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Diploma Thesis, 2009, 96 Pages
Author: Christian Ohr
Subject: Organisation and Administration
Details
Tags: eGovernment, E-Government, Bürokratieabbau, Entbürokratisierung, Bürokratie, Vollzugserleichterung, Verwaltung, Verwaltungsmodernisierung, Prozessoptimierung
Year: 2009
Pages: 96
Grade: 2,1
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-45519-5
ISBN (Book): 978-3-640-45557-7
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Abstract
Seit Mitte der 1990er Jahre findet in den Industrieländern vor dem Hintergrund knapper Ressourcen der öffentlichen Verwaltung und der Tendenz zu einer „Ökonomisierung des Politischen“ eine wissenschaftliche und politische Debatte um die Möglichkeiten der qualitativen Verbesserung und quantitativen Reduzierung staatlicher Regulierungen statt. Dabei wird sich vor allem auf Fragen der „besseren Rechtsetzung“ (better lawmaking) und „besseren Regulierung“ (better regulation) konzentriert. Mit diesem Diskurs verbinden sich Fragen zum „Bürokratieabbau“ und der „Deregulierung“. Der Beitrag der Informations- und Kommunikationstechnologie (IuK) wird hingegen bei der qualitativen Gestaltung staatlicher Regulierung oftmals vernachlässigt. Woran liegt das? Seit Jahrzehnten wird versucht die öffentliche Verwaltung mittels Informations- und Kommunikationstechnologie zu reformieren. Der gegenwärtige Beitrag in diesem Zusammenhang lautet „Electronic Government“ (eGovernment bzw. E-Government). Bislang verbanden sich mit diesem Instrument allerdings übertriebene Erwartungen, welche regelmäßig enttäuscht wurden. Die Bilanz dieses Reformkonzepts ist ernüchternd. Schuppan/Reichard führen dies u.a. auf die unrealistisch hohen Erwartungen zurück, die an eine technikinduzierte Verwaltungsmodernisierung geknüpft wurden. Dieser Trend wird sich nicht ändern, solange kein Verständnis geschaffen wird, dass es bei eGovernment nicht um Technikeinsatz als solchen geht, sondern um technisch vermittelte Innovationen in allen Bereichen guten Regierens und Verwaltens. Technische Innovationen – wie eGovernment – können jedoch ein Hilfsmittel des Modernisierungsprozesses in der öffentlichen Verwaltung sein. Sie unterstützen den Bearbeiter beim Erfassen, Verarbeiten, Weitergeben und Speichern von Informationen. Die Informationstechnik kann in diesem Zusammenhang als Produktionskraft begriffen werden, die zur Qualitäts- und Effektivitätssteigerung in der öffentlichen Verwaltung beitragen soll. Das eigentliches Potential kann eGovernment aber erst nach einem organisatorischen Reengeneering ausschöpfen. Diese Arbeit untersucht, ob eGovernment einen Beitrag leisten kann, bürokratische Hemmnisse durch Vollzugserleichterung tatsächlich abzubauen und es soll geklärt werden, weshalb eGovernemnt bislang eine untergeordnete Rolle in diesem Prozess einnimmt.
Excerpt (computer-generated)
Universität Potsdam
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Autor
Christian Ohr
Diplomarbeit zum Thema
eGovernment als Instrument zum Abbau bürokratischer
Hemmnisse
Christian Ohr
9. Fachsemester Verwaltungswissenschaft (Dipl.)
Potsdam · 06. Januar 2009
eGovernment als Instrument zum Abbau bürokratischer Hemmnisse
III
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VII
1. Einleitung 1
1.1 Problemaufriss 2
1.2 Bedarf 3
1.3 Fragestellung 5
1.4 Methodische Vorgehensweise 7
2. Konzeptionelle Grundlagen zum Abbau bürokratischer Hemmnisse 8
2.1 Bürokratie und bürokratische Hemmnisse 8
2.2 Better Regulation und ausgewählte Instrumente 13
2.3 Beurteilung und weiterführender Ansatz 17
3. Evolutionstheoretischer Wandel von Organisationen 18
3.1 Grundannahmen evolutionärer Ansätze 20
3.2 Organisationale Population 22
3.3 Trägheit von Organisationen 24
3.4 Organizational Change 26
3.5 Kritische Würdigung 29
3.6 Anwendbarkeit auf den Untersuchungsgegenstand 31
4. Potentiale von eGovernment 32
4.1 Grundlagen zur Neugestaltung der öffentlichen Aufgabenwahrnehmung 33
4.1.1 Entwicklungen von IuK in der öffentlichen Verwaltung 33
4.1.2 Neue Rahmenbedingungen 35
4.1.3 Gestiegene Anforderungen an die Verwaltung 37
eGovernment als Instrument zum Abbau bürokratischer Hemmnisse
IV
4.2 Grundlagen und Kennzeichnung von eGovernment 38
4.2.1 Begriffliche und inhaltliche Abgrenzung 38
4.2.2 Dimensionen der Handlungsfelder 42
4.2.3 Reifestufen 44
4.3 Verknüpfung von eGovernment und Bürokratieabbau 47
4.3.1 Erwartungen der Wirtschaft 47
4.3.2 Leistungsnetze als Produktionsformen 49
4.3.2.1 Prozessketten 49
4.3.2.2 Portale und Portaltechnologie 51
4.3.2.3 One-Stop-Verwaltung 53
4.3.3 Grundlegende Architekturmodelle 54
4.3.3.1 Behördeninterne Implementierung 55
4.3.3.2 Behördenübergreifende Plattform 56
4.3.3.3 Integrationsplattform 57
4.4 Zwischenfazit 59
5. eGovernment-Projekt am Beispiel von VEMAGS 61
5.1 Ausgangssituation 61
5.2 Bisheriger Verfahrensablauf 62
5.3 Ebenenübergreifende Integration von Verwaltungsprozessen 63
5.4 Neugestalteter Verfahrensablauf 65
5.4.1 Zugangswege für Antragsteller und Antragsmanagement 65
5.4.2 Verwaltungsinterner Verfahrensablauf 69
5.5 Zwischenfazit 70
6. Schlussbetrachtungen 73
7. Quellenverzeichnis 77
8. Anhang 88
eGovernment als Instrument zum Abbau bürokratischer Hemmnisse
V
Abkürzungsverzeichnis
AB Anhörungsbehörde
AG Arbeitsgemeinschaft
AP Autobahnpolizei
AS Antragsteller
AZH anzuhörende
Stelle
BAB Bundesautobahn
BL Bundesland
BMI
Bundesministerium des Innern
BMVBS
Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
BMWI
Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie
BW
Bundeswehr
B2G Business-toGovernment
CORE
Common Online Raw Data Entry
C2G Citizen-to-Government
DV Datenverarbeitung
EGB
Erlaubnis- und Genehmigungsbehörde
eGovernment / E-Government
Electronic Government
eGovernance / E-Governance
Electronic Governance
ERP
Enterprise Resource Planning
EU Europäische
Union
GFA Gesetzesfolgenabschätzung
GKVS
Gemeinsamen Konferenz der Verkehrs- und
Straßenbauabteilungsleiter
GST Großraum-
und
Schwertransporte
G2B Government-to-Business
G2C Government-to-Citizen
G2N
Government-to NGO/NPO
G2G Government-to-Government
HLSV Hessisches
Landesamt
für Straßen- und Verkehrswesen
IBK Informationsbefolgungskosten
IT Informationstechnologie
IuK / IKT
Informations- und Kommunikationstechnologie
eGovernment als Instrument zum Abbau bürokratischer Hemmnisse
VI
KMU
Kleine und mittlere Unternehmen
KPB Kreispolizeibehörde
Mio.
Millionen
Mrd.
Milliarden
NGO Non-Governmental
Organization
NPO Non-Profit
Organization
NRW Nordrhein-Westfalen
N2G NGO/NPO-to-Government
OECD
Organisation for Economic Co-operation and Development
OSCI
Online Services Computer Interface
PC Personalcomputer
Portable Document Format
PL Projektleitung
QES
qualifizierte elektronische Signatur
RIA
Regulatory Impact Assessment
SBLT Straßenbaulastträger
SKM Standardkostenmodell
StVB Straßenverkehrsbehörden
StVO Straßenverkehrsordnung
THW Technisches
Hilfswerk
VEMAGS
Verfahrensmanagement für Großraum- und Schwertransporte
VMK Verkehrsministerkonferenz
VV Verwaltungsvereinbarung
VwVfG
Verwaltungsverfahrensgesetz
WSA
Wasser- und Schifffahrtsamt
xml Extensible
Markup
Language
Allgemein gebräuchliche Abkürzungen (wie u.a., z.B., a.a.O., ff., etc.) sind im
Abkürzungsverzeichnis
nicht extra aufgeführt.
eGovernment als Instrument zum Abbau bürokratischer Hemmnisse
VII
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1:
Modernisierungs- und Leistungslücke der Verwaltung (Budäus/Schwiering) 4
Abb. 2:
Dimensionen der Bürokratiekritik (in Anlehnung an Jann/Wegrich/Tiessen) 10
Abb. 3:
Primäre und Sekundäre Gesetzesfolgen für Unternehmen (eigene Darstellung nach
Müller und Kay) 12
Abb. 4:
Vorgestellte better regulation
-
Instrumente im Vergleich 17
Abb. 5:
Organisationaler Wandel und Transformation 29
Abb. 6:
Exogene Veränderungstreiber (in Anlehnung an Budäus) 36
Abb. 7:
eGovernment und eGovernance 39
Abb. 8:
Governance, eGovernance, Public eGovernance und eGovernment 42
Abb. 9:
Electronic Government in einem "X2Y"-Beziehungsgeflecht 43
Abb. 10:
Entwicklungsniveau von eGovernment (angepasst nach Zaugg) 46
Abb. 11:
Vereinfachtes Modellbeispiel einer Level-2-Prozesskette (eigene Darstellung) 51
Abb. 12:
Beispielhafte Funktionen eines Unternehmensportals (eigene Darstellung) 53
Abb. 13:
Basisarchitektur für IT-gestützte Geschäftsprozesse der Verwaltung 54
Abb. 14:
Schema einer behördeninternen Implementierung 55
Abb. 15:
Schema einer behördenübergreifende Plattform 56
Abb. 16:
Schema der Referenzarchitektur NORA 58
Abb. 17:
Bisheriger Verfahrensablauf bei Groß- und Schwertransporten (vereinfachte
Darstellung) 63
Abb. 18:
Föderale Projektorganisation von VEMAGS (nach Sütterlin / Maltzner) 65
Abb. 19:
Ausschnitt der Startseite eines Antragsstellers 68
Abb. 20:
Verfahrensprozess aus Kundensicht (eigene Darstellung) 69
Abb. 21:
Entwicklungsniveau von VEMAGS (angepasst nach Zaugg) 72
Abb. 22:
Entwicklungsniveau (nach Grabow) 88
Abb. 23:
Ablauf und Aufgaben von VEMAGS am Beispiel des Landes NRW 89
eGovernment als Instrument zum Abbau bürokratischer Hemmnisse
1
1. Einleitung1
Seit Mitte der 1990er Jahre findet in den Industrieländern vor dem Hintergrund knapper
Ressourcen der öffentlichen Verwaltung und der Tendenz zu einer ,,Ökonomisierung des
Politischen"2 eine wissenschaftliche und politische Debatte um die Möglichkeiten der
qualitativen Verbesserung und quantitativen Reduzierung staatlicher Regulierungen statt.3
Dabei wird sich vor allem auf Fragen der ,,besseren Rechtsetzung" (
better lawmaking)
und
,,besseren Regulierung"
(better regulation)
konzentriert.4
Mit diesem Diskurs verbinden sich
Fragen zum ,,Bürokratieabbau" und der ,,Deregulierung". Der Beitrag der Informations- und
Kommunikationstechnologie (IuK) wird hingegen bei der qualitativen Gestaltung staatlicher
Regulierung oftmals vernachlässigt.
Woran liegt das? Seit Jahrzehnten wird versucht die öffentliche Verwaltung mittels
Informations- und Kommunikationstechnologie zu reformieren. Der gegenwärtige Beitrag in
diesem Zusammenhang lautet ,,
Electronic Government
" (
eGovernment
bzw.
E-Government
).
Bislang verbanden sich mit diesem Instrument allerdings übertriebene Erwartungen, welche
regelmäßig enttäuscht wurden.5 Die Bilanz dieses Reformkonzepts ist ernüchternd.
Schuppan/Reichard führen dies u.a. auf die unrealistisch hohen Erwartungen zurück, die an
eine technikinduzierte Verwaltungsmodernisierung geknüpft wurden.6 Dieser Trend wird sich
nicht ändern, solange kein Verständnis geschaffen wird, dass es bei
eGovernment
nicht um
Technikeinsatz als solchen geht, sondern um technisch vermittelte Innovationen in allen
Bereichen guten Regierens und Verwaltens.7
Technische Innovationen wie
eGovernment
können jedoch ein Hilfsmittel des
1 An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich bei Heidrun Müller und Tino Schuppan für die hilfreichen und
konstruktiven Anregungen sowie für die Bereitstellung relevanter Literatur und das Nutzen der Infrastruktur am
Institute for eGovernment (IfG.CC) an der Universität Potsdam.
2 Zum Begriff vgl. Pelizzari, Alessandro (2001): Die Ökonomisierung des Politischen New Public
Management und der neoliberale Angriff auf die öffentlichen Dienste, UVK
-
Verlag
-
Ges., Konstanz.
3 Vgl. Veit, Sylvia (2005): Entpolitisierung staatlicher Regulierungsprozesse durch
Gesetzesfolgenabschätzungen?, Forum Junge Staats- und Verwaltungswissenschaft (FoJuS), FoJuS-
Diskussionspapier Nr. 3/200, Hamburg, S. 3. Abrufbar unter http://users.ox.ac.uk/~polf0035/
Diskussionspapier%203_2005%20Veit.pdf [Stand: 16.10.2008].
4 Vgl. ebd.
5 Vgl. Lenk, Klaus (2004) (b): Organisatorische Potenziale für die Verwaltungsmodernisierung. In: Lenk,
Klaus/Brüggemeier, Martin/Reichard, Christoph: E-Government und die Erneuerung des öffentlichen Sektors,
Lit-Verlag, Band 1, Münster, S. 36.
6 Vgl. Schuppan, Tino/Reichard, Christoph (2004): E-Government Von der ,,Portalisierung" zur umfassenden
Neugestaltung öffentlicher Leistungserbringer. In: Reichard, Christoph / Scheske, Michael/Schuppan, Tino
(Hrsg.): Das Reformkonzept E-Government Potentiale Ansätze Erfahrungen. LIT-Verlag, Münster.
S. 19.
7 Vgl. Lenk, Klaus (2004) (b): a.a.O., S. 37.
eGovernment als Instrument zum Abbau bürokratischer Hemmnisse
2
Modernisierungsprozesses in der öffentlichen Verwaltung sein. Sie unterstützen den
Bearbeiter beim Erfassen, Verarbeiten, Weitergeben und Speichern von Informationen. Die
Informationstechnik kann in diesem Zusammenhang als Produktionskraft begriffen werden,
die zur Qualitäts- und Effektivitätssteigerung in der öffentlichen Verwaltung beitragen soll.8
Das eigentliches Potential kann
eGovernment
aber erst nach einem organisatorischen
Reengeneering ausschöpfen. Diese Arbeit untersucht, ob
eGovernment
einen Beitrag leisten
kann, bürokratische Hemmnisse durch Vollzugserleichterung tatsächlich abzubauen und es
soll geklärt werden, weshalb
eGovernemnt
bislang eine untergeordnete Rolle in diesem
Prozess einnimmt.
1.1 Problemaufriss
Verfolgt man die gegenwärtige Diskussion zum Bürokratieabbau, so ist festzustellen, dass
sich diese vor allem auf die Bereiche der Rechtsbereinigung und Deregulierung konzentriert.9
Vor diesem Hintergrund gilt das Standardkostenmodell (SKM) als ein scheinbar
,,unpolitisches Instrument" zur nachhaltigen Reduzierung administrativer Lasten. Normen und
Standards werden auf Grundlage des SKM abgebaut, um Bürokratiekosten zu senken. Durch
die Standardisierung und Quantifizierung der Verwaltungslasten (
administrative burdens
)
werden jedoch auch Mess-Artefakte geschaffen, die diese Objektivität relativieren10. Ein
wesentlicher Kritikpunkt in der aktuellen Debatte besteht vor allem darin, dass andere
Instrumente zur Reduzierung bürokratischer Hemmnisse kaum Beachtung finden.
Vor wenigen Jahren wurde in der Diskussion auch auf die Vollzugsoptimierung und der damit
verbundenen Kosteneffizienz des
eGovernments
verwiesen, die mit prognostizierten
Einsparungen in Milliardenhöhe verbunden waren.11 Heute wird in diesem Zusammenhang
eher allgemein von Effizienzvorteilen oder ′langfristigen Kostenvorteilen′ gesprochen.
Schwierig gestaltete sich bislang das eigentliche Einsparpotential zu bestimmen. Hierfür
8 Vgl. ebd.
9 Vgl. Lenk, Klaus (2006): Abbau administrativer Lasten für die Wirtschaft und die Bürger. Was E-Government
zum Bürokratieabbau beitragen kann - Neue Wege zum Abbau administrativer Belastungen, o.O., S. 1. Abrufbar
unter: http://www.egovernmentplattform.de/uploads/media/ Buerokratieabbau.pdf [Stand: 24.10.2008].
10 Vgl. Lenk, Klaus (2007): Bürokratieabbau durch E-Government Handlungsempfehlungen zur
Verwaltungsmodernisierung für Nordrhein-Westfalen auf der Grundlage der Entwicklungen und Erfahrungen in
den Niederlanden, dNRW, Bochum, S. 14.
11 Vgl. Müller, Horst (2005): eGovernment Begriffe-Stand-Perspektiven. In: Bär, Wolfgang/Hohl,
Michael/Möstl, Markus /Müller, Horst: Rechtskonformes eGovernment - eGovernment-konformes Recht -
Gesetzgebung, Verwaltung und Justiz im Informationszeitalter, 1. Auflage, Richard Boorberg Verlag, Stuttgart,
S. 28; Gongolsky, Mario (2002): Behörden online - Wie der Bund eGovernment schön rechnet, Spiegel Online
vom 29.07.2002, Hamburg. Abrufbar unter: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,206676,00.html
[18.11.2008].
eGovernment als Instrument zum Abbau bürokratischer Hemmnisse
3
müsse der ′
status ex ante
′ mit dem ′
status ex post
′ gegenüber gestellt werden. Konkret müssten
dann die Kosten konventioneller Erstellung bzw. Produktion staatlicher Leistungen und Güter
mit den Kosten (ganz oder teilweise) digitalisierter Verfahren verglichen werden.12 Demnach
wären Kostenvorteile gegeben, wenn für gleiche Mengen und Qualität weniger Aufwand
anfällt oder wenn bei gleichem Aufwand größere Mengen oder höherwertigere Produkte
erzeugt werden.13
Durch erste bereits umgesetzte Maßnamen in Folge der Standardkostenmessungen wurden in
Deutschland mittlerweile rund 1,8 Mrd. Euro an Bürokratiekosten eingespart.14 Darüber
hinaus wird bis 2011 von der Bundesregierung ein globales Abbauziel von 25 Prozent der
bisherigen Bürokratiekosten gegenüber dem Stand von 2005 angestrebt. Dies soll jährlich zu
Einsparungen in Höhe von 4,4 Mrd. Euro führen. Es ist aber zu befürchten, dass dieser Effekt
für die Adressaten nicht spürbar sein wird. In anderen Ländern hat sich diese Erfahrung mit
globalen Abbauzielen bestätigt. In den Niederlanden, in der das SKM entwickelt wurde,
konnten beispielsweise zwischen 2004 und 2008 die Bürokratiekosten global um mehr als 25
Prozent abgebaut werden. Eine spürbare Entlastung der Unternehmen blieb jedoch entgegen
der Darstellung der niederländischen Regierung aus15. Diese Lücke der Vollzugsferne kann
durch
eGovernment
geschlossen werden, so dass sich verschiedene Instrumente sinnvoll beim
Abbau von bürokratischen Hemmnissen ergänzen.
1.2 Bedarf
Die Anforderungen an die öffentliche Verwaltung haben sich seit Beginn der 1990er Jahre
erheblich geändert. Einerseits steigen die Erwartungen an die Behörden von Seiten der
Gesellschaft. Demnach verbindet sich mit dem Trend wachsender Individualisierung ein
erhöhter Anspruch des Einzelnen an den Staat als Problemlöser.16 Diese gesellschaftliche
Entwicklung beruht nicht zuletzt auf dem Einfluss neuer Technologien und
Kommunikationsmöglichkeiten. Andererseits verlangt aber auch der nationale und
internationale Standortwettbewerb effizientes und effektives staatliches Handeln sowie die
12 Vgl. ebd.
13 Vgl. ebd.
14 Vgl. BMWi (o.J.): Bestandsaufnahme der vom BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
federführend betreuten Bürokratieabbaumaßnahmen in der 16. Legislaturperiode, Berlin, S. 1. Abrufbar unter:
http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/B/bestandsaufnahme-ma_C3_9Fnahmen-
buerokratieabbau,property=pdf,bereich=bmwi,sprache=de,rwb=true.pdf [Stand: 10.11.2008].
15 Vgl. Algemeen Dagblad (2006): Bedrijven merken te weinig van schrappen regels, S´Gravenhage. Abrufbar
unter http://www.ad.nl/economie/article420210.ece [26.09.2008].
16 Vgl. Mayntz, Renate (1997): Verwaltungsreform und gesellschaftlicher Wandel. In: Grande, Edgar/Prätorius,
Rainer (Hrsg.): Modernisierung des Staates?, Baden-Baden, S. 67.
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