Autor: Markus Mross
Fach: Romanistik - Allgemeines u. Fächerübergreifendes
Details
Institution/Hochschule: Universität Hamburg (Romanisches Seminar)
Tags: simultaner Erwerb zweier Erstsprachen, bilingualer Erstspracherwerb, Bilingualismus, Volterra & Taeschner (1978), Genesee (1989), Meisel (1989), Unitary Language System-Hypothese, ULS-Hypothese, Two-S
Jahr: 2000
Seiten: 42
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 14 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 174 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-18728-2
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand. 253 KB
Textauszug (computergeneriert)
Universität Hamburg
Markus Mross
Romanisches Seminar
Wintersemester 1999/2000
Bilingualer Erstspracherwerb Französisch/Deutsch:
Fusion oder Differenzierung von grammatischer Kompetenz?
vorgelegt von
Markus Mross
Abstract
Ich werde in meiner Hausarbeit die von Volterra & Taeschner (1978) vertretene „Unitary Language System“-Hypothese und die von Meisel (1989) und Paradis & Genessee (1996) vertretene „Two-System“-Hypothese als Erklärungsansätze für den bilingualen Erstspracherwerb untersuchen. Ich werde dabei die Erklärungskraft beider Hypothesen durch eine Überprüfung an sprachlichen Daten des Französischen testen. Aufgrund dieser Analyse werde ich versuchen, die Überlegenheit einer Theorie gegenüber der anderen hinsichtlich der Erklärungskraft für den bilingualen Erstspracherwerb zu ermitteln. Dabei läßt es sich nicht umgehen, daß sich Anschlußfragen ergeben, die offen gelassen werden müssen.
Inhaltsverzeichnis
1. - Einleitung 1
2. - Grundzüge der ausgewählten Positionen 2
2.1. - Volterra & Taeschner (1987) 2
2.2. - Meisel (1989) und Paradis & Genesee (1996) 5
3. - Diskussion der Ansätze 7
3.1. - Konzeptuale Probleme der „ULS“-Hypothese 7
3.1.1. - Unzureichende Evidenz für drei Erwerbsstufen 7
3.1.2. - Unzureichende Evidenz für die zweite Erwerbsstufe 8
3.1.3. - Zirkularität in der Argumentation 9
3.1.4. - Code-Switching als Evidenz für ein zugrundeliegendes einheitliches System 9
3.2. - Konzeptuale Vorteile der „Two-System“-Hypothese 12
3.2.1. - Syntaktsche Abgrenzungskriterien für bilinguale Erwerbsstufen 13
3.2.2. - Der pragmatische und der syntaktische Modus von Sprachverarbeitung 13
3.2.3. - Guilfoyle & Noonans (1992) „Structure Building Hypothesis“ 15
3.2.4. - Der syntaktische Modus von Sprachverarbeitung und Code-Switching 16
3.2.5. - DiSciullo, Muysken & Singhs (1986) „Government Constraint“ 18
3.3. - Die autonome Entwicklung von grammatischen Systemen beim simultanen Erwerb des Deutschen und Französischen 19
3.3.1. - Der Erwerb der Wortstellung und der Subjekt-Verb-Kongruenz beim simultanen Erwerb des Deutschen und Französischen 20
3.3.1.1. - Der Erwerb der Wortstellung 20
3.3.1.2. - Der Erwerb der Subjekt-Verb-Kongruenz 22
3.3.2. - Der Erwerb von syntaktischen Beschränkungen für Code-Switching beim simultenen Erwerb des Deutschen und Französischen 24
3.3.2.1. - Der Erwerb von syntaktischen Beschränkungen für Code-Switching 25
3.4. - Eine erste Evaluation der „ULS“-Hypothese und der „Two-System“-Hypothese 26
3.5. - Eine Analyse des simultanen Erstspracherwerbes zweier Erstsprachen durch die „ULS“-Hypothese und die „Two-System“-Hypothese 29
3.5.1. - Die Aufzeichnungen I (2;00,29) und I (2;04,09) 30
3.5.1.1. - Eine Analyse der Aufzeichnungen I (2;00,29) und I (2;04,09) durch die „ULS“-Hypothese 30
3.5.1.2. - Eine Analyse der Aufzeichnungen I (2;00,29) und I (2;04,09) durch die „Two-System“-Hypothese 31
3.5.2. - Die Aufzeichnung I (3;01,02) 31
3.5.2.1. - Eine Analyse der Aufzeichnung I (3;01,02) durch die „ULS“-Hypothese 32
3.5.2.2. - Eine Analyse der Aufzeichnung I (3;01,02) durch die „Two-System“-Hypothese 32
4. - Ergebnisse 35
5. - Bibliographie 37
1. Einleitung
Ich werde zunächst die konkurrierenden Erklärungsansätze der „Unitary Language Sys- tem“-Hypothese und der „Two-System“-Hypothese gegenüberstellen und die Argumen- te analysieren, auf welche sich beide Hypothesen stützen. Hier soll gerade auf die unter- schiedlichen Ausgangspositionen beider Theorien eingegangen werden. Die „Unitary Language System“-Hypothese geht von einer anfänglichen Fusion grammatischer Kom- petenz und einer erst später erfolgenden Differenzierung unterschiedlicher grammatischer Systeme im Verlaufe des bilingualen Erstspracherwerbes aus. Der Annahme der „Two- System“-Hypothese zufolge entwickeln sich unterschiedliche grammatische Systeme von früh an grundsätzlich autonom und unabhängig voneinander. Ich beabsichtige, durch die Gegenüberstellung beider Hypothesen sowohl die Vor- wie auch die Nachteile der zwei verschiedenen Ansätze hervorzuheben. Dieser erste Schritt soll bereits einige em- pirische Grundlagen zur Bewertung der zwei Hypothesen als Erklärungsansätze für den bilingualen Erstspracherwerb liefern. Des weiteren werde ich versuchen, dem Leser die Analysedes simultanen Erwerbes zweier Erstsprachen durh die „Unitary Language Sys- tem“-Hypothese und die „Two-System“-Hypothese mittels einer Überprüfung an sprach- lichen Daten des Französischen verständlich und nachvollziehbar zu machen. Dabei soll überprüft werden, ob der Erwerb von grammatischen Wohlgeformtheitsbedingun- gen wie DiSciullo, Muysken & Singhs (1986) „Government Constraint“ für eine Dif- ferenzierung unterschiedlicher grammatischer Kompetenzen in späteren Erwerbsphasen des bilingualen Erstspracherwerbes verantwortlich ist. Dieser weitere Schritt soll zusätz- liche empirische Argumente zur Bewertung beider Hypothesen als Erklärungsansätze für den simultanen Erstspracherwerb zweier Erstsprachen liefern. Durch eine Auswer- tung aller Analyse werde ich anschließend versuchen, zwischen der „Unitary Language System“-Hypothese und der „Two System“-Hypothese zu entscheiden und somit die Überlegenheit einer Theorie gegenüber der anderen hinsichtlich der Erklärungskraft für den bilingualen Erstspracherwerb zu ermitteln.
2. Grundzüge der ausgewählten Positionen
2.1. Volterra & Taeschner (1978)
Volterra & Taeschner (1978) untersuchen in ihrer Studie den bilingualen Erstspracher- werb von Kindern im Zeitraum vom 1. bis zum 4. Lebensjahr. Dabei gehen die Auto- ren von drei Entwicklungsstufen beim simultanen Erwerb zweier Erstsprachen aus:
1. Stufe -
das Kind besitzt ein lexikalisches System, welches Wörter beider Sprachen beinhaltet, Wörter beider Sprachen tauchen häufig zusammen in Mehrwort- konstruktionen auf, es gibt kaum oder gar keine Evidenz für die Verfügbar- keit und Anwendung syntaktischer Regeln
2. Stufe -
das Kind unterscheidet zwei verschiedene Lexika, wendet jedoch dieselben syntaktischen Regeln auf beide Sprachen an, Wörter beider getrennter Lexi- ka tauchen nicht mehr zusammen in Mehrwortkonstruktionen auf
3. Stufe -
das Kind besitzt zwei verschiedene linguistische Systeme, welche sich so- wohl hinsichtlich des Lexikons wie auch der Syntax unterscheiden, jede der beiden Sprachen wird ausschließlich mit jener Person assoziiert, welche die jeweilige Sprache spricht
Somit verfügt ein bilinguales Kind nicht bereits von früh an über zwei getrennte Gram- matiken. Nach Volterra & Taeschners Ansatz erfolgt die Differenzierung beider lingu- istischer Systeme erst allmählich während des Erwerbsprozesses. Dabei durchläuft das Kind notwendigerweise die zweite Entwicklungsstufe, auf welcher die Lexika beider Sprachen getrennt behandelt werden, die Syntax beider Sprachen auf der Kompetenze- bene des Kindes allerdings noch fusioniert ist. Erst nach der Trennung der fusionierten syntaktischen Komponente beider Sprachen auf der dritten Entwicklungsstufe ist eine endgültige Differenzierung beider linguistischer Systeme erfolgt. Volterra & Taeschner führen zur Untermauerung ihrer These sprachliche Daten zweier von ihnen untersuch- ter deutsch-italienischer Kinder, Giulia und Lisa, an. So legen die Autoren der postulier- ten ersten Erwerbsstufe das Auftreten von lexikalischem Mixing als Abgrenzungskrite- rium gegenüber den folgenden Erwerbsstufen zugrunde:
„In the first stages, the child has one lexical system which includes words from both languages. A word in one language does not have a corresponding word in the other language. As a result, words from both languages frequently occur to- gether in two- to three-word-constructions.“ (Volterra & Taeschner,1987;S.321)
Demnach stellt der vereinzelte Gebrauch von gemischten Äußerungen aufgrund der noch undifferenzierten Lexika Evidenz für eine allgemeine Stufe von lexikalischem Mixing dar:
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