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Subtitle: Optimieren nach dem Vorbild der Natur
Scholarly Essay, 2009, 24 Pages
Author: Dipl.-Ing. Michael Dienst
Subject: Biomedical technic
Details
Year: 2009
Pages: 24
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-39834-8
ISBN (Book): 978-3-640-39858-4
Der vorliegende Aufsatz erörtert die theoretischen Grundlagen von Optimierungsstrategien nach dem Vorbild der biologischen Evolution und zeigt neue Entwicklungen der Optimierungstechnik in den Ingenieurwissenschaften auf.
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Abstract
In den Ingenieurwissenschaften kommen seit einiger Zeit Optimierungsstrategien nach dem Vorbild der biologischen Evolution zum Einsatz. Der vorliegende Aufsatz der BIONIC RESEARCH UNIT der Beuth Hochschule für Technik Berlin erörtert die theoretischen Grundlagen und zeigt neue Entwicklungen in der Optimierungstechnik auf.
Excerpt (computer-generated)
,,Artifizielle Evolution heute, Optimieren nach dem Vorbild der Natur"
Beuth Hochschule für Technik Berlin im Sommer 2009
University of Applied Sciences Berlin, Germany
Artifizielle Evolution heute.
Optimieren nach dem Vorbild der Natur
Beuth Hochschule für Technik Berlin
University of Applied Sciences Berlin, Germany
FB VIII Maschinenbau, Umwelt- und Verfahrenstechnik
BIONIC RESEARCH UNIT
Dipl.-Ing. Michael Dienst
Wir
feiern
das
,,Darwin-Jahr".
150
Jahre
Evolutionstheorie.
In
den
Ingenieurwissenschaften kommen seit einiger Zeit Optimierungsstrategien nach
dem Vorbild der biologischen Evolution zum Einsatz. Der vorliegende Aufsatz der
BIONIC RESEARCH UNIT der Beuth Hochschule für Technik Berlin erörtert die
theoretischen Grundlagen und zeigt neue Entwicklungen in der Optimierungstechnik
auf.
Darwins revolutionäre Theorie zur Veränderung der Arten, weil diejenigen
überleben, die sich am besten an ihre Umwelt angepasst haben und seine
Erklärungen, wie sich das Leben entwickelt hat und entwickelt, haben unser Denken
verändert. (Charles Robert Darwin: *12.Feb. 1809, Shrewsbury; 19.April 1882 in
Downe).
Auch heute noch sind einige seiner Thesen umstritten, insbesondere bei den
Vertretern einer planenden Intelligenz in der Natur. Kreationismus und Intelligent
Design laufen Sturm gegen die Gottlosigkeit des Darwinismus. In den USA konnten
Eltern besorgt verfolgen, wie an nicht wenigen Schulen die darwinsche
Evolutionstheorie aus den Lehrplänen gestrichen wurde. Auf der Seite der
© Mi. Dienst, bionic research unit Berlin
,,Artifizielle Evolution heute, Optimieren nach dem Vorbild der Natur"
Beuth Hochschule für Technik Berlin im Sommer 2009
University of Applied Sciences Berlin, Germany
Naturwissenschaften findet derzeit eine dieser aktuellen Entwicklung entgegen
gesetzte Bewegung statt. Entwicklungsbiologen entwerfen eine Theorie der inneren,
endogenen Selektion auf der Basis der darwinschen Theorie und rezenten
Erkenntnissen der Erforschung der der embrionalen Muster- und Strukturgenese.
Hiervon wird später die Rede sein.
Der religiös motivierte Sturm der Entrüstung über Darwins Theorie war gewaltig,
und ist bis zum heutigen Tag nicht gänzlich abgeflaut.
Nun, auch der junge Darwin betrachtete die Welt der Tiere und Pflanzen als die
natürliche Spur für das Wirken Gottes in der Natur. Erst nach jahrelangen
Forschungen und dann nur zögerlich veröffentlichte Darwin eine Theorie die
nicht mehr auf die Existenz eines Schöpfergottes zurückgriff.
Auf lediglich drei empirisch plausiblen Annahmen basiert die Theorie Darwins, die
die Entstehung, die Vielfalt und Angepasstheit der verschiedenen Tier- und
Pflanzenarten an ihre natürliche Umwelt erklärt.
Erstens:
Wenn Tiere sich fortpflanzen, können bestimmte Eigenschaften der Eltern
bei den Nachkommen mehr oder weniger stark verändert werden oder ganz
verloren gehen.
Zweitens:
Diese Unterschiede in den Eigenschaften können einerseits allmählich
so groß werden, dass nur noch Nachkommen einer Spezies, die diese Unterschiede
in den Eigenschaften nicht mehr aufweisen gemeinsam Nachkommen zeugen
können. Dies erklärt das Auftreten neuer Arten aus schon vorhandener Arten.
Drittens:
Die mit den Veränderungen einhergehenden Unterschiede in den
Eigenschaften lassen die Eigenschaften einer Spezies unterschiedlich gut an ihre
Umgebung angepasst sein. Und, je besser Tiere und Pflanzen an ihre Umgebung
angepasst sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich reproduzieren
und die umwelttauglichen Eigenschaften an ihre Nachkommen weitergeben.
© Mi. Dienst, bionic research unit Berlin
,,Artifizielle Evolution heute, Optimieren nach dem Vorbild der Natur"
Beuth Hochschule für Technik Berlin im Sommer 2009
University of Applied Sciences Berlin, Germany
Der 200. Geburtstag Darwins ist uns ein guter Anlass, die Kernaussagen der
Theorie Darwins und einige Stationen auf dem Weg zu einer modernen
Evolutionstheorie zu benennen.
Die Kernaussagen der darwinschen Theorie:
· Prinzip der Variation durch Mutation und Rekombination
· Prinzip der Vererbung (Deren Mechanismen Darwin noch nicht bekannt
waren)
· Prinzip der Überproduktion. Alle Lebewesen erzeugen mehr Nachkommen,
als jemals zur Reproduktionsreife kommen können.
· Prinzip der natürlichen Auslese (Darwin: Überleben der Tauglichsten)
· Prinzip der natürlichen Evolution. Vererbung mit Modifikationen.
(Darwin: Transmutation is descent with modifikations).
· Nichtvorhersagbarkeit. Die Variationen sind zufällig, also nicht vorzugsweise
auf günstige Anpassung hin ausgerichtet. Der weg der Evolution ist nicht
vorprogrammiert, nicht zielgerichtet, nicht determiniert, nicht vorhersagbar.
· Es existiert kein höheres Prinzip
Die Stationen auf dem Weg zu einer modernen Evolutionstheorie:
1809
Charles Darwin wird als Sohn eines wohlhabenden Arztes in Shrewsbury,
England geboren. Im gleichen Jahr erklärt der Naturkundler Jean-Baptiste Lamarck
in seiner ,,Philosophie zoologique", die Tier- und Pflanzenarten seien
unveränderlich. Allerdings nahm er an, dass der Gebrauch oder Nichtgebrauch von
Organen Veränderungen bewirke, die ihrerseits weitervererbt würden. Das ständige
strecken des Kopfes bewirke demnach im Laufe der Generationen eine
Verlängerung des Giraffenhalses.
© Mi. Dienst, bionic research unit Berlin
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1831
Der Junge Darwin beginnt eine fast fünfjährige Weltreise an Bord des
Vermessungsschiffes ,,Beagle". Während er die Vielfalt von Tieren und Pflanzen und
ihre offenkundige Anpassung an die Umgebung studiert, reift in ihm sehr langsam
die Erkenntnis, dass die Arten wandelbar sind.
1859
Darwin begründet mit seinem Werk ,,On the Origin of Species" die moderne
Evolutionstheorie. Antrieb des Artenwandels ist die natürliche Auslese, bei der die
am besten an ihre Umwelt angepassten Individuen größere Überlebenschancen
haben und so ihre Merkmale verbreiten können.
1865
Der Augustinermönch Gregor Mendel stellt nahezu unbemerkt von der Welt
die Ergebnisse seiner Kreuzungsexperimente mit Erbsenpflanzen vor. Die
Mendelschen Vererbungsregeln sollen späterd die Grundlage der Genetik werden.
1900
Drei Botaniker werden auf Mendels alte Arbeiten aufmerksam. Einer von
ihnen ist der Niederländer Hugo de Vries, der in seiner Mutationstheorie spontane
Veränderungen des Erbguts zum Hauptantrieb der Evolution erhebt.
1924
Hans Spemann und Hilde Mangold veröffentlichen ihre wohl spektakulärsten
Transplantationsexperimente an den Embrionen von Molchen. Sie begründen damit
die moderne Entwicklungsbiologie, die sich mit der Gestaltwerdung während der
Embriogenese befasst.
1937
In mehreren Schriften begründet eine Schule von Wissenschaftlern um Ernst
Mayr die neue ,,Synthetische Evolutionstheorie". Diese befasst sich insbesondere
mit der Neubildung von Arten durch die räumliche Trennung von Populationen.
1953
James Watson und Francis Crick entdecken die doppelsträngige
Helixstruktur des Erbmoleküls DNS. Die Abfolge der Basen in diesem
Riesenmolekül ist der genetische Code aller Kreaturen auf der Erde.
© Mi. Dienst, bionic research unit Berlin
,,Artifizielle Evolution heute, Optimieren nach dem Vorbild der Natur"
Beuth Hochschule für Technik Berlin im Sommer 2009
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1957
In Theorie und Experiment untersucht Manfred Eigen molekulare Hyperzyklen,
zyklische Folgen von sich selbst reproduzierenden Einzelzyklen, bestehend aus
RNA- und Proteinmolekülen, die durch Rückkopplung voneinander abhängen. Sie
sind als Erklärungsmöglichkeit für die präbiotische Entstehung replikativer
chemischer Systeme angesehen und stehen im Übergangsbereich zwischen
chemischer und biologischer Evolution. Manfred Eigen erhält 1967 den Nobelpreis
für Chemie.
1967
Wolpert führt den Begriff der Morphogenetischen Gradienten für Botenstoffe
beim biologischen Struktur- und Gestaltaufbau und Die klassische Vorstellung in der
Entwicklungsbiologie ist die Steuerung der Entwicklung durch gradierte
Konzentrationsverteilungen. Wolpert prägte dafür den Begriff der ,,Positions-
Information".
1972
Meinhardt und Gierer entwickeln ein Modell der biologischer Musterbildung,
welches von der Erkenntnis ausgeht, dass dem biologischen Strukturaufbau
Selbstorganisationsprozesse zu Grunde liegen und voraussagt, dass eine
Wechselwirkung von mindestens zwei ursprünglich homogen verteilten Substanzen
erforderlich ist, um ein lokales Konzentrationsmaximum generieren.
1995
Christiane Nüsslein-Volhard erhält den Nobelpreis für Medizin und
Physiologie. Sie identifiziert und systematisiert Gene, welche im Ei der Taufliege
(Drosophila melanogaster) die Anlage des Körperplans und der Segmente steuern.
Sie entwickelt die Gradiententheorie, die darstellt, wie durch Stoffgradienten in der
Eizelle und dem Embrio die Genexpression gesteuert wird und zeigte Parallelen in
der Embryonalentwicklung zwischen Insekten und Wirbeltieren auf.
2000
Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Eine erste Version der
Basenabfolge wird vom internationalen Humangenomprojekt und Craig Venters
Unternehmen Celera vorgestellt. Drei Jahre später ist das Großprojekt
abgeschlossen.
© Mi. Dienst, bionic research unit Berlin
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