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Sprachlicher Wandel gegenüber Migranten

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 21 Pages
Author: Stefanie Eckardt
Subject: Communications: Research, Studies, Enquiries

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 21
Grade: 2,3
Language: German
Archive No.: V123943
ISBN (E-book): 978-3-640-29589-0
ISBN (Book): 978-3-640-33861-0

Abstract

Der Migrationsdiskurs ist in Deutschland von mehreren Etappen geprägt, die nicht getrennt gesehen werden können von jeweiligen historischen und aktuellen politischen Entwicklungen. Wandlungen dieses Diskurses und deren mögliche Ursachen, sowie Folgen einer neuen Ausdrucksweise, möchte ich in dieser Hausarbeit untersuchen. Dabei steht immer die Schwierigkeit der Eingrenzung von Ursachen im Vordergrund. Daher wird sich dieser erste Teil auf theoretische Formen des Sprachwandels und die ‚Etappen’ des deutschen Migrationsdiskurses selbst, beschränken. Im zweiten, praktischen Abschnitt beziehe ich Jungs Untersuchung der eingangs nur theoretisch reflektierten politischen und medial präsenten Öffentlichkeit auf die im Seminar durchgeführte Inhaltsanalyse der ‚Thüringer Allgemeinen’ und der ‚Thüringischen Landeszeitung’. Wie beeinflusst der alltagssprachliche und der öffentlich vorhandene Diskurs über Migranten deren Leben und das der ‚Einheimischen’? Kann der Wandel im öffentlichen Diskurs den Alltagssprachgebrauch verändern?


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Schil er-Universität Jena

Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften

Bereich Medienwissenschaften - Arbeitsfeld 2

Lehrstuhl Grundlagen der medialen Kommunikation und der Medienwirkung

Wintersemester 2006/07

Hauptseminar

Migranten im Fokus der Medien

WELCHE VERÄNDERUNGEN IM DISKURS ÜBER MIGRANTEN IN DEUTSCHLAND GAB

ES UND WIE IST DER EINFLUSS ÖFFENTLICHER ÄUßERUNGEN AUF DEN

ALLTAGSSPRACHGEBRAUCH UND LEBENSUMSTÄNDE DER ZUWANDERER ZU

BEWERTEN?


Inhaltsverzeichnis

Seite

1

Einleitung 2

2

Bedeutung der Sprache im Alltag 2

2.1

Einfluss der Sprache auf die Öffentlichkeit 2

2.2

Bedeutung von Sprache für die Integration 4

3

Sprachwandel 7

3.1

Formen der Veränderung unseres Wortschatzes 7

3.2

Entwicklung des Diskurses über Zuwanderer in Deutschland 8

4

Öffentlicher und alltäglicher Sprachgebrauch am Beispiel 11

4.1

Bundestagsdebattenanalyse 1973-1989 nach Jung 1997 11

4.2

Thüringische Zeitungen zum Thema ,Fremde′ 14

5

Resümee 17

6

Bibliographie und URL-Verzeichnis 18

1


1

Einleitung

Der Migrationsdiskurs ist in Deutschland von mehreren Etappen geprägt, die nicht

getrennt gesehen werden können von jeweiligen historischen und aktuellen

politischen Entwicklungen.

Wandlungen dieses Diskurses und deren mögliche Ursachen, sowie Folgen einer

neuen Ausdrucksweise, möchte ich in dieser Hausarbeit untersuchen.

Dabei steht immer die Schwierigkeit der Eingrenzung von Ursachen im

Vordergrund. Daher wird sich dieser erste Teil auf theoretische Formen des

Sprachwandels und die ,Etappen′ des deutschen Migrationsdiskurses selbst,

beschränken.

Im zweiten, praktischen Abschnitt beziehe ich Jungs Untersuchung der eingangs

nur theoretisch reflektierten politischen und medial präsenten Öffentlichkeit auf die

im Seminar durchgeführte Inhaltsanalyse der ,Thüringer Allgemeinen′ und der

,Thüringischen Landeszeitung′.

Wie beeinflusst der alltagssprachliche und der öffentlich vorhandene Diskurs über

Migranten deren Leben und das der ,Einheimischen′? Kann der Wandel im

öffentlichen Diskurs den Alltagssprachgebrauch verändern?

2

Bedeutung der Sprache im Al tag

2.1 Einfluss der Sprache auf die Öffentlichkeit ­ oder umgekehrt?

Zunächst möchte ich mit dieser Fragestellung abwägen, ob die Medien generell,

also weniger die Sprache und der zugrunde liegende Wortschatz, Quellen unserer

Meinungsbildung sind.

Öffentliche Kommunikation ist mit der Entwicklung der Verbreitung von Botschaften

an sehr große Publika zur Massenkommunikation geworden. Die zuvor noch an die

direkte Anwesenheit der Interessierten gebundene Kommunikation findet heute vor

dem Fernseher, über die Tageszeitung, das Radio oder das Internet statt.

Folglich würden nach Gerhards ,,fast alle Bürger tagtäglich über die mediale

Öffentlichkeit an der politischen Kommunikation partizipieren", wobei diese ,,keine

unmittelbare, sondern (...)

medial vermittelte Kommunikation

(Hervorhebg. d.

Autors)" sei. Beeinflusst von ,,eigenen Interessen die Kommunikationen [zu]

selektieren", wäre die Teilnahme am politischen, gesellschaftlichen, kulturellen

Diskurs Partizipation an

,,massenmediale[r] Öffentlichkeit

(Hervorhebg. d. Autors)".

(Gerhards 1998:272.)

2


Besonders

auf

der

von

Gerhards

erwähnten

Ebene

,,kleine[r]

Interaktionsöffentlichkeiten" (Gerhards 1998:270) stellt sich also die Frage, wie

präsent oder prägend Inhalte von Massenmedien hier sind und inwiefern die

mutmaßlich ,weiterentwickelte′ Art über Migranten zu diskutieren, zu entscheiden,

zu berichten, in den Alltagssprachgebrauch und damit diese Unterebene von

Öffentlichkeit hineingereicht.

Hiebel greift McQuails These Medien erweiterten die ,,menschliche Auffassungs-,

Gedächtnis- und Kommunikationskompetenz" (Hiebel 1998:12) auf. Die positiven

Eigenschaften deutet McQuail allerdings auf kontrastierende Art. Einerseits spricht

er Medien diese Mitwirkung an der Ausformung sozialer Strukturen zu. Sie verfügten

über die Fähigkeit jedem Rezipienten eine Minimalbasis geteilter Realität

anzubieten. Erst hierdurch sei die Herausbildung eben dieser sozialen Strukturen

möglich (Vgl. McQuail 1994:64).

Andererseits seien genau dieselben vermittelnden Instanzen den Zwängen der von

ihnen mit geprägten Gesellschaft unterworfen, wenn nicht sogar von Dritten eine

Ausnutzung dieses ,,power potential" (McQuail 1994:69) stattfindet, also Wettbewerb

um die Gunst, den Zugang zu, oder die Kontrolle über die massenmediale

Öffentlichkeit erlangt würde, um eigene Interessen durchzusetzen.

Doch welcher Politiker oder Pressereferent tut dies nicht ­ mehr oder minder?

Wichtig ist nur abzugrenzen, ob die Selektionsinstanz der Medieninstitution von

außen unbeeinflusst bzw. konform zu eigens gesetzten journalistischen Ansprüchen

des Verlages oder Senders arbeiten kann. McQuail nennt als Folge des Outputs von

Medien, als präzisiertem gesellschaftlichem Einfluss, eine ,,social centralization or

dispersal" (McQuail 1994:73). Erstere ließe sich analogisieren auf die von ihm

außerdem vorgenommene Aufteilung, internationale Medien prägten kurzlebige

Trends im Verhalten und Auftreten ihrer Rezipienten, wohingegen regionale Medien

Eigenheiten einer Kultur bestärkten, Identität stifteten; die damit wesentlich mehr

Nuancierungen und Unterschiede in sich ­ also z.B. von Region zu Region ­

verdeutlichen könnten (vgl. McQuail 1994:118).

Genau hierin liegt m.E. auch die Absage an die vermeintlich so einflussreichen

Medien. Die Beschreibung der ,,media logic" durch Snow und Altheide als ,,way of

seeing and interpreting social affairs" und das in einem den jeweiligen Medien

inhärenten Format, also ,,how material is organized, the style in which it is

presented, the focus or emphasis ... [!] and the grammar of media communication"

(Snow/ Altheide 1991:10, zit. n. McQuail 1994:109) besagt, dass jedes

Medienformat

speziell

an die Inhalte herangeht und sie wiederum unterschiedlich

präsentiert. Diese aktive Seite der Präsentation durch die Medien verarbeitet das

3


Individuum des passiven Rezipienten ­ einem streitbaren Begriff ­ allerdings auf

dessen eigene Art

und Weise.

Welchen Einfluss hat das auf die möglichst gute Integration eines Zuwanderers?

Wodurch wird diese eventuell verhindert? Hierzu möchte ich nun genauer auf die

Eigenheiten von Sprache ­ sowohl in den Medien als auch im Alltag ­ eingehen, um

etwaige direkte Schwierigkeiten, denen sich ein Zuwanderer ausgesetzt sieht

aufzudecken. Im dritten Kapitel soll dann eine passive Seite, die des Diskurses

über

die Zuwanderer

, beleuchtet werden.

2.2 Bedeutung von Sprache für die Integration

Mittels einer Betrachtung der Sprache und ihrer Funktionen möchte ich zeigen, dass

diese an sich schon ein Hinderungsgrund für die Integration von Zuwanderern in

einem sozialen Gefüge ist. Allerdings wirken sich natürlich sehr viel mehr

individuelle und auch z.B. politische Faktoren auf diesen Prozess aus.

Eine Sprache hat für Muhr ,,sozialsymbolische Funktionen", wie die Abgrenzung von

anderen Nicht-Sprechern, dem ,,linguistischen Abstand". Im Gegensatz hierzu

stünde ,,das Kriterium des linguistischen Ausbaus" der Sprache, nicht des Dialekts ­

dem die ,,Überdachung durch eine Schriftsprache" fehle. ,Linguistischer Ausbau′

meint die Symbolik einer Sprache, ihre Sprecher zu repräsentieren. (Muhr

2003:193)

Unterstützt würde die ,,Selbstdefinition" der Sprecher über die Sprache durch

,,spezifische sprachliche Merkmale, insbesondere in der gesprochenen Sprache (...),

[mit] der [häufigen] Folge einer relativ starke[n] nationale[n] Eigenentwicklung, die

bis zur Disglossie führen kann." (Muhr 2003:208) Daher rühren z.B. Unterschiede

des deutschen Deutschs zum österreichischen und schweizerischen Deutsch, die

es mitunter sehr schwierig machen, den Kommunikationspartner zu verstehen,

obwohl er oder sie eigentlich Deutsch spricht.

Auch Stickel umreißt Sprache als Mittel zur ,,Wahrnehmung der eigenen

Lebenswelt", zur ,,Erfahrung und Einübung von Gemeinschaft"; die außerdem an

den ,,kollektiven Besitz (...) von Sprache (...) durch mehrere oder sogar viele

Individuen" geknüpft sei. (Stickel 2002:18)

Ein Zuwanderer sieht sich natürlich nicht nur dem Problem fehlender oder

schlechter Sprachkenntnisse ausgesetzt. Doch es wurde deutlich, dass mit dem

Erlernen einer Sprache viele zusätzliche Bausteine des Alltagslebens in einer

anderen Kultur verfügbar werden.

4



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