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Außenpolitisches Agieren Schwedens in der Zwischenkriegszeit

Hauptseminararbeit, 2006, 24 Seiten
Autor: Melanie Baschin
Fach: Skandinavistik

Details

Veranstaltung: Hauptseminar: Nordeuropa in der Zwischenkriegszeit
Institution/Hochschule: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (Nordisches Institut)
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 24
Note: 1,7
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V134203
ISBN (E-Book): 978-3-640-41706-3
ISBN (Buch): 978-3-640-41244-0

Zusammenfassung / Abstract

Die eingangs gestellte Behauptung, Schweden tendiere zu politischer Unselbständigkeit, kann nur unter dem Aspekt der gewünschten Friedensbewahrung Berücksichtigung finden.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Greifswald

Nordisches Institut

Melanie Baschin

Außenpolitisches Agieren Schwedens in der Zwischenkriegszeit

Sommersemester 2006

Hauptseminar: Nordeuropa in der Zwischenkriegszeit

Magister Politikwissenschaft (HF), Skandinavistik (HF)


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitendes 3

2. Die Situation vor 1933 4

2.1.Nationalsozialistische ,,Machtergreifung" in Deutschland 6

2.2.Entwicklung der deutsch-schwedischen Beziehung 8

3. Umbruchphase: Die Jahre 1934 bis 1937 9

3.1.Nordischer Mythos ­ Gespräche mit Hitler 11

3.2.Ab 1938: Wandel der Beziehung 12

4. Die ersten Kriegsmonate 13

4.1.Konzessionszwang im ersten Kriegsjahr 16

4.2.Paradigmenwandel 19

5. Auswertung 20

Literaturverzeichnis 22

Erklärung 24




2


1. Einleitendes

Die Zwischenkriegszeit kann in vielerlei Hinsicht als eigene Epoche angesehen werden. Ziel

dieser Arbeit ist es, Schwedens außenpolitische Entwicklung in dieser Zeit zu analysieren vor

dem Hintergrund seiner Neutralitätspolitik und internationaler Zusammenarbeit im

Völkerbund. Hierzu werden die parlamentarische Situation in Schweden sowie seine

Regierungszusammensetzungen betrachtet. War das außenpolitische Agieren des Landes für

seine skandinavischen Nachbarn und Deutschland antizipierbar und damit kontrollierbar?

Die plakative Behauptung, Schweden sei frei von nationalem Egoismus und daraus resultiere

auch eine passive Außenpolitik bzw. tendiere die schwedische Politik zu Unselbständigkeit,

da primäres Ziel ,,fredens bestånd"1 sei, erscheint plausibel, wenn man berücksichtigt, dass

Schweden nach dem heutigen Stand der Forschung nicht wirklich neutral war, sondern

vielmehr unter dem Zwang einer ,,Nachgebe-Politik" stand, die sich jedoch handelspolitisch

finanziell auszahlte und sicherheitspolitisch Vorteile brachte.

Wegen des eingeschränkten Umfangs der Arbeit und dem Fokus auf Schwedens

Neutralitätspolitik sind einige Ereignisse, die zwar eine bedeutende Rolle und

entwicklungspolitischen Einfluss auf Schweden hatten, hier nur erwähnt und nicht weiter

ausgeführt. Angefangen mit einem Überblick der politischen Situation in Schweden vor 1933

und den folgenden Expansionsbestrebungen des Dritten Reichs, folgt ein Überblick der

politischen Ereignisse von 1934 bis 1939 sowie eine Darstellung der ersten Kriegsmonate

und den Zwang zu Konzessionen Schwedens. Die Arbeit schließt mit einer Auswertung des

Vorangegangen ab.

1 Tingsten, S. 418.

3


2. Die Situation vor 1933

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde 1919 die Gründung des so genannten

Völkerbundes beschlossen, der auf Anregung des damaligen US-amerikanischen Präsidenten

Woodrow Wilson nach einer internationalen Gemeinschaft zur Sicherung des Friedens

zurückzuführen ist. Der Vertrag trat im Januar 1920 in Kraft und die Organisation hatte ihren

Hauptsitz in Genf. Mitglieder des Völkerbundes waren zunächst die Siegermächte des

Krieges sowie dreizehn neutrale Staaten. Bis 1937 traten 21 weitere Staaten bei. Die USA,

durch den Krieg zur führenden Weltmacht aufgestiegen, traten der Organisation nicht bei.

Dem Deutschen Reich blieb als besiegtem Land der Zutritt zunächst verwehrt. Die

Handlungsfähigkeit des Völkerbundes war sehr eingeschränkt, da jedes Mitgliedsland ein

Vetorecht hatte.2 Der Organisation zueigen war das Prinzip der kollektiven Sicherheit, dies

bedeutete, dass alle Mitglieder des Völkerbundes bereit sein mussten, den territorialen Status

quo zu akzeptieren und diesen gegen jedwede Aggression zu verteidigen. Bereits an diesem

Prinzip scheiterte der Völkerbund schon in seinen Anfängen, da das Deutsche Reich als

,,Revisionsmacht" und die Sowjetunion als ,,bolschewistische" Macht (beide Mächte stellten

den Status quo in Frage) nicht bei seiner Gründung in den Völkerbund aufgenommen wurden.

Das größte Defizit bestand jedoch in seiner politisch-militärischen Machtlosigkeit, d.h., dass

er über keine ,,vom Vertragstext ableitbare" Sanktionsmacht verfügte.3

Schweden und die anderen nordischen Staaten traten 1920 mit dem Status der Neutralität dem

Völkerbund bei. Schweden wollte jedoch weiterhin selbst über militärische Angelegenheiten

entscheiden und keine Verpflichtungen eingehen, da es dem Völkerbund an machtpolitischer

Effektivität mangelte. Zudem war der Eintritt in die Organisation geprägt von internen

Politkontroversen, die Zeit zwischen 1920 bis 1933 war in Schweden innenpolitisch durch

Minoritäts- und Ausschussparlamente geprägt. Innerhalb des politischen Lagers wurde

moniert, dass die größte Schwäche der Organisation ,,dess bristande universalitet"4 sei. So

wurde konstatiert, dass die USA nicht beigetreten seien, und dass es Nationen in Europa gäbe,

welche nicht das Recht erhielten, beizutreten (allerdings hatte diese ,,unzureichende

Universalität" seine realpolitischen Gründe, wie eingangs erwähnt). Dieser rein quantitative

Vorwurf speiste sich aus dem Vergleich, der Völkerbund habe ,,mera karaktären av en allians

under ledning av de segrande stormakterna än av ett nationernas förbund till mänsklighetens

2 Schubert/ Klein, S. 318.

3 Woyke, S. 212-213.

4 Tingsten, S. 27.

4


bästa"5 . Schwedens Eintritt unter Vorbehalt in die Organisation resultierte aus den internen

Kontroversen, dass zum Einen als Schwäche des Völkerbundes galt, dass in bestimmten

Fällen eine Kriegsführung weiterhin zulässig sei, zum Anderen als Stärke konzediert wurde,

Sanktionen gegen Friedensbrecher verhängen zu können.6 Darüber hinaus argumentierten

Befürworter, wie der damalige schwedische Außenminister Johannes Hellner7, dass die

schwedische Neutralitätspolitik ohne die Mitgliedschaft im Kriegsfalle kaum

Bewegungsfreiheit gehabt hätte und Schweden seinen Neutralitätskurs demnach nicht hätte

fortführen, stattdessen gefährlich isoliert werden können.8 Die Berührungspunkte mit

Deutschland traten in dem auf den Ersten Weltkrieg folgenden Jahrzehnt hinter

,,gelegentlichen diplomatischen Unterstützungen bei Reparations- und Minderheitenfragen im

Völkerbund, [...] dem Deutschland seit 1926 angehörte" zurück. Die Aufnahme Deutschlands

in den Völkerbund ging einher mit einem ständigen Sitz im Völkerbundsrat, den Schweden an

seiner statt zur Verfügung stellte. Insgesamt kam es ab 1920 zu evidenten Veränderungen der

politischen und seemilitärischen Lage im Ostseegebiet, nicht zuletzt durch die in Genf am 20.

Oktober 1921 unterzeichnete Åland-Konvention, welche die Neutralität und Entfestigung

dieser strategisch signifikanten Inselgruppe konstatierte.9

Die nach dem Ersten Weltkrieg wieder langsam prosperierende Seehandelswirtschaft

zwischen Deutschland und Schweden bzw. Skandinavien spielte vor allem bei schwedischem

Eisenerz für Deutschland eine wesentliche Rolle. Noch 1917 hatte Deutschland fast 17% des

schwedischen Außenhandels abgenommen, wohingegen lediglich 3% des deutschen

Gesamthandels nach Schweden gingen. In den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg entwickelte

sich eine rege Eisenerzindustrie, von dem deutschen Eisenerzbedarf kamen jährlich ca. 15

Millionen Tonnen Erz, und damit 60-70% des Gesamtbedarfs, aus Schweden. Davon wurden

ca. 11 Millionen Tonnen über die schwedischen Ostseehäfen verschifft.10 Mit der politischen

Machtübernahme der Nationalsozialisten unter Hitler als Reichskanzler gewann der

Eisenerzhandel zunehmend an Bedeutung, darüber hinaus machte Deutschland wenige Jahre

darauf keinen Hehl daraus, aufzurüsten und das Militär auszubauen.

5 Tingsten, S. 28.

6 Ebenda, S. 30.

7 Schwedischer Außenminister 1917-1920.

8 Lönnroth, S. 32.

9 Gerhardt/ Hubatsch, S. 416.

10 Ebenda, S. 419.

5



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