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Examensarbeit, 2003, 118 Seiten
Autor: Simone Bunse
Fach: Sport - Sportpsychologie
Details
Tags: Körperideale, Essstörungen, Problem, Frauen
Jahr: 2003
Seiten: 118
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 104 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-19303-0
ISBN (Buch): 978-3-640-31894-0
Dateigröße: 491 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Im Fokus der vorliegenden Arbeit steht der Körper, der als Träger von Normen und Werten zunehmend in das allgemeine Blickfeld rückt und eine Vielzahl von Funktionen einnimmt. Er galt seit jeher - insbesondere für die oberen Gesellschaftsschichten - als Statussymbol und wird heute zunehmend als gestaltbares und formbares Objekt gesehen; denn nicht nur Kleider, sondern Körper machen Leute. Doch wie lassen sich Schönheit und Gesundheit angesichts der neuen Körperlichkeit verbinden? Welchen Einfluss haben dabei Schönheitsideale auf den Umgang mit dem Körper, speziell bei jungen Heranwachsenden, für die der Körper einen zentralen Ort zur Identitätsfindung darstellt? Diese und weitere Fragen werden im Verlauf der vorliegenden Abhandlung eingehend erörtert und belegt. Ziel dieser Arbeit ist - neben der Betrachtung des Körpers - die Hinterfragung des aktuellen Schönheitsideals und dessen Einfluss auf die Entstehung von Ess-Störungen. Im Fokus steht zudem die Fragestellung, inwiefern ein Zusammenwirken von Sport, Gesundheit und Schönheit möglich ist.
Textauszug (computergeneriert)
Körperideale und Ess-Störungen -
ein zeitgenössisches Problem junger Frauen
Schriftliche Hausarbeit
vorgelegt im Rahmen der Ersten Staatsprüfung
für das Lehramt für die Sekundarstufen I und II
in Sportwissenschaft
von
Simone Bunse
Paderborn, den 15.05.2003
Fressen bis zum Erbrechen, weil das Leben zum Kotzen ist.
Hungern bis zum Tode, aus Hunger nach dem Leben.
Es gibt viele Motive für die Flucht in die Welt der Diäten, die nicht selten im Käfig einer Sucht endet. Eines steckt immer dahinter: die Unerreichbarkeit der geforderten Traumfigur. Und die zunehmende Unfähigkeit, anders zu sprechen als der Körper. Gleichzeitig aber sind Frauen in diesem Körper Fremde geworden. Nicht sie selbst bestimmen über ihn, andere diktieren, wie er zu sein hat. So ist die letzte Macht von Frauen oft die Ohnmacht: die Ohnmacht der Selbstzerstörung.
(Emma Sonderband, 1984/1985)
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis ... I
Abbildungsverzeichnis ... III
Einleitung ... 1
Hauptteil ... 4
1 Statussymbol Körper ... 4
1.1 Gesundheit und Schönheit - ein ambivalentes Verhältnis? ... 4
1.2 Der Körper als Träger gesellschaftlicher Normen und Werte ... 7
1.3 Modellierung des Körpers ... 10
1.4 Körperzufriedenheit bei jungen Frauen ... 12
2 Sport, Gesundheit, Schönheit ... 17
2.1 Sport als Träger gesellschaftlicher Normen ... 17
2.2 Einflussmöglichkeiten des Sports auf das Wohlbefinden ... 21
2.3 Schönheit und Weiblichkeit im Sport ... 24
2.4 Ess-Störungen und Sport ... 28
3 Schönheitsideale und Gesundheitsvorstellungen ... 34
3.1 Der Begriff Schönheitsideal ... 34
3.2 Schönheitsideale im Wandel der Zeit - reine Frauensache? ... 37
3.2.1 Von der Altsteinzeit bis ins 20. Jahrhundert ... 43
3.2.2 Das 20. Jahrhundert ... 48
3.3 Das aktuelle Schönheitsideal ... 52
3.4 Zur Verbreitung des Schönheitsmythos ... 56
3.5 Auswirkungen des Schönheitsmythos ... 60
4 Ess-Störungen ... 64
4.1 Erscheinungsformen von Ess-Störungen ... 64
4.2 Diagnostik und Klassifikation ... 69
4.2.1 Anorexia nervosa ... 69
4.2.2 Bulimia nervosa ... 73
4.2.3 Körperliche und medizinische Folgen von Ess-Störungen ... 76
4.3 Erscheinungsmerkmale von Anorexie und Bulimie ... 79
4.4 Ursachen von Anorexia nervosa und Bulimia nervosa ... 82
4.4.1 Biologische Komponente ... 84
4.4.2 Psychologische Komponente ... 85
4.4.3 Gesellschaftliche Komponente ... 89
Selbsterfahrungsbericht ... 94
Zusammenfassung ... 100
Literaturverzeichnis ... I
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Venus von Willendorf ... 44
Abb. 2: The three Graces (P.P Rubens) ... 46
Abb. 3: Twiggy ... 50
Abb. 4: Claudia Schiffer ... 52
Abb. 5: Bild einer Magersüchtigen ... 69
Abb. 6: Grundlagen und Ursachen für Ess-Störungen ... 83
Einleitung
"Flacher Bauch - ohne Hungern." (Journal für die Frau, 10/03)
"33 Beauty Trends." (Cosmopolitan, 05/03)
"Health Talk: Gesundheit? Bestens! Tipps, Trends, Infos." (Wellfit 05/03)
"Jetzt zur Bikini-Figur!" (Lea 21/03)
"Schlank werden, schlank bleiben. Die besten Tricks für Besser-Esser." (Piccola11/03)
"Immer Ärger mit der Schönheit!" (Gut drauf, BzgA, 2000)
"Wo finden sie den schönsten Körper?" (Brigitte Kultur, SH 01/03)
Diese und ähnliche Schlagzeilen schmücken die Titelseiten der aktuellen Zeitschriften.
Und sie zeigen deutlich, dass Schönheitskult und Gesundheitswahn in unserer heutigen Gesellschaft zu einem bedeutenden und allgegenwärtigen Thema geworden sind. Grund genug, um sich mit dem, was täglich das Leben vieler Menschen - insbesondere der Frauen - beeinflusst, einmal näher auseinanderzusetzen.
Im Fokus der vorliegenden Arbeit steht der Körper, der als Träger von Normen und Werten zunehmend in das allgemeine Blickfeld rückt und eine Vielzahl von Funktionen einnimmt. Er galt seit jeher - insbesondere für die oberen Gesellschaftsschichten - als Statussymbol und wird heute zunehmend als gestaltbares und formbares Objekt gesehen; denn nicht nur Kleider, sondern Körper machen Leute.
Doch wie lassen sich Schönheit und Gesundheit angesichts der neuen Körperlichkeit verbinden? Welchen Einfluss haben dabei Schönheitsideale auf den Umgang mit dem Körper, speziell bei jungen Heranwachsenden, für die der Körper einen zentralen Ort zur Identitätsfindung darstellt? Diese und weitere Fragen werden im Verlauf der vorliegenden Abhandlung eingehend erörtert und belegt.
Ziel dieser Arbeit ist - neben der Betrachtung des Körpers - die Hinterfragung des aktuellen Schönheitsideals und dessen Einfluss auf die Entstehung von Ess-Störungen. Im Fokus steht zudem die Fragestellung, inwiefern ein Zusammenwirken von Sport, Gesundheit und Schönheit möglich ist.
Das erste Kapitel thematisiert den Körper als Statussymbol und somit als Mittel zur Erlangung sozialer Prestige. Eine besondere Bedeutung erfährt in diesem Zusammenhang der Sport, der als wesentlicher Einflussfaktor für Schönheit und Gesundheit des Körpers fungiert. Die wechselseitigen Einflüsse der drei Komponenten Sport, Schönheit und Gesundheit unterliegen der Bearbeitung des zweiten Kapitels.
Aber wie sieht das aktuelle Schönheitsideal aus? Ist es überhaupt existent?
Margret Hungerford schrieb in ihrem Roman Molly Brown im 19. Jahrhundert so treffend: "Schönheit liegt im Auge des Betrachters."
Das dritte Kapitel Schönheitsideale und Gesundheitsvorstellungen gibt einen Abriss der Schönheitsideale im Wandel der Zeit. Es werden die Schönheitsideale in der historischen Perspektive gezeigt, um damit auf die Relativität dieser Ideale aufmerksam zu machen. Eine Darstellung des gegenwärtigen Schönheitsideals und seine Auswirkungen leitet zum vierten Kapitel Ess-Störungen über.
Denn Körperlichkeit ist nicht nur ein äußerlicher Aspekt. Der Körper - als Zugang zur Welt - wird vor allem von jungen Menschen dazu genutzt, einen Ausdruck für seelische Schmerzen zu finden. Kaum eine andere psychosomatische Krankheit wurde in der vergangenen Zeit in den Medien so häufig thematisiert wie Ess-Störungen.
Als wesentliche gesellschaftliche Auswirkung des Mythos Schönheit wird das Erscheinungsbild der Ess-Störungen in Form von Anorexia nervosa und Bulimia nervosa dargelegt. Eine Klassifikation hinsichtlich Symptom, Ursache und Folge soll speziell bei jungen Frauen das Bewusstsein wecken, welche Gefahr sich hinter gesellschaftlich vermittelten Schönheitsidealen verbergen kann.
Motiviert durch meine eigene Konfrontation mit der Magersucht - die im Selbsterfahrungsbericht am Ende dieser Arbeit geschildert wird - soll die vorliegende Ausarbeitung ein Beitrag dazu sein, die Vielfalt des Körperlichen sichtbar zu machen und sich selbst einmal kritisch mit seinem Körper auseinanderzusetzen; denn der Körper bietet eine Chance zur Modellierbarkeit, nicht nach gesellschaftlichen Diktaten, sondern nach eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen.
Hauptteil
1 Statussymbol Körper
1.1 Gesundheit und Schönheit - ein ambivalentes Verhältnis?
Gesundheitswahn und Körperkult beherrschen die heutige Gesellschaft. Gesundheit, Schönheit, Fitness und Leistungsfähigkeit gehören zu den Grundwerten des Normalisierungsdenkens im Alltag.
Als gesund gilt, wer funktioniert und wer den selbst- und fremdauferlegten Anforderungen gerecht werden kann.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gesundheit als einen "[…] Zustand des vollkommenen körperlichen, sozialen und geistigen Wohlbefindens und nicht das Freisein von Krankheiten und Gebrechen".
Fitness und Gesundheit stehen auf der Werteskala der meisten Menschen - insbesondere der Frauen - weit oben und Gesundheit wird oftmals als höchstes Gut bezeichnet, mit welchem auf Grund von vielen irreversiblen Krankheiten sorgsam umgegangen werden sollte. Sie ist Voraussetzung für ein langes Leben - ein erstrebenswertes Ziel für fast alle Menschen.
Der Gesundheitsaspekt stand jedoch nicht zu allen Zeiten im Vordergrund. Das Korsett, das im 16. Jahrhundert in Frankreich aufkam, sollte eine dünne Taille betonen und zugleich die Brüste hervorheben. Obwohl es zu den Kleidungsstücken zählt, die den Körper am stärksten schädigen, kam es um 1814 erneut in Mode. Auswirkungen wie beispielsweise die Verkrüppelung des Knochengerüstes, verbogene Rippen, Einschränkung der Atemfunktion, Störung des Blutkreislaufs etc. sind den Frauen durchaus bekannt (vgl. Janalik/Schmidt, 1997).
Da die Menschen dank der Fortschritte der Medizin immer älter werden, gewinnen Prävention und Gesundheitsförderung, Fitness und Wellness zunehmend an Bedeutung, um eventuellen Krankheiten vorzubeugen. Die Erkenntnis, dass Gesundheit zum großen Teil auf eigenverantwortliches Verhalten und nicht auf das Gesundheitssystem zurückzuführen ist, spielt eine entscheidende Rolle. Gesundheit und damit auch die Lebensqualität setzen ein gesundheitsbewusstes Verhalten in Form von ausgewogener Ernährung und ausreichender körperlicher Aktivität voraus. Einerseits gilt es als erstrebenswert, Gesundheit ein Leben lang zu erhalten, während es andererseits darum geht, dem gängigen Körperkult zu entsprechen. Dadurch entsteht ein ambivalentes Verhältnis zwischen dem herrschenden Gesundheits- und Schönheitswahn.
Der Schönheitswahn stellt die Werte Jugendlichkeit, Fitness und allen voran Schlankheit in den Vordergrund. Beeinflusst durch die Bilder der Models in den Medien suchen immer mehr Menschen ihr Glück im Schlanksein. Die Models präsentieren ein Schönheitsbild, das dem einer magersüchtigen Person entspricht. Dass dies in keiner Weise gesund sein kann, ist unbestreitbar.
[...]
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