von dort aus unter dem Namen
Basmati vertrieben wird. Die Reichweite des Patents umfasst dabei die gesamte westliche
Hemisphäre. Das Patent wurde mehrfach angefochten, mit der Begründung, es gefährde die
Existenz zahlreicher Bauern aus dem Punjab.68
Dieses Beispiel ließe sich leicht um weitere ergänzen. Die aus dem Amazonas-Gebiet
stammende Lianenpflanze Ayahuasca und der indische Neembaum haben ebenfal s im
Zusammenhang mit Biopiraterie traurige Berühmtheit erlangt.
Die von Bauern und indigenen Gemeinschaften domestizierten Landsorten stel en bereits
eine Verbesserung des genetischen Ausgangsmaterials dar, dem diese Sorten entstammen.
Sie zeichnen sich häufig durch speziel e Merkmale aus und sind darüber hinaus
hervorragend an ihre spezifische Umwelt angepasst, was Boden- und Klimabedingungen
aber auch Krankheits- und Schädlingsresistenz betrifft. Aus Sicht der Bauern stel en
Landsorten das Ergebnis einer zielgerichteten Selektion dar, die ihrerseits zu großen Teilen
auf traditionel em Wissen beruht, welches diese Pflanzen letztlich inkorporieren.69
Traditionel es Wissen bildet außerdem den Ausgangspunkt für die Suche nach neuen
Wirksubstanzen für verschiedene praktische Anwendungsbereiche, da die Orientierung an
diesem Wissen anstatt am Zufal sprinzip enormes Potential zur Kostenersparnis in sich birgt.
Der Rückgriff der Industrie auf alte Volksprodukte und Verfahren stel t in diesem Sinne
keinesfal s eine neuere Entwicklung dar, bereits das bekannte Pharmapräparat Aspirin geht
auf die europäische Volksmedizin zurück70
Obwohl traditionel es Wissen vielfach ein entscheidendes Element des Markterfolgs großer
Konzerne verkörpert, wird der Beitrag von Bauern und Indigenen häufig ignoriert und in
keiner Weise vergütet.71
Abgesehen von der, vom ethischen Standpunkt aus betrachteten Ungerechtigkeit, die sich
dahinter verbirgt, kann der ausbleibende finanziel e Ausgleich fatale ökologische Folgen
haben. Den Menschen in den Entwicklungsländern fehlt so der nötige Anreiz, die biologische
68
Vgl. Shiva (2000) S. 85f.
69
Vgl. Fowler (2001) S. 43
70
Vgl. Kuppe (2001) S. 142
71
Vgl. Nijar (2001) S. 125
23
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
Vielfalt zu erhalten. Überdies zwingt sie die Armut in diesen Ländern zu
umweltzerstörerischem Handeln.72
Um in diesem Punkt Abhilfe zu schaffen, ist es daher dringend erforderlich, ein System zu
entwickeln, das den Schutz traditionel en Wissens einschließt.
Das existierende Patentrechtsschutzsystem scheint hierzu denkbar ungeeignet, da es
Immaterialgüterrechte an kommerziel nutzbarem Wissen einräumt, für traditionel es Wissen
dagegen kaum effektiven Schutz bietet.73
Laut Definition erfolgt die Erteilung eines Patents ,,für eine Erfindung, die neu, auf
erfinderischer Tätigkeit basierend und gewerblich anwendbar ist."74
Patentanmeldungen für Produkte, die auf traditionel em Wissen basieren, scheitern oft
daran, dass sie durch einfache Vorgänge aus natürlichen Vorkommen gewonnen werden
und somit nicht den Kriterien der Erfindung entsprechen.75 Sie werden vielmehr als
Entdeckung betrachtet, wenn keine konkrete Anleitung vorliegt, aus der hervorgeht, wie ein
bestimmter Stoff synthetisch gewonnen werden kann.76 Zudem repräsentiert traditionel es
Wissen eine Form von kol ektivem Wissen, das auf diese Weise bereits einer gewissen
Öffentlichkeit zugänglich ist und somit keine Neuheit im eigentlichen Sinne darstel t.
Schwierigkeiten ergeben sich schließlich auch hinsichtlich des Kriteriums der gewerblichen
Anwendbarkeit.77
Neben Patenten bieten sui generis-Systeme, wie die UPOV-Regelungen gesetzlichen
Schutz des geistigen Eigentums in Bezug auf Pflanzenzüchtungen. Traditionel e Landsorten
sind jedoch auch in diesem Fal von diesem Schutz ausgenommen, da sie die UPOV-
Kriterien der Unterscheidbarkeit, Homogenität und Beständigkeit nicht erfül en.78 Bauern sind
auf die Beständigkeit und Zuverlässigkeit der Ernte angewiesen, was nur durch genetische
Heterogenität gewährleistet wird, da genetisch homogene Pflanzen in der Regel anfäl ig für
Schädlinge und Krankheiten sind.
72
Vgl. Le Prestre (2002) S. 185
73
Vgl. Kuppe (2001) S. 147
74
Vgl. Simon (2002) S. 9
75
Vgl. Kuppe (2001) S. 145
76
Vgl. Simon (2002) S. 9
77
Vgl. Kuppe (2001) S. 146
78
Vgl. Fowler (2001) S. 51
24
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
Ein Schutz traditionel en Wissens, so bleibt festzuhalten, ist durch diese, an andere
Realitäten angepassten Systeme, nicht möglich.79
Darüber hinaus gibt es keine Anhaltspunkte für einen nennenswerten Markt für diese Art von
Wissen, was durch die Tatsache untermauert wird, dass es bisher nur wenige Beispiele von
Ländern gibt, die genetisches Material traditionel er Nutzpflanzen mit Erfolg verkauft haben.80
Ohne einen solchen Markt ist es aber unmöglich, Rechte wirksam auszuüben und daraus
einen Vorteil zu ziehen.81
Bisher wurde gezeigt, dass die Einführung von Eigentumsrechten im Bereich
pflanzengenetischer Ressourcen negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt gehabt
hat, die ihrerseits von vitaler Bedeutung für die weltweite Ernährungssicherheit ist. Es
besteht daher dringender Bedarf an Maßnahmen und Anreizen zur Erhaltung der
Biodiversität.
Der Interessenkonflikt zwischen Industrie und lokalen bäuerlichen und indigenen
Gemeinschaften verleiht der Debatte einen erkennbaren Nord-Süd Beigeschmack.
Ein Großteil der genetischen Vielfalt ist in Entwicklungsländern anzutreffen. Bedingt durch
diese historisch entstandene Ungleichheit sehen sich diese Länder auch als Geberländer
von Keimplasma, während die Industrieländer als Nutznießer wahrgenommen werden.82
Der Streit um die Einführung von Eigentumsrechten führte in diesem Kontext zu einer
weiteren Vertiefung des Spalts zwischen Nord und Süd.83
Der folgende Teil dieser Arbeit beschäftigt sich daher mit Initiativen, die von der FAO mit
dem Ziel initi ert wurden, Lösungen für die Probleme im Zusammenhang mit Biodiversität zu
finden und die verschiedenen Interessen gegenseitig auszubalancieren.
79
Vgl. Klaffenböck/Lachkovics (2001) S. 21
80
Vgl. Fowler (2001) S. 51
81
Vgl. ebd. (2001) S. 57
82
Vgl. ebd. (2001) S. 51
83
Vgl. Le Prestre (2002) S. 187
25
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
5.
Zugangsregulierung pflanzengenetischer Ressourcen
von Seiten der FAO
Die FAO war die erste internationale Organisation, die bereits 1951 öffentlich Bedenken
hinsichtlich der zunehmenden Abnahme pflanzengenetischer Ressourcen äußerte, die für
die Landwirtschaft im Hinblick auf die zukünftige Nahrungsmittelversorgung der
Weltbevölkerung eine entscheidende Rol e spielten. Im Jahr 1959 verabschiedete sie aus
diesen Gründen eine Resolution bezüglich der Bedrohung pflanzengenetischer Ressourcen
und hielt zwei Jahre später ein erstes internationales Meeting zur nachhaltigen Nutzung und
zum Schutz pflanzengenetischer Ressourcen in Rom ab. Eine Expertengruppe wurde
gegründet, die die FAO bei der Formulierung internationaler Richtlinien zur Sammlung,
Aufbewahrung und zum Austausch von Keimplasma unterstützen sol te.84
Neue Fragen, die den Schutz von Bauernrechten (Farmer′s Rights) und die generel en
Eigentumsrechte in Bezug auf pflanzengenetische Ressourcen beinhalteten, veranlassten
die FAO 1983 mit der Resolution (8/83) zur Verabschiedung des International Undertaking
on Plant Genetic Resources. Das rechtlich nicht bindende Undertaking sol te sicherstel en,
dass pflanzengenetische Ressourcen von ökonomischem und sozialem Interesse,
besonders für die Landwirtschaft, zum Zwecke wissenschaftlicher Forschung und der
Pflanzenzucht erforscht, geschützt und zugänglich gemacht werden. Es basierte auf dem bis
dato al gemein akzeptierten Prinzip, dass es sich bei pflanzengenetischen Ressourcen um
einen Teil des gemeinsamen Erbes der Menschheit handelt, und dass der Zugang zu diesen
Ressourcen folglich keinen Beschränkungen unterliegen darf.85
Gleichzeitig ist das International Undertaking das erste internationale Abkommen, das die
Rechte der Bauern thematisiert. Es anerkennt die Verdienste der Bauern um den Erhalt und
die Entwicklung der pflanzengenetischen Vielfalt und definiert die ihnen daraus erwachsenen
Rechte in der Resolution 5/89.
Hierbei ist jedoch kritisch anzumerken, dass die Rechte der Bauern mit der Definition zwar
postuliert jedoch inhaltlich nicht konkretisiert werden.86
1992 wurde beim UNO-Erdgipfel in Rio mit der Convention on Biodiversity (CBD) eine erste
rechtlich bindende internationale Vereinbarung zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung
84
Vgl. Keller u.a. (2002) S. 23
85
Vgl. Commission on Genetic Resources for Food and Agriculture (1983),
http://www.fao.org/ag/cgrfa/iu.htm
86
Vgl. Fowler (2001) S. 52
26
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
biologischer Vielfalt getroffen, die 1993 Rechtsgültigkeit erlangte. Die Mitgliedsstaaten
sprachen sich für eine faire Verteilung der Gewinne aus, die mit biologischen Ressourcen
erzielt werden.87 In dieser Hinsicht tat sich mit der CBD eine Möglichkeit auf, die negativen
Auswirkungen des TRIPS-Einkommen, auf die zuvor bereits hingewiesen wurde, zu
relativieren.
Das Übereinkommen bekräftigte die Souveränität der Staaten in Bezug auf die Rechte an
pflanzengenetischen Ressourcen. Die Zugangsregulierung zu diesen Ressourcen wurde
somit den Ursprungsländern übertragen, die nun auf der Grundlage von gegenseitig
vereinbarten Bedingungen (Prior informed consent, Mutual y agreed terms) und im Hinblick
auf einen angemessenen Vorteilsausgleich Zugang zu ihren genetischen Ressourcen
(Access and benefit sharing) gewähren konnten. Der Zugang sol te dabei in jedem Fal
sichergestel t bleiben.88
Durch die CBD sah es die Commission on Genetic Resources for Food and Agriculture
(CGRFA), die das International Undertaking der FAO überwachte, als nötig an, das
International Undertaking an die Ziele der CBD anzugleichen. Zu diesem Zweck begannen
1993 die Verhandlungen, die gleichzeitig das Ziel verfolgten, den freiwil igen Charakter des
International Undertaking durch einen rechtlich bindenden zu ersetzen.89
Strittig blieb in diesem Zusammenhang die Frage nach einer geeigneten Definition von
Bauernrechten, die sich auch operationalisieren ließe. Eine Möglichkeit, die von einer Reihe
von Ländern im Rahmen der FAO favorisiert wurde, sah vor, die Bauernrechte als eine
Sammlung von Rechtsansprüchen zu definieren.
Diese Ansprüche sol ten unter anderem die Unterstützung bei Forschung und Ausbildung,
die Förderung traditionel er Wissenssysteme bei gleichzeitiger Aufhebung finanziel er und
Handelsbarrieren gegenüber diesen Wissenssystemen, Technologietransfer, finanziel e
Unterstützung für den Erhalt und die Entwicklung pflanzengenetischer Ressourcen sowie die
Einrichtung von Systemen, die eine faire und gerechte Aufteilung der Gewinne, die sich aus
der Nutzung dieser Ressourcen ergeben, garantieren, umfassen.
Unklar blieb jedoch, wie der Umfang dieser Rechtsansprüche festgelegt und Vorteile unter
bäuerlichen bzw. indigenen Gemeinschaften aufgeteilt werden sol ten. Außerdem blieb
87
Vgl. Klaffenböck/Lachkovics (2001) S. 16
88
Vgl. Le Prestre (2002) S. 186
89
Vgl. ebd. (2002) S. 191
27
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
strittig, ob auch das Recht, Saatgut von geschützten Pflanzensorten aufzubewahren und
nachzubauen, Bestandteil des Katalogs sein sol te.90
Der Globale Aktionsplan, der 1996 im Verlauf der Leipzig International Technical Conference
on Plant Genetic Resources der FAO 1996 beschlossen wurde, sah für das Ziel der
Erhaltung und nachhaltigen Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen die Einrichtung eines
internationalen Fonds vor. Dieser Globale Aktionsplan stel te zugleich eine Lösung für die
praktische Umsetzung der Bauernrechte in Aussicht. Durch finanziel e Mittel aus dem Fond
könnten Bauern als Klasse und indigene Gemeinschaften Unterstützung erhalten und so
eine Form des gerechten Vorteilsausgleichs geschaffen werden. Auf diese Weise könnten
sowohl die Eigentümerproblematik in Bezug auf genetische Ressourcen, die durch die
Betonung staatlicher Souveränität seitens der CBD nicht völ ig beseitigt werden konnte als
auch Schwierigkeiten hinsichtlich des Vorteilsausgleichs umgangen werden.91
Fragen des benefit sharing waren bisher schwierig zu lösen, da es keine quantitativen oder
qualitativen Kriterien zur Bestimmung des Beitrags eines spezifischen genetischen Materials
für ein Pflanzenzuchtprogramm gab, zumal der eigentliche Wert dieses Zuchtmaterials nur
selten vor der Zuchtarbeit bestimmt werden kann.92
Durch die finanziel e Unterstützung des Fonds könnten außerdem die für die Bauern nötigen
Anreize geschaffen werden, die biologische Vielfalt zu erhalten.
Mit TRIPS, UPOV, CBD und IU existieren eine Vielzahl internationaler Übereinkommen,
denen unterschiedlich Interessen zugrunde liegen und die in unterschiedlicher Weise die
biologische Vielfalt betreffen.
Es stel t sich demnach die große Herausforderung, eine Synergie zwischen den
verschiedenen Übereinkommen herzustel en, um dem Ziel der Erhaltung der biologischen
Vielfalt einen Schritt näher zu kommen.
Der Internationale Vertrag der FAO über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung
und Landwirtschaft (International Treaty on Plant Genetic Resources for Food and
Agriculture, FAO IT) der 2001 im Rahmen der 31. FAO Konferenz verabschiedet wurde,
schickt sich an, diese Herausforderung anzunehmen.
Das Hauptanliegen des Vertrags ist die Förderung der weltweiten Ernährungssicherheit. Zu
diesem Zweck werden als Ziele neben der Erhaltung und nachhaltigen Nutzung
pflanzengenetischer Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft eine ausgewogene und
90
Vgl. Fowler (2001) S. 53
91
Vgl. Fowler (2001) S. 55
92
Vgl. ebd. (2001) S. 56
28
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
gerechte Aufteilung der sich aus der Nutzung solcher Ressourcen ergebenden Vorteile
definiert. Gleichzeitig wird ebenfal s auf den unschätzbaren Beitrag der Bauernschaft und
indigener Gemeinschaften der ganzen Welt zur Erhaltung und Entwicklung der
Ernährungsgrundlage hingewiesen.
Das Herzstück des Vertrags bildet das so genannte multilaterale System für den Zugang
zu genetischen Ressourcen und die Aufteilung der sich aus diesem Zugang
ergebenden Vorteile.93 Durch das System sol en die Interessen der international tätigen
Pflanzenzuchtunternehmen mit denen lokaler Bauern und indigener Gemeinschaften
harmonisiert werden. Pflanzenzüchter erhalten auf diese weise Zugang zu den von ihnen
benötigten genetischen Ressourcen und einen weit reichenden Schutz geistigen Eigentums.
Andererseits wird paral el sichergestel t, dass auch die Herkunftsländer der
genetischen Ressourcen durch gezielte Maßnahmen von der Weiterentwicklung des
Materials profitieren.
Es besteht berechtigte Hoffnung, dass der FAO IT einen bedeutenden Anteil an der
Entschärfung des Nord-Süd-Konflikts haben wird.94 Durch die Unterstützung der in-situ und
ex-situ Erhaltung von pflanzengenetischem Material trägt der FAO IT darüber hinaus
wesentlich zur Erhaltung der notwendigen pflanzengenetischen Ressourcen für die
Ernährungssicherheit bei.95
Es gilt al erdings zu beachten, dass es sich bei dem Vertrag in erster Linie um einen
generel en Konsens handelt, der die Klärung wichtiger Detailfragen weiterhin offen lässt.96
93
Vgl. Commission on Genetic Resources for Food and Agriculture (1983),
http://www.fao.org/ag/cgrfa/iu.htm
94
Vgl. Le Prestre (2002) S. 191
95
Vgl. Commission on Genetic Resources for Food and Agriculture (1983),
http://www.fao.org/ag/cgrfa/iu.htm
96
Vgl. Le Prestre (2002) S. 191
29
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
6.
Fazit
Wie in den vorangegangenen Kapiteln herausgearbeitet, ist nicht nur der Erhalt und die
Nutzung einer hohen Diversität phytogenetischer Ressourcen von besonderer Wichtigkeit,
sondern auch die Beseitigung der Problematiken die sich im Zusammenhang mit dem
Zugang und hier besonders im Zusammenhang mit der Patentierung genetischer
Ressourcen ergeben.
Die Beseitigung dieser Problematiken wird durch die von einer Vielzahl unterschiedlichster
Organisationen ausgehenden international normgebenden Instrumente, wie Richtlinien,
Regulierungen und Übereinkünfte vorangetrieben. Diese müssen um effektiv zu sein
al erdings im globalen Maßstab durchgeführt und durchgesetzt werden.
Im Bezug auf die FAO verpflichten sich die UN-Mitgliedstaaten durch eine Ratifizierung der
entsprechenden Normgebungen, diese zu respektieren und ihnen entsprechend zu handeln.
Zu beachten bleibt hierbei jedoch, dass bei der Ratifizierung der Mitgliedsstaaten auf den
guten Glauben vertraut wird, der durch einen Verstoß entstandene Ansehensverlust in der
internationalen Gemeinschaft reiche als Kontrol maßstab. Einige Staaten messen der
Bindung an internationale Verpflichtungen jedoch nicht genügend Wert bei. Sie übernehmen
Verpflichtungen entweder gar nicht oder nur unzureichend, da diese meist aus
Wettbewerbsgründen ökonomische Nachteile haben könnten. Bei Staaten, die
entsprechende Normgebungen nicht ratifizieren, oder gar nicht erst Mitglieder der UN sind,
stel t sich auch die Frage eines Ansehensverlustes bei Verstößen, als Kontrol maßstab nicht
(, wenn die Nichtmitgliedschaft oder Nichtratifizierung nicht bereits Ansehensverlust ist).
Gerade auch transnational agierende Unternehmen, beziehungsweise Unternehmen und
Organisationen mit einem privatwirtschaftlichorientiertem Profitinteresse können sich diesen
internationalen Normen und Übereinkünften entziehen.
Der kritische Punkt ist also das Fehlen einer zentralen internationalen Autorität, die
Kontrol mechanismen und Sanktionsmittel erlassen kann, um das tatsächliche Einhalten von
Regulierungen zu forcieren und weltweit Verpflichtungen seitens von Staaten und der
Wirtschaft aufzubauen und durchzusetzen.
Eine entscheidende Rol e könnten hierbei die WTO und die UNO haben. Durch
zunehmenden Druck al er Organe, sowie durch wirtschaftliche Sanktionsmöglichkeiten,
30
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
könnten ,,nichtkooperative" Staaten dazu bewegt werden, Verpflichtungen in internationalem
Interesse einzugehen und durchzusetzen. Durch die Umsetzung in nationale Gesetzgebung
könnten dann auch transnationale Unternehmen gezwungen werden entsprechende
Verbindlichkeiten einzugehen.
31
Bestrebungen der Food and Agriculture Organisation (FAO) hinsichtlich internationaler Zugangsregulierung
pflanzengenetischer Ressourcen als Antwort auf Problematiken im Kontext von Biodiversität
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