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Besessenheit, Geistervertreibung und Seelenwanderung im Judentum

Presentation (Elaboration), 2007, 20 Pages
Author: Alina Polyak
Subject: Jewish Studies

Details

Event: Kabbala in Safed im 16. Jahrhundert: Cordovero- Luria- Vital
Institution/College: University of Frankfurt (Main) (Judaistik)
Tags: Besessenheit, Geistervertreibung, Seelenwanderung, Judentum, Kabbala, Safed, Jahrhundert, Cordovero-, Luria-, Vital
Category: Presentation (Elaboration)
Year: 2007
Pages: 20
Grade: 2,9
Language: German
Archive No.: V124892
ISBN (E-book): 978-3-640-30769-2
ISBN (Book): 978-3-640-30595-7

Abstract

In meinem Referat habe ich angefangen mich mit dem spannenden Thema der jüdischen Magie zu befassen. Der Platz, den Mystik und Magie im Judentum hat, scheint viel wichtiger zu sein, als man sich vorstellen könnte. Selbst in der Folklore findet man viele Geschichten über Dämonen und Dybbuk- Besessenheit. In der Vorbereitungsphase für meine Hausarbeit habe ich in meinem jüdischen Bekanntenkreis eine kleine Umfrage durchgeführt. Alle befragten waren erstaunt zu hören, dass es im Judentum „auch“ Exorzismus und Seelenwanderung existiert. Niemand hörte jemals davon, obwohl alle jüdische Erziehung bekommen haben. Liegt es an mangelnder Werbung oder vielleicht daran, dass das esoterische Wissen nicht in die Hände der Unbefugten gelingen durfte? Oder zum eigenen Schutz der unschuldigen Seelen? Was auch immer der Grund, gehört Geistesbeschwörung im traditionellen Judentum nicht zum „Tagesprogramm.“ In meiner Arbeit habe ich versucht den Überblick über die Situation zu verschaffen. Der Akzent liegt auf Safed im 16. Jahrhundert, weil die meisten Quellen aus dieser Zeit stammen. Das sindc aber nicht die frühesten Erwähnungen davon, sondern man spricht über das Thema Geister und Besessenheit schon sehr früh in den jüdischen Quellen. Es ist schwer zu sagen von wann genau die ersten Berichte sind. Die Vorstellung, über so was wie Besessenheit von einem fremden Geist schon in dem Tanach im Buch von Genesis vorkommt, wie J. H. Chajes (2001) behauptet. Zum Beispiel in 41:38 spricht der Pharao über Joseph, dass niemand wie er den Geist Gottes in sich hat. In Exodus 31:3 verspricht Gott Bezalel mit dem Geist Gottes zu erfüllen, sodass er Inspiration für seine Arbeit bekommt. Der erste Exorzist in der jüdischen Geschichte war König David. Der König Saul war der erste Besessene. Natürlich reicht das Wort „Geist“ an sich noch lange nicht um behaupten zu können, dass es sich in diesem Fall von Besessenheit handelt. Auch dem Christentum ist dieses Thema nicht unbekannt und zwar schon sehr früh.


Excerpt (computer-generated)

Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main

Seminar für Judaistik, Fachbereich 09

Seminar Sommersemester 2007-2008

,,Kabbala in Safed im 16. Jahrhundert: Cordovero- Luria- Vital"

Ausgearbeitetes Referat

,,Besessenheit, Geistervertreibung und Seelenwanderung im

Judentum."

von

Alina Polyak

Oktober 2007


Inhaltsverzeichnis

1

Einleitung und historische Perspektive. 3

2

Magie, Geister und Dämonenlehre 5

3

Typen und Techniken der Geistervertreibung. Quellen -die berühmten Fälle in Safed 8

3.1

Typen und Techniken der Geistervertreibung. 8

3.2

Quellen - die berühmten Fälle in Safed 12

4

Frauen und Geister 15

5

Literaturbeispiele aus der Folklore 16

6

Magische und Besessenheit in unserer Zeit 17

7

Literaturverzeichnis: 19

2


1 Einleitung und historische Perspektive.

In meinem Referat habe ich angefangen mich mit dem spannenden Thema der jüdischen Magie

zu befassen.

Der Platz, den Mystik und Magie im Judentum hat, scheint viel wichtiger zu sein,

als man sich vorstellen könnte.

Selbst in der Folklore findet man viele Geschichten über Dämonen und

Dybbuk

-

Besessenheit.

In der Vorbereitungsphase für meine Hausarbeit habe ich in meinem jüdischen Bekanntenkreis

eine kleine Umfrage durchgeführt. Alle befragten waren erstaunt zu hören, dass es im Judentum

,,auch" Exorzismus und Seelenwanderung existiert. Niemand hörte jemals davon, obwohl alle

jüdische Erziehung bekommen haben. Liegt es an mangelnder Werbung oder vielleicht daran,

dass das esoterische Wissen nicht in die Hände der Unbefugten gelingen durfte? Oder zum

eigenen Schutz der unschuldigen Seelen? Was auch immer der Grund, gehört

Geistesbeschwörung im traditionellen Judentum nicht zum ,,Tagesprogramm."

In meiner Arbeit habe ich versucht den Überblick über die Situation zu verschaffen. Der Akzent

liegt auf Safed im 16. Jahrhundert, weil die meisten Quellen aus dieser Zeit stammen. Das sindc

aber nicht die frühesten Erwähnungen davon, sondern man spricht über das Thema Geister und

Besessenheit schon sehr früh in den jüdischen Quellen. Es ist schwer zu sagen von wann genau

die ersten Berichte sind.

Die Vorstellung, über so was wie Besessenheit von einem fremden Geist schon in dem Tanach

im Buch von Genesis vorkommt, wie J. H. Chajes (2001) behauptet.

Zum Beispiel in 41:38 spricht der Pharao über Joseph, dass niemand wie er den Geist Gottes in

sich hat.

In Exodus 31:3 verspricht Gott Bezalel mit dem Geist Gottes zu erfüllen, sodass er Inspiration

für seine Arbeit bekommt. Der erste Exorzist in der jüdischen Geschichte war König David. Der

König Saul war der erste Besessene.

Natürlich reicht das Wort ,,Geist" an sich noch lange nicht um behaupten zu können, dass es sich

in diesem Fall von Besessenheit handelt.

Auch dem Christentum ist dieses Thema nicht unbekannt und zwar schon sehr früh.

3


Nach dem Evangelium von Markus gehört die Fähigkeit, Geiste zu beschwören und auszutreiben

zum ,,Pflichtprogramm" eines Christen.

In einem Dokument des 3 Jahrhunderts behauptet ein Christ namens Origen, daß Juden und ihre

Beschwörungen

besonders effektiv gegen Dämonen waren.

In

Antiquitates Judaicae

, beschreibt Josefus einen Exorzismus, der von einen Juden Namens

Eleazar vor Augen Vespasians und seinen Hof durchgeführt wurde.

,,Eleazar applied to the nostrils of the demon-possessed man his own ring, which had under its

seal-stone one of the roots whose properties King Solomon had taught, and so drew the demon

out through the sufferer′s nose. The man immediately fell to the ground, and Eleazar then

adjured the demon never to return, calling the name of Solomon and reciting the charms that he

had composed."

(

Antiquitates Judaicae

, Band 8, S. 42-49, zitiert in Chajes, 2001, S. 387).

Beschreibungen von Exorzismus gibt es auch in der Rabbinischen Literatur. Zum Beispiel

erwähnt

Pesikta de Rav- Kahana

Exorzismus bei Nichtjüden.

Bavli Me"ila

17 a-b beschreibt ein

Fall wie Shimon ben Yochai Exorzismus von Königs Tochter durchführt. Die positive Folge

daraus war, dass ein antijüdisches Gesetz aufgehoben wurde.

Es ist schwer zu beurteilen wie oft das Ritual des Exorzismus in der Antike passierte, da es sehr

wenige Berichte aus dieser Periode gibt.

Die meisten der überlieferten Berichte stammen aus dem 16 Jahrhundert Safed. Was die weitere

Entwicklung angeht, gibt es auch nicht viel.

Vom Mittelalter ist ein Manuskript

Shoshan Yesod ha-Olam

bekannt. Es enthält eine Sammlung

von Geisterbeschwörenden . ,,

Shoshan Yesod ha-Olam

includes a technique that promises to

offer protection from injuries, doubts and fears, bad dreams, business negotiation problems,

crying children, women having difficulty in labor, dangers of travel, and demonic afflictions.

Another technique is said to have the power to confuse and confound one′s enemy, while also

being capable of exorcising a demon and exiling someone form his or her place of residence."

Chajes, 2003 A, 66.

4


2 Magie, Geister und Dämonenlehre

Über Magie schreibt Joshua Trachtenberg, dass die Bibel im allgemeinen Hexerei und Zauberei

missbilligt. Talmud macht daraus Kategorien, die mehr oder weniger schwerwiegend sind.

Zwischen zwei Arten der Zauberei war zu unterscheiden: etwas, das ein materielles Effekt

produziert und etwas, was nur Illusion solches Effektes produziert. Die erste Art braucht Hilfe

von Dämonen, die zweite nicht.

Das wichtigste Prinzip der jüdischen Magie im Mittelalter (im Unterscheid zum Christentum)

war, dass sie auf den Mächten des Guten basiert hat. An diese wurde durch das Rufen den

Namen Gottes und Seinen Engel appelliert.

Was die Herkunft der Geister angeht, nennt Chajes in seinem Buch ,,Between Worlds"

Pirkej de

Rabbi Eliezer

als Quelle, in der steht, dass die Generation von biblischer Flut nicht aufersteht am

Ende der Zeiten, das sie zu

Ruhot

und

Mazzikim

verwandelt wurde. Das sind also Seelen der

Bösen. R. Eliezer Ashkenazi schreibt in seinem 1583 Werk,

Ma′asei ha-Shem

, das Dämonen zu

werden ist die Strafe und das ultimative Schicksal der bösen Menschen.

Trachtenberg schreibt über Dämonen, dass es zwei Theorien gibt. Dem Talmud zufolge, war

Gott am ersten

Erev Shabbat

mit den letzten Einzelheiten der Schöpfung beschäftigt. Er war

gerade am Schaffen ihren Seelen als Shabbat angefangen hat und Er mit der Arbeit aufhören

musste. Deswegen haben Dämonen keine Körper, sondern bestehen nur aus Geist.

Es gab aber auch solche, die sowohl die Seele als auch den Körper besitzen. Es gibt eine

rabbinische Legende, dass während 130 Jahren nach der Vertreibung aus Eden, als Adam von

Eva getrennt war, hatte er Beziehungen mit weiblichen Dämonen, deren Kinder dieser Gruppe

gehören.

,,...the demons, evil as they were, remained the creatures of God, subject to His will and

respectful of His divinity, and actually subservient to angels." "... in accordance with their

origin, are between angels and men. They have wings like the former, and move about from one

end of the earth to the other, and know what will come to pass; but, like the latter, they eat and

drink, propagate their kind, and die." "Angels and demons may become men and animals, men

may be transformed into cats or wolves or hares." (Trachtenberg, S. 30, 31).

Dämonen haben wie die Engel spezielle Aufgaben.

Sie sind mit der Unreinheit assoziiert, deswegen es ist zum Beispiel wichtig, Hände zu waschen,

um Dämonen zu vertreiben.

5



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