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Subtitle: Eine emplarische Analyse der defensiven Strategien der Zeugen in der Zeugenbefragung vor Gericht
Termpaper, 2007, 28 Pages
Author: Lydia Prexl
Subject: Communications: Miscellaneous
Details
Year: 2007
Pages: 28
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-34929-6
ISBN (Book): 978-3-640-34902-9
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Abstract
In Zeiten einer stets schneller und komplizierter werdenden Welt greift der Mensch zunehmend auf institutionalisierte Prozesse, d.h. auf vorgefertigte Muster zurück, welche Orientierung und somit Entlastung bieten. Dies ist gerade angesichts der viel-fältigen sozialen Interaktionen von hoher Relevanz. Luckmann und Berger stellen fest: „Alles menschliche Tun ist dem Gesetz der Gewöhnung unterworfen.“ Nach Aussage der Wissenschaftler verfestigen sich sämtliche menschliche Handlungen bei häufiger Wiederholung zu Modellen, die für das Individuum wie auch die Gesellschaft eine Er-leichterung darstellen. Die Handlungen werden habitualisiert und der Einzelne durch die Gewöhnung von der „Bürde der Entscheidung“ befreit. Jeder Mensch verfügt somit über einen Wissensvorrat an Mustern und Modellen, welche das Handeln in eine be-stimmte Richtung lenken und Gesellschaft und Kommunikation erst ermöglichen. Einen Bestandteil dieses gemeinsamen, wenn auch interkulturell unterschiedlichen Wissensvorrats bilden die so genannten kommunikativen Gattungen, welche im Mit-telpunkt dieser Arbeit stehen. Es soll versucht werden, dass Konzept der Kommunika-tiven Gattungen mit dem Konzept der institutionellen Kommunikation zu verbinden. Ziel ist, der Fragestellung nachzugehen, inwieweit kommunikative Gattungen inner-halb institutioneller Kommunikation vorkommen und welche Funktionen sie dort mög-licherweise erfüllen. Die Frage soll exemplarisch am Beispiel der Institution ‚Gericht’ beantwortet werden. Der Fokus liegt dabei auf den defensiven Strategien, auf welche Zeugen vor Gericht zurückgreifen. Hierzu wird im Folgenden zunächst in einem theore-tischen Teil auf das Konzept der Institutionellen Kommunikation und das Konzept der kommunikativen Gattungen eingegangen. Im Anschluss daran soll in einem prakti-schen Teil die Forschungsfrage anhand mehrerer Transkripte von Zeugenbefragungen beantwortet werden.
Excerpt (computer-generated)
Universität Mannheim
Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft
Hauptseminar:
Kommunikation in Gruppen, Organisation und Institutionen
Frühjahrssemester 2007
K o m m u n i k a t iv e G a t t u n g e n in de r in s t i t u t i o n e l l e n K om m u n i k a t i o n ein e ex-
e m p l a r is c h e A n alys e d e r d ef e n s iv e n St r a t e g i e n d e r Z e u g e n in de r Z e u g e n b e-
f r a g u n g vo r G e r ic h t
Hausarbeit
Von
Lydia Gaukler
6. Semester Diplom-Anglistik mit wirtschaftswissenschaftlicher Qualifikation
Mannheim, den 27. August 2007
I
Inhalt
1. Einleitung: Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit 1
2. Institutionelle Kommunikation 1
2.1.
Der Begriff der Institution 2
2.2.
Institutionelle Kommunikation und ihre Besonderheiten 2
3. Der Begriff der Kommunikativen Gattung 4
3.1. Kommunikative Gattungen Eine Definition 5
3.2.
Die Funktion Kommunikativer Gattungen 6
3.3. Abgrenzung vom Begriff der Kommunikationsform 7
4. Strukturmerkmale und Strukturebenen kommunikativer Gattungen 9
5. Kommunikation vor Gericht Methodische Aspekte der Datenanalyse 11
5.1. Die Daten 11
5.2.
Die Methode der Konversationsanalyse 13
6. Kommunikation vor Gericht Datenanalyse 14
6.1.
Strategische Besonderheiten Komponenten defensiver Strategien 14
6.1.1.
Vorausschauendes Antwortverhalten 15
6.1.2.
Herunterspielen von Sachverhalten 16
6.1.3.
,Ich kann mich nicht erinnern′ 17
6.1.4.
Alternative Beschreibungen 17
6.2.
Zwischenfazit 18
6.3.
Formale Besonderheiten 19
7. Defensive Strategien = Kommunikative Gattungen? 20
8. Zusammenfassung der Ergebnisse 22
Literaturverzeichnis 23
Internetverzeichnis 24
II
,,Kommunikative Gattungen sind historisch und kulturellspezifische, gesellschaftlich verfes-
tigte und formalisierte Lösungen kommunikativer Probleme [...], deren von Gattung zu Gat-
tung unterschiedlich ausgeprägte Funktion in der Bewältigung, Vermittlung und Tradierung
intersubjektiver Erfahrungen der Lebenswelt besteht."1
,,Interaction is institutional insofar as participants′ institutional or professional identities
are somehow made relevant to the work activities in which they are engaged."2
1 Luckmann (1992): S.8.
2 Drew/Heritage in Drew/Heritage (1995): S.3 f.
1
1.
Einleitung: Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit
In Zeiten einer stets schneller und komplizierter werdenden Welt greift der Mensch
zunehmend auf institutionalisierte Prozesse, d.h. auf vorgefertigte Muster zurück,
welche Orientierung und somit Entlastung bieten. Dies ist gerade angesichts der viel-
fältigen sozialen Interaktionen von hoher Relevanz. Luckmann und Berger stellen fest:
,,Alles menschliche Tun ist dem Gesetz der Gewöhnung unterworfen."3 Nach Aussage
der Wissenschaftler verfestigen sich sämtliche menschliche Handlungen bei häufiger
Wiederholung zu Modellen, die für das Individuum wie auch die Gesellschaft eine Er-
leichterung darstellen. Die Handlungen werden habitualisiert und der Einzelne durch
die Gewöhnung von der ,,Bürde der Entscheidung" befreit.4 Jeder Mensch verfügt somit
über einen Wissensvorrat an Mustern und Modellen, welche das Handeln in eine be-
stimmte Richtung lenken und Gesellschaft und Kommunikation erst ermöglichen.
Einen Bestandteil dieses gemeinsamen, wenn auch interkulturell unterschiedlichen
Wissensvorrats bilden die so genannten kommunikativen Gattungen, welche im Mit-
telpunkt dieser Arbeit stehen. Es soll versucht werden, dass Konzept der Kommunika-
tiven Gattungen mit dem Konzept der institutionellen Kommunikation zu verbinden.
Ziel ist, der Fragestellung nachzugehen, inwieweit kommunikative Gattungen inner-
halb institutioneller Kommunikation vorkommen und welche Funktionen sie dort mög-
licherweise erfüllen. Die Frage soll exemplarisch am Beispiel der Institution ,Gericht′
beantwortet werden. Der Fokus liegt dabei auf den defensiven Strategien, auf welche
Zeugen vor Gericht zurückgreifen. Hierzu wird im Folgenden zunächst in einem theore-
tischen Teil auf das Konzept der Institutionellen Kommunikation und das Konzept der
kommunikativen Gattungen eingegangen. Im Anschluss daran soll in einem prakti-
schen Teil die Forschungsfrage anhand mehrerer Transkripte von Zeugenbefragungen
beantwortet werden.
2.
Institutionelle Kommunikation
Der Begriff der institutionellen Kommunikation hängt eng mit dem Begriff der Institu-
tion zusammen. Daher liegt es nahe, sich kurz mit der Definition dieses begriffs ausei-
3 Berger/ Luckmann (1969): S.56.
4 Berger/ Luckmann (1969): S.57.
2
nanderzusetzen, bevor in einem nächsten Schritt die Besonderheiten institutioneller
Kommunikation diskutiert werden.
2.1.
Der Begriff der Institution
Schäfer definiert eine Institution als eine ,,soziale Einrichtung, die auf Dauer bestimmt,
was getan werden muss."5 Institutionen setzen dem sozialen Handeln gewisse Gren-
zen, und bieten somit sowohl dem Gesellschaftlichen Ganzen als auch dem einzelnen
Individuum eine Orientierung. In Schäfers Worten:
Indem Institutionen die Beliebigkeit und Willkür des sozialen Handelns be-
schränken, üben sie normative Wirkungen aus; sie definieren Pflichten. Dabei
leisten sie eine Doppelfunktion: einmal für den Menschen, dessen Bedürfnisna-
tur sie formen, zum anderen für die Gesellschaft, deren Strukturen und Be-
stand sie sichern.6
Durch ihre richtungweisende Funktion dienen Institutionen der Entlastung des Men-
schen, da sie das Zusammenleben regeln und in geordnete Bahnen leiten. Luckmann
und Berger bemerken: ,,Durch die bloße Tatsache ihres Vorhandenseins halten Institu-
tionen menschliches Verhalten unter Kontrolle."7 Somit bilden sie das Fundament so-
zialen Handelns und sind notwendige Voraussetzung für das Funktionieren der Gesell-
schaft und die Interaktion des Einzelnen mit dem gesellschaftlichen Kollektiv.8
2.2.
Institutionelle Kommunikation und ihre Besonderheiten
Wie die Bezeichnung suggeriert, findet institutionelle Kommunikation in erster Linie in
Institutionen in obigem Sinne statt. Allerdings ist institutionelle Kommunikation mehr
als nur eine ,Kommunikation in der Institution.′ Zwar mag sie in Institutionen wie
Krankenhäusern, Schulen oder Gerichten vorkommen, doch ist sie keineswegs an den
physischen Ort des Gebäudes gebunden. So handelt es sich beispielsweise auch beim
Hausbesuch eines Arztes um institutionelle Interaktion. Ebenso ist die Art des kommu-
nikativen Kontakts (z.B. persönlich oder über das Telefon) nicht entscheidend.9 Aus-
schlaggebend ist vielmehr der Aufgabenbezug oder die Zielgerichtetheit der Interakti-
on sowie die Tatsache, dass mindestens ein Kommunikationspartner eine Organisati-
5 Schäfers (2003): S. 149.
6 Schäfers (2003): S. 149.
7 Berger/ Luckmann (1969): S.58.
8 Vgl. Schäfers (2003): S. 150.
9 Vgl. Drew/Heritage in Drew/Heritage (1995): S.3.
3
on in irgendeiner Weise vertritt: ,,The interactions [...] are task-related and they involve
at least one participant who represents a formal organization of some kind."10 Und
weiter: ,,Interaction is institutional insofar as participants′ institutional or professional
identities are somehow made relevant to the work activities in which they are enga-
ged."11
Drew und Heritage machen darauf aufmerksam, dass die Unterschiede zwischen insti-
tutioneller und alltäglicher Konversation fließend sind.12 Allerdings weist die instituti-
onelle Kommunikation nach Aussage der Wissenschaftler einige Eigenschaften auf,
welche in der Alltagskommunikation eher selten vorkommen.
Erstens ist institutionelle Kommunikation zielgerichtet auf eine institutionell relevan-
te Art (,,Institutional talk is goal-oriented in institutionally relevant ways"13). Als Bei-
spiel kann ein Polizeinotruf herangezogen werden, bei dem sowohl der Laie als auch
der Fachmann das Ziel verfolgen, nötige Informationen auszutauschen, um möglichst
schnell Hilfe zu bekommen bzw. Hilfe zu senden. Zweitens unterliegt das Benehmen
der Kommunikationspartner in institutioneller Kommunikation häufig bestimmten
Einschränkungen (,,Institutional interaction may often involve special and particular
constraints on [...] contributions on the business at hand."14). Diese Einschränkungen
können sich sowohl auf sprachliches Verhalten als auch auf das Verhalten allgemein
beziehen. So wird ein Zeuge vor Gericht beispielsweise förmlich handeln und das Wort
,Polizist′ dem Wort ,Bulle′ vorziehen. Als letztes Charakteristikum weist institutionelle
Kommunikation ein spezifisches Regelwerk hinsichtlich des Verhaltens der Experten
auf (,,Special character of inference in institutional contexts."15). Beispielsweise sollte
ein Richter oder Arzt Emotionen vermeiden und auf Äußerungen der Zustimmung, Ü-
berraschung etc. verzichten.
10 Drew/Heritage in Drew/Heritage (1995): S.3.
11 Drew/Heritage in Drew/Heritage (1995): S.3 f.
12 Vgl. Drew/Heritage in Drew/Heritage (1995): S.21.
13 Drew/Heritage in Drew/Heritage (1995): S.22.
14 Drew/Heritage in Drew/Heritage (1995): S.22.
15 Drew/Heritage in Drew/Heritage (1995): S.24.
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