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Die protestantische Ethik

Scholary Paper (Seminar), 2003, 20 Pages
Author: Andreas Schuster
Subject: Sociology - Religion

Details

Event: Proseminar: Religionen, Weltanschauungen, Utopien (soziologische Theorie 1)
Institution/College: University of Constance (Geschichte und Soziologie)
Tags: Ethik, Proseminar, Religionen, Weltanschauungen, Utopien, Theorie
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 20
Grade: sehr gut
Language: German
Archive No.: V13532
ISBN (E-book): 978-3-638-19172-2

File size: 177 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Konstanz
Wintersemester 2002/2003

Max Weber:
Die protestantische Ethik

Andreas Schuster

 

Inhaltsübersicht:

1. Einleitung

2. Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
2.1.Konfession und soziale Schichtung
2.2. Der „Geist des Kapitalismus“
2.3. Luthers Berufskonzeption; Objekt der Untersuchung
2.4.die religiösen Grundlagen der innerweltlichen Askese
2.5. Askese und kapitalistischer Geist

3. Kritik und Antikritik
3.1.Webers Anspruch
3.2. Probleme der Methode

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

 

1. Einleitung

Max Weber stellt in seinem erstmals 1906 erschienenen, und 1920 in einer von ihm selbst überarbeiteten Fassung herausgegeben Text über die protestantische Ethik einen Zusammenhang zwischen religiösen Fundamenten und dem „kapitalistischen Geist“ her. Basierend auf einer speziellen Defnition dieses „kapitalistischen Geistes“ wird versucht darzustellen ob und inwieweit Auswirkungen der Reformation einen Beitrag zu Grundlagen dieser neuen Denk- und somit Handelsweise geleistet haben.

Durch eingehende Darstellung verschiedener Formen reformierter Kirchen und deren religiöser Ethik, und insbesondere durch Ausführungen zum damit zusammenhängenden Thema der Berufsethik, soll schließlich der Zusammenhang zu einer Lebensauffassung, die zur mentalen Eigenart des modernen rationalen Wirtschaftsmenschen beigetragen hat, hergestellt werden.

Im Folgenden werde ich den Inhalt dieser Abhandlung zusammenfassen und die Argumentationsstruktur aufzeigen. In einem weiteren Schritt wird dann ein Blick auf mögliche Schwachstellen bzw. Anknüpfungspunkte zur Kritik geworfen.

Dem ersten Erscheinen von „die protestantische Ethik“ folgte eine große Resonanz, die mitunter auch aus kritischen Bemerkungen bestand, und ich werde zum einen einen Überblick über diese, wie zum anderen auch die eventuelle Reaktion Webers darauf darstellen. Besondere Betonung findet hier die Klarstellung des Anspruches, der an die vorgelegten Studien zu stellen ist. Weber deutet, um dies vorweg zu nehmen an, dass es sich lediglich um die Darstellung eines Zusammenhanges zwischen bestimmten religiösen Phänomenen und den geistig grundlegenden Voraussetzungen einer bestimmten Art des modernen Kapitalismus handelt. Es geht ihm um die Art des Zusammenhangs, sowie um den Nachweis dessen Existenz. Damit verbunden jedoch ist keinesfalls ein Anspruch auf Vollständigkeit, den „Geist des Kapitalismus“ zu erklären, oder etwa sogar ein gesamtwirtschaftliches Modell aufzubauen.

2. die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus

2.1. Konfession und soziale Schichtung

Weber geht in seinen Ausführungen von der auffälligen Verteilung der protestantischen und der katholischen Bevölkerung in Bezug auf das Wirtschafsleben aus. Der Kapitalbesitz befindet sich in konfessionell gemischten Ländern zu einem auffällig hohen Anteil in den Händen der protestantischen Bevölkerung. Diese stellt in höherem Maße sowohl das Unternehmertum wie auch höher gebildete Schichten der Arbeiter, insbesondere was eine höhere technische und kaufmännische Ausbildung betrifft. Das Argument, es könne sich auch um einen gegensätzlichen Kausalzusammenhang handeln, sprich der protestantische Glauben entspringe vielmehr einem höheren Kapitalbesitz1 als andersherum, wird ebenfalls durch sozialstrukturelle Erscheinungen entkräftet. Der katholische Teil der Bevölkerung hat nicht nur weniger Anteil an der höheren Bildung, vor allem auch die Art der Bildung ist eine andere. So ist zu beobachten, dass protestantische Schüler in bedeutend höherem Maße auf Schulen anzutreffen sind, deren Bildung in Richtung Wirtschaftsleben, Industrie und kaufmännische Berufe zielt, während deren Anteil an z.B. humanistischen Gymnasien im Verhältnis geringer ausfällt. Dieser Aspekt, und die Tatsache, dass bei der protes-tantischen Arbeiterschaft in vermehrtem Maße ein Trend zur Abwanderung in die Industrie festzustellen ist, während die katholische eher dazu neigt im Handwerks-betrieb zu bleiben, lässt Weber von einer „anerzogenen geistigen Eigenart“ sprechen. Er sieht eine „spezifische Neigung zum ökonomischen Rationalismus“, die sich unab-hängig von sonstigen Rahmenbedingungen, unabhängig vom zahlenmäßigen Verhältnis der Konfessionszugehörigkeit, beim protestantischen Teil der Bevölkerung feststellen lässt.

Folglich ist eine Antwort auf diese Phänomene nicht in der historisch-politischen Lage zu suchen, sondern man muss sich vielmehr auf die jeweilige geistige Motivation konzentrieren. Der oberflächliche Vergleich von katholisch-evangelisch bringt uns hier nicht weiter. Unterscheidungen wie die, dass Katholiken weltfremd und der Askese zugewandt seien, während Protestanten den materiellen Freuden und dem Kapitalismus frönen, sieht Weber nicht nur als pauschalisierend sondern in vielen Zusammenhängen, sowohl zur Zeit des Verfassens seiner Schrift, als auch historisch, als falsch an.

[....]


1  Insbesondere reiche Städte und reiche Gebiete haben im 16.Jahrhundert protestantischen Glauben angenommen


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