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Subtitle: Eine Sekundäranalyse aktueller empirischer Studien
Diploma Thesis, 2008, 84 Pages
Author: Diplom-Soziologe Benedikt Caspers
Subject: Sociology - Consumption and Advertising
Details
Tags: soziale Ungleichheit, gesundheitliche Ungleichheit, Übergewicht, Kinder, Jugendliche, Adipositas, KiGGS, Soziologie, Epidemie, HBSC, NVS II, KOPS, DONALD, Body Mass Index, BMI, Prävalenzrate, Perzentilwerte, Ernährungsforschung, Gesundheitsverhalten, Energiebilanz, EsKiMo, Korrelationsproblematik, Bewegungsverhalten, körperlich-sportliche Aktivität, Medienrezeption, sozialer Status
Year: 2008
Pages: 84
Grade: gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-34193-1
ISBN (Book): 978-3-640-34210-5
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Abstract
„Immer mehr Jugendliche bewegen sich immer weniger, sitzen immer länger vor dem Computer oder Fernseher, werden schlapper und leiden unter Übergewicht!“ Über diesen vermeintlichen gesundheitsbedrohlichen Trend und den damit assoziierten Risiken scheint in der öffentlichen Diskussion weitgehend Einigkeit zu bestehen (vgl. Sygusch 2005, S.863). Ziel der vorliegenden Arbeit ist deshalb zum einen, die aktuelle Situation bezüglich der Ausbreitung von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen darzustellen. Zum anderen soll dabei das Ernährungs- und Bewegungsverhalten von Heranwachsenden in den Fokus der Betrachtung gerückt werden, da neben der genetischen Veranlagung diese Verhaltensweisen als weitgehend gesicherte Einflussfaktoren (WHO 2003) der Adipositas gelten. Unter einer sozialwissenschaftlichen Perspektive sollen ausgewählte Sachverhalte innerhalb des multifaktoriellen Ursachengeflechts der Adipositas dargestellt werden.
Excerpt (computer-generated)
Universität Trier
Fachbereich IV
Soziologie AMK
Diplomarbeit
Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in
Deutschland:
Eine Sekundäranalyse aktueller empirischer Studien
vorgelegt von
Benedikt Caspers
Abgabetermin: 25.03.2008
Trier, März 2008
Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung: Die erste globale Epidemie des neuen Jahrhunderts
04
2.
Vorstellung
relevanter
Studien
07
2.1 Die KiGGS-Studie
Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey
07
2.2 Die HBSC-Studie "
Health Behaviour in School-aged Children
"
08
2.3 Die NVS II
Die zweite nationale Verzehrsstudie
09
2.4 Die KOPS-Studie
Kiel Obesity Prevention Study
10
2.5 Die DONALD-Studie
Dortmund Nutritional and Anthropometric
Longitudinally Designed Study
10
3. Definition von Übergewicht und Adipositas
11
3.1
Der
Body
Mass
Index
11
3.2 Alters- und geschlechtsspezifische
Perzentilwerte
12
3.3
Das
Dilemma
des
Referenzsystems
14
4. Aktuelle Prävalenzraten von Übergewicht und
Adipositas in Deutschland
14
5. Übergewicht als psychosoziales Problem
16
6.
Methodische
Anmerkungen
19
6.1
Allgemeine
methodische
Probleme
19
6.2 Besondere Anforderungen der empirischen Sozialwissenschaft bei
Heranwachsenden
20
6.3 Methoden und Probleme der empirischen Ernährungsforschung
21
6.3.1
Probleme
von
Ernährungserhebungen
21
6.3.2 Verfahren der empirischen Ernährungsforschung
22
6.3.2.1
Retrospektive
Erhebungen
22
6.3.2.2
Prospektive
Verfahren 23
7. Einfluss- und Risikofaktoren von Übergewicht und Adipositas
24
7.1
Die
Rolle
der
Genetik
27
7.2 Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen
28
7.2.1 Habitualisierung des Gesundheitsverhaltens bei Heranwachsenden
29
7.2.2 Diskrepanz zwischen Ernährungswissen und Verhalten
31
7.2.3
Energiebilanz
und
gesunde
Ernährung
32
7.2.4 Lebensmittelverzehr bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland
34
2
7.2.4.1 Die EsKiMo-Studie (Ernährungsstudie
als
KiGGS-Modul)
34
7.2.4.2 Eskimo-Ergebnisse: Lebensmittelverzehr bei Heranwachsenden
36
7.2.4.3 Trends im Lebensmittelverzehr bei Heranwachsenden
37
7.2.5
Die
Korrelationsproblematik
38
7.2.6 Einfluss der Ernährung auf die Entstehung
von
Übergewicht
39
7.3 Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland
42
7.3.1 Die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen
43
7.3.2 Erkenntnisse zur körperlich-sportlichen
Aktivität
44
7.3.2.1
Sportliche
Aktivität
von
Kindern
45
7.3.2.2 Körperlich-sportliche Aktivität von Jugendlichen
46
7.3.2.3 Zusammenfassung und Vergleich der KiGGS-Ergebnisse
mit der HBSC-Studie
47
7.3.3
Medienrezeption
und
Inaktivität 50
7.3.3.1 Soziodemographische Unterschiede in der Mediennutzung
50
7.3.3.2 Zusammenhang zwischen Medienrezeption und
körperlich-sportlicher Aktivität
53
7.3.3.3 Zusammenhang zwischen Mediennutzung und Übergewicht
53
8. Gesundheitliche Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen
56
8.1
Soziale
Ungleichheit
56
8.2 Aufwachsen unter ungünstigen Lebensumständen
58
8.3
Übergewicht
und
sozialer
Status
61
9. Ausblick
65
10.
Literaturverzeichnis
67
11.
Internetveröffentlichungen
76
12. Anhang Abbildungen und Tabellen
78
3
1. Einleitung: Die erste globale Epidemie des neuen Jahrhunderts
In der populären Phantasiewelt des Schlaraffenlandes spucken Käse- und Nudelvulkane
Fertiggerichte auf den Tisch, fette Gänse und Schweine laufen gebraten herum, Fische
schwimmen in die ausgestreckten Hände und gebratene Tauben in die offenen Münder
(vgl. Richter 1984, S.30ff). Heute hat man häufig das Gefühl, dass die Utopie vom
Schlaraffenland in unserer Gesellschaft Realität geworden ist. Statt aus Vulkanen
kommen die Fertiggerichte sekundenschnell aus der Mikrowelle, die gebratenen
Schweine laufen zwar nicht durch die Gegend, sind aber quasi, zumindest im urbanen
Raum, an jeder Ecke in portionierter Weise verfügbar. Verführerisch inszenierte
Produktpräsentationen in Verbindung mit einem, auch akustisch, einladenden Ambiente
am
Point of Sale
locken den Konsumenten mit erschwinglichen Preisen. Insbesondere
hochkalorische Lebensmittel werden an jeder Ecke angeboten, meist günstiger als Obst
oder Gemüse. Die Kehrseite dieser Entwicklung zeigt sich darin, dass der prozentuale
Anteil übergewichtiger Menschen in der Bevölkerung westlicher Industrieländer seit
einigen Jahrzehnten stetig zunimmt. Ein Ende dieser Entwicklung ist bislang nicht
abzusehen (vgl. Benecke; Vogel 2005, S.7). Insgesamt sind in Deutschland 66% der
Männer und 50,6% der Frauen (18-80 Jahre) übergewichtig oder adipös (vgl. Max
Rubner Institut 2008b, S.81*1). Auf der anderen Seite kann man Gesundheit, Ernährung
und Fitness mittlerweile als ,,Megatrend" sowohl in ökonomischer, als auch in
sozialer und kultureller Hinsicht bezeichnen (vgl. Eberle 2004, S.9*).
In der menschlichen Evolutionsgeschichte haben sich die Fähigkeiten einer effektiven
Energienutzung und -Speicherung als wichtiger Überlebensvorteil in Nahrungsnotzeiten
herausgestellt. Die Gene und der dadurch gesteuerte Stoffwechsel sind aufgrund dessen
gut darauf eingerichtet, Situationen des Energiemangels, nicht aber solche der
Überernährung zu bewältigen (vgl. Pudel 2003a, S.2). Adipositas, als extreme Form von
Übergewicht, kann man i.d.S. auch als eine natürliche, physiologische Reaktion auf eine
chronisch-positive Energiebilanz sehen. Diese evolutionsbiologisch angelegte
Überlebensstrategie kann sich allerdings in der heutigen Zeit des Nahrungsüberflusses
schnell ,,zum genetischen Bumerang" (Kersting 2005, S.62) entwickeln, da das
menschliche Genom immer noch dem des
Jägers und Sammlers
entspricht. Die
Weltgesundheitsorganisation bezeichnet Übergewicht und Adipositas bereits jetzt als
erste ,,globale Epidemie des 21. Jahrhunderts" und geht für das Jahr 2005 von 1,6
1 Quellenbelege, welche im Internet-Literaturverzeichnis nachzuschlagen sind, werden in den folgenden
Ausführungen mit: * gekennzeichnet;
4
Milliarden übergewichtigen
(>15 Jahre)
und 400 Millionen adipösen Menschen aus
(vgl. WHO 2006, S.1*). Neben der (sog.) adipogenen Umwelt2 wird v.a. individuellen
Risikofaktoren wie der genetischen Veranlagung bzw. der metabolischen Prägung3, der
jeweiligen Ernährung und der Imbalance von körperlicher Aktivität und Inaktivität eine
auslösende Rolle zugeschrieben. Besonders beunruhigend ist v.a. die zunehmende
Verbreitung von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter. Auch
deshalb, weil sich i.d.R. speziell das Ernährungs- und Bewegungsverhalten bereits im
Kindesalter manifestiert und einmal erworbene Muster und Gewohnheiten häufig ein
Leben lang beibehalten werden. Adipositas stellt einen Risikofaktor für viele
Krankheiten dar, und zwar schon für sich allein, als auch indirekt dadurch, dass
Adipositas andere Risikofaktoren beeinflusst oder verstärkt (vgl. Schwarzer 2004,
S.277). Mit einem adipösen Erscheinungsbild gehen jedoch nicht nur schwerwiegende
gesundheitliche (z.B. orthopädischer Art) und psychosoziale Belastungen (z.B.
Mobbing), sondern auch eine insgesamt verminderte Lebensqualität, sowie
verschlechterte berufliche Aussichten (ökonomische Folgen) einher. Neben den akuten
spielen aber auch die im weiteren Lebensverlauf auftretende Folgeerkrankungen, wie
z.B. Bluthochdruck, verschiedene Herzkrankheiten, Typ2-Diabetes, Fettstoff-
wechselstörungen um nur einige zu nennen eine Rolle (vgl. zum Überblick:
Benecke; Vogel 2005, S.15ff). Um zu verhindern, dass aus
dicken Kindern dicke
Erwachsene
werden, kommt so der frühzeitigen Vermittlung eines gesundheits-
förderlichen Lebensstils eine besondere Bedeutung zu.
Die Adipositasepidemie muss man vor dem Hintergrund bedeutender sozialer
Rahmenbedingungen sehen, welche hier allerdings nur kurz angesprochen werden.
Dazu zählen u.a. der demographische Wandel (
Alterung der Gesellschaft
), die
multiethische Gesellschaft (
zunehmender Anteil von Migranten
), der Wandel der
Arbeitswelt (
steigende Frauenerwerbsquote, Wandel der Haushalts- und
Familienformen
), der Wandel von Wohlstandsverteilung (
schrumpfende Mittelschicht
),
sowie der Wandel und die Ausdifferenzierung von Werten, Einstellungen und
Lebensstilen (vgl. Eberle 2004, S.2ff*).
,,Immer mehr Jugendliche bewegen sich immer weniger, sitzen immer länger vor dem
Computer oder Fernseher, werden schlapper und leiden unter Übergewicht!" Über
diesen vermeintlichen gesundheitsbedrohlichen Trend und den damit assoziierten
2 meint insbesondere den sitzenden Lebensstil, die ständige Verfügbarkeit kalorienreicher Nahrung, die
Motorisierung des Bewegungsverhaltens usw.;
3 meint Stoffwechsel;
5
Risiken scheint in der öffentlichen Diskussion weitgehend Einigkeit zu bestehen (vgl.
Sygusch 2005, S.863). Ziel der vorliegenden Arbeit ist deshalb zum einen, die aktuelle
Situation bezüglich der Ausbreitung von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen
darzustellen. Zum anderen soll dabei das Ernährungs- und Bewegungsverhalten von
Heranwachsenden in den Fokus der Betrachtung gerückt werden, da neben der
genetischen Veranlagung diese Verhaltensweisen als weitgehend gesicherte
Einflussfaktoren (WHO 2003) der Adipositas gelten. Unter einer sozialwissen-
schaftlichen Perspektive sollen ausgewählte Sachverhalte innerhalb des
multifaktoriellen Ursachengeflechts der Adipositas dargestellt werden4. Mit den im
Jahre 2007 veröffentlichten Ergebnissen des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys
(KiGGS) stehen dabei zum ersten Mal repräsentative Daten für Deutschland bzgl. der
Verbreitung von Übergewicht und Adipositas, zur Verfügung. Da zum einen die
Publikationen der weiteren KiGGS-Ergebnisse schrittweise erfolgt und die bisherigen
Veröffentlichungen zumeist lediglich deskriptiver Art sind, fehlen teilweise einige der
im jeweiligen Zusammenhang erwarteten Sachverhalte. Aufgrund dessen versucht der
Autor auftretende Datenlücken durch andere Studienergebnisse aufzufüllen. Dabei tritt
wiederum das Problem der mangelhaften Vergleichbarkeit5 zwischen den Studien auf,
so dass man sich teilweise lediglich mit gemeinsam festgestellten Trends begnügen
muss.
An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass zu Gunsten einer einfacheren Lesbarkeit
des Textes meist auf männliche Substantive zurückgegriffen wird, wobei die weibliche
Form der Begriffe selbstverständlich mit eingeschlossen ist6.
Ferner ist anzumerken, dass, wenn im weiteren Verlauf von Übergewicht die Rede ist,
auch Adipositas gemeint ist7. Umgekehrt beinhaltet Adipositas nicht Übergewicht8.
Zunächst werden in der vorliegenden Arbeit relevante und oft zitierte Studien
vorgestellt. Anschließend werden Definitionen und aktuelle Daten präsentiert. Bevor
auf das Ernährungs- und Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen
eingegangen wird, sollen methodische Besonderheiten dargestellt werden. Zum Schluss
4 d.h., falls das vorhandene Datenmaterial es zulässt, werden Ergebnisse insbesondere zwischen Alter,
Geschlecht, Bildung oder sozialem Status differenziert;
5 neben der Stichprobenkonstruktion treten dabei v.a. Probleme mit der jeweiligen Definition bestimmter
Konstrukte auf, wie z.B. soziale Schicht, sozialer Status, Armut, körperliche Aktivität usw.;
6 Wenn bspw. von Schülern die Rede ist, sind stets Schülerinnen und Schüler gemeint, es sei denn, das
Geschlecht wird explizit hervorgehoben;
7 es ei denn, Adipositas wird explizit ausgeschlossen;
8 Die Begriffe werden in Kap. 3 definiert;
6
wird die gesundheitliche Ungleichheit in Bezug auf Adipositas und Übergewicht
thematisiert.
2. Vorstellung relevanter Studien
Übergewicht und Adipositas bei Heranwachsenden ist in den letzten Jahren zunehmend
zum Gegenstand einer teils hysterisch geführten, öffentlichen Diskussion9 geworden. In
der Presse geisterten Meldungen mit Rekordprävalenzraten10 umher. Im Folgenden
sollen einige Studien, auf welche in dieser Arbeit häufiger zurückgegriffenen wird, kurz
vorgestellt werden. Insbesondere die ersten Ergebnisse der sog. KiGGS-Studie wurden
in der Fachliteratur der letzten Jahre herbeigesehnt.
2.1 Die KiGGS-Studie Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey
Das Robert-Koch-Institut (RKI) führte in den Jahren 2003 bis 2006 im Auftrag der
Bundesministerien für Gesundheit (BMG) sowie für Bildung und Forschung (BMBF)
den bundesweiten Kinder- und Jugendgesundheitssurvey11 (KiGGS) durch. Insgesamt
nahmen an den Untersuchungen 17.641 Mädchen und Jungen, in 167 für die BRD
repräsentativen Städten und Gemeinden, teil (vgl. Kurth 2007a, S.535). Das vorrangige
Ziel der bundesweiten KiGGS-Studie ist es, ,,umfassende und bevölkerungs-
repräsentative Informationen über den Gesundheitszustand von Kindern und
Jugendlichen [0-17 Jahren] in Deutschland zu erheben, bestehende Informationslücken
zu schließen und Daten für die Gesundheitsberichterstattung des Bundes, die
epidemiologische Forschung sowie für die Konzeption von Präventions- und
Interventionsmaßnahmen bereitzustellen." (Kamtsiuris u.a. 2007, S.547) Das nach fünf
Altersgruppen differenzierte Studiendesign12 besteht u.a. aus einer schriftlichen
Befragung der Eltern sowie ab elf Jahren der Probanden selbst, aus medizinischen
und körperlichen Untersuchungen (z.B. Körpergröße und -Gewicht, Taillen- und
Hüftumfang, Hautfaltendicke, Motorik- und Ausdauertests), einem computergestützten
ärztlichen Elterninterview (CAPI) sowie aus Laboruntersuchungen (Blut- und
9 (,,
die dicken Kinder von Deutschland"
);
10 ,,Unter Prävalenz bzw. der Prävalenzrate versteht man den (prozentualen) Anteil von Personen in einer
bestimmten Population, die zu einem bestimmten Zeitpunkt von einer bestimmten Krankheit oder Störung
betroffen sind." (Pudel; Westenhöfer 1998, S.21);
11 die ersten vorrangig deskriptiven Ergebnisse wurden im Mai 2007 als Schwerpunktheft des
Bundesgesundheitsblatts veröffentlicht;
12u.a. Grundschulalter (7-10), Präpubertätsalter (11-13) und Jugendalter (14-17 Jahre);
7
Urinabnahme) (vgl. Hölling u.a. 2007, S.562f). Zielpopulation von KiGGS waren die in
der BRD lebenden und in den Einwohnermelderegistern mit Hauptwohnsitz gemeldeten
Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren. Neben deutschen wurden auch ausländische
Heranwachsende mit Hauptwohnsitz in der BRD miteinbezogen (vgl. Kamtsiuris u.a.
2007, S.555). In der KiGGS-Studie13 wurden ferner auch ,,Informationen zu bekannten
Risikofaktoren für Übergewicht und Adipositas ... erfasst14." (Kurth 2007b, S.549) Des
weiteren haben die KiGGS-Forscher nach den ersten hauptsächlich deskriptiven
Veröffentlichungen die Entwicklung multifaktorieller epidemiologischer Modelle,
welche u.a. die Zusammenhänge zwischen Einflussfaktoren und der Herausbildung von
Übergewicht abbilden, geplant. Da ein Längsschnittdesign methodisch
aufschlussreicher wäre, beteiligte sich das Robert-Koch-Institut, für KiGGS, an der
Ausschreibung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für Langzeitstudien
(vgl. Kurth 2007b, S.549).
2.2 Die HBSC-Studie "Health Behaviour in School-aged Children"
(vgl. zu folgenden Ausführungen: Richter 2003, S.9ff) Die HBSC-Studie ist ein
international vergleichendes Forschungsvorhaben unter der Schirmherrschaft der
Weltgesundheitsorganisation (WHO), welches alle vier Jahre durchgeführt wird.
Während im Gründungsjahr 1982 nur drei Länder teilnahmen, ist die Teilnehmerzahl
auf mittlerweile 41 angestiegen. Ziel der Studie ist es, mittels eines Fragebogens die
Beziehung zwischen dem Gesundheitsverhalten und der subjektiv berichteten
Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Alter von 11, 13 und 15 Jahren zu
untersuchen. Zusätzlich werden Sozialindikatoren der jugendlichen Alltagswelt mittels
der Methode des Selbstberichts15 herangezogen. Im aktuellen Deutschland-Survey16
13 Anzumerken ist der modulare Aufbau von KiGGS, welcher kooperierenden Institutionen die
Möglichkeit gibt, den Kern-Survey mitzunutzen, um mit eigenen Mitteln spezielle Fragestellungen an
Teilstichproben vertieft zu untersuchen. Beispiele für die Zusatzerhebungen sind das Motorik-Modul
(MoMo) der Universität Karlsruhe oder das Ernährungsmodul ,,EsKiMo" der Universität Paderborn (vgl.
Kurth 2007a, S.538);
14 Auf einige ausgewählte Einflussfaktoren wird im Laufe der Arbeit noch näher eingegangen;
15 Methodische Anmerkung zum Selbstbericht: Die Frage nach der Authentizität, der ,,Wahrheit" und
Objektivität bleibt dabei offen; Das ist jedoch ein methodisches Grundproblem sozialwissenschaftlicher
Erkenntnisgewinnung; Gerade bzgl. der Erhebung von Gesundheitsverhalten ist dies jedoch
problematisch, da Gesundheit, Fitness und Ernährung heute als
Megatrend
bezeichnet werden können
und damit Fragen zu diesen Themen in den Bereich tabuisierten Verhaltens fallen; Bspw. kann man
geschlechtsspezifisches Antwortverhalten vermuten (z.B. das Mädchen bei gesundheitlichem
Risikoverhalten eher untertreiben und Jungen übertreiben; Übergewichtige eventuell zum Underreporting
(s.u.) neigen usw);
16 die Ergebnisse für 2007 liegen bis dato noch nicht vor;
8
2002/2003 geht es ferner um die Frage, inwieweit gesundheitsrelevante Lebensstile17
mit subjektiver Gesundheit zusammenhängen und inwieweit personale und soziale
Risiko- bzw. Schutzfaktoren für die Prävention der Gesundheitsstörungen identifiziert
werden können. Pro Altergruppe werden dabei mindestens 1.500 Schüler an einer
repräsentativen Auswahl von Schulen befragt. In Deutschland waren 2002/2003
folgende Bundesländer beteiligt: Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen.
Auch wenn das Ziel einer bundesweiten Befragung noch nicht erreicht wurde, kann auf
einen strukturtypischen deutschen Datensatz zurückgegriffen werden18. Koordiniert
wurde die deutsche Teilstudie von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der
Universität Bielefeld unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Hurrelmann. Im Gegensatz
zu rein epidemiologischen Studien werden hier nicht eindimensionale Beziehungen
zwischen Mortalität bzw. Gesundheitsbeeinträchtigungen und Persönlichkeits- oder
Umweltvariablen untersucht, sondern das komplexe Gefüge eines gesundheits-
relevanten Lebensstils, der sich aus sozialer Lage, der familiären Situation, der Schule
und dem Kontakt zu Gleichaltrigen ergibt. Gesundheit und Gesundheitsverhalten wird
hier also verstanden als ein Prozess, der aus der Anpassung an diese Umwelten
resultiert.
2.3 Die NVS II Die zweite nationale Verzehrsstudie
Die zweite Nationale Verzehrsstudie II ist derzeit die größte epidemiologische Studie
zur Erfassung von Ernährungsgewohnheiten und des Lebensmittelverzehrs in
Deutschland. Befragt wurden knapp 20.000 Personen im Alter zwischen 14 und 80
Jahren. Grundgesamtheit für die NVS II war die in Privathaushalten lebende,
deutschsprechende Bevölkerung im Alter zwischen 14 und 80 Jahren. Die
Stichprobenziehung erfolgte mit einer zweistufig geschichteten Zufallsauswahl (vgl.
Max Rubner Institut 2008b, S.3*). Zur Datenerhebung wurden dabei folgende
Methoden eingesetzt: Neben den in diesem Zusammenhang eigentlich unerlässlichen
anthropometrischen Messungen (Körpergewicht, Körpergröße, Taillen- und
17 Unter Lebensstil wird i.d.R. ein regelmäßig wiederkehrender Gesamtzusammenhang der
Verhaltensweisen, Interaktionen, Meinungen, Wissensbestände und bewertenden Einstellungen eines
Menschen verstanden (vgl. Hradil 1999, S.42);
18 Grundlage für die deutsche Veröffentlichung ist der strukturtypische HBSC-Datensatz für Deutschland,
welcher die Angaben von 5.650 Heranwachsenden aus der 5., 7. und 9. Klassenstufe verschiedener
Schultypen umfasst und in den internationalen HBSC-Datensatz einfließt. Zur Erstellung dieses
Datensatzes wurde aus dem deutschen Gesamtdatensatz von 23.111 Jugendlichen eine randomisierte
Auswahl, stratifiziert für Alter, Geschlecht, Bundesland und Schultyp getroffen (vgl. Richter 2003,
S.14f);
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