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Subtitle: Ein Vergleich extremistischer Deutungsmuster am Beispiel der Finanzkrise
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 27 Pages
Author: Jochen Engelhorn
Subject: German Studies - Linguistics
Details
Institution/College: University of Freiburg (Deutsches Seminar I)
Year: 2008
Pages: 27
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-40295-3
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Abstract
„Heil Hitler, Herr Friedmann!“ So begrüßte der ehemalige Mitbegründer der RAF und spätere Verteidiger der NPD, Horst Mahler, den Moderator Michel Friedmann bei einem Interview. Mahler ist wohl das prominenteste Beispiel für den Wechsel innerhalb politischer Extreme: Vom Linksextremismus der Roten Armee Fraktion zum Rechtsextremismus der NPD – für den radikalen Anwalt scheinen diese „Ränder“ des politischen Spektrums nichts Gegensätzliches zu sein. Sind sich die extremen „Rechten“ und „Linken“ vielleicht näher als man denkt? Die Extremismusforschung geht schon länger davon aus, dass man trotz aller inhaltlichen Differenzen von gewissen strukturellen Gemeinsamkeiten ausgehen kann. Lassen sich diese Gemeinsamkeiten auch in der Sprache der Extremisten wiederfinden? Schlagen sich die strukturellen Merkmale auch auf sprachliche Äußerungen nieder? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, soll in der vorliegenden Arbeit beispielhaft die publizistische Auseinandersetzung mit der Finanzkrise extremistisch eingestufter Zeitungen untersucht werden, um diese anschließend mit den Ergebnissen der Extremismusforschung vergleichen zu können. Herausgearbeitete Deutungsmuster und deren sprachliche Realisierung werden untereinander verglichen und auf strukturelle Gemeinsamkeiten untersucht. Nach einem kurzen Überblick über die derzeitige Extremismusforschung und der methodischen Vorgehensweise folgt daher eine ausführliche linguistische Analyse ausgewählter Artikel über die Finanzkrise. Die gewonnenen Ergebnisse werden anschließend gebündelt, untereinander verglichen und auf ihre strukturellen und inhaltlichen Berührungspunkte beurteilt. Als Grundlage der Textanalyse dienen vier Zeitungen, die vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft werden. Die „Rote Fahne“ und „unsere zeit“ gelten hier als linksextremistisch; als rechtsextremistisch die „National Zeitung“ und die „Deutsche Stimme“. Hieraus wurde jeweils ein Artikel zur Finanzkrise ausgewählt und näher beleuchtet. Als Basis für die Untersuchung dienten außerdem diverse Forschungsliteratur über den politischen Extremismus, sowie Arbeiten zur diskursiven Analyse und deren methodisches Vorgehen.
Excerpt (computer-generated)
Albert- Ludwigs-Universität Freiburg
Deutsches Seminar I
Hauptseminar ,,Linguistische Zeitgeschichte"
Sommersemester 2008
,,Extremismus und Sprache"
Ein Vergleich extremistischer Deutungsmuster am
Beispiel der Finanzkrise
Jochen Engelhorn
Geschichte/Deutsch/Spanisch (07/07/07)
2
Inhaltsverzeichnis
I. Über diese Arbeit 3
II. Politischer Extremismus im Überblick 4
II. Diskurse, Themen, Frames methodisches Vorgehen 6
IV. ,,Krieg den Bank-Palästen" die Finanzkrise aus ,,linker" Sicht 8
a) Frame 1: Kapitalismus 9
b) Frame 2: Amerika 11
c) Frame 3: Politik 12
V. ,,Der kleine Mann zahlt die Zeche" die Finanzkrise aus ,,rechter" Sicht 14
a) Frame 1: Kapitalismus 15
b) Frame 2: Amerika 16
c) Frame 3: Politik 18
VI. Gemeinsamkeiten und Unterschiede extremistischer Deutungsmuster 20
VII. Schlussbetrachtung 23
VIII. Literaturverzeichnis 25
3
I. Über diese Arbeit
,,Heil Hitler, Herr Friedmann!" So begrüßte der ehemalige Mitbegründer der RAF und
spätere Verteidiger der NPD, Horst Mahler, den Moderator Michel Friedmann bei
einem Interview. Mahler ist wohl das prominenteste Beispiel für den Wechsel
innerhalb politischer Extreme: Vom Linksextremismus der Roten Armee Fraktion zum
Rechtsextremismus der NPD für den radikalen Anwalt scheinen diese ,,Ränder" des
politischen Spektrums nichts Gegensätzliches zu sein. Sind sich die extremen
,,Rechten" und ,,Linken" vielleicht näher als man denkt? Die Extremismusforschung
geht schon länger davon aus, dass man trotz aller inhaltlichen Differenzen von
gewissen strukturellen Gemeinsamkeiten ausgehen kann. Lassen sich diese
Gemeinsamkeiten auch in der Sprache der Extremisten wiederfinden? Schlagen sich
die strukturellen Merkmale auch auf sprachliche Äußerungen nieder?
Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, soll in der vorliegenden Arbeit
beispielhaft die publizistische Auseinandersetzung mit der Finanzkrise extremistisch
eingestufter Zeitungen untersucht werden, um diese anschließend mit den
Ergebnissen der Extremismusforschung vergleichen zu können. Herausgearbeitete
Deutungsmuster und deren sprachliche Realisierung werden untereinander
verglichen und auf strukturelle Gemeinsamkeiten untersucht.
Nach einem kurzen Überblick über die derzeitige Extremismusforschung und der
methodischen Vorgehensweise folgt daher eine ausführliche linguistische Analyse
ausgewählter Artikel über die Finanzkrise. Die gewonnenen Ergebnisse werden
anschließend gebündelt, untereinander verglichen und auf ihre strukturellen und
inhaltlichen Berührungspunkte beurteilt.
Als Grundlage der Textanalyse dienen vier Zeitungen, die vom Verfassungsschutz
als extremistisch eingestuft werden. Die ,,Rote Fahne"1 und ,,unsere zeit" gelten hier
als linksextremistisch; als rechtsextremistisch die ,,National Zeitung" und die
,,Deutsche Stimme". Hieraus wurde jeweils ein Artikel zur Finanzkrise ausgewählt
und näher beleuchtet. Als Basis für die Untersuchung dienten außerdem diverse
Forschungsliteratur über den politischen Extremismus, sowie Arbeiten zur
diskursiven Analyse und deren methodisches Vorgehen. Obwohl nach eigener
1 Aus Platzgründen werden die hier untersuchten Zeitungen im jeweiligen Kapitel vorgestellt.
4
Meinung die Themenstellung sowohl gesellschaftlich als auch linguistisch durchaus
relevant erscheint, finden sich innerhalb der Linguistikforschung keine Arbeiten, die
Links- und Rechtsextremismus sprachlich gegenüberstellen. Eine Untersuchung über
deren Gemeinsamkeiten erscheint somit umso spannender und sinnvoller.
II. Politischer Extremismus im Überblick
,,Politischer Extremismus was ist das überhaupt?"2 Um gemeinsame
Deutungsmuster extremistischer Sprache untersuchen zu können, muss zunächst
auf den Extremismusbegriff eingegangen und die Unterschiede und
Gemeinsamkeiten der verschiedenen Grundrichtungen erläutert werden.
Wie bereits die Wortbedeutung des ,,Extremen" signalisiert, kann der Begriff des
Extremismus nicht allein für sich, sondern muss in Abhängigkeit zu einem anderen
Wert oder Standpunkt als ,,äußerste Abweichung" und ,,äußerster Gegensatz"3
definiert werden. Es handelt sich somit um einen normativen Abgrenzungsbegriff, der
die Mitte der Gesellschaft und deren Grundwerte als Ausgangspunkt nimmt, um
deren ,,Ränder" und die extreme Abweichung von Normalität zu beschreiben. Die
Unschärfe dieser Definition liegt auf der Hand: Was ist die Mitte? Extremistische
Tendenzen werden also in der Abgrenzung von den heutigen Prinzipien des
demokratischen Verfassungsstaates bestimmt, um Gruppen oder Einzelpersonen
zusammenzufassen, die dem Staat gegenüber ablehnend eingestellt sind.4
Ausgehend von der parlamentarischen Sitzverteilung wird seit der Französischen
Revolution von einer extremen Rechten und einer extremen Linken gesprochen.
Diese Trennung lässt sich auch ideengeschichtlich nachvollziehen: So waren und
sind sowohl die ,,Linke" als auch die ,,Rechte" historische Antworten auf die liberalen
europäischen Verfassungen und die Entstehung des Kapitalismus in Europa.
Während der Sozialismus durch Revolution, Besitzverhältnis ändern und soziale
Gleichheit herstellen wollte, führte die Radikalisierung von Elementen konservativen
Denkens zu einer Ideologie, die antisemitische, nationalistische, völkische und
2 Pfahl-Traughber, Armin: Politischer Extremismus was ist das überhaupt? Zur Definition von und
Kritik an einem Begriff, in: Bundesamt für Verfassungsschutz (Hg.): Bundesamt für
Verfassungsschutz. 50 Jahre im Dienst der inneren Sicherheit, Köln 2000, S. 185.
3 Ebd. S. 186.
4 Vgl. Jaschke, Hans-Gerd: Politischer Extremismus, Wiesbaden 2006, S. 16.
5
rassistische Elemente miteinander verband.5 So unterschiedlich diese historischen
Antworten sein mögen6 aus heutiger Sicht lässt sich rechter und linker
Extremismus im Sinne des Verfassungsschutzes als ,,fundamentale Ablehnung des
demokratischen Verfassungsstaats"7 verstehen, die aufgrund ihrer Bestrebungen,
gemeinsame Strukturelemente und Denkmuster in sich tragen:
So haben laut heutiger Extremismusforschung beide Varianten einen
Absolutheitsanspruch der eigenen Auffassungen, Dogmatismus und die Unterteilung
der Welt in Freund und Feind gemeinsam und tendieren zu Verschwörungstheorien,
Utopie und Fanatismus. Extremistische Ideologien seien ,,geschlossene
Denkgebäude", die einen ,,quasi-religiösen Status" besitzen und daher Politik nicht
als Programm, sondern vielmehr als Weltanschauung verstehen. Insgesamt ergibt
sich somit ein antipluralistisches Gesellschafts-und Politikverständnis, das die
Homogenität der Gemeinschaft und der Dominanz des Staates gegenüber der
Gesellschaft betone. 8 Diese strukturellen Merkmale sollen beispielhaft durch
gemeinsame Denkmuster ergänzt werden, die für die spätere Analyse wichtig sein
werden:
Kapitalismuskritik Die linksextreme Kritik gegen den nationalen wie globalen
Kapitalismus ist in ihren historischen Wurzeln tief verankert. Die Überwindung der
ungerechten Besitzverhältnisse wird vielfach als Angriff auf die freiheitlich-
demokratische Grundordnung angesehen. Auf der rechten Seite wird die Kritik am
kapitalistischen System meist mit nationalistischen und rassistischen Argumenten
verknüpft.9
Amerikakritik ,,Antiamerikanische" Einstellungen von links sind vor allem geprägt
von der Ablehnung des ökonomischen Systems des Kapitalismus und des daraus
direkt abgeleiteten Imperialismus. Die Kritik wird auf die politische Ebene übertragen
und vorhandene Wertvorstellungen missachtet. Die ,,Rechte" dagegen lenkt den Blick
auf den kulturellen und politischen Bereich; als ,,Vielvölkerstaat" und ,,System
5 Vgl. ebd. S. 129ff.
6 Auf die Unterschiede und die verschiedenen Strömungen rechter und linker Ideologien soll hier nicht
weiter eingegangen werden, näheres bei ebd. S. 32f.
7 Kailitz, Steffen: Politischer Extremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Einführung,
Wiesbaden 2004, S. 21.
8 Vgl. Jaschke: Politischer Extremimus, S. 31.
9 Vgl. Neugebauer, Gero: Extremismus Linksextremismus Rechtsextremismus. Begriffsdefinitionen
und Probleme. www.bpb.de/themen/UXBBFN.html (13.10.08)
6
kultureller Dekadenz" treibe Amerika den Werteverfall voran. Von beiden wird die
Geschichte der USA auf materielle Interessen und ständige Verstöße gegen eigene
moralische Ansprüche reduziert.10
Kritik an Politik Wie aus der Definition des Extremismusbegriffes hervorgeht,
verbindet die rechte und linke Variante die Ablehnung der derzeitigen politischen
Verhältnisse. Dass sich hieraus Kritik an Politik und Staatsführung ergibt, ist
offensichtlich; Sündenböcke aus der Politik halten oftmals für die Kritik am
Staatwesen hin und der Absolutheitsanspruch eigener Überzeugungen und
politischer Sichtweisen lässt scheinbar wenig Raum für demokratische Debatten.
Diese Auswahl an Denkmustern extremistischer Strömungen wird vielfach
eingebettet in ein Freund-Feind Denken, das darauf abzielt, den politischen Gegner
zu diskreditieren. Die Unterteilung in Gut und Böse wird dazu benutzt, Feindbilder zu
erzeugen und hierdurch den politischen Feind und dessen Ansichten und Werte zu
zerstören.11
II. Diskurse, Themen, Frames methodisches Vorgehen
Vor der gründlichen Analyse der einzelnen Zeitungsartikel wird im Folgenden kurz
das methodische Vorgehen dargestellt, welches auf die Texte angewandt werden
soll. Neben allgemeinen diskursanalytischen Vorüberlegungen spielt hier in erster
Linie die Frame-Analyse eine wichtige Rolle, da sich der Aufbau der Untersuchung
an entsprechenden ,,Bezugsrahmen" orientieren soll.
Unter einem Diskurs verstehen Teuber und Busse, alle Texte
die sich mit einem als Forschungsgegenstand gewählten Gegenstand, Thema,
Wissenskomplex oder Konzept befassen, untereinander semantische Beziehungen
aufweisen und/oder in einem gemeinsamen Aussage-, Kommunikations-, Funktions-
oder Zweckzusammenhang stehen.12
Erfüllen die ausgewählten Artikel die Grundvoraussetzungen einer diskursiven
Analyse? Als übergeordnetes Thema kann eindeutig die ,,Finanzkrise" benannt
10 Vgl. Pfahl-Traughber, Armin: ,,Antiamerikanismus" und ,,Antiwestlertum". Gemeinsamleiten und
Unterschiede im Spannungsfeld von Demokratie und Extremismus, in: Eckhard Jesse/ Steffen Kailitz
(Hg.): Prägekrafte des 20 Jahrhunderts. Demokratie, Extremismus, Totalitarismus, Baden-Baden
1997, S. 216.
11 Vgl. Jaschke: Politischer Extremimus, S. 31ff.
12 Busse, Dietrich/Teubert, Wolfgang: Ist Diskurs ein sprachwissenschaftliches Objekt?, in: Busse/
Herrmanns/Teubert (Hg.): Begriffsgeschichte und Diskursgeschichte, Opladen 1994, S. 14.
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