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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 46 Pages
Author: Ender Erat
Subject: Sociology - Social System, Social Structure, Class, Social Stratification
Details
Tags: Segregation, Sozialräumliche Segregation, Faktorenanalyse, Faktorialökologie, Humanökologie, Dissimilaritätsindex, Segregationsindex, Konzentration, Bevölkerungskonzentration
Year: 2003
Pages: 46
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-18938-5
File size: 995 KB
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Excerpt (computer-generated)
Der sozialökologische Ansatz zur kleinräumigen Analyse
der Bevölkerungsstruktur
1. Einleitung 4
2. Strukturmerkmale der Bevölkerung 5
2.1 Die demographischen Merkmale 5
2.2 Die rassischen und ethnisch-kulturellen Merkmale 6
2.3 Exkurs: Das Phänomen der Segregation 7
2.4 Sozioökonomische Merkmale 8
3. Die Sozialökologie 10
3.1 Die Entstehung und Entwicklung der Sozialökologie 10
3.2 Die Forschungsrichtungen der Sozialökologie 11
3.2.1 Die klassische Sozialökologie 11
a) Der ökologische Aspekt der klassischen Sozialökologie 11
b) Der soziale Aspekt der klassischen Sozialökologie 12
c) Stadt- und Stadtstrukturmodelle 15
i) Das Modell der konzentrischen Zonen Burgess (1925)15
ii) Das Sektorenmodell von Hoyt (1939) 17
iii) Das Mehrkerne-Modell von Harris und Ullman (1945)19
3.2.2 Die neo-klassische Sozialökologie 21
3.2.3 Die Sozialraumanalyse von Shevky und Bell (1955) 22
a) Der theoretische Hintergrund der Sozialraumanalyse 22
b) Die Dimensionen der Sozialraumanalyse 24
c) Anwendungsbeispiel zur kleinräumigen Analyse der Bevölkerungsstruktur 27
3.2.4 Die Faktorialökologie 30
a) Die Faktorenanalyse 30
i) Eine allgemeine Einführung 30
ii) Die Faktorenanalyse in der Sozialgeographie 32
b) Anwendungsbeispiel zur kleinräumigen Analyse der Bevölkerungsstruktur 32
c) Die Faktorialökologie aus einer kritischen Perspektive 36
i) Das erste Problemkomplex: Die Datengrundlage 36
ii) Das zweite Problemkomplex: Die Ausgangsvariablen 38
iii) Das dritte Problemkomplex: Die Methodik und technische Verfahren 39
iv) Das vierte Problemkomplex: Die Etikettierung und Interpretation 40
d) Der praktische Nutzen von faktorialökologischen Untersuchungen 40
4. Zusammenfassendes Fazit 42
1. Einleitung
Die Bevölkerung einer beliebigen Raumeinheit setzt sich aus Individuen, die bestimmte angeborene, ererbte oder erworbene Merkmale tragen, zusammen. Wählt man als Raumeinheit beispielsweise eine Stadt, so können sich diese Merkmalsträger, also Menschen, auf unterschiedlichster Weise innerhalb dieser Stadt räumlich verteilen. Dabei kommt es nicht selten vor, daß gerade solche Individuen, die durch gleiche oder ähnliche Merkmale charakterisiert sind, sich zufällig oder bewußt gruppieren und somit die soziale Gliederung der Stadt, die sich auch im räumlichen Anordnungsmuster dieser unterschiedlichen Gruppen ausdrückt, beeinflussen. Damit allerdings die sozialräumliche Gliederung einer Raumeinheit erfaßt werden kann, ist es unabdingbar, die Struktur der Bevölkerung, die in ihr lebt, genau zu erfassen. Der Gegenstand dieser Arbeit setzt genau an dieser Stelle an: Denn das Ziel dieser Arbeit ist es, einerseits theoretische und praktische Ansätze aus der Sozialökologie vorzustellen und andrerseits zu zeigen, daß diese Ansätze dazu dienen können, die Bevölkerungsstruktur in einem kleinräumigen Rahmen zu analysieren und damit die sozialräumliche Gliederung einer räumlichen Untersuchungseinheit zu bestimmen.
Im ersten Teil werden hinführend auf den Hauptteil dieser Arbeit, die wichtigsten Merkmale einer Bevölkerung, die ihre Struktur bestimmen, vorgestellt. Dazu gehören demographische, rassische, ethnisch-kulturelle und sozioökonomische Merkmale, deren Grundlage Daten aus Volkszählungen und anderen Erhebungen bilden. Im Hauptteil dieser Arbeit wird zunächst eine historisch geleitete Einführung in die sozialökologische Forschung geliefert. Dabei geht es um die Entwicklung der Sozialökologie von der klassischen Sozialökologie, über die neo-klassischen Richtungen, zu den zwei bedeutendsten Ansätzen - die Sozialraumanalyse und die Faktorialökologie. Da mit dem klassischen Ansatz auch drei schematischen Stadtmodelle von Burgess, Hoyt und Harris und Ullman einher gehen, soll ebenso auf deren Inhalte skizzenhaft eingegangen werden. Der eigentliche Schwerpunkt dieses Hauptteils liegt allerdings auf der kritischen Erörterung der Sozialraumanalyse und der Faktorialökologie. Dabei sollen zwei empirische Untersuchungen, die in Hamburg (1977) und München (1993) durchgeführt wurden, die Anwendung dieser beiden Ansätze zur kleinräumige Analyse der Bevölkerungsstruktur exemplifizieren. Diese Arbeit wird mit einer Diskussion über den praktischen Nutzen von sozialökologischen Analysen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft abgeschlossen.
2. Strukturmerkmale der Bevölkerung
Die Zusammensetzung der Bevölkerung kann in Anlehnung an Bähr (1992) nach demographischen, rassischen bzw. ethnisch-kulturellen und sozioökonomischen Merkmalen charakterisiert werden.
2.1 Die demographischen Merkmale
Die demographischen Merkmale umfassen im wesentlichen das Geschlecht und das Alter, sowie die Familien- und Haushaltsstruktur: Grundsätzlich kann die Bevölkerung, sofern aktuelle und verlässliche Daten aus Volkszählungen und anderen Erhebungen vorliegen, ohne Probleme nach dem Geschlecht gegliedert und in Form der Sexual- oder Geschlechterproportion dargestellt werden. Diese Kennziffer bringt die Relation der männlichen Bevölkerung pro 100 oder 1.000 Personen des weiblichen Geschlechts (oder vice versa) zum Ausdruck. Es ist also ein Maß zur Feststellung der Ausgeglichenheit beider Geschlechter bzw. zur Ermittlung von geschlechterspezifischen Überschüssen oder Defiziten. Der Altersaufbau der Bevölkerung zählt so wie die Sexualproportion zu den fundamentalen Strukturmerkmalen der Bevölkerung. Denn die Altersstruktur dient z.B. als Basis für die Bewertung des Arbeitskräftepotentials, für die Beurteilung der Tragfähigkeit des Sozialversicherungssystems oder des Bedarfs an öffentlichen Versorungseinrichtungen. Aus praktischer Notwendigkeit werden zur Charakterisierung der Alterstruktur bestimmte Altersjahrgänge zu Gruppen klassiert. So können z.B. alle Kinder und Jugendlichen in die Gruppe der „0- bis 14-jährigen“, die Personen im erwerbsfähigen Alter in die Gruppe der „15- bis 64-jährigen“ und die alten Menschen in die Gruppe der „65-jährigen und älter“ eingeordnet werden. Außer den Kennziffern, die auf dieser Einteilung fußen können - wie z.B. der Abhängigkeitsindex, der die Relation zwischen der Summe aus Kindern und Alten zu den Personen im erwerbsfähigen Alter angibt - hat vor allem die Verwendung von Alterspyramiden zur graphischen Veranschaulichung der Altersstruktur breite Anerkennung gefunden.1 Für die Bevölkerungsstruktur nach demographischen Merkmalen ist neben dem Geschlecht und Alter, auch die Familienstandsgliederung von Bedeutung. Dabei geht es letztlich um die Stellung des Einzelnen in seinem Lebenszyklus.2
Grundsätzlich kann der Familienstand der Bevölkerung nach Ledigen, Verheirateten, Verwitweten und Geschiedenen differenziert werden. Die Familienstandsgliederung ist in einem engen Verhältnis zur Zusammensetzung von Familien und Haushalten zu sehen. „Die Familie wird heute im allgemeinen primär als soziobiologische Einheit gesehen, deren Zusammensetzung im Regelfall auf verwandtschaftliche Beziehungen der zusammenwohnenden Mitglieder beruht, während der Haushalt eine sozioökonomische Einheit bildet, als deren Merkmal neben der gemeinsamen Wohnung vor allem die gemeinsame Haushaltsführung hervorgehoben wird“ (Bähr 1992, S.240). Daraus folgt also, daß in einem Haushalt nicht notwendigerweise auch eine Familie leben muß, wie z.B. in einer (studentischen) Wohngemeinschaften. Bei der Analyse der Bevölkerungsstruktur sind unter anderem die Zahl der Familien- und Haushaltsmitglieder, ihre Geschlechter, ihr Alter und ihre beruflichen Stellungen bzw. ihr Einkommen relevante Meß- bzw. Beobachtungsgrößen.
2.2 Die rassischen und ethnisch-kulturellen Merkmale
[...]
1 Vgl. Bähr, J. (1992, S.174ff.)
2 Die Stellung im Lebenszyklus kann in Anlehnung an das Lebenszykluskonzept von Glick aus dem Jahre 1947 ermittelt werden. In diesem Konzept werden die wesentlichen Phasen des Lebens schematisch eingeteilt, wobei die Determinanten jeder einzelnen Phase analysiert und beschrieben werden. Vgl. Goller (1997, S. 21).
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